Zum Inhalt springen

Barrerit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 16. März 2026 um 15:31 Uhr durch imported>Orci (es gibt keinen Ort namens San Efisio, das ist ein Name des Turms, dieser liegt bei Pula).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Barrerit
Datei:Barrerite-91257.jpg
Barrerit vom Rocky Pass, Kuiu Island, Alaska, USA (Größe: 9 × 4 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1974-017<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Bre<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • Na2(Si7Al2)O18·6H2O<ref name="IMA-Liste" />
  • Na2[Al2Si7O18]·6H2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Gerüstsilikate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/J.23-040<ref name="Lapis" />

9.GE.15
77.01.04.05
Ähnliche Minerale Stilbit, Stellerit
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Amma (Nr. 63, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/63.3<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 13,64 Å; b = 18,20 Å; c = 17,84 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 8<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen {010}, {001}, {100}, {011} und {111}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3 bis 4<ref name="Lapis" />
Dichte (g/cm3) 2,13 (gemessen); 2,11 (berechnet)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}
Farbe farblos, weiß, rötlichweiß, rosa
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,479<ref name="Mindat" />
nβ 1,485<ref name="Mindat" />
nγ 1,489<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,010<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 78°<ref name="Mindat" />
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten schwer löslich in Salzsäure

Barrerit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Na2[Al2Si7O18]·6H2O<ref name="StrunzNickel" />. Barrerit ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Natrium-Alumosilikat, gehört aber strukturell zur Zeolithgruppe innerhalb der Gerüstsilikate.

Barrerit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und findet sich überwiegend in Form tafeliger Kristalle mit bis zu 5 cm Größe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Barrerit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine rötlichweiße rosa Farbe annehmen.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde das Mineral auf den Andesit-Felsen nahe dem Wehrturm Torre del Coltellazzo bei Pula an der Südküste der italienischen Insel Sardinien. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch E. Passaglia und D. Pongiluppi, die das Mineral nach dem neuseeländischen Chemiker und Begründer der Zeolithchemie Richard Maling Barrer (1910–1996) benannten.

Passaglia und Pongiluppi sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1974 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1974-017<ref name="IMA-Liste" />), die den Barrerit als eigenständige Mineralart anerkannte. Eine Zusammenfassung der Erstbeschreibung wurde im Folgejahr im Fachmagazin Mineralogical Magazine veröffentlicht. In dieser wurde darauf hingewiesen, dass das Mineral bereits 1974 als sogenannter „Sodian stellerite ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) oder auch natriumhaltiger Stellerit) from Capo Pula, Sadegna“ beschrieben wurde, einem Calcium-Zeolith mit der Raumgruppe Fmmm (Raumgruppen-Nr. 69)Vorlage:Raumgruppe/69. Dies stand im Gegensatz zum neuen Mineral mit der Amma (Nr. 63, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/63.3, das zudem in der Zusammensetzung einen höheren Natrium- als Calciumgehalt aufwies. Der britische Mineraloge Max Hey und der italienische Geologe Glauco Gottardi schlugen daher vor, diese Phase als neue Mineralart zu betrachten.

Das Typmaterial des Minerals wird im Istituto di Mineralogia e Petrografia (mehrere Gramm) der Universität Modena in italien und im National Museum of Natural History unter der Katalog-Nummer 128521 aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />

Seit 2021 ist auch die „Bre“ lautende Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Barrerit von der IMA/CNMNC anerkannt.<ref name="Warr" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Barrerit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.23-040. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Barrerit zusammen mit Brewsterit-Ba, Brewsterit-Sr, Epistilbit, Goosecreekit, Heulandit-Ba, Heulandit-Ca, Heulandit-K, Heulandit-Na, Heulandit-Sr, Klinoptilolith-Ca, Klinoptilolith-K, Klinoptilolith-Na, Stellerit, Stilbit-Ca und Stilbit-Na eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/J.23 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Barrerit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Tafeln mit 4-4-1-1 Struktureinheiten“ zu finden, wo es zusammen mit Stellerit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 9.GE.15 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Barrerit die System- und Mineralnummer 77.01.04.05. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Echte Zeolithe“ in der Gruppe „Heulandit und verwandte Arten“, in der auch Heulandit-Ca, Heulandit-Na, Heulandit-K, Heulandit-Sr, Heulandit-Ba, Klinoptilolith-K, Klinoptilolith-Na, Klinoptilolith-Ca, Stilbit-Ca, Stilbit-Na und Stellerit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Barrerit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Amma (Raumgruppen-Nr. 63, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/63.3 mit den Gitterparametern a = 13,64 Å, b = 18,20 Å und c = 17,84 Å sowie acht Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

Reiner Barrerit ist farblos<ref name="Mindat-Barrerit-farblos" />. Durch Gitterbaufehler oder Fremdbeimengungen zeigt er sich jedoch meist in weißer, rötlichweißer oder rosa Farbe.

Bildung und Fundorte

Datei:Barrerite-Quartz-mrz327a.jpg
Tafeliger Barrerit (links) und 7 cm langer „Zuckerquarz“-Stalaktit (rechts) vom Rocky Pass, Kuiu Island

Über die genauen Bildungsbedingungen von Barrerit ist bisher nichts bekannt. Er findet sich jedoch vorwiegend an den Wänden großer Brüche stark verwitterter Andesit- und Rhyolith-Lava oder in anderen basisch-magmatischen Gesteinen, wie dem Diabas (USA), wo er unter anderem in Paragenese mit Heulandit auftritt.

Barrerit gehört zu den seltenen Mineralbildunge, von dem weltweit bisher nur 20 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2024). Außer an seiner Typlokalität auf dem Andesit-Felsen bei Pula wurde Barrerit in Italien noch bei Furtei auf Sardinien und möglicherweise noch am Pufler Loch bei St. Ulrich in Gröden in Südtirol gefunden.

Weitere Fundorte sind die „Cantung Mine“ bei Tungsten (Nordwest-Territorien) und im „Woodworth Cove“ (Woodworth Höhle) an der Bay of Fundy in Kanada, Hirado in Japan, die norwegische Kommune Vefsn sowie Kuiu Island (Sitka Borough, Alaska), das Pershing County (Nevada) und Cedar Mountain bei Mitchell (Culpeper County, Virginia) in den Vereinigten Staaten.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Barrerit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 28. Mai 2024. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 28. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – B. (PDF 373 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 28. Mai 2024. </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Barrerite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 28. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Barrerit-farblos"> Bildbeispiel eines farblosen Barrerits. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 28. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 708. </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Barrerite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 28. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>