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Niederklein

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Niederklein
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(1650)&title=Niederklein 50° 48′ N, 9° 0′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(1650) 50° 47′ 39″ N, 8° 59′ 47″ O
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Höhe: 211 m ü. NHN
Fläche: 10,61 km²<ref name="lagis" />
Einwohner: 1650 ca.<ref>Einwohnerzahl Niederklein im Internetauftritt von Stadtallendorf, abgerufen im März 2013</ref>
Bevölkerungsdichte: 156 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35260
Vorwahl: 06429

Niederklein ist der nach der Kernstadt größte Stadtteil von Stadtallendorf im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographie

Der Ort liegt südlich der Kernstadt im Nördlichen Vogelsberg-Vorland an der Gleen.

Ortsgeschichte

Datei:Niederklein church.jpg
Kirche St. Blasius und St. Elisabeth

Niederklein liegt in einem frühgeschichtlichen Siedlungsraum, wie mehrere Funde in der unmittelbaren Umgebung belegen.

Mittelalter

Im Dialekt heißt der Ort Glee. Erstmals wird in der Zeit des Abtes Baugulf von Fulda zwischen 779 und 802 im Codex Eberhardi „in villa Glene“ (im Dorf Glene) genannt.<ref>Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda. Hrsg. von Heinrich Meyer zu Ermgassen. = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Blatt 155 ra, S. 268; Blatt 155 rb, S. 269.</ref> Nach einem anderen Eintrag im Codex Eberhardi tauscht der Abt Haicho vom Fulda 917/918 mit einem Gramann seine Grundstücke, darunter alle Grundstücke zu „Glene, ubi ecclesia aedificata est“, also: im Ort Glene, wo eine Kirche gebaut ist.<ref>Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda. Hrsg. von Heinrich Meyer zu Ermgassen. Band 1. Marburg 1995. = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Band 2, Blatt 124 r, S. 237.</ref> Die Ortsangabe „Glene“ erlaubt keine eindeutige Festlegung eines Ortes. Dies wird auch in der Edition des Codex Eberhardi, einem Kopiar aus der Zeit um 1160, so festgelegt.<ref>Codex Eberhardi. Band 3, S. 153 Index.</ref> Mögliche Zuweisungen sind Ober-Gleen, Niederklein und Kirtorf. Die Namensforschung geht aus von dem Gewässernamen „Gleen“, an dessen Verlauf die Orte Ober-Gleen und Niederklein liegen und dazwischen Kirtorf. Da Kirtorf das kirchliche Zentrum bildet,<ref>Handbuch der historischen Stätten Hessens. S. 270.</ref> wird hiervon der Ursprung des Ortsnamens vermutet.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 136 f, S. 137.</ref> 1223 wird in einer Urkunde „Kirchdorf“ erwähnt.<ref>Heinrich Reimer: Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau. Band 1 – 4. Leipzig 1891 – 1897. Band 1. Nr. 158, S. 123.</ref> Eine neuere Untersuchungen kommt zu dem Schluss, dass Niederklein mit dem Ort „Glene“, welcher in einer auf die Zeit von 780 bis 802 datieren Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda genannt wird, identisch sei.<ref name=":0">Ortwin Koch: Glene im Lahngau / Stadtallendorf, Geschichte einer jungen Stadt. Hrsg.: Stadt Stadtallendorf. Band 4, 1997.</ref> Der Ortsnamen lässt sich 1366 in einem Kopiar des 15. Jahrhunderts belegen:„Nydern Glene“.<ref>Regesten der Erzbischöfe von Mainz. Abt. 2, Band 1, Nr. 2063, S. 467.</ref> Ein Salbuch von 1574 nennt „zu Nidern Gleen.“<ref>Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 129.</ref> Schließlich ändert sich der Ortsname von Nieder Glene zu Niederklein.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 136 f, S. 137.</ref>

An einer vorgeschichtlichen Straßenkreuzung gelegen, wird im heutigen Ortskern eine fränkische Befestigungsanlage zur Sicherung einer Furt durch die Gleen gegen die im ausgehenden 7. Jahrhundert einfallenden Sachsen angenommen. Auf diesem Gelände befand sich später die Burg Niederklein, bis 1407 Stammsitz der Ministerialen von Glene, welche in mainzischen Diensten standen.<ref name=":0" /> Der Adelssitz schloss sich nördlich an den heutigen Kirchhof an und ist nicht erhalten. Die zur Anlage gehörende Kirchhofmauer und der wuchtige Kirchturm mit Pechnase sind noch als mittelalterliche Wehranlage zu erkennen.

Neuzeit

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen kam die Gemeinde Niederklein am 1. Juli 1974 kraft Landesgesetz zur Stadt Allendorf, Landkreis Marburg (damalige amtliche Bezeichnung der Stadt).<ref>Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 8 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 3,0 MB]).</ref><ref></ref> Für Niederklein wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.<ref name="HS">Hauptsatzung. (PDF; 143 kB) § 7. In: Webauftritt. Stadtallendorf, abgerufen im September 2021.</ref>

Kirche

Die katholische Pfarrkirche St. Blasius und St. Elisabeth wurde nach einem Brand, der neben der Kirche große Teile des Dorfs zerstörte, Anfang des 17. Jahrhunderts im barocken Stil gebaut und 1911 im Gegensatz dazu mit Kirchenbildern im neugotischen Stil gestaltet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein.</ref> Im Jahr 1923 erhielt die Kirche Glocken der Gießerei Geittner aus Breslau, die im Jahr 1929 von der Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen aufgekauft wurden. Diese Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. An ihrer Stelle gossen die Glockengießer Otto im Jahr 1950 vier neue Bronzeglocken für die Kirche. Sie haben folgende Schlagtonreihe: f – as – b – c.<ref>Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, hier insbesondere S. 66–67, 547.</ref><ref>Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, hier insbesondere S. 84–86, 504, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).</ref>

Politik

Ortsbeirat

Für Niederklein besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Niederklein.<ref name="HS" /> Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 51,54 %. Dabei wurden gewählt: drei Mitglieder der SPD, vier Mitglieder der CDU und zwei Mitglieder der FDP.<ref>Ergebnis der Ortsbeiratswahlen Niederklein. In: Votemanager. Stadt Stadtallendorf, abgerufen im September 2023.</ref> Der Ortsbeirat wählte Maria März (CDU) zur Ortsvorsteherin.<ref>Ortsvorsteher. In: Webauftritt. Stadt Stadtallendorf, abgerufen im September 2023.</ref>

Wappen

Am 6. Juni 1970 wurde der Gemeinde Niederklein im damaligen Landkreis Marburg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Das Wappen zeigt in Blau den sechsmal von Rot und Silber geteilten, aus einem silbernen Wellenbalken im Schildfuß wachsenden hessischen Löwen, der in seinen Pranken ein sechsspeichiges silbernes Rad hält.<ref>Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Niederklein, Landkreis Marburg vom 7. Juni 1970. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1970 Nr. 26, S. 1300, Punkt 1329 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 7,6 MB]).</ref>

Infrastruktur

In Niederklein gibt es ein Bürgerhaus, einen Kindergarten und eine Grundschule. Die weiterführenden Schulen in Stadtallendorf (Georg Büchner Schule), Kirchhain (Alfred Wegener Schule) und Amöneburg (Stiftsschule St. Johann) sind mit dem öffentlichen Personennahverkehr erreichbar.

Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr: Drei Haltestellen der Buslinie MR85 und eine Haltestelle der Schnellbuslinie X35 des Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Im Ort treffen sich die Landesstraße 3290 und die Bundesstraße 62, die Bundesautobahn 49 verläuft östlich des Ortes.

Persönlichkeiten

  • Franz Heinrich Meinolph Wilhelm (1725–1794), Mediziner und Hochschullehrer in Würzburg, geboren in Niederklein
  • Johann Ludwig Koch (1772–1853), Geistlicher, Politiker, Kirchenrechtler und Bibliothekar, geboren in Niederklein
  • Pius Botthof (1892–1949), katholischer Pfarrer und Seelsorger
  • Werner Wolski (* 1947), Sprachwissenschaftler, Lexikograf und Hochschullehrer
  • Christian Somogyi (* 1956), Politiker (SPD) und seit 2012 Bürgermeister von Stadtallendorf, wohnhaft in Niederklein

Literatur

Weblinks

Commons: Niederklein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="lagis">Niederklein, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 11. November 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> </references>

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