Walter Kampmann
Walter Kampmann (* 4. Dezember 1887 in Elberfeld; † 12. Dezember 1945 in Berlin) war ein deutscher Maler des Expressionismus, Grafiker und Bildhauer.
Leben und Werk
Weimarer Republik
Der Sohn des Musikdirektors Wilhelm Kampmann und seiner Frau Ida absolvierte sein Studium an der Kunstgewerbeschule Elberfeld bei Heinrich Phieler und Max Bernuth und war dort ab 1913 als Lehrer für Schrift und Grafik tätig.<ref name=":4">Susanna Partsch: Kampmann, Walter. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 79, De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-023184-7, S. 240.</ref> Seine Kommilitonin Frieda Fuchs (1890–1933) wurde seine erste Frau.<ref name=":1">Th.Witt: Eine Künstlerfamilie in Rangsdorf. In: Kulturverein Rangsdorf e. V. 18. Mai 2012, abgerufen am 11. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":5">Stephanie Jaeckel: Kampmann, Winnetou Ulf. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 79, De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-023184-7, S. 241.</ref> Zwischen 1914 und 1918 wurde er als Soldat im Ersten Weltkrieg in Frankreich stationiert. In dieser Zeit schuf er eine Anzahl von Grafiken wie Zum Angriff, Sturmangriff, Einschlagende Granate, Kampf und Attacke, die später von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ beschlagnahmt und vernichtet wurden.<ref>Zum Angriff. In: Beschlagnahmeinventar "Entartete Kunst". Freie Universität Berlin, abgerufen am 5. Februar 2022.</ref>
1919 wurde er als Lehrer an die Höhere Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie nach Berlin berufen.<ref name=":2">Ausstellung: Kampmann - Eine Berliner Künstlerfamilie. In: Bezirksamt Neukölln. 1. November 2017, abgerufen am 11. November 2021.</ref>
In den 1920er Jahren leitete Kampmann dort die Fachklasse für Weberei und Stickerei bzw. für angewandte Kunst.<ref name=":4" /> 1921 wurde er Mitglied der Novembergruppe;<ref>Helga Kliemann: Die Novembergruppe. Gebr. Mann, Berlin 1969, S. 50–51.</ref> darüber hinaus war er Mitglied des Deutschen Werkbundes.<ref name=":1" /> An der Fachschule lernte er 1925 die Schülerin Käte Krischke kennen, die seine Mitarbeiterin wurde. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1933 heiratete das Paar 1934.<ref>Standesamt Steglitz, Heiratsurkunde Nr. 24/1934.</ref><ref name=":1" /> Unter dem Künstlernamen Kat Kampmann wurde sie ebenfalls erfolgreich.
Spiritualität und Religiosität waren ein zentrales Thema in Kampmanns Arbeiten. Auf der Großen Berliner Kunstausstellung von 1923 war Kampmanns Werk Das Nichts zu sehen. 1927 entwarf Kampmann für die Berliner „Ausstellung religiöser Kunst“ einen eigenen Kultraum. 1932 gründete er gemeinsam mit Paul Klee, Max Beckmann, Wassily Kandinsky, Oskar Moll, Georg Muche und Lyonel Feininger die Künstlergruppe Selection, die 1933 verboten wurde.<ref name=":4" />
Nationalsozialismus
Insbesondere wegen seiner Mitgliedschaft in der Novembergruppe erhielt Kampmann nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Ausstellungs- und Arbeitsverbot als Künstler, als Lehrer wurde er 1934 beurlaubt, 1937 entlassen.<ref name=":4" /> 1934 zog Kampmann mit Käte und den Kindern daraufhin von Berlin nach Rangsdorf und flüchtete sich aus dem öffentlichen Leben in die innere Emigration, wo er an seinem graphischen und plastischen Werk arbeitete.<ref>Thomas Münzer: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Totenrede für Kat Kampmann, 7. März 1997 ( vom 14. Dezember 2007 im Internet Archive), auf der Webseite der Künstlerkolonie Berlin.</ref> 1936 wurde er in ein „Künstlerumschulungslager“ in Hohenlychen inhaftiert,<ref name=":2" /> wo er unter anderem Plastiken von Adolf Hitler und Dietrich Eckart gestalten musste.<ref name=":4" /> 1937 wurden im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion "Entartete Kunst" Grafiken Kampmanns aus der Städtischen Bildergalerie Wuppertal-Elberfeld beschlagnahmt und vernichtet.<ref>Stale Session. Abgerufen am 11. März 2025.</ref>
1942 wurde Kampmann zum Dienst bei den Henschel Flugzeug-Werken verpflichtet und noch 1945 zur Luftwaffe eingezogen. Bei Kriegsende wurde er von den Engländern in Hamburg gefangen genommen. Nach seiner Rückkehr nach Rangsdorf nahm er im November 1945 in Blankenfelde an der Kunstausstellung des Kreises Teltow. Bezirk III teil. Wenig später verstarb er herzkrank an Entkräftung.<ref name=":4" /> Er wurde auf dem Rangsdorfer Friedhof beigesetzt.<ref>Gedächtnisstätte Walter Kampmann. 7. Januar 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 11. November 2021.</ref>
Familie
Walter Kampmann hatte mit seiner ersten Frau Frieda drei Söhne, den Bildhauer Bodo Heinrich, Horst Egon und den Architekten Winnetou Ulf (1927–2001).<ref name=":5" /> Mit seiner zweiten Frau Kat Kampmann hatte er ebenfalls drei Kinder, den Bildhauer Rüdiger-Utz, Isa-Gabriele und die Kostümbildnerin Cornelia-Angelika.<ref name=":3">Philip Engelbrecht: Ausstellung „Kampmann - eine Berliner Künstlerfamilie“. In: Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e. V. 20. Februar 2018, abgerufen am 11. November 2021.</ref><ref name=":0">Angelika Kampmann: 26 Seelenbäume: Mein Leben mit und ohne Hundertwasser. Books on Demand, 2011, ISBN 978-3-8423-0149-8 (google.de [abgerufen am 11. November 2021]).</ref>
Walter Kampmanns jüngerer Bruder Alexander Kampmann (1898–1970) war ebenfalls Künstler.<ref name=":3" /><ref>Ilona Bork: Kampmann, Alexander. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 79, De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-023184-7, S. 238.</ref>
Weitere Werke (Auswahl)
- Die Wache wechselt (1934, Gouache, 30,5 × 47,5 cm)
- Möwe (1925, Deckfarben mit Spritztechnik, 44,6 × 57,5 cm; Kunstsammlung der Universität Göttingen)<ref>Möwe. Abgerufen am 11. März 2025.</ref><ref>Anmerkung: Die Bezeichnung durch das Museum als Möwe ist falsch; es handelt sich um eine Ente.</ref>
Ausstellungen und Nachlass
1948 wurde Kampmann und Gustav Klimt eine Gedächtnisausstellung in der Wiener Albertina gewidmet. Der junge Friedensreich Hundertwasser wurde vom Besuch dieser Ausstellung und von den Werken und Techniken Kampmanns nachhaltig beeinflusst, insbesondere Kampmanns „Seelenbäume“ wurden für ihn zur Inspiration.<ref>Friedensreich Hundertwasser: Guten Tag Herr Kampmann. In: hundertwasser.com. Abgerufen am 11. November 2021.</ref> In einigen seiner Werke, etwa in der Druckserie Ein Regentag mit Walter Kampmann oder Guten Tag, Herr Kampmann, nimmt er direkt Bezug auf diese Einflüsse.
Werke von Walter Kampmann sind heute unter anderem in den Sammlungen des Museum Folkwang und des mumok zu sehen.
Literatur
- Adolf Behne: Walter Kampmann. In: Das Plakat. Jg. 12, 1921, S. 319–334 (Digitalisat).
- Kampmann, Walter. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 19: Ingouville–Kauffungen. E. A. Seemann, Leipzig 1926, S. Vorlage:VonBis (Textarchiv – Internet Archive).
- Walter Kampmann. Wolfgang-Gurlitt-Museum, Neue Galerie der Stadt Linz, Ausstellungskatalog, 1949.
- Kampmann, Waler. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 3: K–P. E. A. Seemann, Leipzig 1956, S. Vorlage:VonBis (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- Gedächtnisausstellung Walter Kampmann, 1887–1945. Ölbilder, Aquarelle, Plastiken: 3.3.–26.4.1978. Kunstamt Wedding, Ausstellungskatalog, Berlin 1978.
- Erich Steingräber (Hrsg.): Deutsche Kunst der 20er und 30er Jahre. Bruckmann, München 1979, ISBN 3765417602, S. ?
- Bodo Niemann (Hrsg.): Novembergruppe [Katalog zur Ausstellung Novembergruppe vom 4. Dezember 1993 bis 5. Februar 1994]. Galerie Bodo Niemann, Berlin 1993, ISBN 3-926298-21-9.
- Gerlinde Förster: Die Kampmanns. Eine Künstlerfamilie in Rangsdorf. Hrsg.: Kulturverein Rangsdorf e. V. Rangsdorf 2012, ISBN 978-3-934532-35-9.
- Susanna Partsch: Kampmann, Walter. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 79, De Gruyter, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-023184-7, S. 240.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kampmann, Walter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler des Expressionismus, Grafiker und Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | 4. Dezember 1887 |
| GEBURTSORT | Elberfeld |
| STERBEDATUM | 12. Dezember 1945 |
| STERBEORT | Berlin |