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Axel Hilpert

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Axel Hilpert (* 12. Oktober 1947 in Nordhausen; † 9. August 2018 in Berlin-Hakenfelde) war ein deutscher Immobilienhändler. Er war inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit. Wegen Subventionsbetrugs und Steuerhinterziehung wurde er 2017 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Leben

Stasi-Mitarbeiter und Schlüsselfigur bei Waffengeschäften mit Kuba

In der DDR war er Antiquitäten-Chefeinkäufer im Bereich für Kommerzielle Koordinierung (KoKo). Außerdem stand er als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) „Monika“ im Dienst der Stasi-Hauptabteilung II/1<ref>Axel Hilperts. In: DDR-Lexikon. 5. Oktober 2011, abgerufen am 9. August 2018.</ref> (Spionageabwehr), die für die Überwachung eigener Mitarbeiter zuständig zeichnete. Wegen des Verdachts unerlaubter Vorteilsnahme in Form von „Vermittlungsgebühren“ oder „Taxgebühren“ im Rahmen sogenannter Autotauschgeschäfte (Antiquitätenabgabe von DDR-Bürgern im Tausch gegen ein neuwertiges Fahrzeug) nahm 1984/85 die Stasi-Hauptabteilung VII/13 („Abwehr“ innerhalb des Ministeriums des Inneren/MdI sowie in der DVP) gegen Hilpert Ermittlungen wegen Korruption auf. Trotz eindeutiger Beweise (Hilpert soll unerlaubte Provisionen in Höhe von bis zu 100.000 DDR-Mark kassiert haben) wurde das Verfahren auf Intervention von Hilperts eigener Abteilung, der Spionageabwehr, Ende 1985 eingestellt.<ref>Ulf Bischof: Die Kunst und Antiquitäten GmbH im Bereich kommerzielle Koordinierung. Berlin 2003, ISBN 3-89949-048-7, S. 124 (Google Books, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Hilpert war nach 2007 veröffentlichten Recherchen des RBB die Schlüsselfigur einer DDR-Kuba-Connection. In Würdigung seiner Rolle bei Waffengeschäften zwischen der DDR und Kuba soll ihm das kubanische Innenministerium ehrenhalber den Rang eines Obersts verliehen haben, heißt es in Akten des MfS.<ref>Gabi Probst, Sascha Adamek: Resort Schwielowsee: Treffen der G-8-Minister. (doc-Datei, 30 kB) In: RBB-Politikmagazin „Klartext“. 16. Mai 2007, abgerufen am 9. August 2018.</ref><ref name="berliner-zeitung.de">Andreas Förster: Axel Hilpert und Hans-Hermann Tiedje, ein ehemaliger Stasi-Spitzel und ein früherer Kohl-Berater, bauen eine Hotelanlage am Schwielowsee: Im positiven Fünfeck. In: Berliner Zeitung. 12. August 2004, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 26. November 2014; abgerufen am 9. August 2018.</ref> Hilperts Anwältin dementierte dies 2012.<ref>Wirtschaftsexperten geben Hotelier Hilpert Rückendeckung. In: moz.de. 16. April 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal;.</ref>

1990 bezeugte er vor der Polizei eine Fälschungsallianz zwischen der KoKo und Kuba. Kuba habe Nachdrucke historischer Briefmarken produziert, für die anschließend die KoKo wiederum gefälschte Echtheitszertifikate geliefert habe. Die Marken seien für den Verkauf über ein West-Berliner Auktionshaus bestimmt gewesen, um der DDR wertvolle Devisen zu beschaffen. Vor dem KoKo-Untersuchungsausschuss widerrief Hilpert seine Angaben.<ref name="Spiegel8674417">Kunstraub: „Ja, das ist der echte“. In: Der Spiegel. Nr. 11, 1997, S. 36–37 (online10. März 1997).</ref>

Verurteilung wegen Subventionsbetrugs

Seit der friedlichen Revolution 1989 in der DDR betätigte sich Hilpert als Immobilienhändler; seine Firma „Kontor für Brandenburgische Liegenschaften“ war in Potsdam ansässig. In diesem Zusammenhang war er Anfang der 1990er Jahre in ein Grundstücksgeschäft mit dem damaligen Brandenburger Bauminister Jochen Wolf verwickelt,<ref>Stolpe: „Mieser Rachefeldzug“. In: Focus 33/1993. 16. August 1993, abgerufen am 9. August 2018.
Jochen Wolf: Die Akte. In: MOPO.de. 6. August 2001, abgerufen am 9. August 2018.</ref> was zu Wolfs Rücktritt wegen Vorteilsnahme im Amt führte.<ref>Gerd Novakowski: Spitzenmäßig anfällig: Brandenburgs besondere Tradition. In: pnn.de. 12. Februar 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. April 2012; abgerufen am 9. August 2018.</ref>

Datei:Grabstätte Axel Hilpert.jpg
Grabstätte auf dem Friedhof Goethestraße in Babelsberg

Mit dem Medienmanager Hans-Hermann Tiedje eröffnete er 2005 ein luxuriöses Gästeresort am Schwielowsee.<ref name="berliner-zeitung.de" /><ref>Steffen Uhlmann: Kuriose Karriere: Klein-Florida am Schwielowsee. In: sueddeutsche.de. 12. August 2007, abgerufen am 9. August 2018.</ref> Die Ferienanlage beherbergte im Vorfeld des G8-Gipfels in Heiligendamm 2007 die Arbeitsgruppe der G8-Finanzminister.<ref>Gudrun Mallwitz: G-8-Minister tagen bei Ex-Stasi-Mann. In: Berliner Morgenpost, 18. Mai 2007.</ref>

Am 9. Juni 2011 wurde Hilpert verhaftet wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug in Bezug auf staatliche Fördergelder für das Resort Schwielowsee.<ref>Michael Jürgs, Peter Tiede: Betrugsverdacht: Luft gebucht. In: pnn.de. 10. Juni 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Januar 2017; abgerufen am 9. August 2018.</ref> Nach 24 Prozesstagen wurde er am 13. Juni 2012 zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und acht Monaten verurteilt.<ref>Thorsten Metzner, Henry Klix: Hotelier Hilpert trotz Haftstrafe auf freiem Fuß. In: Der Tagesspiegel. 13. Juni 2012, abgerufen am 3. August 2012.</ref> Der Haftantritt wurde aus gesundheitlichen Gründen gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 500.000 Euro und die Abgabe von Reisepass und Personalausweis ausgesetzt. Im Februar 2017 erfolgte in zweiter Instanz die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten, die Revision dagegen wurde vom Bundesgerichtshof zurückgewiesen.<ref name="pnn26042018">Thorsten Metzner: Hilpert muss drei Millionen zahlen. In: Potsdamer Neueste Nachrichten. 26. April 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Juni 2018; abgerufen am 9. August 2018.</ref> Im März 2018 wurde Hilpert dazu verurteilt, eine Forderung der Investitionsbank des Landes Brandenburg in Höhe von 3,278 Millionen Euro zu begleichen.<ref name="pnn26042018" /> Am 2. Juli 2018 trat Hilpert seine Haftstrafe in der JVA Berlin-Hakenfelde an,<ref>Ulrich Wangemann: Hilpert spekuliert auf Haft-Lockerung. In: Märkische Allgemeine. 3. Juli 2018, abgerufen am 5. Juli 2018.</ref> wo er rund einen Monat später tot aufgefunden wurde.<ref>Wegen Steuerhinterziehung zu Haft verurteilt: Ex-Hotelier Axel Hilpert im Gefängnis gestorben. In: rbb24.de. 9. August 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. August 2018; abgerufen am 9. August 2018.</ref><ref>Thorsten Metzner, Ingo Salmen, Sylvia Vogt, Hannes Heine: Ex-Hotelier Axel Hilpert starb in Berliner Gefängnis. Axel Hilpert war in der Politik gut vernetzt und wurde wegen Millionenbetrugs beim Bau des Resorts Schwielowsee verurteilt. Nun ist er in der JVA Hakenfelde gestorben. 9. August 2018, abgerufen am 12. Mai 2023.</ref>

Seine letzte Ruhestätte erhielt Axel Hilpert auf dem Friedhof Goethestraße in Babelsberg.

Wiederbeschaffer geraubter Kunstgegenstände

Bekannt wurde seine Mitwirkung bei der Wiederbeschaffung des 1996 aus dem Potsdamer Schloss Charlottenhof gestohlenen Ölgemäldes „Ansicht eines Hafens“ von Caspar David Friedrich<ref name="Spiegel8674417" /> sowie eines wertvollen Mosaiks des Bernsteinzimmers 1997.<ref>Frank Junghänel: Das in Bremen beschlagnahmte Mosaik hilft den Forschern auf der Suche nach dem Bernsteinzimmer nicht weiter: Ein Bild und keine Spur. In: Berliner Zeitung. 16. Mai 1997, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 31. Dezember 2016; abgerufen am 9. August 2018.</ref>

Literatur

  • Ulf Bischof: Die Kunst und Antiquitäten GmbH im Bereich kommerzielle Koordinierung. Dissertation. Humboldt-Universität Berlin. De Gruyter Recht, Berlin 2003, ISBN 3-89949-048-7, S. 123–127. (Google Books, eingeschränkte Vorschau)
  • Jana Simon, Annabel Wahba: Der Herr der Hinterzimmer. In: Die Zeit, 5. Januar 2012.

Einzelnachweise

<references />

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