Richard Berndl war der Sohn des Tischlermeisters Michael Berndl und der Privatierstochter Maria Adler aus München.<ref>Taufregister der kath. Pfarrkirche Mariahilf in München-Au, Jahrgang 1875, S. 387, Nr. 75.</ref> Er erhielt seine Ausbildung als Architekt und Gestalter in Berlin und am Polytechnikum München, wo er bei Friedrich von Thiersch studierte. Am 18. Mai 1903 wohnte er am Kreuzplätzchen 4 in München und heiratete die Schullehrerstochter Anna Genovefa Wind (* 1876) aus Augsburg. Ebenfalls im Jahre 1903 entwarf er ein Mausoleum für Dionýz Andrássy in Krászno-Hôrka Varalja im Komitat Gömör, das ihn mit einem Schlag bekannt machte<ref>Philipp Maria Halm: Richard Berndl. In: Moderne Bauformen. 4. Jahrgang. J. Hoffmann, Stuttgart 1907, S.436 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> und eine Position als Lehrer an der Königlichen Kunstgewerbeschule München einbrachte. Als Nachfolger von Leonhard Romeis wurde er dort 1905 zum Professor berufen.<ref>Barbara Six: Der Architekt Leonhard Romeis (1854–1904). (PDF) LMU-Publikationen / Geschichts- und Kunstwissenschaften, Nr. 14 (2005)</ref> Neben seiner Tätigkeit als Professor gelangte Berndl auch als freier Architekt, Innenraumgestalter und städtischer Baurat in den Jahren von 1903 bis 1937 zu Bekanntheit. Er entwarf Jugendstilgebäude, Villen und Denkmäler<ref>Die Kunst: Monatsheft für freie und angewandte Kunst. F. Bruckmann, München (archive.org).</ref> in Deutschland und Österreich. Um 1907 entwarf er die Fassade des Hotel Union und das katholische Casino in München, einige Kirchen samt Innenausstattungen, wie in Memmingen, Aichach und Starnberg, und 1910 den Neubau der Abtei São Bento in São Paulo. Zudem gewann er einige Architekturwettbewerbe, unter anderem für das Mozarteum in Salzburg,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Großer Saal (Memento vom 14. August 2010 im Internet Archive) salzburgbiennale.at</ref> das nach seinen Entwürfen von 1910 bis 1914 im Münchner Jugendstil erbaut wurde. Durch den König von Bayern wurde Berndl 1917 mit dem Verdienstorden vom Heiligen Michael III. Klasse ausgezeichnet.<ref>Vorlage:ZentralblBauverw</ref>
Auch in den 1920er Jahren blieb er Professor an der Münchner Staatsschule für angewandte Kunst (der Nachfolgerin der Kunstgewerbeschule). Vor 1922 war er bereits vier Jahre lang als städtischer Baumeister am Stadtbauamt München unter Stadtbaurat Hans Grässel tätig gewesen.<ref>Vorlage:AllgKünstLex-MüllerSinger</ref> Um 1928 hatte er die Oberleitung für den Bau der GEWOFAG-Siedlung Neuramersdorf inne. Als 1931 der Turm der Neuhauser Winthirkirche einstürzte, erstellte Berndl unentgeltlich Pläne für den Wiederaufbau, der im Jahr 1933 erfolgte.<ref name="muenchenwiki">Winthirkirche. In: München-Wiki. Abgerufen am 29. Oktober 2024.</ref> Um 1935 führte er den EhrentitelGeheimer Regierungsrat.<ref>Architektenregister Bern – Bezold – archthek. In: kmkbuecholdt.de. Ulrich Bücholdt, abgerufen am 5. Januar 2015.</ref>
Richard Berndl lebte bis 1955 mit seiner Familie in München-Neuhausen im Haus Orffstraße 15. Auf dem Friedhof der Neuhauser Winthirkirche<ref name="muenchenwiki" /> befindet sich seine Grabstätte, zusammen mit einer Gedenkinschrift für seinen in Russland als Pionier-Leutnant (Stab/Pi.Batl. 47) gefallenen Sohn Otto Berndl (* 5. Dezember 1910; † 10. Mai 1942), der seit Februar 1940 mit Lilo Ramdohr verheiratet war. Richard Berndls ältere Tochter Anna-Fay lebte von 1913 bis 1983 in der Orffstraße und war Schneiderin, seine jüngere Tochter Hilde war mit dem Volkswirtschaftler Willi Zentz (* 27. März 1907) verheiratet.<ref>Klaus Zentz: Vergleichende Darstellung der Kostenrechnung und Kalkulation bei Kreditbanken in Deutschland und Frankreich. Dissertation München 1969, S. 155 (Lebenslauf).</ref>
Berndls Atelier befand sich lange in der Städtischen Gewerbeschule an der Luisenstraße in München, wo er mit einigen bekannten Kollegen zusammenwirkte, wie etwa dem Maler Karl Friedrich Roth, dem Bühnenbildner Emil Preetorius und dem Medailleur Maximilian Dasio, der um 1914 ein Medaillenporträt von ihm im Rahmen einer Bildnisreihe des Münchner Kulturlebens schuf.<ref>Galerie Saxonia Muenchen, Frank C. Kempe. In: saxonia.com. Abgerufen am 5. Januar 2015.</ref> Andere Kollegen waren Jakob Bradl, der Maler Gustav G. Klemm (1858–1938), der Bildhauer Joseph Wackerle, der Bauingenieur Constantine Frick, Max Frick, Karoll Throll,<ref>Jugendstil v štýle Krásnohorského Podhradia. In: archiv.station.zoznam.sk. Abgerufen am 5. Januar 2015.</ref> Adolf Mayerhofer, Eduard Schmucker,<ref>SNM-MB – Mauzóleum Andrássyovcov Krásnohorské Podhradie. In: muzeum.sk. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. Dezember 2014; abgerufen am 10. April 2020.</ref> Hans Willich, Paul Pfann,<ref>Festgabe zur Feier des 25jahrigen Bestehens. Der königlich technischen Hochschule zu München gewidmet. Vorwort von Friedrich von Thiersch. Druck Wolf & S., München ohne Jahr (um 1904).</ref> Bernhard Ingwersen, Oscar Delisle,<ref name="books-f8NPAAAAMAAJ-">Felix Billeter: Münchner Moderne. Deutscher Kunstverlag, 2002, ISBN 3-422-06340-4; books.google.de</ref> Heinrich Waderé (Figuren an der Fassade von São Bento in São Paulo) u. v. a.
Zeitlebens war Richard Berndl in Vereinen und Verbänden ehrenamtlich engagiert, so z. B.:
Akademischer Architekten-Verein München (um 1905)
Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst (um 1917)<ref>Die Christliche Kunst; Monatsschrift für alle Gebiete der christlichen Kunst und Kunstwissenschaft. Gesellschaft für Christliche Kunst, München 1918, S.139–144 (archive.org).</ref>
1903/04: Landhaus bei Starnberg<ref>Erich Haenel, Heinrich Tscharmann (Hrsg.): Das Einzelwohnhaus der Neuzeit. Band 1. J. J. Weber, Leipzig 1909, S. 54f. [mit Abb.].</ref>
1907: Landhaus in Solln bei München<ref>Erich Haenel, Heinrich Tscharmann (Hrsg.): Das Einzelwohnhaus der Neuzeit. Band 2. J. J. Weber, Leipzig 1910, S. 98–100. [mit Abb.].</ref>
1910: Wettbewerbsentwurf für ein Bismarck-Nationaldenkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück (nicht prämiert)<ref>Max Schmid (Hrsg.): Hundert Entwürfe aus dem Wettbewerb für das Bismarck-National-Denkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück-Bingen. Düsseldorfer Verlagsanstalt, Düsseldorf 1911. (n. pag.)</ref>
1917: Entwurf für den christlichen und israelitischen Friedhof Kronstadt, Siebenbürgen (nach 1918 zu Rumänien gehörig)
1919: Jagdschloss in Kammersgrün (Lužec u Nejdku, Tschechien) zusammen mit seinem Schüler H. Scherrer<ref>Vila Paula Albrechta Weinkauffa. In: slavnevily.cz. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. September 2012; abgerufen am 5. Januar 2015.</ref>
1924–1925: Büro- und Wohnhäuser in Salzburg, Faberstraße 20–24 (ehemalige Arbeiterunfallversicherung) / Auerspergstraße 27–29
1925–1926: Stieglkeller in Salzburg (wohl zusammen mit dem Münchner Architekten Franz Zell)
1928: Haus Stengel in München-Harlaching<ref name="books-t5dYAAAAMAAJ-14">Die Christliche Kunst, 1930, Band 27, S. 14. eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref>
1928–1929: St.-Vinzenz-Kirche in München-Neuhausen, Birkerstraße<ref name="books-t5dYAAAAMAAJ-16">Die Christliche Kunst, 1930, Band 27, S. 16. eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref>Datei:Berndl concert.piano1908.jpgKonzertflügel von Richard Berndl, 1908
1928–1930: Oberleitung beim Bau der Siedlung Neuramersdorf der Wohnbaugenossenschaft GEWOFAG, mit St.-Pius-Kirche<ref>GEWOFAG, 2003, S. 26.</ref>
1931–1932: St. Pius in München, Neu-Ramersdorf, Piusstraße 11<ref>Abb. in: Kaija Voss, Jean Molitor: Bauhaus in Bayern. Eine fotografische Reise durch die Klassische Moderne. bebra, Berlin 2021, ISBN 978-3-86124-750-0, S. 85.</ref>
Heimathaus in Pfaffenhausen (ehemaliges Rathaus), mit Richard-Berndl-Zimmer (mit vielen von Berndls Zeichnungen und Skizzen)
Kunstgewerbe
Buchschmuck / Bildschmuck zur Publikation: Akademischer Architektenverein München (Hrsg.): Festgabe zur Feier des 25jährigen Bestehens. Der königlich technischen Hochschule zu München gewidmet. Vorwort von Friedrich von Thiersch. 1. Teil: Das letzte Vierteljahrhundert der Münchener Baukunst. (Bearbeitet von Hans Willich, mit Bildschmuck von Paul Pfann und Richard Berndl) München 1904.
Philipp Maria Halm: Richard Berndl. In: Moderne Bauformen. 4. Jahrgang, 1907, S.436–467 (Textarchiv – Internet Archive).
Richard Hoffmann: Richard Berndl. In: Die Christliche Kunst. Monatsschrift für alle Gebiete der christlichen Kunst und Kunstwissenschaft. 8. Jahrgang 1911/1912, S.261–295 (Textarchiv – Internet Archive).
Lilo Fürst-Ramdohr: Freundschaften in der Weißen Rose. Verlag Geschichtswerkstatt Neuhausen, München 1995, ISBN 3-931231-00-3 (zur Biografie von Berndls Nachkommen).
Günther Baumann: Um mich ist Heimat. Der alte Winthirfriedhof in Neuhausen. Ein Stück Münchner Kulturgeschichte. Verlag Geschichtswerkstatt Neuhausen, München 2000, ISBN 3-931231-08-9.
Felix Billeter, Antje Günther, Steffen Krämer: Münchner Moderne. Kunst und Architektur der zwanziger Jahre. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2002, S. 71 f.
Heimatbuch Landkreis Neudek. Augsburg-Göggingen 1978.
Susanna Partsch: Berndl, Richard. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 9, Saur, München u. a. 1994, ISBN 3-598-22749-3, S. 568.
Richard Berndl. In: Abschnitt Bern – Bezold, Baugeschichtliches Personenregister zur Datenbank „archthek“ (bearbeitet von Ulrich Bücholdt); abgerufen am 16. Januar 2025.