Zum Inhalt springen

Convolvulus scammonia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 6. März 2026 um 20:33 Uhr durch imported>Succu (belegt 1848 den Trivialnamen "Orientalische Purgierwinde" mehr nicht!; wl: Species Plantarum).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Convolvulus scammonia
Datei:Convolvulus scammonia - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-046.jpg

Convolvulus scammonia, Illustration

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Windengewächse (Convolvulaceae)
Gattung: Winden (Convolvulus)
Art: Convolvulus scammonia
Wissenschaftlicher Name
Convolvulus scammonia
L.
Datei:Convolvulus scammonia.JPG
Habitus

Convolvulus scammonia ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Winden (Convolvulus) in der Familie der Windengewächse (Convolvulaceae).

Beschreibung

Convolvulus scammonia ist eine ausdauernde Pflanze, deren dünne, krautige Stängel bis zu 75 cm lang werden können und kriechen oder sich winden. Die Pflanze ist unbehaart. Die Laubblätter sind gestielt, dreieckig-eiförmig oder -lanzettlich, pfeilförmig und ganzrandig.

Die Blütenstandsstiele stehen in den Achseln, sind meist deutlich länger als die Tragblätter und tragen meist mehr als drei Blüten. Die Kelchblätter sind zugespitzt und ausgerandet. Die Krone ist etwa 25 bis 45 mm lang und hellgelb gefärbt.

Vorkommen

Convolvulus scammonia kommt auf der Krim, den Ostägäischen Inseln, im äußeren und südöstlichen Anatolien, in West-Syrien, im Gebiet von Israel und Jordanien, auf der Sinai-Halbinsel und im Nord-Irak vor.<ref name="POWO" /> Sie besiedelt Eichenwälder auf Kalk, Macchien, Schutthänge, Schotterflächen, Ruinen, Äcker und Brachland bis in 1350 m Höhe.<ref name="FT" />

Taxonomie

Convolvulus scammonia wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 153 erstbeschrieben.

Nutzung

Der getrocknete Milchsaft der Wurzel der Purgierwinde (lateinisch scammonia, auch scammonea<ref>Georges, 1913.</ref>) wurde unter der Bezeichnung bzw. Zubereitungsform Skammonium oder Scammonium (auch scammonea<ref>Werner Dressendörfer: Spätmittelalterliche Arzneitaxen des Münchner Stadtarztes Sigmund Gotzkircher aus dem Grazer Codex 311. Ein Beitrag zur Frühgeschichte des süddeutschen Apothekenwesens (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 15). Verlag H. Wellm, Pattensen 1979, ISBN 3-921456-21-5, S. 272.</ref><ref>Vgl. auch Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 455 (scamonee bzw. scammonie, mittellateinisch scamonia, ‚die Wurzel oder das daraus gewonnene Harz von Convolvulus scammonia L.‘)</ref> und Scammoniumharz) bzw. als Diagridium oder Dyagridion (auch Dyagrydion<ref>Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 386 (dyagrydion: Purgiermittel).</ref>)<ref>Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 141 (Diacrydium = Diagridium: Gekörntes oder gepulvertes Scammonium, das mit Saft zu einer emulsionsartigen Lösung bereitet wurde) und S. 155 (Scammonea: Saft von Convolvulus scammonia, so Scammonea Antiochiana aus Antiochia und z. B. auch Scammonea aus Aleppe und Smyrna.); sowie Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 30 (Dyagridion „[a]in saft also genant“).</ref><ref>Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 178 („Dyagridion – eyn safft […] – Diagridium – Scammonea – diagridium, scamonea“ […] „Scammoniumharz“).</ref> als stark (drastisch) wirkendes Abführmittel (Purgiermittel) benutzt, als Drastikum, nach dem zweiten Band von Jonathan Pereiras (1804–1853) und Rudolf Buchheims Handbuch der Heilmittellehre vielleicht schon vor Hippokrates.<ref name="pereira339" /> Die Indikation entsprach damit dem Jalapenharz, dem getrockneten Milchsaft der Wurzel von Ipomoea purga, ebenfalls einem Windengewächs.<ref name="Pereira-Buchheim344" /> Die Wirkstoffe sind harzartige Glykoside.<ref name="Magnus1924" /> Einige (wie zum Beispiel Scammonin I, Purginosid I und II und Purgin I) sind in ihrer Struktur aufgeklärt.<ref name="Castaneda-Gomez" /> Der Pharmakologe Paul Trendelenburg nennt in seinen 1926 erschienenen Grundlagen der allgemeinen und speziellen Arzneiverordnung die Pflanze Convolvulus scammonia und das Skammonium nicht mehr, wohl aber die Jalapenwurzel. Er kommentiert: „Alle drastischen Abführmittel sind mit großer Vorsicht anzuwenden. Bei stärkeren Dosen kann die Darmschleimhautentzündung so heftig werden, daß gehäufte, den Patienten stark schwächende dünnflüssige Entleerungen, die mit starken Kolikschmerzen verbunden sind, eintreten, nach hohen Dosen tritt schwerste blutige Gastroenteritis auf.“<ref name="Trendelenburg" /> Als Surrogat für Scammonium fand früher der Milchsaft (in getrockneter Form Euphorbium genannt) der Zypressen-Wolfsmilch Verwendung.<ref>Georg Dragendorff: Die Heilpflanzen der verschiedenen Völker und Zeiten. Ihre Anwendung, wesentlichen Bestandtheile und Geschichte. Ein Handbuch für Ärzte, Apotheker, Botaniker und Droguisten. Ferdinand Enke, Stuttgart 1898; Neudruck: Werner Fritsch, München 1967; Reprographischer Nachdruck: München 1968, S. 390 f.</ref>

Heute ist die Verwendung aus den von Trendelenburg genannten Gründen obsolet. Der Satz „It has been superseded by less toxic purgatives“ – „Es ist durch weniger giftige Laxantien verdrängt worden“ bezieht sich auf Skammonium und Jalapenharz.<ref name="Wade" />

Literatur

  • Clive A. Stace: Convolvulus. In:

Einzelnachweise

<references> <ref name="pereira339"> Jonathan Pereira, Rudolf Buchheim: Handbuch der Heilmittellehre. Band 2, Leopold Voß, Leipzig 1848, S. 339 ff., Volltext in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. </ref> <ref name="Pereira-Buchheim344"> Jonathan Pereira, Rudolf Buchheim: Handbuch der Heilmittellehre. Band 2, Leopold Voß, Leipzig 1848, S. 344 ff., Volltext in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. </ref> <ref name="Magnus1924"> R. Magnus: Convulvulin, Jalapin (Scammonin), Turpethin, Ipomoein. In: A. Heffter (Hrsg.): Handbuch der experimentellen Pharmakologie. Zweiter Band, 2. Hälfte. Julius Springer, Berlin 1924, S. 1664–1669. </ref> <ref name="Castaneda-Gomez"> John Castañeda-Gómez, Rogelio Pereda-Miranda: Resin glycosides from the herbal drug jalap (Ipomoea purga). In: Journal of Natural Products. Band 74, 2011, S. 1148–1153, doi:10.1021/np200080k. </ref> <ref name="Trendelenburg"> Paul Trendelenburg: Grundlagen der allgemeinen und speziellen Arzneiverordnung. Vogel, Leipzig 1926. </ref> <ref name="Wade"> Ainley Wade (Hrsg.): Martindale – The Extra Pharmacopoeia. 27. Auflage. The Pharmaceutical Press, London 1977, S. 1337–1338. </ref> <ref name="FT"> B. S. Parris: Convolvulus. In: </ref> <ref name="POWO">Convolvulus scammonia. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum</ref> </references>

Weblinks

Commons: Convolvulus scammonia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien