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Fujitsu Siemens Computers

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Fujitsu Siemens Computers GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1. Oktober 1999
Auflösung 9. April 2009
Sitz München, Deutschland
Leitung Kai Flore, CEO
Mitarbeiterzahl 6.161 (2008)<ref>Veröffentlichung im elektronischen Bundesanzeiger</ref>
Umsatz 5,43 Mrd. Euro (2008)<ref>Veröffentlichung im elektronischen Bundesanzeiger</ref>
Website fujitsu.com

Fujitsu Siemens Computers (FSC) war der letzte weltweit bedeutende Computerhersteller mit deutscher bzw. europäischer Beteiligung. Das Unternehmen entstand am 1. Oktober 1999 durch den Zusammenschluss von Fujitsu Computers Europe und Siemens Computer Systems, dem Nachfolgeunternehmen der Siemens Nixdorf Informationssysteme (SNI).

FSC war ein Joint Venture der beiden Mutterkonzerne Fujitsu und Siemens, die beide zu je 50 Prozent beteiligt waren. Siemens verkaufte bis zum April 2009 seine gesamten Anteile an Fujitsu. Das Nachfolgeunternehmen, das zunächst alle deutschen Standorte weiterbetrieb, ist Fujitsu Technology Solutions.

Geschichte

Fujitsu Siemens Computers wurde Ende 1999 als Joint Venture zwischen Fujitsu und Siemens gegründet. Beide Mutterkonzerne waren jeweils zu 50 % beteiligt. Siemens brachte in das neue Gemeinschaftsunternehmen das eigene Tochterunternehmen Siemens Nixdorf Informationssysteme AG ein. Dieses wiederum war 1990 entstanden, als Siemens Nixdorf Computer übernommen hatte. Siemens Nixdorf wurde zwischen 1998 und 1999 in kleinere Gesellschaften aufgespalten und teilweise verkauft. Die Computersparte wurde dabei in Fujitsu Siemens eingebracht.

FSC war während seines Bestehens das größte europäische Computerunternehmen und verfügte über mehrere Niederlassungen in ganz Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Auf dem asiatischen Markt war FSC nicht aktiv, dort agierte Fujitsu selbst. Dadurch hatte FSC keinen Zugang zu diesem Wachstumsmarkt.<ref>Jürgen Mauerer: Die Geschichte von Fujitsu. In: computerwoche.de. 13. März 2015, abgerufen am 9. August 2023.</ref> In Deutschland wurden Produktion und Entwicklung in München, Augsburg, Paderborn, Bad Homburg vor der Höhe und Sömmerda betrieben. Eine Besonderheit waren die in Augsburg eigens entwickelten und gefertigten Hauptplatinen. Das Unternehmen war lange Zeit Marktführer in Deutschland.

Datei:Fujitsu Siemens Pocket LOOX PDA (46869074464).jpg
Pocket LOOX

Die Produktpalette umfasste Handheld-PCs (PDAs), Tablet-PCs, Computer, Monitore, Notebooks, Server bis hin zu Mainframe-Computersystemen und kompletten IT-Infrastrukturlösungen. Besonderen Wert legte das Unternehmen auch auf das Green-IT-Konzept. Das Unternehmen betrieb eine globale Zusammenarbeit mit Fujitsu, bezog u. a. deren UNIX-Serversysteme, die seit 2004 auch von Sun Microsystems angeboten wurden.

Zum 1. April 2006 kaufte FSC die Servicesparte der Siemens Business Services mit ca. 4500 Mitarbeitern.<ref>Markus Balser: Siemens Business Services wird zerlegt. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010, abgerufen am 9. August 2023.</ref> Diese wurde als IT Product Services zunächst rechtlich selbständig in den Konzern integriert, ging allerdings bis April 2007 vollständig in FSC auf.

Von Juli 2004 bis November 2008 war Bernd Bischoff Präsident und CEO von Fujitsu Siemens Computers. Insbesondere ab 2005 begann der Marktanteil von Fujitsu Siemens auch in Deutschland deutlich zu sinken und fiel innerhalb von drei Jahren von fast 19 % (2005)<ref>Von FSC bleibt nur noch Fujitsu. In: computerwoche.de. 31. März 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 9. August 2023.</ref> auf 11,9 % (2008). Zuletzt hatte FSC damit die Marktführerschaft auch in Deutschland verloren<ref>Siemens will bei Fujitsu Siemens aussteigen. In: spiegel.de. Spiegel Online, 6. August 2008, abgerufen am 9. August 2023.</ref> und rangierte dort nur noch auf Platz 3, hinter HP und Acer. Insbesondere Management-Fehler wurden für den sinkenden Marktanteil verantwortlich gemacht.<ref>Andreas Zilch: FSC-Management ohne Visionen mit vielen Fehlern. In: computerwoche.de. 29. Juli 2008, abgerufen am 9. August 2023.</ref> Dennoch konnte Fujitsu Siemens auch 2008 einen Gewinn von 105 Millionen Euro ausweisen, was sogar fast 15 % mehr als im Vorjahr waren. Ab Ende 2008 übernahm Kai Flore die Geschäftsführung. Unter ihm wurden im gesamten Unternehmen, auch in der Führungsspitze, über 700 Mitarbeiter entlassen.<ref>Ursula Schwarzer: Fujitsu Siemens bricht ein. In: manager-magazin.de. Axel Springer SE, 19. Februar 2009, abgerufen am 9. August 2023.</ref>

Fujitsu Siemens Computers beschäftigte in Europa zuletzt etwa 10.500 Mitarbeiter, 6.000 davon in Deutschland.

Auflösung

Am 4. November 2008 gab die Siemens AG bekannt, dass sie für 450 Mio. Euro ihre Anteile von FSC an Fujitsu verkaufen werde.<ref name=":0">Siemens trennt sich vom PC-Geschäft mit Fujitsu. In: welt.de. Die Welt, 4. November 2008, abgerufen am 9. August 2023.</ref> Die Transaktion wurde schließlich bis zum 1. April 2009 abgeschlossen.<ref>Jürgen Kuri: Siemens baut keine Computer mehr. In: heise.de. Heise Medien GmbH & Co. KG, 4. November 2008, abgerufen am 9. August 2023.</ref><ref>Siemens verkauft seinen Fujitsu-Anteil. In: spiegel.de. Spiegel Online, 23. September 2008, abgerufen am 9. August 2023.</ref> Der damalige Siemens-Chef Peter Löscher hatte sich unzufrieden über den Gewinn von 105 Millionen Euro bei etwa 6,6 Milliarden Euro Umsatz geäußert,<ref>Fujitsu Siemens droht das Ende. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010, abgerufen am 9. August 2023 (Printausgabe am 12. Juli 2008).</ref> weshalb das Joint-Venture aus Rentabilitätsgründen aufgekündigt wurde. Fujitsu Siemens Computers war der letzte deutsche und auch der letzte europäische Computerhersteller mit weltweit nennenswertem Marktanteil.

Nach dem Ausstieg von Siemens übernahm Fujitsu alle ehemaligen Standorte von FSC (unter anderem auch in München, Augsburg, Paderborn und Sömmerda). Fujitsu Siemens Computers wurde in die neugegründete Fujitsu Technology Solutions GmbH mit Sitz in München umgewandelt. Forschung, Entwicklung und Produktion wurden zunächst in Deutschland weiter betrieben. Im Zuge der Unternehmensumstrukturierung wurde 2016 der Standort Paderborn geschlossen.<ref>Axel Kannenberg: Fujitsu schließt Standort in Paderborn: 600 Mitarbeiter betroffen. In: heise.de. Heise Medien GmbH & Co. KG, 19. Oktober 2015, abgerufen am 9. August 2023.</ref> Berichten zufolge soll Fujitsu bereits 2008 erwägt haben, die PC-Sparte an den chinesischen Konkurrenten Lenovo zu verkaufen,<ref name=":0" /> dazu kam es jedoch erst 2017.<ref>Tobias Weidemann: Lenovo übernimmt PC-Sparte von Fujitsu: Warum der chinesische Konzern weiter auf PCs setzt. In: t3n.de. 2. November 2017, abgerufen am 9. August 2023.</ref>

Im Oktober 2018 kündigte Fujitsu zudem die Schließung des Augsburger Werkes an.<ref>Europas letztes Computerwerk: Fujitsu macht in Augsburg dicht. In: goettinger-tageblatt.de. Göttinger Tageblatt, 26. Oktober 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 30. Januar 2021.</ref> Ein Jahr später begann der Personalabbau und am 30. September 2020 beendete Fujitsu dort offiziell die Produktion. Das Unternehmen kehrte Augsburg jedoch nicht vollständig den Rücken. Ende 2020 eröffnete Fujitsu unweit des ehemaligen Standortes eine neue Niederlassung für Serviceleistungen.<ref>Barbara Leinfelder: Fujitsu in Augsburg: über das Ende einer "Geisterfabrik". In: br.de. Bayerischer Rundfunk, 30. September 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 30. Januar 2021.</ref>

Die Entwicklung und Fertigung der Computerhauptplatinen wurde von Kontron übernommen, eines Herstellers eingebetteter Computersysteme.<ref>Geeignete Mitarbeiter sollen übernommen werden: Fujitsu verkauft Mainboard-Fertigung in Augsburg an Kontron. Abgerufen am 23. Oktober 2023.</ref>

Produkte

Datei:Fujitsu Siemens Computers Amilo L7300-0047.jpg
Notebook Fujitsu Siemens Computers Amilo L7300

Siehe auch

Weblinks

Commons: Fujitsu-Siemens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Labor für Impulstechnik (1952–1968) | Nixdorf Computer (1968–1990) | Siemens Nixdorf (1990–1999)

Computersparte:

Fujitsu Siemens Computers (1999–2009) | Fujitsu Technology Solutions (seit 2009)

Banken- und Handels-IT:

Siemens Nixdorf Retail & Banking Systems (1998–1999) | Wincor Nixdorf (1999–2016) | Diebold Nixdorf (seit 2016)

IT-Dienste:

Siemens Business Services (1995–2007) | Siemens IT Solutions and Services (2007–2011) | Atos (seit 2011)

Vorlage:Klappleiste/Ende

Koordinaten: 48° 10′ 37,2″ N, 11° 35′ 32,2″ O

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