Helmut Humann
Helmut Humann (* 21. September 1922 in Aue; † 25. Dezember 1996 in Greiffenberg) war ein deutscher Maler und Grafiker, dessen Schaffen überwiegend mit dem Erzgebirge in Verbindung steht.
Leben
Humann war der Sohn des Werkmeisters Kamillo Humann. Er besuchte in Aue zunächst die Höhere Handelsschule (Handelsrealschule) und absolvierte nach deren Abschluss eine Lehre als Maler. Ab 1942 nahm er als Soldat der Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil und geriet 1944 in französische Gefangenschaft. Nachdem er entlassen worden war, arbeitete er 1946/1947 in Frankreich künstlerisch. 1947 kam er nach Aue zurück, wo er seinen Lebensunterhalt als freischaffender Künstler bestritt. Er widmete sich der Darstellung der erzgebirgischen Heimat und hielt u. a. über zwei Jahre den Bau der Talsperre Sosa künstlerisch fest.
Humann war Gründungsmitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und gehörte dessen Zentraler Sektionsleitung Malerei/Grafik und dem Vorstand des Bezirksverbands Karl-Marx-Stadt an.
Er unterrichtete an der Fachschule für angewandte Kunst Schneeberg zunächst Schrift- und Farblehre, trat 1959 eine Stelle als Fachrichtungsleiter für Textildruck an und machte sich 1972 selbstständig.<ref name="Humann Anklam"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Homepage mit Informationen zur Familie Humann; abgerufen am 7. Juni 2009 ( vom 4. September 2005 im Internet Archive)</ref> Parallel zu seiner Lehrtätigkeit war Humann künstlerischer Leiter des Klubs der Jugend und des Sports 'Aktivist' zu Schlema.<ref>Angebote des Berliner Antiquariats Prometheus betr. einen „Faltschnittzyklus über den Schacht Aue-Alberoda der SDAG Wismut“ (1966) – Werknummer 533; abgerufen am 7. Juni 2009 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2018. Suche im Internet Archive ) (PDF; 805 kB)</ref>
Als Senior zog Humann mit seiner Familie nach Greiffenberg, wo er 1987 eine private Galerie eröffnete.
Humann war verheiratet und hatte einen Sohn (Henrik Humann), der in den 1970er-Jahren eine eigene künstlerische Laufbahn als Kunstschmied in Schwedt an der Oder begann und bis 2012 in dieser Kleinstadt eine Schmuckgalerie unterhielt.
Kunstschaffen
Humann begann seine künstlerische Tätigkeit mit klassischer Malerei. Später verlegte er sich auf Kunstwerke in Sgraffito-Technik und Emaillearbeiten. Sein Gesamtwerk umfasst u. a. Kleinkunstwerke, Innenarchitektur und Außengestaltung. Die Außenfassade des Forschungs- und Entwicklungszentrums Robotron im damaligen Karl-Marx-Stadt wurde beispielsweise 1969 mit Aluminiumgusselementen und emaillierten Kupferschalen (Abmessungen 40 Meter × 4 Meter) nach Plänen von Humann geschmückt. Die Ausgestaltung der gesamten Innenräume der Kleinen Revue im Berliner Friedrichstadtpalast geht ebenfalls auf Humanns Entwürfe zurück.<ref name="Humann Anklam" /> Im Internet gibt es ein kleines Werkverzeichnis. Die im Bild gezeigte Metallwand besteht aus einzelnen gegossenen Rechtecken, die insgesamt eine Fläche von etwa 25 × 15 Meter an der Hausfassade bedecken. Sie stellen den bekannten Aufruf von Karl Marx im Kommunistischen Manifest Proletarier aller Länder vereinigt euch ! dar. Der Entwurf stammt von einem sächsischen Künstlerkollektiv, an dem Helmut Humann mitgearbeitet hat. Einige Arbeiten befinden sich im Museum Schloss Schwarzenberg.<ref>art-technica – Ausstellungsführer zur Industrieausstellung in Schwarzenberg, 2005; hier: S. 5 – H. Humann Emailbild Zentrifugal; abgerufen am 7. Juni 2009 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2018. Suche im Internet Archive ) (PDF; 237 kB)</ref> Auch die künstlerische Ausgestaltung der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig lag in den Händen Humanns. Ein kleines Metallkunstwerk, das Humann für den Kultursaal des VEB Halbzeugwerk Auerhammer angefertigt hat, hängt seit 2002 im Foyer des Beruflichen Bildungszentrums für Wirtschaft und Sozialwesen (frühere Pestalozzi-Schule) in Aue.<ref>Infos aus Johanngeorgenstadt; abgerufen am 7. Juni 2009</ref>
Auszeichnungen
In Frankreich gehörte Humann 1947 zu den Preisträgern für Malerei in Épinal im Département Vosges. Seine Ausstellung für Malerei in Paris wurde ebenfalls öffentlich gewürdigt.
Sein künstlerisches Schaffen wurde durch Verleihung mehrerer Preise und Medaillen gewürdigt wie die Pestalozzi-Medaille für treue Dienste (1970), Kunstpreis des FDGB für die Wandgestaltung hinter dem Karl-Marx-Monument (1972 in Zusammenarbeit mit Heinz Lanzendorf und Heinz Schumann), den Kunstpreis Kurt Barthel (KUBA) des Bezirks Karl-Marx-Stadt (1974), im Kollektiv mit Volker Beier, Hans Brockhage, Clauss Dietel und Carl-Heinz Westenburger den Kunstpreis des FDGB für die Gestaltung der Wind-Wetter-Wand im Erholungsheim Am Fichtelberg in Oberwiesenthal (1976), den Kunst- und Kulturpreis der SDAG Wismut (1985) für sein Lebenswerk.<ref name="Humann Anklam" />
Werkbeispiele
Tafelbilder
- 1947: Das alte Schneeberg (auch „Blick auf das alte Schneeberg“), Emaillebild, 300 × 90 cm<ref>siehe Schenkung</ref>
Es steht im Zusammenhang mit seiner Lehrtätigkeit an der Fachschule für Angewandte Kunst in Schneeberg und gilt als eines seiner zentralen dokumentarischen Frühwerke. Nach dem Tod von Humann gelangte das Bild in die Sammlung Erzgebirgische Landschaftskunst auf Schloss Schlettau. - vor 1959 Lesende (Mischtechnik, 30 × 52 cm; auf der Vierten Deutschen Kunstausstellung)<ref>Helmut Unbekannter Fotograf; Humann: Lesende. 1958, abgerufen am 5. Oktober 2021.</ref>
Druckgrafik
- 1956: Stillleben mit roter Schale (farbige Lithografie)<ref name=":0">Bildende Kunst, Berlin, 5/1957, S. 324 (Abbildung)</ref>
- 1956: Die Lesende (Farbholzschnitt)<ref name=":0" />
Weitere architekturbezogene Werke
- 1971: Elektronik; plastisches Ornament mit Schrift und Beleuchtung an der Südwestfassade des Großforschungszentrums Robotron in Karl-Marx-Stadt; Aluminiumguss und Kupfer emailliert, 6 m × 48 m; Entwurf mit Horst Geil; Ausführung mit der Metallgießerei Georg Hermann KG, Kleinschirma<ref name=":1">Ruth Pape et al. (Bearbeitung): Bildende Kunst + Architektur. Katalog. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1973</ref>
- 1971: Dekorative Türgestaltung; Kupfer emailliert, 2,40 × 2,00 m; Karl-Marx-Stadt, Haupteingang des Großforschungszentrums Robotron<ref name=":1" />
- 1987/88: Wind – Wetter, Emaille auf Edelstahl; im Foyer des FDGB-Ferienheimes Fichtelberghaus in Oberwiesenthal<ref name="p-archiv">Helmut Humann, im Archivportal-D Fotos der genannten Werke befinden sich im Archiv der Akademie der Künste (Berlin?), abgerufen am 14. März 2026.</ref>
- 1987/88, zusammen mit Heinz Schumann: Emblem der SED, Emaille auf Chromstahl, im Eingangsbereich des Hauses der Bezirksleitung in Karl-Marx-Stadt<ref name="p-archiv" />
Ausstellungen (unvollständig)
Postume Einzelausstellung
- 2022: Chemnitz, Schlossbergmuseum („Erfinden – Experimentieren – Entdecken Helmut Humann zum 100. Geburtstag“)<ref>Erfinden – Experimentieren – Entdecken. In: Kunstsammlungen Chemnitz. Abgerufen am 4. November 2025.</ref>
Ausstellungsbeteiligungen
- 1948: Aue, Kulturhaus (4. Ausstellung heimischer Künstler)
- 1948: Zwickau, Städtisches Museum (Schau der Jüngsten. Maler, Graphiker, Bildhauer)
- 1951: Chemnitz, Schlossbergmuseum (Mittelsächsische Kunstausstellung)
- 1957: Berlin, Ausstellungspavillon Werderstraße (Junge Künstler der DDR)
- 1958/1959, 1967/1968, 1972/1973 und 1982/1983: Dresden, Deutsche Kunstausstellung bzw. Kunstausstellung der DDR
- 1963: Karl-Marx-Stadt, Museum am Theaterplatz (10 Jahre Architektur, bildende Kunst und bildnerisches Volksschaffen in Karl-Marx-Stadt)<ref>SLUB Dresden: Ausstellung 10 Jahre Architektur, bildende Kunst und bildnerisches Volksschaffen in Karl-Marx-Stadt. Abgerufen am 3. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 1973: Zusammen mit anderen erzgebirgischen Künstlern wie Kurt Teubner, Ernst Hecker oder Hans Weiß stellte Humann in einem kleinen Kunstpavillon am Auer Altmarkt seine Werke aus. Besucher der Ausstellung konnten die Kunstwerke auch gleich kaufen.<ref>Auktionshaus Mehlis. Ins Suchfenster "Humann" eingeben. Abruf am 14. März 2026.</ref>
- 1974 und 1979: Karl-Marx-Stadt, Bezirkskunstausstellungen
- 1983: Berlin und weitere Städte (Karl Marx. Künstlerbekenntnisse)
Schenkung an die Stadt Aue-Bad Schlema
Ein vom Künstler eigens gefertigtes Miniaturbild des Werkes Das alte Schneeberg, das er seiner langjährigen Mitarbeiterin Rosemarie Ringler geschenkt hatte, übergibt Frau Ringler anlässlich des diesjährigen 30. Todestages von Humann mittels einer Schenkungsurkunde an die Stadtverwaltung der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema am 19. März 2026 im Pflegeheim Brünlasberg. Sie möchte damit das Andenken an ihn und sein Werk bewahren, es allerdings zu ihren Lebzeiten noch bei sich behalten.<ref>Pressemitteilung vom 10. März 2026: Schenkung von Rosemarie Ringler der Emaillearbeit von Helmut Humann (*21.09.1922 in Aue; † 25.12.1996) „Das alte Schneeberg“ an die Stadt Aue-Bad Schlema anlässlich des 30. Todestages des Künstlers in diesem Jahr.</ref>
Literatur
- Hans Weiß: Junge Künstler. Helmut Humann. In: Bildende Kunst, Berlin, 5/1957, S. 324.
- Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 387.
Quellen
- Information von Jana Hecker, Pressereferentin der Stadt Aue vom Mai 2009
Weblinks
- Literatur von und über Helmut Humann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Informationen über Helmut Humann und Abbildungen seiner Werke (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2018. Suche im Internet Archive )
- Werkverzeichnis (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )
Einzelnachweise
<references responsive/>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Humann, Helmut |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Künstler |
| GEBURTSDATUM | 21. September 1922 |
| GEBURTSORT | Aue |
| STERBEDATUM | 25. Dezember 1996 |
| STERBEORT | Greiffenberg |