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Reimund Neugebauer

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Reimund Neugebauer, 2013

Knut Paul Reimund Neugebauer (* 27. Juni 1953 in Esperstedt) ist ein deutscher Ingenieur und Hochschullehrer, der im Wissenschaftsfeld der Produktionstechnik tätig ist. Vom 1. Oktober 2012 bis zum 25. Mai 2023 amtierte er als 10. Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

Leben

Nach Erlangen des Abiturs mit begleitender Berufsausbildung zum Maschinenbauer studierte Neugebauer an der Technischen Universität Dresden Maschinenbau und vertiefte sich dabei in der Fachrichtung Werkzeugmaschinenkonstruktion. Nach dem Abschluss mit Diplom war er als wissenschaftlicher Assistent und Oberassistent an diesem Lehrstuhl tätig. 1984 wurde er zu dem Thema Rechnergestützte Aufbereitung von Finite-Elemente-Berechnungsmodellen für Werkzeugmaschinen-Strukturen promoviert. Zwischen 1985 und 1989 war er im Kombinat Umformtechnik Erfurt in verschiedenen Aufgaben der Grundlagenentwicklung und Automatisierungstechnik tätig. 1989 habilitierte er sich mit einer Arbeit zur Thematik Entwicklung flexibler abformender Blechbearbeitungssysteme. Im selben Jahr wurde er als Dozent an die TU Dresden berufen, wo er ab 1990 das Institut für Werkzeugmaschinen leitete.

Als 1992 die Fraunhofer-Gesellschaft in Chemnitz die Fraunhofer-Einrichtung für Umformtechnik und Werkzeugmaschinen gründete, übernahm er als einer der Institutsleiter den Bereich Werkzeugmaschinen und Automatisierungstechnik. Nach Ausscheiden von Rolf Umbach übernahm er 1994 die alleinige Institutsleitung der nunmehr als Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) bezeichneten Forschungseinrichtung, der er 21 Jahre lang bis September 2012 vorstand.<ref>Rolf Nötzel: Vorgestellt: Prof. Dr.-Ing. habil. Reimund Neugebauer, TU Spektrum 2/1995, abgerufen am 9. Mai 2009.</ref>

1993 wurde er vertretungsweise mit der Leitung der Professur Werkzeugmaschinen an der Technischen Universität Chemnitz betraut und erhielt schließlich 1995 den Ruf zum Ordentlichen Professor und Lehrstuhlinhaber. Von 2000 bis 2012 war er geschäftsführender Direktor des Instituts für Werkzeugmaschinen und Produktionsprozesse (IWP) an der TU Chemnitz, von 2003 bis 2006 war er zudem Dekan der Fakultät für Maschinenbau.

Vom 20. März 2006 bis zum 26. Oktober 2007 war Reimund Neugebauer Mitglied im Verwaltungsrat der Landesbank Sachsen.

Neugebauer ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften und Verbände. Er gehört der Arbeitsgemeinschaft Umformtechnik (AGU) an, war vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2011 Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP) und ist Vollmitglied (Active Member) der Internationalen Akademie für Produktionstechnik (CIRP), deren Jahrestagung 2007 vom IWU in Dresden ausgerichtet wurde. Zudem ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und ist Ehrenpräsident des Industrievereins Sachsen 1828.<ref>Ehrenmitglieder – INDUSTRIEVEREIN SACHSEN 1828 e. V. Abgerufen am 8. März 2018.</ref> Seit 2014 ist er Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und Mitglied im Steuerkreis des Innovationsdialogs zwischen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/innovationsdialog.acatech.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )[-des-steuerkreises0.html Steuerkreis des Innovationsdialogs]</ref> Seit 2015 ist Reimund Neugebauer einer der beiden Vorsitzenden des Hightech-Forums<ref>'Mitglieder des Hightech-Forums'</ref>, das als zentrales Beratungsgremium der Bundesregierung die Weiterentwicklung und Umsetzung der Hightech-Strategie begleitet. Darüber hinaus ist Reimund Neugebauer seit 2019 Mitglied des Universitätsrat der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.<ref>Zwei neue Mitglieder im Universitätsrat. FAU Erlangen-Nürnberg, 30. Juli 2019, abgerufen am 3. Dezember 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Reimund Neugebauer arbeitet auf den Gebieten Technologie der Fertigungsverfahren, Werkzeugmaschinen, Umformtechnik, Innenhochdruckumformen und Metallschaum. Dabei hat er sich in den letzten Jahren vor allem bei ressourceneffizienten Fertigungsprozessen einen Namen gemacht.

Am 8. Mai 2012 wurde er vom Senat der Fraunhofer-Gesellschaft zum Nachfolger von Hans-Jörg Bullinger als Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft gewählt<ref>Medienservice Sachsen: Ein Sachse wird Fraunhofer-Präsident, abgerufen am 8. Mai 2012.</ref><ref>Pressemitteilung der TU Chemnitz: Wechsel an der Spitze der Fraunhofer-Gesellschaft: Der Senat der Fraunhofer-Gesellschaft wählte am 8. Mai 2012 Prof. Dr. Reimund Neugebauer zum künftigen Präsidenten – Er soll im Oktober Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger nachfolgen, abgerufen am 9. Mai 2012.</ref> und übernahm das Amt am 1. Oktober 2012.<ref name="Fhg Amtsantritt">Professor Reimund Neugebauer tritt sein neues Amt als Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft an</ref> Schwerpunkte seiner ersten fünfjährigen Amtszeit sah er in der Sicherung der Flexibilität und der wissenschaftlichen Exzellenz der Forschungsorganisation.<ref name="Fhg Amtsantritt" /> Am 1. Oktober 2017 begann die zweite Amtszeit von Reimund Neugebauer als Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

Kontroversen

Seit September 2021 war Neugebauer Vorwürfen zu einer möglichen Verbindung privater und dienstlicher Angelegenheiten ausgesetzt, wie die Zeitung Die Welt in Bezug auf ein Ereignis aus dem Frühjahr 2019 kommentierte. Mit mehreren zehntausend Euro finanzierte die Fraunhofer-Gesellschaft zu dieser Zeit eine Vernissage in der Berliner Galerie State Studio, die auch Werke von Neugebauers Ehefrau ausstellte.<ref>Vorwürfe gegen Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer. In: Die Welt. 10. September 2021 (welt.de [abgerufen am 9. Oktober 2021]).</ref> Laut Insiderberichten der Wirtschaftswoche war Neugebauers Frau einige Monate zuvor durch die Fraunhofer-Gesellschaft zur Schirmherrin des Netzwerks „Wissenschaft, Kunst und Design“ ernannt worden. Abgeordnete mehrerer Bundestagsfraktionen verlangten hierzu schriftliche Auskunft seitens der Bundesregierung<ref>Thomas Stölzel: Vorwürfe gegen Fraunhofer-Präsidenten: „Ich mache mich stark, dass der Rechnungshof sich das anschaut“. Abgerufen am 9. Oktober 2021.</ref> und forderten auch eine Prüfung der Ereignisse durch den Bundesrechnungshof.<ref>Thomas Stölzel: Eskalation an der TU Chemnitz: Der Fraunhofer-Chef, eine Rektoren-Wahl und rechtliche Bedenken. Abgerufen am 9. Oktober 2021.</ref>

Zeitgleich veröffentlichte die Wirtschaftswoche außerdem Indizien, die auf eine versuchte Beeinflussung des Besetzungsverfahrens der Rektorennachfolge der TU Chemnitz seitens Neugebauer hinwiesen. Laut einem Gutachten des Senates der TU Chemnitz, an der Neugebauer Vorsitzender des Hochschulrates ist, versuchte er mutmaßlich den amtierenden Rektor Gerd Strohmeier, der sich um eine zweite Amtszeit beworben hatte, durch einen ihm gewogeneren Kandidaten zu ersetzen, indem er dem Senat eine Kandidatenliste ohne Strohmeiers Namen vorlegte.<ref>Thomas Stölzel: Eskalation an der TU Chemnitz: Der Fraunhofer-Chef, eine Rektoren-Wahl und rechtliche Bedenken. Abgerufen am 9. Oktober 2021.</ref><ref>Streit um Wahl eines neuen Rektors an der TU Chemnitz | Freie Presse – Chemnitz. Abgerufen am 9. Oktober 2021.</ref> Durch den Hochschulrat der Technischen Universität Chemnitz wurde Unbefangenheit Neugebauers ohne Gegenstimme festgestellt.<ref>Antje Siegel: Aktuelles | Hochschulrat | Aufbau und Organisation | Universität | TU Chemnitz. Abgerufen am 15. November 2021.</ref> Daraufhin forderte der Senat der TU Chemnitz den Hochschulrat auf, ein rechtskonformes Wahlverfahren einzuleiten.<ref>Rektorenwahl weiter Streitpunkt. In: Forschung & Lehre. Deutscher Hochschulverband, 12. November 2021, abgerufen am 17. Dezember 2021.</ref> In der Folge wurden Schritte eingeleitet, die Rektorennachfolge neu auszuschreiben.<ref>Jan-Martin Wiarda: "Nicht mit Schlamm zurückwerfen, sondern mit Blümchen". 1. Dezember 2021, abgerufen am 23. Dezember 2021.</ref>

Die kontroversen Aktivitäten Neugebauers fasste die Wirtschaftswoche in einem Artikel unter dem Titel „Professor Autokrat“ zusammen, der auch verschiedene Beschwerden von Mitarbeitern der Fraunhofer-Gesellschaft aufgreift, die Neugebauers Führungsstil als ein „Diktat der Angst“ bezeichneten und ihm einen Hang zur „Spezlwirtschaft“ vorwarfen.<ref>Thomas Stölzel: Fraunhofer-Gesellschaft: Professor Autokrat. Abgerufen am 9. Oktober 2021.</ref><ref>Thomas Stölzel, Martin Seiwert: Fraunhofer und die Autoindustrie: Vorsprung durch Titel. Abgerufen am 9. Oktober 2021.</ref>

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe leitete die Fraunhofer-Gesellschaft am 10. Oktober 2021 ein Untersuchungsverfahren ein.<ref>Thomas Stölzel: Kritik an Praktiken Reimund Neugebauers: Fraunhofer-Chef zahlt Reisekosten nach. Abgerufen am 13. Oktober 2021.</ref> Der Senat der Fraunhofer-Gesellschaft stufte nach Abschluss des Untersuchungsverfahrens die Vorwürfe gegen Präsident Neugebauer als „durchweg haltlos“ ein, was im Außenraum allerdings auch auf Kritik stieß.<ref>Jan-Martin Wiarda: Treuer Senat. 10. November 2021, abgerufen am 15. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Oktober 2022 gab Neugebauer bekannt, dass er im Herbst 2023 vorzeitig von seinem Amt als Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft zurücktreten wolle. Es wurde öffentlich diskutiert, dass dies in Zusammenhang mit den immer gravierenderen Vorwürfen gegen ihn stünde.<ref>Präsident Neugebauer kündigt Rücktritt an. In: Forschung & Lehre. Deutscher Hochschulverband, 17. Oktober 2022, abgerufen am 9. Februar 2023.</ref> Die Vorwürfe eskalierten im Februar 2023 erneut.<ref>Lars Petersen, Joana Lehner: Abendessen für 8000 Euro, teure Dienstwagen, Luxus-Hotels: Geheimbericht mit schweren Vorwürfen gegen Top-Manager des Fraunhofer-Instituts. In: Business Insider. 14. Februar 2023, abgerufen am 9. Februar 2023.</ref> Die Bundesministerin für Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger drängte auf einen raschen Führungswechsel.<ref>BMBF fordert Führungswechsel bei Fraunhofer. In: Forschung & Lehre. Deutscher Hochschulverband, 1. März 2023, abgerufen am 11. März 2023.</ref> Am 25. Mai 2023 gab Neugebauer im Zuge der Wahl seines Nachfolgers Holger Hanselka schließlich seinen Rücktritt bekannt.<ref>Birgit Herden: Nach Vorwürfen der Vorteilsnahme: Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft tritt zurück. In: Der Tagesspiegel Online. 25. Mai 2023, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 25. Mai 2023]).</ref><ref>Kristin Haug: Nach Rügen des Bundesrechnungshofs: Fraunhofer-Präsident Neugebauer tritt ab, Forscher wählen Nachfolger. In: Der Spiegel. 25. Mai 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 25. Mai 2023]).</ref>

Im Juli 2023 wurde bekannt, dass Neugebauer zum November 2023 aus dem Hochschulrat der TU Chemnitz ausscheidet.<ref>Externe Mitglieder des Hochschulrats kündigen Rücktritt an. In: Forschung & Lehre. Deutscher Hochschulverband, 14. Juli 2023, abgerufen am 5. September 2023.</ref><ref>Wirtschaftsvertreter im Hochschulrat treten zurück. In: Zeit Online. 14. Juli 2023, abgerufen am 5. September 2023.</ref>

Anfang September wurden im Zusammenhang mit einem Beratervertrag zwischen der Fraunhofer-Gesellschaft und einem Vertrauten Neugebauers schwere Vorwürfe gegen die verantwortlichen Mitglieder des Fraunhofer-Vorstandes bekannt.<ref name=":0" /><ref name=":1" /> Nachdem ein Anfangsverdacht der Untreue festgestellt wurde, personifizierte die Staatsanwaltschaft München bisher gegen „Unbekannt“ laufende Ermittlungen unter anderem gegen Neugebauer.<ref>Jan-Martin Wiarda: Verdacht der Untreue: Staatsanwaltschaft bestätigt Ausweitung der Fraunhofer-Ermittlungen. In: Der Tagesspiegel Online. 11. September 2023, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 12. September 2023]).</ref> Weiterhin wurde bekannt, dass die Fraunhofer-Gesellschaft Schadenersatzansprüche unter anderem gegen Neugebauer prüfe.<ref name=":0">Jan-Martin Wiarda: Mutmaßliche Steuergeldverschwendung: Untreue-Ermittlung gegen Ex-Fraunhofer-Chef Neugebauer. In: Online-Angebot des Tagesspiegels. 1. September 2023, abgerufen am 5. September 2023.</ref><ref name=":1">Hanno Charisius: Fraunhofer-Gesellschaft: Zweiter Vorstand nach Vorwürfen muss gehen. In: Online-Angebot der Süddeutschen Zeitung. 5. September 2023, abgerufen am 5. September 2023.</ref>

Sonstige Tätigkeiten

Auf Vorschlag der sächsischen CDU-Landtagsfraktion gehörte Neugebauer der 16. Bundesversammlung 2017 und 17. Bundesversammlung 2022<ref>Volker Müller: Deutscher Bundestag – Von den Landesparlamenten entsandte Mitglieder der Bundesversammlung,... Abgerufen am 7. Juli 2022.</ref> an.

Seit 2021 ist Neugebauer Juryvorsitzender des Stanisław Lem European Research Prize, der von der Universität Breslau jährlich an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben wird.<ref>Internetseite des Stanisław Lem European Research Prize, abgerufen am 29. November 2023</ref>

Neugebauer ist Aufsichtsratsvorsitzender der ParTec AG.<ref>Reimund Neugebauer Bio. In: ParTec. Abgerufen am 10. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ehrungen

Schriften

  • Rechnergestützte Aufbereitung von Finite-Elemente-Berechnungsmodellen für Werkzeugmaschinen-Strukturen. Dissertation. 1984.
  • Entwicklung flexibler abformender Blechbearbeitungssysteme. Dissertation B (Habilitationsschrift). 1989.
  • Prozeßsicherheit in der Blechbearbeitung. 1999.
  • Hydro-Umformung. 2007.
  • Ressourceneffizienz : Schlüsseltechnologien für Wirtschaft und Gesellschaft 2017.
  • Digitalisierung : Schlüsseltechnologien für Wirtschaft und Gesellschaft 2018.

Weblinks

Commons: Reimund Neugebauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Walther Gerlach (1949–1951) | Wilhelm Roelen (1951–1955) | Hermann von Siemens (1955–1964) | Franz Kollmann (1964–1968) | Otto Mohr (1968–1974) | Heinz Keller (1974–1983) | Max Syrbe (1983–1993) | Hans-Jürgen Warnecke (1993–2002) | Hans-Jörg Bullinger (2002–2012) | Reimund Neugebauer (2012–2023) | Holger Hanselka (seit 2023)

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