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Hermann Naumann

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Hermann Naumann (* 14. Februar 1930 in Kötzschenbroda, heute Radebeul; † 23. September 2025<ref>Abschied eines Ausnahme-Künstlers. In: Sächsische Zeitung. 25. November 2025 (online [abgerufen am 25. November 2025]).</ref>) war ein deutscher Grafiker und Bildhauer.

Leben

Datei:Ausschnitt Relief Erker Südvorstadt Hermann Naumann.jpg
Studenten beim Studium, 1956 (Detail)

Naumann ging 1946 in die Lehre als Steinmetz bei einem Friedhofbildhauer und erhielt im gleichen Jahr eine Privatausbildung zum Plastiker bei Burkhart Ebe. Die erste Plastik Portrait Mein Vater entstand zu dieser Zeit. Von 1947 bis 1949 folgte eine Bildhauerlehre bei Herbert Volwahsen, der ihn in sein Atelier in Loschwitz aufnahm. Ab 1950 war Naumann freischaffend in Dresden tätig. Im selben Jahr wurde er als jüngstes Mitglied in den Verband Bildender Künstler Deutschlands aufgenommen, dem er dann bis 1990 angehörte.

Als Künstler, der sich gegen die offizielle Kulturpolitik des Staates wandte, wurde er unter anderem von Werner Scheffel gefördert, der Werke Naumanns für die TH Dresden kaufte. Auch die Aufträge für Reliefgestaltungen am Studentenwohnheim Fritz-Löffler-Straße 16 und dem Studentenwohnheim Hoyerswerdaer Straße erhielt Naumann von der TH bzw. TU Dresden.<ref>Simone Simpson: Zwischen Kulturauftrag und künstlerischer Autonomie. Dresdner Plastik der 1950er und 1960er Jahre. Böhlau, Köln et al. 2010, S. 32.</ref> Naumann lebte und arbeitete ab 1950 im Künstlerhaus Dresden-Loschwitz. Erst 1994 zog er nach Dittersbach in das „Künstlerhaus Hofmannsches Gut“, wo er seitdem lebte und arbeitete.

Von 1950 bis 1977 war Naumann mit der Bildhauerin Ursula Naumann verheiratet. Der Ehe entstammen vier Kinder. 1991 heiratete Naumann Helga Luzens, die seit 1971 Modell für viele seiner Zeichnungen und Plastiken gestanden hatte.

2018 war Hermann Naumann schwer erkrankt, hatte sich zwischenzeitlich aber wieder erholt. Er starb im September 2025 und ist auf dem Loschwitzer Friedhof beerdigt.

Werk

Datei:Grab Ernst Hassebrauk.jpg
Grab des Künstlers Ernst Hassebrauk auf dem Loschwitzer Friedhof. Grabgestaltung von Hermann Naumann, 1975

Naumann begann als Bildhauer zunächst mit naturalistischen Darstellungen. Es entstanden Werke wie Portrait mein Vater (1946) oder Portraitstatuette Angela (1953). Unter dem Einfluss Karl Albikers und Richard Scheibes hin zu Ernst Barlach fand er schon während der Ausbildung bei Volwahsen zur abstrakten Darstellung auf der Basis geometrischer Figuren, die er in den folgenden Jahren autodidaktisch weiterentwickelte. Er arbeitete mit unterschiedlichen Materialien, so in Gips, gefärbtem Zement, Keramik, Sandstein und seit 1969 in Stahl. Zudem schuf er im Auftrag Sandsteinreliefs an Dresdner Gebäuden.

Naumann war einer der wenigen Grafiker, die die aus der Renaissance stammende Technik des Punzenstichs beherrschen, mit der er sich seit 1950 beschäftigte.<ref>Hermann Naumann. In: grafikbrief.de. Abgerufen am 9. November 2025.</ref> Zahlreiche seiner Werke wurden seit 1960 als Buchillustrationen, unter anderem vom Verlag Phillip Reclam Jr. in Leipzig, verwendet, einige in Vorzugsausgaben mit Originalgrafik.

Naumann hatte eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, in der DDR u. a. 1977/1978 und 1987/1988 an der VIII. und X. Kunstausstellung der DDR in Dresden.

Öffentliche Sammlungen mit Werken Naumanns (unvollständig)

Werkbeispiele

Druckgrafik

  • Meine jüdischen Augen (Zyklus von 14 Punzenstiche in Braun; als Originalgrafik publiziert in dem gleichnamigen Buch von Phillip Reclam jun. Leipzig und Claassen-Verlag, 1969)<ref>Meine Jüdischen Augen. Grafischer Zyklus von Hermann Naumann. GRASSI Museum für Angewandte Kunst, abgerufen am 31. Dezember 2025.</ref>
  • Mary Wigman (1982, 8 Kaltnadelradierungen, 24,5 × 17,5 cm; publiziert im Dritten Druck der Dürer-Presse des Verlags Phillip Reclam jun. Leipzig, 1984)
  • Luther – der streitbare Prediger (1982, Holzschnitt, 20 × 125 cm; publiziert als Selbstdruck in der Grafik-Edition XV Luther zu Ehren des Verlags Philipp Reclam. jun. Leipzig, 1983)

Skulpturen und Reliefs

Datei:Erker Hermann Naumann Dresden.jpg
Erker Szenen aus dem Leben des Fürsten Putjatin, 1962

Buchillustrationen

  • Heinrich Böll: Erzählungen. 10 Holzschnitte. Union, Berlin 1961.
  • Rudolf Hirsch (Hrsg.): Die Heimfahrt des Rabbi Chanina und andere Erzählungen und Geschichten aus dem Jiddischen. Reproduktionen nach Federzeichnungen; Union Verlag Berlin, 1964.
  • Luis de Góngora y Argote: Soledades. Kassette mit 11 signierten und nummerierten Lithographien, vierseitigem Begleittext und eingelassenem Buch in Halbpergament. Claassen Verlag, Hamburg/Düsseldorf, 1969. Als Buch 1973 mit den Reproduktionen auch bei Philipp Reclam jun. Leipzig.
  • Max Dauthendey: Keine Wolke stille hält. 28 Farbholzschnitte. Union, Berlin 1970.
  • Arthur Rimbaud. Gedichte. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1976. 10 Radierungen und 8 Punzenstiche
  • Knut Hamsun: Pan. 10 Radierungen. Philipp Reclam Jun., Leipzig 1979.
  • Franz Kafka: Betrachtung. 18 Steinzeichnungen. Philipp Reclam Jun., Leipzig 1986.
  • Gerhart Hauptmann: Glossen zum alten Testament. Lithografien und Handzeichnungen/Aquarelle, Sonderausgabe. Verlag Faber & Faber, Leipzig 1997.
  • Fjodor Dostojewski: Erniedrigte und Beleidigte. 33 Illustrationen. Verlag Faber & Faber, Leipzig 2008.

Ehrungen

  • Grafik-Preis der CDU (3. Preis für Zyklen) für die Illustrationen zu Tewje, der Milchhändler (1960)
  • Auszeichnung „Schönste Bücher der DDR“ für Meine jüdischen Augen<ref>Jiddische Dichtung aus Polen, übertragen und zusammengestellt von Hubert Witt. Reclam, Leipzig.</ref>
  • Auszeichnung „Schönste Bücher der DDR“ für Arthur Rimbaud: Gedichte
  • Ehrendoktorwürde der Accademia Italia delle Arti e del Lavoro (1987)

Darstellung im Film

Literatur

  • Fritz Löffler: Drei Illustratoren unserer Republik. Hermann Naumann. In: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. Berlin, Dreiunddreißigste Heft, 1969, S. 63–72
  • Wolfgang Hütt: Grafik in der DDR. 1979, Verlag der Kunst, Dresden
  • Ortsverein Loschwitz-Wachwitz (Hrsg.): Künstler am Dresdner Elbhang. Band 1. Elbhang-Kurier-Verlag, Dresden 1999, S. 118.
  • Horst Zimmermann: Der Bildhauer Hermann Naumann. In: Hermann Naumann. Skulptur 2000. Katalog mit Werkverzeichnis. Quandt-Verein zur Förderung der Künste, Dittersbach 2000, S. 7–21.
  • Naumann, Hermann. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 652.
  • Joachim Richter: Hermann Naumann zum 80. In: Radebeuler Monatshefte e. V. (Hrsg.): Vorschau & Rückblick; Monatsheft für Radebeul und Umgebung. März 2010 (Mit einem Foto des Künstlers).

Weblinks

Commons: Hermann Naumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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