Joey (Film)
| Produktionsland | Deutschland, USA |
|---|---|
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1985 |
| Länge | 98 Minuten |
| Altersfreigabe |
</ref> |
| Stab | |
| Regie | Roland Emmerich |
| Drehbuch | Roland Emmerich, Hans J. Haller |
| Produktion | Willi Segler |
| Musik | Hubert Bartholomae |
| Kamera | Egon Werdin |
| Schnitt | Carl Colpaert, Alan Toomayan, Tomy Wigand |
| Besetzung | |
| |
Joey ist der zweite abendfüllende Spielfilm des Regisseurs Roland Emmerich. Er erschien am 21. November 1985 in den deutschen Kinos.
Handlung
Der neunjährige Joey hat seinen Vater verloren. Er trauert sehr und wird zudem von seinen Mitschülern auf makabre Weise verspottet. Nur das Mädchen Sally hält zu ihm. Als Joey alleine in seinem Zimmer ist, klingelt sein Spielzeugtelefon. Zunächst schreckt er zurück, telefoniert aber in der Folgezeit regelmäßig über dieses mit seinem verstorbenen Vater. Durch telekinetische Fähigkeiten bewegen sich außerdem Spielzeuge im Raum. Auch Joey selbst kann bald telekinetische Kräfte anwenden und tut dies auch vor seiner Mutter. Auch Sally erfährt davon und zeigt keine Angst.
Nachdem Joey in einem benachbarten, verlassenen Haus eine Bauchrednerpuppe gefunden hat, stellt sich bald heraus, dass die Puppe von einer bösen Macht beherrscht wird. Diese steht offenbar auch in Zusammenhang mit dem Tod des ehemaligen Besitzers der Puppe, des Varieté-Künstlers Fletcher. Die Puppe versucht, Joey von der Kontaktaufnahme mit seinem Vater abzuhalten. Anscheinend ist es auch die Puppe, die einen fehlschlagenden Messerangriff auf Joeys Mutter unternimmt. Die Mutter entdeckt später das Messer in der Wand und misstraut von da an den übernatürlichen Kräften ihres Sohnes noch mehr.
Eine Gruppe von Parapsychologen mit umfangreicher technischer Ausrüstung kommt ins Haus und beginnt, Joey zu untersuchen. Joey flieht in den Keller des Hauses, in dem er die Bauchrednerpuppe gefunden hat. Bei ihm ist Sally, und auch eine Gruppe von Jungen, die es sich zur Gewohnheit gemacht haben, Joey zu piesacken, folgt ihnen. Unter dem Einfluss übernatürlicher Kräfte verwandelt sich die Umgebung in dem Keller, Kinderängste nehmen Gestalt an. Joey gelangt schließlich alleine in einen Bereich, in dem er sich dem bösen Geist der Puppe gegenübersieht. Dort befindet sich auch eine Tür, von deren Durchschreiten die Puppe ihn abzuhalten versucht, doch Joey öffnet sie. Es scheint, als befinde sich dahinter ein Ort, an dem Joey mit seinem geliebten Vater zusammen sein könne.
Die anderen Kinder haben das Haus bereits verlassen, als die Puppe durch Joeys Entscheidung vernichtet wird, und das Haus zusammenfällt. Die Wissenschaftler können Joeys leblosen Körper bergen, doch ihre Wiederbelebungsversuche schlagen fehl. Tränenreich verabschieden sich Mutter, Wissenschaftler und Kinder von Joey. Gerade verlassen die Kinder Joeys Zimmer, in dem er liegt, als seine Spielsachen, die zuvor im Haus und der Umgebung herumgeflogen sind, in den Raum zurückkehren. Die Kinder schreiben das Ereignis Joey zu, und Sally geht in sein Zimmer zurück. Der Film endet jedoch, ohne eine Aussage über eine mögliche Rückkehr des Jungen aus dem Tod zu treffen.
Es ist darauf hinzuweisen, dass sich die Handlung der amerikanischen Fassung von der oben zusammengefassten Handlung der deutschen Fassung deutlich unterscheidet. Beide Fassungen sind auf der Kauf-DVD enthalten. Siehe dazu auch den unten verlinkten Vergleich der Schnittfassungen.
Produktion
Das erklärte Ziel von Roland Emmerich war, mit Joey einen unterhaltsamen Film für ein breites Publikum zu produzieren, da in Deutschland die Massenunterhaltung zugunsten eher künstlerischer Filme vernachlässigt werde. Er brachte etwa vier Millionen Mark für die Produktion auf. Unter anderem in einer Fabrikhalle in Sindelfingen baute er sein Studio auf, und mit seinem Unternehmen Centropolis machte er auch die Spezialeffekte. Die Kulissen für die amerikanische Kleinstadt wurden in einem Steinbruch in Döffingen aufgebaut. Zusätzliche Außenaufnahmen wurden in Newport News gedreht. Da Emmerich in Englisch drehen wollte, suchte er seine Darsteller unter den Familienangehörigen amerikanischer Soldaten, die in der Nähe stationiert waren, ergänzt durch deutsche Schauspieler. Der Drehstart war im Sommer 1984.<ref name=cinefantastique>Uwe Luserke: Making contact. In Cinefantastique vom Juli 1986, S. 12</ref><ref>Jo Müller: Roland Emmerich. Hannibal Verlag, 2016. ISBN 978-3-85445-478-6 Kapitel: Joey</ref>
Kritiken
Bezüglich Joey erntete Emmerich nach dem Achtungserfolg von Das Arche Noah Prinzip „offene Ablehnung“<ref name="Rodek">Hanns-Georg Rodek: Emmerichs Verwandlung. Der Regisseur Roland Emmerich wurde in Deutschland als das „Spielbergle“ verspottet und ging nach Hollywood – jetzt hat er eine Produktionsfirma in München gegründet. Heimatgefühle? In: Die Welt. 18. Februar 2005, Magazin, S. 10.</ref> bis hin zu „Spott“,<ref name="Junghänel">Frank Junghänel: Das Präsidentle. Er ist einer der erfolgreichsten Regisseure der Welt, doch in Deutschland wurde er lange belächelt. Jetzt kürt Roland Emmerich die Sieger der Berlinale. In: Berliner Zeitung. Nr. 42/2005, 19. Februar 2005, Rubrik „Seite 3“, S. 3.</ref> dazu zählt die persönliche Verniedlichung zu „Spielbergle“ (mit der Bedeutung „schwäbische Steven-Spielberg-Epigone“).<ref name="Rodek" /><ref name="Junghänel" /> Im Einzelnen wurde geschrieben:
Horst Peter Koll befand im Filmdienst beziehungsweise dem Lexikon des internationalen Films, der Film sei eine „[a]n US-amerikanischen Erfolgsmustern orientierte, seelen- und sinnlose Fantasy-Geschichte, die den Zuschauer mit Spezialeffekten erschlägt und jede Anteilnahme vermissen lässt“. Die Redaktion vergab 1,5 von 5 möglichen Sternen.<ref>Joey. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 21. Dezember 2025.</ref> An anderer Stelle im Filmdienst führte Koll aus: „Was bei Spielberg trotz aller Tendenz zum Spektakel stets mit Verzauberung, naivem Staunen, Anteilnahme und Rührung, also mit Merkmalen des guten Unterhaltungskinos zu tun hat, ist bei Emmerich zu einem seelenlosen Nachäffen bombastisch aufgeblähter Erfolgsmuster geworden; was er in E.T., Poltergeist und in den Krieg-der-Sterne-Filmen gesehen hat, waren nur die Tricks, nicht jedoch die Geschichten, in die sie eingebettet waren. Diese Tricks kopiert der ‚Zauberlehrling‘ Emmerich im Stil einer ununterbrochenen Geisterbahnfahrt, ohne Maß, Rhythmus und Gespür für die menschlichen Dimensionen zu besitzen. Die Handlung ist dabei nebensächlich, grob gestrickt und psychologisch völlig unstimmig.“
Norbert Stresau meinte in RETRO, Joey zeige viel und erkläre wenig. Das sei „für einen Effektfilm“ angemessen. „Doch wenn er erklärt, erklärt er alles völlig falsch. Das ist tödlich.“<ref>Norbert Stresau, RETRO.</ref>
Für den Fischer Film Almanach 1986 besteht der Film aus der „schamlos perfiden“ Verwendung von Versatzstücken aus amerikanischen Reißern. Dieser „Krieg der Puppen“ diene nicht dem deutschen Film, höchstens der Spielzeugindustrie.<ref>Walter Schobert, Horst Schäfer (Hrsg.): Fischer Film Almanach 1986. Filme, Festivals, Tendenzen. Unter Mitarbeit von Albert Schwarzer, Wolfgang Schwarzer, Eberhard Spieß und Paul Werner. Mit Beiträgen von Dietrich Kuhlbrodt und Kraft Wetzel (= Fischer Cinema). Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-596-24464-1, Joey, S. 102.</ref>
Von „schamlosem Zusammenklauben“, einem „Beutezug durch die Filmographie Steven Spielbergs“, berichtet Frank Schnell in epd Film. Emmerich habe sich bei E.T., Poltergeist, Die Goonies und Jäger des verlorenen Schatzes, um nur die auffälligsten wiederzugeben, bedient. Joey sei keine Original-Geschichte mit „Reminiszenzen“, sondern ein Patchwork-Machwerk, „substanzlos“, „hanebüchen“ und mit unauthenthischen Figuren. Weiter findet er, „so infantil und unausgegoren“ der Inhalt sei, „so bestechend“ sei die „formale Umsetzung, das Spiel mit den Tricks“.<ref>Frank Schnelle: Tüftler und Bastler, Jäger und Sammler. Über Roland Emmerich. In: epd Film. Juni 1996, Rubrik „Leben und Arbeiten in Hollywood“, Kapitel „Form ohne Inhalt“, S. 18–23, hier: S. 21.</ref>
Auszeichnungen
- Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh dem Film das Prädikat „wertvoll.“<ref>Joey. In: FBW-Filmbewertung.com. Abgerufen am 29. September 2024.</ref>
Literatur
- Martin Eisele: Joey – Wir werden uns alle wiedersehn. (= Romanfassung des Films). Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1985, ISBN 3-404-13013-8.
Weblinks
- Vorlage:IMDb/1
- Vorlage:AllMovie
- Joey bei filmportal.de
- Joey in der Deutschen Synchronkartei
- Vergleich der Schnittfassungen [[[:Vorlage:Schnittberichte/URL]]4586910 US Kinofassung – Dt. Kinofassung] von Joey bei Schnittberichte.com
Einzelnachweise
<references />
Vorlage:Klappleiste/Anfang Das Arche Noah Prinzip | Joey | Hollywood Monster | Moon 44 | Universal Soldier | Stargate | Independence Day | Godzilla | Der Patriot | The Day After Tomorrow | 10.000 B.C. | 2012 | Anonymus | White House Down | Stonewall | Independence Day: Wiederkehr | Midway – Für die Freiheit | Moonfall Vorlage:Klappleiste/Ende