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Helmut Bantz

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Helmut Bantz (* 14. September 1921 in Speyer; † 3. Oktober<ref>Hinweis auf das richtige Todesdatum 3.10.2004 durch den Sohn Rainer Bantz, Pulheim-Brauweiler, im Sommer 2017 im persönlichen Gespräch. – Das in diversen Presseartikeln, einschlägigen Fachlexika und anderen Medien unisono genannte Todesdatum 4.10.2004 ist falsch und somit zu revidieren.</ref> 2004 in Pulheim-Brauweiler) war ein deutscher Turner. Er gewann bei den Olympischen Spielen 1956 die Goldmedaille im Pferdsprung.

Leben

Bantz wuchs in Speyer auf. Ursprünglich wollte er Fußballprofi werden, aber sein Vater – selbst Vorsitzender des Turnvereins Speyer – überredete ihn zum Turnsport. Nachdem er am 2. Februar 1941 bereits 12. im Einzelmehrkampf bei den Deutschen Turnmeisterschaften in Karlsruhe<ref>Deutsche Turnzeitung, Berlin 9. Februar 1941 (Folge 6/86. Jahrgang), S. 50.</ref> wurde und im November 1941 die Einzelwertung im Drei-Städte-Turnen Berlin-Hamburg-Leipzig gewann,<ref>Helmut Bantz: So weit war mein Weg. Frankfurt am Main 1958, S. 25.</ref> gelang ihm 1942 der Durchbruch als Spitzenturner, er schnitt beim Turnländerkampf Deutschland-Italien-Ungarn am 15. März als bester Einzelturner ab und gewann in Breslau die deutsche Turnmeisterschaft im Einzelmehrkampf.

Bantz beantragte am 22. April 1941 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Juli desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.747.455).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/1390277</ref><ref>Armin Jäger: Die deutsche Geschichte lässt niemanden los. In: sueddeutsche.de. 13. März 2024, abgerufen am 13. März 2024.</ref> Während des Wehrdienstes geriet er 1944 in englische Kriegsgefangenschaft. Als Kriegsgefangener durfte er 1948 die englische Turnmannschaft bei den Olympischen Sommerspielen in London trainieren. Deutschland durfte damals an den Sommerspielen noch nicht teilnehmen. Nach seiner Entlassung kehrte er – trotz einiger Angebote englischer Turnvereine – nach Deutschland zurück.

Erstmals aktiv nahm Bantz 1952 in Helsinki an Olympischen Spielen teil. Hier wurde er im Mehrkampf Siebter. 1953 wurde er beim internationalen Jahn-Gedächtnisturnen auf der Berliner Waldbühne vor 12.000 Zuschauern Zweiter.<ref>Turnen. Erfolg Josef Stalders beim Jahn-Gedächtnisturnen in Berlin. In: Dies und Das – Hausblatt der Kantonalen Strafanstalt Lenzburg, 15. Jahrgang, Nr. 11, 18. Juli 1953, S. 3. (PDF)</ref> 1954 belegte er bei der Weltmeisterschaft in Rom den 2. Platz im Pferdsprung und am Reck. 1955 wurde er in Frankfurt am Main Europameister am Barren. 1956 schließlich gewann er bei den Olympischen Sommerspielen in Melbourne zusammen mit dem Russen Walentin Muratow die Goldmedaille im Pferdsprung.

Bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom war Bantz zwar dabei, kam aber als Ersatzmann nicht zum Einsatz.

Danach beendete er seine aktive Laufbahn. Er arbeitete noch von 1970 bis 1986 als Oberturnwart im Rheinischen Turnerbund, bis 1992 war er Beisitzer im Präsidium. 1992 ernannte der Verband ihn zum Ehrenmitglied. Unter Meistertrainer Hennes Weisweiler arbeitete Bantz auch als Konditionstrainer beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Immer wieder wurde er – auch danach – auf dem Bökelberg gesehen. Mit insgesamt 18 deutschen Meisterschaften, vier EM- und drei WM-Medaillen gehörte er zu den erfolgreichsten deutschen Turnern.

Seinen Lebensunterhalt verdiente Bantz als Diplom-Sportlehrer. Er unterrichtete mehrere Jahre lang – bis 1984 – an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Zu seinen Schülern gehörten beispielsweise Erich Ribbeck, Jupp Heynckes und Günter Netzer.

Viele bedeutende Ehrungen wurden ihm zuteil. So erhielt er 1982<ref>Helmut Bantz auf turnverband.koeln</ref> das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1986 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Verdienstordenträgerträger seit 1986 (Memento vom 10. Oktober 2019 im Internet Archive) auf der Website der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen.</ref>, die Walter-Kolb-Plakette des DTB und 1998 den Georg von Opel-Preis. 2008 wurde Helmut Bantz in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. In seiner Geburtsstadt Speyer wurde eine Leichtathletikanlage nach ihm benannt.

Zuletzt lebte Helmut Bantz in Pulheim-Brauweiler. Er war verheiratet (Erika) und hatte zwei Töchter (Sabine und Susanne) und einen Sohn (Rainer). Schwere Krankheiten musste er durchstehen: 1981 Herzinfarkt, 1984 Rückenoperation, 1994 Beinamputation wegen Durchblutungsstörungen, später verlor er auch das zweite Bein. 2004 starb er nach langer Krankheit.

Literatur

  • Helmut Bantz: So weit war mein Weg. Frankfurt am Main 1958.
  • R. Streppelhoff: Vom Gefangenen zum Lehrmeister. In: Olympisches Feuer (2008) 4–5, S. 82–85.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang 1896: Deutsches ReichDatei:Flag of Germany (1867–1919).svg Carl Schuhmann | 1904: Vereinigte Staaten 45Datei:Flag of the United States (1896-1908).svg Anton Heida und Vereinigte Staaten 45Datei:Flag of the United States (1896-1908).svg George Eyser | 1924: Vereinigte Staaten 48Datei:Flag of the United States (1912-1959).svg Frank Kriz | 1928: SchweizDatei:Flag of Switzerland within 2to3.svg Eugen Mack | 1932: Italien 1861Datei:Flag of Italy (1861-1946).svg Savino Guglielmetti | 1936: Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg Alfred Schwarzmann | 1948: FinnlandDatei:Flag of Finland icon.svg Paavo Aaltonen | 1952: Sowjetunion 1923Datei:Flag of the Soviet Union (1936–1955).svg Wiktor Tschukarin | 1956: Deutschland Mannschaft Gesamtdeutsch 1956Datei:Flag of Germany.svg Helmut Bantz und Sowjetunion 1955Datei:Flag of the Soviet Union (1955-1980).svg Walentin Muratow | 1960: Sowjetunion 1955Datei:Flag of the Soviet Union (1955-1980).svg Boris Schachlin und Japan 1870Japan Takashi Ono | 1964: Japan 1870Japan Haruhiro Yamashita | 1968: Sowjetunion 1955Datei:Flag of the Soviet Union (1955-1980).svg Michail Woronin | 1972: Deutschland Demokratische Republik 1949Datei:Flag of East Germany.svg Klaus Köste | 1976: Sowjetunion 1955Datei:Flag of the Soviet Union (1955-1980).svg Nikolai Andrianow | 1980: Sowjetunion 1955Datei:Flag of the Soviet Union (1955-1980).svg Nikolai Andrianow | 1984: China VolksrepublikDatei:Flag of the People's Republic of China.svg Lou Yun | 1988: China VolksrepublikDatei:Flag of the People's Republic of China.svg Lou Yun | 1992: Vereintes TeamDatei:Olympic flag.svg Wital Schtscherba | 1996: RusslandRussland Alexei Nemow | 2000: SpanienSpanien Gervasio Deferr | 2004: SpanienSpanien Gervasio Deferr | 2008: PolenDatei:Flag of Poland.svg Leszek Blanik | 2012: Korea SudDatei:Flag of South Korea.svg Yang Hak-seon | 2016: Korea NordDatei:Flag of North Korea.svg Ri Se-gwang | 2020: Korea SudDatei:Flag of South Korea.svg Shin Jea-hwan | 2024: PhilippinenDatei:Flag of the Philippines.svg Carlos Yulo

Liste der Olympiasieger im Turnen Vorlage:Klappleiste/Ende

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