Zum Inhalt springen

Formel von Wald

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 29. März 2024 um 06:02 Uhr durch imported>TaxonKatBot (Bot: Kategorie:Zufallsvariable umbenannt in Kategorie:Stochastik: laut Diskussion).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Die Formel von Wald oder Waldsche Identität ist in der Stochastik eine Gleichung, mit deren Hilfe der Erwartungswert von Summen von Zufallsvariablen mit einer zufälligen Anzahl von Summanden berechnet werden kann. Sie wurde 1944 in einer Arbeit des Mathematikers Abraham Wald bewiesen.<ref>On Cumulative Sums of Random Variables. In: The Annals of Mathematical Statistics. Band 15, Nr. 3, 1944, S. 283–296, doi:10.1214/aoms/1177731235.</ref>

Formulierung

Es sei <math>(X_n)_{n\geq 1}</math> eine Folge unabhängiger, identisch verteilter, integrierbarer Zufallsvariablen und <math>T</math> eine <math>\N</math>-wertige Zufallsvariable mit <math>\operatorname{E}(T) < \infty</math>, die von der Folge <math>(X_n)</math> unabhängig ist. Dann gilt<ref>David Meintrup, Stefan Schäffler: Stochastik. Theorie und Anwendungen. Springer, Berlin/Heidelberg 2005, ISBN 3-540-21676-6, S. 287.</ref>

<math>\operatorname{E}\left(\sum_{k=1}^TX_k\right)=\operatorname{E}(T)\operatorname{E}(X_1)</math>.

Beweis

Weil <math>T</math> unabhängig von der Folge <math>(X_n)</math> ist, folgt durch Bedingen auf den Wert von <math>T</math>:

<math>\operatorname{E}\left(\sum_{k=1}^TX_k \;\Big|\; T = n\right) = \operatorname{E}\left(\sum_{k=1}^n X_k \right) = \sum_{k=1}^n \operatorname{E}(X_k) = n \operatorname{E}(X_1)</math>,

also

<math>\operatorname{E}\left(\sum_{k=1}^TX_k \;\Big|\; T\right) = T \operatorname{E}(X_1)</math>.

Durch Anwenden des Erwartungswerts auf diese Gleichung erhält man schließlich

<math>\operatorname{E}\left(\sum_{k=1}^TX_k\right) = \operatorname{E}\left(\operatorname{E}\left(\sum_{k=1}^TX_k\;\Big|\; T \right)\right) =\operatorname{E}(T \operatorname{E}(X_1)) = \operatorname{E}(T)\operatorname{E}(X_1)</math>.

Sind die <math> X_i </math> alle <math> \mathbb{N}_0 </math> wertig, so kann der Beweis auch elementar über wahrscheinlichkeitserzeugende Funktionen mittels der Kettenregel erfolgen.

Verallgemeinerung auf Stoppzeiten

Es sei nun <math>(X_n)_{n\geq 1}</math> eine Folge identisch verteilter integrierbarer Zufallsvariablen, die an eine Filtrierung <math>(\mathcal{F}_n)_n</math> adaptiert ist, das heißt für alle <math>n</math> ist <math>X_n</math> <math>\mathcal{F}_n</math>-messbar. Wenn <math>X_{n+1}</math> von <math>\mathcal{F}_n</math> unabhängig ist für alle <math>n \in \N</math> und <math>T</math> eine integrierbare Stoppzeit bezüglich <math>(\mathcal{F}_n)_n</math> ist, so gilt ebenfalls die Formel von Wald:<ref>Heinz Bauer: Wahrscheinlichkeitstheorie. 5. Auflage. De-Gruyter-Lehrbuch, Berlin 2002, ISBN 3-11-017236-4, Kapitel 17.</ref>

<math>\operatorname{E}\left(\sum_{k=1}^TX_k\right)=\operatorname{E}(T)\operatorname{E}(X_1)</math>.

Verwandte Konzepte

Ähnliche Aussagen über die Varianz von zusammengesetzten Verteilungen lassen sich mit der Blackwell-Girshick-Gleichung treffen.

Einzelnachweise

<references />