Wildtiermanagement
Wildtiermanagement (Lehnübersetzung des englischen Begriffs wildlife management) bezeichnet den Steuerungsprozess, um Interaktionen unter und zwischen Wildtieren, deren Lebensräumen und Menschen entsprechend definierter Ziele zu beeinflussen.<ref>Rudi Suchant: Wald, Wildtiere, Menschen – Herausforderungen und Lösungen. In: AFZ-DerWald. Nr. 6. dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag, Juni 2015, ISSN 1430-2713, S. 22–25 (archive.org [PDF]): „Der Begriff "Wildtiermanagement" umfasst alle Tätigkeitsbereiche und Maßnahmen, die das Vorkommen, das Verhalten und die Populationsentwicklung von Wildtieren so steuern, dass die verschiedenen Interessen, Ansprüche und Rechte der Menschen erfüllt und die Bedürfnisse der Wildtiere berücksichtigt werden.“</ref>
Tätigkeitsbereiche des Wildtiermanagement überschneiden sich unter anderem mit Landschafts-, Arten- und Naturschutz, Jagd und Forstwirtschaft, Schutzgebietsmanagement und Raumplanung.<ref>Tamer Fawzy, Martin Krekeler, Solveig Lux: Prädationsmanagement: Ein Leitfaden für Naturschützer und Interessierte. 1. Auflage. Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Hamburg 2017, doi:10.24359/DBU.32166/02 (archive.org [PDF; abgerufen am 6. Dezember 2020]).</ref> Der Interessensfokus des Wildtiermanagement liegt oftmals auf (Jagd-)Wild und anderen Arten, die für die menschliche Nutzung relevant sind oder im Konflikt mit menschlichen Interessen stehen.<ref>Daniel J. Decker, Shawn J. Riley, William F. Siemer: Human Dimensions of Wildlife Use Management. In: Daniel J. Decker, Shawn J. Riley, William F. Siemer (Hrsg.): Human Dimensions of Wildlife Management. 2. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2012, ISBN 978-1-4214-0654-1, S. 204 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Teilbereiche des Wildtiermanagements lassen sich durch den thematischen Fokus (z. B. das Prädationsmanagement) oder anhand der betroffenen Arten (z. B. das Bibermanagement und Wolfsmanagement) identifizieren.
Als Begründer des Wildtiermanagements als wissenschaftlicher Disziplin gilt gemeinhin Aldo Leopold, der 1933 an der University of Wisconsin-Madison Inhaber des ersten Lehrstuhls für Wildtiermanagement (wildlife management) wurde.<ref>About the Department – Forest and Wildlife Ecology. In: forestandwildlifeecology.wisc.edu. University of Wisconsin, abgerufen am 4. Dezember 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Aufgabengebiet
Vorlage:Hinweisbaustein Wesentliche Aufgaben von Wildtiermanagern sind die Ermittlung von Populationsdaten, Erhalt und Erforschung von Lebensräumen sowie die Wiederansiedlung von verdrängten oder in der Region ausgestorbenen Arten. Damit verbunden sind forstökologische, geologische, politische und wirtschaftliche Themenfelder ebenso wie fischbiologische/-ökologische und fischereiwirtschaftliche Belange.
Wiederansiedlung von Wildtieren
Die Einschätzung der Umgebung vor einer Umsiedlung ist sehr wichtig. Fehlen wesentliche Elemente, die es einer Art ermöglichen zu überleben, kann das Projekt scheitern. Sind die entsprechende Mittel vorhanden, kann es zur Aufgabe des Wildtiermanagers gehören, die Umgebung entsprechend anzupassen beziehungsweise die Anpassung zu organisieren. Hinzu kommt die Aufklärung für die Bewohner einer von einer Wiederansiedlung betroffenen Region, um eine mögliche Skepsis und auch Ängsten zu begegnen.
Studium
Ein weltweit einheitliches Verständnis über den konkreten Aufgabenbereich und die Vermittlung dieses Wissens im Hochschul-Studium gibt es nicht. So enthält der Studiengang Wildlife Management an der Van Hall Larenstein University of Applied Sciences auch Elemente aus dem Bereich Zoo. Aufgrund der vielen Elemente ist der Studiengang Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Universität für Bodenkultur Wien als interdisziplinäres Studium angelegt.
In z. B. Südafrika und Namibia gibt es zahlreiche Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten im Bereich des Wildlife oder Game bzw. Game Ranch Management. Unter anderem bieten in Südafrika die Universität Pretoria und das private Southern African Wildlife College solche Studiengänge an.<ref>Centre for Wildlife Management. University of Pretoria. Abgerufen am 24. Mai 2017.</ref><ref>Website des Southern African Wildlife College. Abgerufen am 24. Mai 2017.</ref> In Namibia kann Wildtiermanagement an der Universität von Namibia studiert werden.<ref>Wildlife Management and Ecotourism. University of Namibia. Abgerufen am 24. Mai 2017.</ref>
Beruf und Praxis
In den USA ist der Beruf des Wildtiermanagers unter der Bezeichnung wildlife manager häufig. In Deutschland sind Stellen mit dieser Bezeichnung äußerst selten. Am praktischen Wildtiermanagement beteiligen sich hier neben den Bundes- und Landesbehörden vor allem Ranger, Wildhüter, Jäger und aktive Naturschützer sowie häufig Förster.
Siehe auch
Literatur
- Daniel J. Decker, Shawn J. Riley, William F. Siemer: Human Dimensions of Wildlife Management. 2. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2012, ISBN 978-1-4214-0654-1,
- John M. Fryxell, Anthony R. E. Sinclair, Graeme Caughley: Wildlife Ecology, Conservation, and Management. 3. Auflage. Wiley-Blackwell, 2014, ISBN 978-1-118-34819-2.
- Paul R. Krausman, James W. Cain III (Hrsg.): Wildlife Management and Conservation: Contemporary Principles and Practices. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2013, ISBN 978-1-4214-0986-3.
- Andreas Haug: Wildlife-Management und Forstwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der Randbedingungen und Möglichkeiten einer Optimierung jagdwirtschaftlicher Aspekte für Waldeigentümer. Tenea, 2004, ISBN 978-3-86504-042-8.
- Sven Herzog: Wildtiermanagement: Grundlagen und Praxis. Quelle + Meyer, 2019, ISBN 978-3-494-01714-3.
Weblinks
Einzelnachweise
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