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Jan Fleischhauer

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Jan Fleischhauer (2024)

Jan Fleischhauer (* 7. Mai 1962 in Osnabrück) ist ein deutscher Journalist, Kolumnist und Autor. Von 1989 bis 2019 war er für den Spiegel tätig, seit August 2019 arbeitet er für den Focus.<ref>Jan Fleischhauer: Fleischhauers Abschied – Jetzt ist Schluss! spiegel.de vom 13. Juni 2019.</ref>

Leben

Jan Fleischhauer wurde 1962 in Osnabrück geboren. Sein Vater, der Kunsthistoriker und Journalist Dietrich Fleischhauer, war Korrespondent des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und hatte 1960 die Leitung des neu eingerichteten Osnabrücker NDR-Studios übernommen.<ref>Chronik der ARD | NDR-Studio in Osnabrück. Abgerufen am 15. Mai 2022.</ref> Später wurde er Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des NDR in Hamburg und Geschäftsführer der Deutschen Fernsehlotterie.<ref>Internationales Handbuch für Rundfunk und Fernsehen, Hamburg 1986, S. 29.</ref><ref>Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. XXXII. Ausg. Lübeck 1994, S. 342.</ref><ref>„Wenn Sie als Journalist gemocht werden wollen, ist das das Falsche“ – Kolumnist Jan Fleischhauer. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 10. September 2019.@1@2Vorlage:Toter Link/www.radiobremen.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Seine Mutter, Inge Fleischhauer, uneheliche Tochter einer Deutschen und eines französisch-algerischen Zwangsarbeiters,<ref>Der schwarze Kanal: Home. In: #51 Oscar der Verlogenheit, 37:50. Abgerufen am 22. März 2026.</ref> trat 1969 in die SPD ein.<ref>unter-linken-jan-fleischhauer. In: Der Spiegel. Abgerufen am 15. Juli 2021.</ref>

Den überwiegenden Teil seiner Kindheit und Jugend verbrachte Fleischhauer in Hamburg-Wellingsbüttel. Von 1974 bis 1981 besuchte er das Gymnasium Grootmoor in Hamburg-Bramfeld.<ref>Vgl. den Lebenslauf im MS der Mag.-Arb.: Jan Fleischhauer: Gespenster und Gespenstertheorien 1740–1820. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des „Unsichtbaren“ unter besonderer Berücksichtigung der Aufklärung. (Hamburg, Univ., Mag.-Arb., 1988), S. 103. https://kataloge.uni-hamburg.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=040589102</ref><ref>Daniel Häuser: Der Spitzbube – Porträt vom neuen „Focus“-Autor Jan Fleischhauer. In: Clap-Club | Das People-Magazin der Kommunikationsbranche. 22. September 2019, abgerufen am 30. Juli 2021.</ref><ref>Thomas Andre: Journalisten. Carini und Fleischhauer: Früher links – heute Spießer? abendblatt.de, 22. Mai 2012.</ref> Als Jugendlicher engagierte er sich in der Evangelischen Kirche, trat jedoch später aus.<ref>Jan Fleischhauer: Franziskus und die Katholische Kirche: Der Sponti-Papst. In: Der Spiegel. Abgerufen am 15. Juli 2020.</ref> Ab den 1980er Jahren wählte Fleischhauer nach eigenen Angaben die Grünen, seit 2005 die FDP.<ref>Nils Heisterhagen: „Ich komme aus einem ur-sozialdemokratischen Haushalt“. In: blog-bpoe.com. 6. Mai 2021, abgerufen am 6. Mai 2021 (Interview mit Jan Fleischhauer).</ref>

Nach dem Abitur im Juni 1981 und dem anschließenden Zivildienst studierte Fleischhauer seit April 1983 Literaturwissenschaft, Linguistik und Philosophie an der Universität Hamburg und schloss sein Studium im Mai 1988 mit einer Magisterarbeit über Gespenstertheorien der Aufklärung ab.<ref>Magisterarbeit Gespenster und Gespenstertheorien 1740–1820. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des „Unsichtbaren“ unter besonderer Berücksichtigung der Aufklärung. Universität Hamburg 1988, 206 S. (Eintrag im OPAC Uni Hamburg).</ref> Während seines Studiums arbeitete er als Barkeeper.<ref>Die neuen Puritaner von links: Wenn selbst der Barkeeper zum Feind wird. In: Focus Online. Abgerufen am 13. März 2021.</ref> Er absolvierte ein längeres Praktikum bei der Münchner Abendzeitung.<ref>Jan Fleischhauer: Fleischhauer: Wer vorgeht wie die „Süddeutsche”, trägt den Journalismus zu Grabe. In: Focus Online. 2. September 2023, abgerufen am 31. Januar 2024.</ref> Ab Juni 1987 besuchte er die Henri-Nannen-Schule für Journalisten in Hamburg. Ab 1989 war er in wechselnden Funktionen als Redakteur beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel tätig, unter anderem als Reporter in Leipzig (1991), als stellvertretender Leiter des Wirtschaftsressorts und stellvertretender Leiter des Hauptstadtbüros. Von 2001 bis 2005 war er Wirtschaftskorrespondent in New York. Ab 2008 war er Autor des Spiegels in Berlin.<ref>Jan Fleischhauer auf Spiegel Online.</ref> Bekanntheit erlangte er durch seine Kolumne „Der schwarze Kanal“, die im Januar 2011 erstmals erschien und im Netz große Reichweite generierte.<ref name=":2">Jan Fleischhauer hört bei Servus TV auf. In: oesterreichische Journalist:in. 13. Juli 2023, abgerufen am 19. April 2026.</ref> Im August 2019 wechselte Fleischhauer als Mitglied der Chefredaktion des Focus zum Burda-Verlag.<ref>Jan Fleischhauer: Jetzt ist Schluss! In: spiegel.de. Der Spiegel, 13. Juni 2019, abgerufen am 22. September 2019.</ref><ref>Caspar Busse: Jan Fleischhauer wechselt zum „Focus“. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung Digitale Medien / Süddeutsche Zeitung, 7. Mai 2019, abgerufen am 22. September 2019.</ref><ref>Kress Medien-Dienst: Philipp Welte holt Spiegel-Journalist Jan Fleischhauer zum „Focus“. In: kress.de. Johann Oberauer, 8. Mai 2019, abgerufen am 22. September 2019.</ref> Zusätzlich zu seiner Tätigkeit beim Focus moderierte er bei Servus TV die Show „9 Minuten netto“, die er 2023 abgab.<ref name=":2" /> Er übernahm im Anschluss bei NIUS die Late-Night-Show „Fleischhauers Welt“., die einmal pro Woche ausgestrahlt wird.<ref name=":2" /> Seit November 2025 ist er beim ZDF mit der Sendung "Keine Talkshow – Eingesperrt mit Jan Fleischhauer" vertreten. Sie wird im ZDF-Streaming-Portal angeboten. Zwei Menschen mit konträren Meinungen sind in einem Studio, ohne dass sie sich aus dem Weg gehen können. Eine Moderation findet nicht statt.<ref>deutschlandfunk.de: Medien - Unmut über neue Sendung von Jan Fleischhauer im ZDF. 20. November 2025, abgerufen am 19. April 2026.</ref><ref>Keine Talkshow - Eingesperrt mit Jan Fleischhauer. In: ZDF. Abgerufen am 19. April 2026.</ref>

Mitgliedschaften

Fleischhauer war Mitglied der Atlantik-Brücke.<ref>Verrückt sind immer die anderen: Der Weg von der Klima- zur Corona-Demo ist viel kürzer als gedacht. In: Focus Online. Abgerufen am 23. Mai 2020.</ref> Er gehörte drei Jahre lang der Deutschen Islamkonferenz an. Seit März 2022 ist er Mitglied der Bürgerinitiative Wolodymyr Selenskyj Platz e. V., die seit dem russischen Überfall auf die Ukraine fordert, den Abschnitt der Straße Unter den Linden, an der sich die Russische Botschaft befindet, nach dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu benennen, so dass deren Adresse Wolodymyr-Selenskyj-Platz 1 lauten würde.<ref>Wie man Putins Diplomaten zum Ausrasten bringt. Und eine Boykottidee, die ins Desaster führt. In: Focus Online. Abgerufen am 25. März 2022.</ref><ref>Liegt die russische Botschaft bald am „Selenskyj-Platz“? In: t-online.de. Abgerufen am 19. März 2022.</ref> Fleischhauer ist Gründungsmitglied des PEN Berlin.<ref>Marc Reichwein: PEN Berlin: Über 200 Schriftsteller gründen neuen Verband. In: Die Welt. 7. Juni 2022 (welt.de [abgerufen am 7. Juni 2022]).</ref>

Publizistisches Wirken

Bücher

Fleischhauers erstes Buch Unter Linken erschien 2009. Darin begründete er seine Entwicklung zum Konservativen mit dem Dogmatismus seines sozialdemokratischen Elternhauses und ähnlicher Milieus. Unter Linken wurde zum „meistverkauften politischen Sachbuch des Jahres“.<ref>Unter Linken. Autor. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Februar 2013; abgerufen am 23. Februar 2013.</ref> Fleischhauer schrieb zum Buch einen Themen-Blog.<ref>Blog Unter Linken.</ref>

Im Mai 2012 erschien Fleischhauers zweites Buch Der schwarze Kanal – Was Sie schon immer von Linken ahnten, aber nie zu sagen wagten, eine Sammlung von leicht überarbeiteten Texten aus der Kolumne bei Spiegel Online. In seinem 2017 erschienenen autobiografischen Buch mit dem Titel Alles ist besser als noch ein Tag mit dir stellte Fleischhauer die Probleme nach seiner Scheidung im Sommer 2011 in einer literarisierten Schilderung dar.<ref>Jan Fleischhauer: Alles ist besser als noch ein Tag mit dir. Roman über die Liebe, ihr Ende und das Leben danach. Knauss Verlag, München 2017. (Vorabdruck eines Auszugs im Spiegel. 40/2017).</ref>

Sein Buch How dare you (2020), dessen Titel einen Ausspruch der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg zitiert, enthält eine Auswahl von Kolumnen sowie Interviews mit Deniz Yücel, Armin Nassehi, Klaus Bittermann, Sophie Passmann, Margot Käßmann, Mathias Greffrath und Jakob Augstein. Das Nachwort stammt von Stefan Kuzmany.<ref name=":0">How dare you! Abgerufen am 30. September 2020.</ref>

Kolumnen und Blogs

Zwischen Januar 2011 und Juni 2019 schrieb er für Spiegel Online die Kolumne Der Schwarze Kanal,<ref>S.P.O.N. – Der Schwarze Kanal, Kolumne bei Spiegel Online.</ref> die ab Mai 2014 auch in die Print-Ausgabe übernommen wurde. Dort wechselte er sich mit Jakob Augstein und Markus Feldenkirchen ab,<ref>Hausmitteilung: Betr. Titel, Neuerungen, Brot (in: Der Spiegel, 1/2016; S. 3).</ref> seit Ausgabe 45 im Jahr 2018, die Ende Oktober erschien, nur noch mit Feldenkirchen. Mit Augstein hatte er bis 2018 die Videokolumne Das Duell – Augstein kontra Fleischhauer.<ref>Christian Weber, Der Spiegel: Jakob Augstein kontra Jan Fleischhauer: Brauchen wir eine Begrenzung der Amtszeit? Abgerufen am 11. April 2021.</ref> Der Titel der Kolumne spielt auf die propagandistische DDR-Fernsehsendung Der Schwarze Kanal mit Karl-Eduard von Schnitzler sowie auf die Assoziation der Farbe Schwarz mit der Union bzw. dem konservativen Spektrum an.

Fleischhauer war Autor des Weblogs Die Achse des Guten<ref>Beiträge von Jan Fleischhauer bei der Achse des Guten.</ref> und 2010 Autor auf freiewelt.net<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jan Fleischhauer (Memento vom 8. Mai 2012 im Internet Archive)</ref> sowie auf der Website des evangelikal geprägten Verbandes Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft. 2019 wurde er regelmäßig in der Welt am Sonntag interviewt.<ref>„Focus“-Kolumnist Jan Fleischhauer bekommt Gast-Auftritt bei „Welt am Sonntag“. In: turi2. Abgerufen am 12. Oktober 2020.</ref>

Nach achteinhalb Jahren endete im Juli 2019 Der schwarze Kanal auf Spiegel Online und wird seither im Focus fortgesetzt.<ref>Jan Fleischhauer: Abschied beim SPIEGEL: Jetzt ist Schluss! In: janfleischhauer.de. 16. Juni 2019, abgerufen am 22. September 2019.</ref> Von einigen Medien wurde der Wechsel mit der Beobachtung kommentiert, dass Fleischhauers konservative Positionen der politischen Ausrichtung des Focus weniger entgegengesetzt seien als der des Spiegel.<ref>taz: Neue Kolumne im „Focus“ – Windmacher fürs Kleinbürgertum. In: taz.de. taz, 11. September 2019, abgerufen am 22. September 2019.</ref> Die Kolumne wird samstags veröffentlicht, aber bereits mittwochs geschrieben, da das Magazin donnerstags Redaktionsschluss hat.<ref>FOCUS Online: Kreuzberg live: In der grünen Herzkammer herrschen Zustände wie in einem Mafia-Dorf. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref> Fleischhauer hatte Videokolumnen auf Bunte.de und Focus Online. Im Mai 2021 startete er mit Carolin Blüchel das Talkformat Ist das euer Ernst? auf Focus Online.<ref>Die feigste Partei Deutschlands? Keine Frage: die Grünen. Abgerufen am 18. Februar 2023.</ref>

Podcasts

Von April bis Juli 2020 moderierte er zusammen mit Jakob Augstein jeden Mittwoch den Podcast The Curve, dessen Titel auf die Verlaufskurve der Infektionen während der COVID-19-Pandemie anspielte.

Von Februar bis März 2021 moderierte er den Focus-Podcast Die falschen Fragen, zunächst mit Esra Karakaya, dann mit Phenix Kühnert.<ref>FOCUS Online: „Die falschen Fragen“: Drei Episoden. Abgerufen am 19. April 2022.</ref> Nach drei Folgen beendete Fleischhauer den Podcast mit der Begründung, die Gesprächspartnerinnen hätten sich aufgrund negativer Reaktionen in Sozialen Medien aus dem Projekt zurückgezogen.<ref>FOCUS Online: Druck der Gruppe: Am Ende meines Podcast-Experiments steht eine furchtbar deprimierende Erkenntnis. Abgerufen am 10. April 2021.</ref> 2025 starteten die Podcasts Der schwarze Kanal mit Carolin Blüchel<ref>Der schwarze Kanal Podcast Download ~ Podcast von FOCUS ~ podcast 3553021. Abgerufen am 4. Mai 2025.</ref> sowie Sagen wie es ist<ref>Die Tagespost: 1. Bundestagswahl, Wahlkampf und der Bierbank-Test ~ Fleischhauer und Gottlieb: Sagen wie es ist Podcast. Abgerufen am 16. Juni 2025.</ref> mit Sigmund Gottlieb.

Film und Fernsehen

2010 war Fleischhauer im Dokumentarfilm Unter Linken – der Film auf Spiegel TV zu sehen, der auf seinem Buch Unter Linken basiert. Der Film verwendete Methoden des Filmemachers Michael Moore und zeigt unter anderem Interviews mit Frank Bsirske und Christian Ströbele.<ref>„Unter Linken – der Film“: Der Michael Moore der Bourgeoisie Sehenswert: „Spiegel“-Journalist Jan Fleischhauer geht durch Berlin und entlarvt auf amüsante Weise die Lügen humorloser Linker. Die Verfilmung seines Buches „Unter Linken“ ist gelungen. Da war die Legendenbildung vorab gar nicht nötig. Stern.de, 26. September 2010, von Dirk Benninghoff.</ref> 2014 war Fleischhauer Co-Autor des Sat.1-Films Der Rücktritt über die Affäre um den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff.<ref>Co-Autor Jan Fleischhauer im Interview. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. Juni 2019; abgerufen am 9. Juni 2019.</ref> Von April 2020<ref>"9 Minuten Netto": Jan Fleischhauer bekommt Sendung auf Servus TV. Abgerufen am 24. März 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> bis Juni 2023 moderierte er die wöchentliche Fernsehsendung Fleischhauer – 9 Minuten Netto auf ServusTV. Das Format wurde auch als Podcast angeboten. Seit 2022 kommentiert Fleischhauer regelmäßig bei Welt TV in der Rubrik Meine Welt – meine Meinung.<ref>Nena Brockhaus feiert Axel-Springer-Comeback bei Welt TV. Abgerufen am 12. Dezember 2024.</ref> Eine Ankündigung, dass er eine wöchentliche Late-Night-Show mit dem Titel Fleischhauers Welt beim Portal Nius übernehmen soll,<ref>Jan Fleischhauer macht Format bei Nius von Reichelt-Finanzier Frank Gotthardt. In: medieninsider.com/. 4. Juli 2023, abgerufen am 4. Juli 2023.</ref> wurde zurückgezogen.<ref>Cornelius Pollmer: Jan Fleischhauer heuert nicht bei "Nius" an. 8. November 2023, abgerufen am 8. November 2023.</ref> Seit November 2025 moderiert Fleischhauer die ZDF-Sendung Keine Talkshow – Eingesperrt mit Jan Fleischhauer.<ref>Carolin Gasteiger: „Keine Talkshow“: Jan Fleischhauer bekommt Sendung im ZDF. 18. November 2025, abgerufen am 19. November 2025.</ref>

Privates

Fleischhauer ist verheiratet und hat fünf Kinder. Er lebt mit seiner Familie in Pullach im Isartal im Landkreis München.<ref>Jan Fleischhauer: Enteignet Altmaier! In: Spiegel 16/2019. 12. April 2019.</ref> Zuvor wohnte er in München-Schwabing und in Berlin.<ref>Kommentar von Raphael Thelen: Zimperlich sind die, die am Schreibtisch bleiben. Spiegel Online vom 2. September 2018, abgerufen am selben Tag; Zitat der Redaktion: „Der Kolumnist Jan Fleischhauer legt Wert auf die Feststellung, dass er vor einem halben Jahr aus München Schwabing nach Pullach gezogen ist und dort nicht in einem Altbau, sondern in einer Doppelhaushälfte lebt. Pullach ist ein Vorort von München.“</ref> Aus erster Ehe hat Fleischhauer zwei erwachsene Söhne.<ref>Berlin: Annette Kusche wechselt zu Axel Springer. In: BuchMarkt. 6. Oktober 2015, abgerufen am 29. November 2020.</ref><ref>Viel Prominenz bei der Buchpremiere „Unter Linken“ in Berlin. In: BuchMarkt. 12. Mai 2009, abgerufen am 29. November 2020.</ref>

Kontroversen

1996 schrieb Fleischhauer einen kritischen Artikel über Ungereimtheiten in der Biografie des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher, darunter die Umstände der literaturwissenschaftlichen Promotion bei Hans Ulrich Gumbrecht 1988.<ref name="überflieger11">Überflieger im Abwind. In: Der Spiegel. Nr. 20, 1996 (online).</ref> Der Artikel sorgte für eine breite Diskussion über Schirrmachers Glaubwürdigkeit, der Schriftsteller Eckhard Henscheid verarbeitete die biografischen Details 1998 in seiner Schlüsselerzählung 10:9 für Stroh. Laut Michael Angele stammt der ohne Autorennamen abgedruckte Artikel mit der Überschrift Überflieger im Abwind von Fleischhauer, was dieser Schirrmacher erst im Nachhinein erzählte. Der Artikel basierte auf einem Dossier, das der Medienwissenschaftler Rembert Hüser an den Spiegel geschickt hatte. Während sich Chefredakteur Stefan Aust, der mit Schirrmacher befreundet war, gegen den Artikel einsetzte, sorgte Herausgeber Rudolf Augstein für seine Veröffentlichung. Er erklärte Fleischhauer auf dessen Frage, ob der Artikel auch ungekürzt erscheine: „Herr Fleischhauer, das Schwert der Guillotine darf nicht zu kurz sein!“<ref>Michael Angele: Schirrmacher: Ein Portrait. Aufbau, Berlin 2018, ISBN 978-3-351-03700-0, S. 87–91.</ref> Fleischhauer zitiert den Satz in der Einleitung seines Buchs How dare you!<ref name=":0" />

Im Januar 2012 verglich Jan Fleischhauer in Der Schwarze Kanal das italienische Volk mit Francesco Schettino, dem Kapitän der Costa Concordia.<ref>S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: Italienische Fahrerflucht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik. In: Spiegel Online. (spiegel.de [abgerufen am 26. April 2025]).</ref> Italienische Zeitungen kritisierten dies als rassistische Töne.<ref>Spiegel online: "Ma vi sorprendeteche il comandante fosse un italiano?" 23. Januar 2012, abgerufen am 26. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>I tedeschi: Italiani tutti Schettino - Esteri - Libero Quotidiano. (liberoquotidiano.it [abgerufen am 26. April 2025]).</ref> Der italienische Botschafter in Deutschland empfahl in einer direkten Reaktion, die Spiegel Online unterhalb der Kolumne veröffentlichte, „Verallgemeinerungen aufgrund der Rasse bleiben zu lassen“, und kritisierte den Beitrag von Fleischhauer als „vulgäre und banale Behauptungen“.<ref>Der Botschafter der Italienischen Republik, Michele Valensise, hat uns zu der obenstehenden Kolumne folgenden Brief geschickt.</ref> Die italienische Zeitung Il Giornale erschien am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, mit dem Titel „Wir haben Schettino, ihr habt Auschwitz“.<ref>Italienisch-deutscher Kolumnenstreit eskaliert. Basler Zeitung. 30. Januar 2012.</ref><ref>zeit.de vom 29. Januar 2012: Geschmacklose Provokationen gegen den Euro.</ref>

2018 hielt Fleischhauer auf dem Festkommers anlässlich des Burschentages der Deutschen Burschenschaft in Seebach die Festrede<ref>Jan Fleischhauer: Was man sagen darf - Festrede von Jan Fleischhauer beim Burschentag 2018, In: Burschenschaftliche Blätter, 133. Jahrgang (2018), H. 3, S. 124–126.</ref> und schrieb unter der Überschrift „Bei Rechten reden“ in seiner Spiegel-Kolumne darüber.<ref>Meinungskampf Bei Rechten reden von Jan Fleischhauer 31. Mai 2018</ref> Die Überschrift spielte auf das 2017 von Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn veröffentlichte Buch Mit Rechten reden an. Eine Kolumne aus dem Januar 2019 mit der Überschrift Nazis rein<ref>Jan Fleischhauer: Nazis rein - Fleischhauer-Kolumne. In: Der Spiegel. 18. Januar 2019, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 2. Juli 2023]).</ref> wurde kontrovers diskutiert,<ref>Sascha Lobo: Lobo antwortet Fleischhauer: Die Goldmedaille in Privilegien-Blindheit. In: Der Spiegel. 23. Januar 2019, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 2. Juli 2023]).</ref><ref>Tom Uhlig: Mit Faschisten flirten. Abgerufen am 2. Juli 2023.</ref> ebenso ein Fernsehauftritt Ende November 2019 bei Sandra Maischberger.<ref>Markus Joch: Die Von-Lucke-Falle. Mit Rechten reden: Eine japanische Perspektive. In: literaturkritik.de. 3. April 2020, abgerufen am 7. Dezember 2023.</ref>

Im März 2019 kritisierte der Satiriker und Fernsehmoderator Jan Böhmermann, dass Fleischhauer an Matthias Matusseks Feier seines 65. Geburtstags teilgenommen hatte.<ref>Daniel Dillmann: Matussek feiert mit Rechten Geburtstag. In: Frankfurter Rundschau. 11. März 2019, abgerufen am 22. September 2019.</ref> Diese geriet in die Kritik, da unter den Gästen auch Vertreter der Neuen Rechten waren, darunter ein vorbestraftes Mitglied der Identitären Bewegung und Dieter Stein, Verleger der Wochenzeitung Junge Freiheit.<ref>Skandälchen am Büfett: Matthias Matussek feierte seinen Geburtstag mit alten Medien-Freunden und neuen Rechten. In: meedia.de. Abgerufen am 7. April 2019.</ref> Fleischhauer erwiderte in seiner Kolumne die Kritik mit der Frage, ob man Freundschaften, die früher oder zufällig entstanden seien, deswegen beenden müsse, wenn sich die politischen Ansichten unterschiedlich entwickeln würden.<ref>Kontaktschuld. Abgerufen am 7. April 2019.</ref> Matussek erklärte später, er sei nicht mehr mit Fleischhauer befreundet, nachdem dieser ihn für verrückt erklärt habe.<ref>Matthias Matussek: Also hier noch mal ausführlich einige Richtigstellungen zu #Fleischhauer s mich betreffende gehemmt aggressive Streicheleinheit eines ehemaligen „Freundes“ im #Journalist pic.twitter.com/a6CZwkjM2e. In: @mmatussek. 26. Januar 2020, abgerufen am 27. Januar 2020.</ref>

Im April 2020 kritisierte der Medienjournalist Stefan Niggemeier in einem Artikel bei Übermedien Fleischhauers Einlassungen zur Corona-Pandemie. In seinem Podcast mit Jakob Augstein verweigere sich Fleischhauer einer journalistischen Recherche zu Höhe und Bedeutung der für politische Entscheidungen maßgeblichen Reproduktionszahl und stelle stattdessen nur Fragen, ohne an ernsthaften Antworten interessiert zu sein.<ref>Wer nur fragt, bleibt dumm: Augstein, Fleischhauer und die kalkulierte Ignoranz. In: Übermedien. 20. April 2020, abgerufen am 11. Juni 2020.</ref> Fleischhauer erwiderte mehrfach, es sei ihm trotz zahlreicher Recherchen und Gespräche mit Wissenschaftsjournalisten nicht gelungen, den vom Robert Koch-Institut ausgegebenen Wert genau zu ermitteln. In einem Interview gab er an, ein sehr guter Schüler in Mathematik gewesen zu sein, und forderte Niggemeier scherzhaft dazu auf, sein Mathematik-Abitur zu veröffentlichen.<ref>„Ich bin doch kein Provokateur“. In: medienMITTWEIDA. Abgerufen am 11. Juni 2020.</ref>

Im März 2026 machte Fleischhauer öffentlich, dass die Staatsanwaltschaft München gegen ihn wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach § 86a StGB ermittelt. Hintergrund ist, dass Fleischhauer in seinem Podcast über die neue AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland geäußert hatte: „Wie heißt die AfD-Jugend jetzt eigentlich? (…) ‚Generation Hoffnung‘ oder ‚Generation Deutschland erwache‘?.“<ref>Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Journalist Fleischhauer wegen Spruch über AfD-Jugend. In: Die Welt. 6. März 2026, abgerufen am 7. März 2026.</ref><ref>Jan Fleischhauer: Wegen zwei Wörtern zur AfD: Der Staat gegen Jan Fleischhauer. In: Focus. 6. März 2026, abgerufen am 7. März 2026.</ref> Die Formel „Deutschland erwache“ gilt im Rahmen des § 86a StGB als Kennzeichen der nationalsozialistischen Sturmabteilung. Der Schriftstellerverband PEN Berlin solidarisierte sich nach dem Bekanntwerden der Ermittlungen mit Fleischhauer und kritisierte „eine höchst befremdliche Interpretation dieser Strafrechtsnorm“.<ref>PEN Berlin: Nazikram heilig, KI berät Verfassungsschutz?, veröffentlicht am 6. März 2026, abgerufen am 7. März 2026</ref> Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen Fleischhauer kurze Zeit nachdem Fleischhauer diese öffentlich gemacht hatte ein, da es sich bei der Äußerung um „eine Berichterstattung und Kommentierung des Zeitgeschehens“ gehandelt habe und diese von der Sozialadäquanzklausel der § 86 Abs. 4 StGB gedeckt gewesen sei.<ref>Ermittlungen zu Nazi-Parole gegen Fleischhauer eingestellt. In: Jüdische Allgemeine. 10. März 2026, abgerufen am 10. März 2026.</ref><ref>Max Kolter, Ermittlungen gegen Jan Fleischhauer: Ein weiterer Beinahe-Skandal, Legal Tribune Online vom 11. März 2026.</ref>

Rezeption in der Populärkultur

In der von Lann Hornscheidt ausgelösten Debatte um geschlechtergerechte Sprache 2014 nannte der Autor Robin Detje Fleischhauer und dessen Kollegen Ulf Poschardt, Harald Martenstein und Matthias Matussek eine publizistische Macht, die er als „Ulfharaldjanmatthias“ bezeichnete.<ref>Robin Detje: Gender-Debatte: Anschwellender Ekelfaktor. In: Die Zeit. 24. November 2014, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 22. Oktober 2019]).</ref> Im Stück Wenn du tanzt der Band Von Wegen Lisbeth (2016) heißt es: „Ackermann, Merkel, Jan / Fleischhauer, Voldemort / Nette Menschen, wenn du tanzt“.<ref>Von Wegen Lisbeth: Einfach Pop von der Straße. In: Stuttgarter Zeitung. 6. Oktober 2019, abgerufen am 8. Oktober 2019.</ref> Das Musikvideo zum Song Linksradikale (2019) der Band Egotronic spielt auf die Geburtstagsfeier von Matthias Matussek an, für deren Besuch Fleischhauer kritisiert wurde.<ref>Wie ein wilder Super Mario mit Iro und Septum. In: laut.de. Abgerufen am 8. Oktober 2019.</ref>

In der Fernsehsendung Neo Magazin Royale von Jan Böhmermann trat Sidekick Ralf Kabelka bis 2019 mehrfach in der Rolle des Spiegel-Online-Kolumnisten Ralf Flauscheier auf. In den lose an Fleischhauers konservative Positionen angelehnten Einspielern wurde eine übertrieben sexistische Sprache verwendet.<ref>Neo Magazin (TV Series 2013– ). In: IMDb. Abgerufen am 5. Oktober 2019.</ref> In der ersten Sendung des ZDF Magazin Royale 2020 sandte Fleischhauer einen Videogruß.<ref>Hilmar Klute: So war die neue ZDF-Show von Jan Böhmermann. In: sueddeutsche.de. Abgerufen am 10. November 2020.</ref> 2023 trat Böhmermann in der Sendung als Jan Flauscheier auf.<ref>Als „Jan Flauscheier“: Böhmermann stellt Debatte um Migration bloß. 5. November 2023, abgerufen am 6. November 2023.</ref>

Die Wochenzeitung Freitag stellte in ihrem von Jan C. Behmann entworfenen Fragebogen Der Kommunismus ist …? regelmäßig Prominenten die Frage „Jan Fleischhauer oder Margarete Stokowski?“.<ref>Fragebogen mit Igor Levit. In: freitag.de. Abgerufen am 10. März 2019.</ref> Die Entscheidungsfrage spielt darauf an, dass die Kolumnen von Fleischhauer und der feministischen Autorin Stokowski (früher beide bei Spiegel Online) als politisch entgegengesetzt gesehen werden. Arno Frank bemerkte 2020 in einem Artikel für Taz.Futurzwei unter der Überschrift „Fleischhauer oder Stokowski?“, die beiden stünden sich „wie verfeindete Meinungswarlords“ gegenüber.<ref name=":1">Arno Frank: Krieg der Meinungen: Fleischhauer oder Stokowski? In: Die Tageszeitung. 26. März 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 31. März 2020]).</ref>

Matthias Matussek beschreibt Fleischhauer in seinem 2023 erschienenen autofiktionalen Roman Armageddon im Kapitel „Auftritt Jan Fleischhauer“.<ref>Matthias Matussek: Armageddon. Europa Verlag, 2023, ISBN 978-3-95890-595-5, S. 48–55.</ref>

Auszeichnungen

Bücher

  • Unter Linken. Von einem, der aus Versehen konservativ wurde. Rowohlt, Reinbek 2009, ISBN 978-3-498-02125-2.
  • Der schwarze Kanal. Was Sie schon immer von Linken ahnten, aber nicht zu sagen wagten. Rowohlt, Reinbek 2012, ISBN 978-3-499-62975-4.
  • Alles ist besser als noch ein Tag mit dir. Roman über die Liebe, ihr Ende und das Leben danach. Knaus, München 2017, ISBN 978-3-8135-0704-1.
  • How dare you. Vom Vorteil, eine eigene Meinung zu haben, wenn alle dasselbe denken. Siedler, München 2020, ISBN 978-3-8275-0140-0.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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