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St. Georg (Wachenheim)

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Simultankirche St. Georg
Basisdaten
Konfession simultan (prot./kath.)
Ort Wachenheim an der Weinstraße, Deutschland
Landeskirche Evang. Kirche der Pfalz (Prot. Landeskirche)
Diözese Bistum Speyer
Patrozinium St. Georg
Baugeschichte
Bauzeit 12. Jahrhundert–1859
Baubeschreibung
Baustil Gotik
Ausstattungsstil Chor, Seitenkapelle, Sakristei, Langhaus
Bautyp Baugruppe
Koordinaten 49° 26′ 18,2″ N, 8° 10′ 53,6″ OKoordinaten: 49° 26′ 18,2″ N, 8° 10′ 53,6″ O
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Datei:Wachenheim an der Weinstrasse Weinstraße 28 001 2017 09 10.jpg
Bronzetafel an der Georgskirche in Wachenheim mit kurzem historischen Abriss

Die Kirche St. Georg im historischen Zentrum von Wachenheim an der Weinstraße ist neben der Ruine Wachtenburg das Wahrzeichen der Stadt. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts wird die Kirche als Simultankirche von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzt.

Lage

Das Gebäude steht an der Westseite der Weinstraße, Hausnummer 28. Unmittelbar nördlich verläuft die Burgstraße.

Geschichte

Mittelalter und frühe Neuzeit

Die Existenz einer Pfarrei in Wachenheim wird seit etwa dem 9. Jahrhundert vermutet. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche datiert von 911. Die Kirche wurde im „Weissenburger Klosterraub“ genannt und befand sich zeitweise im Besitz der Klöster Lorsch, Kaiserslautern und Limburg.

1341 erhielt Wachenheim die Stadtrechte. Aus einem Merianstich ist eine spätgotische Chorturmkirche mit einem dreistöckigen Turm und einem spitzen Dach bekannt. Um 1360 – andere Quellen sprechen alternativ von 1436 – wurde östlich des Turms ein neuer Chor errichtet.

Nach Zerstörung des Klosters Limburg siedelte dessen Abt Machar Wais von Fauerbach († 1509) ab 1504 in den Münzhof Wachenheim über und wollte die Abtei dorthin verlegen. 1508 erwarb er deshalb von den Prämonstratensern in Kaiserslautern die Wachenheimer St.-Georgs-Kirche, um sie zur zukünftigen Abteikirche zu machen. Das Vorhaben kam mit dem Tod des Abts zum Erliegen. Er wurde jedoch im Chor der Kirche beigesetzt.<ref>Franz Xaver Remling: Urkundliche Geschichte der ehemaligen Abteien und Klöster im jetzigen Rheinbayern, Band 1, S. 141, Neustadt an der Haardt, 1836; (Digitalscan)</ref>

Der Speyerer Domkapitular und Archidiakon Johann Kranich von Kirchheim († 1534) stiftete am 23. Februar 1530 für sich und seine Eltern drei Jahrgedächtnisse in der Pfarrkirche St. Georg, da sich dort das Erbbegräbnis seiner Familie befinde.<ref>Konrad von Busch und Franz Xaver Glasschröder: Chorregel und jüngeres Seelbuch des alten Speyerer Domkapitels, Speyer 1923, Seiten 276 und 277</ref> Die Gedächtnisse wurden festgesetzt für den 17. September, dem Todestag des Vaters, den 7. März – Todestag der Mutter − und für seinen eigenen Todestag. Am Sonntag zuvor sollten sie vom Ortspfarrer auf der Kanzel den Gläubigen angekündigt werden und der Wachenheimer Glöckner wurde verpflichtet „uff den grossen sarck, darunter mein vatter seliger begraben ligt, ein bar stellen, daruber decken ein schwartz tuch von schechter und uff dasselb ein schwartz gulden stuck und vier brynnender kertzen, abentz zu der vigillen und morgens zu den gotlichen amptern.<ref>Franz Xaver Glasschröder: Urkunden zur Pfälzischen Kirchengeschichte im Mittelalter, München, 1903, Seite 172, Urkundenregest Nr. 409</ref>

Ab etwa 1550 wirkte sich die Reformation in Wachenheim aus; innerhalb der Kurpfalz führte 1556 Kurfürst Ottheinrich die Reformation ein. 1674 wurde das Gebäude im Holländischen Krieg zerstört und ab 1686 erneut aufgebaut. 1689 wurden im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Stadt, die Wachtenburg und die Kirche zerstört.

Weitere Entwicklung

Ab 1705 teilten sich Reformierte und Katholiken das Gebäude. 1707 wurde die Kirche dauerhaft geteilt. Die Reformierten erhielten das Langhaus, während die Katholiken den Chor und das Turmgebäude behielten. Seitdem wird die Kirche als Simultankirche genutzt.

1711 war der Wiederaufbau der Kirche abgeschlossen. 1715 wurde die Trennmauer errichtet, die Chor und Turm vom Langhaus trennt. 1859 wurde das Langhaus abgerissen und in den beiden Folgejahren im neugotischen Stil neu errichtet.<ref name="pfalz.de">Simultankirche St. Georg. In: pfalz.de. 24. Februar 2026, abgerufen am 24. Februar 2026.</ref>

Jahrhundertelang diente die Kirche ebenso den Protestanten aus dem benachbarten Deidesheim, ehe diese 1874 eine eigene Kirche erhielten. 1896 wurde das Geläut an der Georgskirche zu einem C-Dur-Vierklanggeläut ergänzt. Die Glocken wurden in den beiden Weltkriegen jeweils abgenommen und eingeschmolzen. Seit 1949 hat die Kirche ein Geläut aus vier Gussstahlglocken.

Da die katholische Pfarrgemeinde von 1987 bis 1989 eine neue Kirche bauen ließ, dient der katholische Teil seither ausschließlich für ausgewählte Veranstaltungen wie Hochzeiten und Taufen.<ref>Historie der Kirche. In: fvprotkirche.de. 24. Februar 2026, abgerufen am 24. Februar 2026.</ref> 1997 gründete sich ein Förderverein für den katholischen Teil, sein protestantisches Pendant bildete sich 2012.

Innenausstattung

Katholischer Teil

Datei:Georgskirche Wachenheim Chor.jpg
Chorraum der „alten Georgskirche“ in Wachenheim

Der katholische Teil wird meist als „alte St.-Georgs-Kirche“ bezeichnet und bietet etwa 110 Sitzplätze. Er besteht aus einer nördlichen und einer südlichen Seitenkapelle. Hinzu kommen das Langhaus und ein kleiner Chor. Die Innenausstattung, die größtenteils aus dem 18. Jahrhundert entstand, ist im Stil des Barock gehalten. Sie umfasst insgesamt drei Altäre. Das Deckengemälde stellt den Schutzpatron, den heiligen Georg, im Kampf mit dem Drachen dar. Die Orgel wurde 1857 von Gustav Schlimbach gebaut und 2020 restauriert.<ref>Simultankirche St. Georg Weinstraße 28, Wachenheim. In: pfarrei-bad-duerkheim.de. 24. Februar 2026, abgerufen am 24. Februar 2026.</ref>

Protestantischer Teil

Datei:Innenansicht der Kirche mit Orgel.jpg
Orgelempore im protestantischen Teil

Die Innenausstattung des protestantischen Teils wird von Holz dominiert. Er umfasst eine Empore, Kirchengestühl, Chorgestühl und eine teilweise vergoldete Kanzel.<ref name="pfalz.de"/><ref>Geschichte der Kirchengemeinde. In: evkirche-wachenheim.de. 24. Februar 2026, abgerufen am 24. Februar 2026.</ref> Ein Fenster zeigt Simon Petrus sowie die Reformatoren Johannes Calvin, Ulrich Zwingli, Martin Luther und Petrus Valdes.

Die erste Orgel im neu errichteten Langhaus der protestantischen Kirche Wachenheim wurde 1883 von der Orgelbauwerkstatt H. Voit & Söhne aus Durlach gebaut.<ref>Wachenheim (Weinstraße), Protestantische Kirche – Organ index, die freie Orgeldatenbank. Abgerufen am 7. Juli 2025.</ref> Das Gehäuse ist erhalten, hingegen wurde das Werk durch Orgelbauer Werner Owart aus Neuhofen 1974 erneuert. Die Orgel hat 22 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Windladen sind als Schleifladen ausgeführt mit mechanischer Spieltraktur und elektrischer Registertraktur.

Literatur

Weblinks

Commons: St. Georg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />