Zum Inhalt springen

Papyrus Moskau 4676

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 15. April 2026 um 19:48 Uhr durch imported>Fan-vom-Wiki (Entdeckungsgeschichte: Leerzeichen entfernt).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Papyrus moscow 4676-problem 14 part 1.jpg
Detail des Papyrus Moskau (Aufgabe 14), oben Original in Hieratischer Schrift, unten Transkription in Hieroglyphen

Der Papyrus Moskau 4676 (auch Moskauer Papyrus oder Mathematischer Papyrus Moskau) ist ein altägyptischer Papyrus mit mathematischem Inhalt, der eine Sammlung von insgesamt 25 Rechenaufgaben enthält. Er ist 5,44 m lang und nur 8 cm breit, wird etwa auf das Jahr 1850 v. Chr. datiert und ist neben dem Papyrus Rhind eine der wichtigsten historischen Quellen für die antike ägyptische Mathematik. Er ist von den nunmehr in Moskau befindlichen Papyri der bekannteste und bekam daher diese Bezeichnung.

Entdeckungsgeschichte

Dieser Papyrus wurde 1893 von dem Ägyptologen Wladimir Semjonowitsch Golenischtschew in Ägypten angekauft und stammt ursprünglich aus Dra Abu el-Naga bei Theben.<ref>Heinz-Wilhelm Alten u. a.: 4000 Jahre Algebra. Geschichte, Kulturen, Menschen. Springer, Heidelberg 2003, ISBN 3-540-43554-9, S. 12.</ref> Der russische Ägyptologe unternahm insgesamt 60 Ägyptenreisen, auf denen er selbst keine eigenen Grabungen durchführte, und verkaufte im Jahre 1911 seine gesammelten Antiquitäten einschließlich des Papyrus Moskau dem Puschkin-Museum für bildende Künste in Moskau, wo es sich noch heute mit der Inventarnummer 4676 befindet.<ref>Guy Rachet: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lexikon des Alten Ägypten. (Memento vom 15. Januar 2010 im Internet Archive) Neuausgabe, Patmos-Verlag, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-69049-8.</ref>

Inhalt

Der Papyrus ist in hieratischer Schrift niedergeschrieben, deren Übersetzung 1930 von Wassili Wassiljewitsch Struwe und Boris Alexandrowitsch Turajew veröffentlicht wurde.<ref>Wassili Wassiljewitsch Struwe & Turajew (Hrsg.): Mathematischer Papyrus des Staatlichen Museums der Schönen Künste in Moskau. (= Quellen und Studien zur Geschichte der Mathematik, Astronomie und Physik, Abteilung A. Quellen 1). J. Springer, Berlin 1930.</ref>

Der Papyrus enthält 25 mathematische Aufgaben, die nicht so systematisch angeordnet sind, wie beispielsweise im Papyrus Rhind. Deshalb sieht Gabriele Höber-Kamel den Papyrus Moskau als eine Art „Prüfungsarbeit“ und untermauert diese Hypothese einerseits mit der – im Vergleich zu anderen mathematischen Papyri – relativ geringen Aufgabenanzahl und andererseits durch die vorhandene Zusatzbemerkung hinter den Aufgaben, die übersetzt in etwa lautet: „Du hast richtig herausgefunden.“<ref>Gabriele Höber-Kamel: Astronomie im Alten Ägypten. In: Kemet. Ausgabe 4/2000.</ref>

Die Rechenaufgaben umfassen zumeist Probleme mit einer Unbekannten, die sogenannte Hau-Rechnung.

{{{1}}}

Aufgabe 6

Aufgabe 6 stellt die Frage nach den Seiten eines Rechtecks mit gegebener Fläche (12) und gegebenem Seitenverhältnis (3 zu 4). Die Lösung benötigt die Bestimmung einer ganzzahligen Quadratwurzel.<ref>Helmuth Gericke: Mathematik in Antike und Orient. Springer, Berlin 1984, ISBN 0-387-11647-8, S. 62.</ref>

Aufgabe 10

Datei:Sphere halve.png
Eine Kugel aufgeteilt in zwei Halbkugeln

Diese Aufgabe behandelt die Berechnung einer Korboberfläche. Aufgrund von Lücken im Text und der Mehrdeutigkeit des Symbols für „Korb“ ist die exakte Deutung jedoch umstritten. In der Fachliteratur finden sich unter anderem Deutungen als Oberfläche einer Halbkugel, eines Halbzylinders oder auch eines korbähnlichen Vorratsbehälters.<ref>Hans Wußing: 6000 Jahre Mathematik. Springer, Berlin u. a. 2008, ISBN 978-3-540-77189-0, S. 119–121 (eingeschränkte Online-Version (Google Books)).</ref> Unabhängig von der genauen Deutung stellt die Aufgabe aber in jedem Fall eines der ältesten schriftlichen Zeugnisse der näherungsweisen Berechnung einer krummlinigen Oberfläche dar. Die im Folgenden angegebene Beschreibung geht von einer Deutung als Halbkugel aus.

Aus dem Originaltext dieser Aufgabe<ref>Scott W. Williams: Egyptian Mathematical Papyri. Originaltext und Übersetzung der Aufgabe 10 des Papyrus Moskau</ref> ergibt sich folgende Berechnungsformel, wobei die Größe d für den Öffnungsdurchmesser des Korbes und damit den Durchmesser des Halbkugelbodenkreises steht:

<math>A = 2 \times d \times \frac{8}{9} \times \frac{8}{9} \times d = \frac{128}{81}d^2</math>

Im Vergleich dazu die nach heutiger Erkenntnis korrekte Formel für die Berechnung einer Halbkugeloberfläche:

<math>A = \frac{1}{2} \pi d^2</math> mit <math>\pi \approx 3{,}14159\ldots</math>

Das heißt, die Formel entspricht einer Verwendung des folgenden Näherungswertes für die Kreiszahl π (Pi):

<math>\pi \approx \frac{256}{81} = 3 + \frac{1}{9} + \frac{1}{27} + \frac{1}{81} \approx 3{,}16049\ldots</math>

Aufgabe 14

Datei:01 Pyramidenstumpf-2.svg
Pyramidenstumpf, die links dargestellte Figur ist im Papyrus

Berühmt ist die Aufgabe 14, in der das Volumen eines quadratischen Pyramidenstumpfs bestimmt wird.<ref>The Complete Text Of The Moscow Egayptian Papyrus (~1850 BC) Problam 14. – Originaltext der Aufgabe 14 des Papyrus Moskau Auf: math.buffalo.edu; zuletzt abgerufen am 1. Juni 2023.</ref> Die verwendete Formel ist korrekt und lautet in moderner Schreibweise:

<math>V = \frac{1}{3} h(a^2 + a b +b^2),</math>

wenn a und b die Seitenlängen des Grund- und Deckquadrates sind und h die Höhe. In der Aufgabe wird konkret mit den Zahlen a = 4, b =  2 und h = 6 gerechnet:

<math>V = \frac{1}{3} 6(4^2 + 4 \times 2 +2^2)</math>

Damit ergibt sich ein Volumen von 56 [VE].<ref>Helmuth Gericke: Mathematik in Antike und Orient. Springer, Berlin 1984, ISBN 0-387-11647-8, S. 63.</ref>

Verwandte Themen

Weitere Papyri mathematischen Inhalts:

Literatur

  • Wassili Wassiljewitsch Struwe, Boris Turajew: Mathematischer Papyrus des Staatlichen Museums der Schönen Künste in Moskau (= Quellen und Studien zur Geschichte der Mathematik, Astronomie und Physik, Abteilung A. Band 1). Springer, Berlin 1930.
  • Hans Wußing: 6000 Jahre Mathematik. Springer, Berlin u. a. 2008, ISBN 978-3-540-77189-0, S. 119–121.
  • Hans Wußing, Wolfgang Arnold (Hrsg.): Biographien bedeutender Mathematiker. Volk und Wissen, Berlin 1975. Lizenz-Nr. 203 1000/74 (E 00 25 05 – 1).

Weblinks

Einzelnachweise

<references />