Zipflo Weinrich
Alois „Zipflo“ Weinrich (* 16. Juni 1964 in Wien; † 23. September 2018) war ein österreichischer Fußballspieler und einer der virtuosen Jazz-Violinisten seiner Generation. Zudem Komiker und Schauspieler.
Leben
Weinrich, der Mitglied einer Sintifamilie war, begann mit acht Jahren mit dem Geigenspiel. Etwas später erlernte er auch den Kontrabass. Ausgebildet vom Großvater trat er zunächst zusammen mit seinem Vater Joschi Weinrich und weiteren Familienmitgliedern auf und gab im Alter von 15 Jahren im Wiener Jazzland ein erstes Konzert. Doch entschied er sich zunächst für eine Fußballerkarriere und kam als 14-Jähriger über den SV Aspern, bei dem er als Elfjähriger begann auf Vereinsebene zu spielen, in den Nachwuchs des FK Austria Wien. Zusammen mit seinem Freund Toni Polster galt er zu dieser Zeit als das gefährlichste Stürmerpaar der Nachwuchsliga. 1980 gewann er mit einer Nachwuchsmannschaft der Austria den Jugendstaatsmeistertitel.
Nachdem er bei der Austria lediglich in Freundschafts- und Testspielen in der Profimannschaft eingesetzt worden war (davon ein Spiel in der Saison 1981/82 und elf Spiele, sowie drei Tore in der Spielzeit 1982/83), wechselte er im Sommer 1983 zum Ligakonkurrenten SC Neusiedl am See. Für diesen absolvierte er 13 Partien in der Bundesliga und erzielte dabei einen Treffer. Nach einer schweren Verletzung beendete er im Winter 1983/84 seine Sportlerlaufbahn. Bis dahin hatte er mit Neusiedl alle Meisterschaftsspiele verloren; am Saisonende konnte der Klub lediglich einen Sieg und zwei Unentschieden in 30 Ligapartien verzeichnen. Danach war er nur mehr auf Amateurebene aktiv; dabei unter anderem für die zweite Mannschaft des SC Neusiedl oder den Badener AC. Weiters war er ab 1979 Mitglied des österreichischen Junioren-Fußballnationalteams, mit dem er unter anderem an der Qualifikation zur U-21-Europameisterschaft 1980 teilnahm und die U-21-Europameisterschaft 1984 bestritt.<ref name="AF" />
In weiterer Folge konzentrierte er sich auf das Musizieren und arbeitete zunächst mit österreichischen Musikern wie Karl Ratzer, Fritz Pauer, Karl Hodina, Richard Oesterreicher und seinem Bruder Raklo Weinrich. Auch spielte er in Peter Ily Huemers Film Dead Flowers. Zunehmend trat er auch international mit Barney Kessel, Attila Zoller, Oliver Jackson, Toots Thielemans, Red Mitchell, Philip Catherine, Hannes Beckmann und Stochelo Rosenberg auf. Nach der Jahrtausendwende verlegte er sich zunächst aufs komische Fach: Ab 2004 spielte er bei dem Heurigenkabarett Die 3 Stehaufmandeln mit und spielte dort auch Kontrabass, danach gemeinsam mit Harry Steiner als Komikerduo Die Extrabladen. 2012 wandte er sich wieder dem Jazz zu und legte das Album Pink Violin vor. Dort spielte er im Quartett mit Pianist Fritz Pauer, Schlagzeuger Mario Gonzi und Bassist Paulo Cardoso und arbeitete unter anderem mit Harri Stojka zusammen. Nach einem zweijährigen Aufenthalt an der US-Westküste brachte er 2014 sein am Smooth Jazz orientiertes Album Zipflo Weinrich in L.A. mit.<ref name="AF">Andreas Felber: Tailliertes Holz statt runden Leders. In: Der Standard. 6. März 2014 (derstandard.at).</ref>
Weinrich ging musikalisch zwar vom Sinti-Swing aus, durchsetzte diesen aber mit zahlreichen Elementen des Modern Jazz. Auch baute er seine Kompositionen sehr individuell auf.
2001 wurde Weinrich als „Künstler des Jahres“ von der Stadt Wien gewürdigt. Er lebte mit seiner Frau und Kindern nahe Wien; sein Sohn, der Gitarrist Buku Weinrich, spielte gelegentlich mit ihm.
Am 23. September 2018 starb Weinrich nach schwerer Krankheit im Alter von 54 Jahren.<ref name="obit">Jazzer Alois "Zipflo" Weinrich gestorben. In: Der Standard. 26. September 2018, abgerufen am 27. September 2018.</ref> Er wurde in Korneuburg bestattet.<ref>Traueranzeige von Zipflo Weinrich. In: aspetos.com. Abgerufen am 20. September 2020.</ref>
Diskographische Hinweise
- Zipflo Weinrich Quintett: mari gili (1982, mit Claude Manac'h, Joschi Weinrich, Striglo Stöger, Joschi Schneeberger)
- Black and White (1993, mit Wolfgang Lackerschmid, Erwin Schmidt, Lancy Falta, Hans Strasser, Christian Salfellner)
- Zipflo Weinrich Quartett (1994; enthält die LPs Miri Menschengi und For You, letztere mit Karl Ratzer u. a.; rec. 1986–1988)
- Zipflo Weinrich Group (2001, mit Georg Breinschmid, Hans Zinkl, Heimo Wiederhofer)
- Zipflo Weinrich Group: Pink Violin (2012, mit Fritz Pauer, Paulo Cardoso, Mario Gonzi)<ref>Gerhard Litterst: Zipflo Weinrich Group Pink Violin. In: Jazz Podium. November 2012 (jivemusic.at).</ref>
- Zipflo Weinrich: Zipflo Weinrich in Los Angeles (2014, mit Phillip Ingram, Bob Mintzer, Kuno Schmid, Kevin Axt, Peter Erskine, Alex Acuña)
Literatur
- Peter Stachel: Weinrich, Alois („Zipflo“). In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 5, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2006, ISBN 3-7001-3067-8.
Weblinks
- Vorlage:IMDb/1
- Alois Weinrich im Austria-Archiv
- Zipflo Weinrich bei Discogs
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Webpräsenz ( vom 8. März 2016 im Internet Archive)
Einzelnachweise
<references/>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Weinrich, Zipflo |
| ALTERNATIVNAMEN | Weinrich, Alois |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Jazzmusiker (Violine, Bass), Komiker und Schauspieler |
| GEBURTSDATUM | 16. Juni 1964 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 23. September 2018 |