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Matthias Hentze

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Matthias Hentze, 2011

Matthias Werner Hentze (* 25. Januar 1960 in Wiedenbrück, heute Rheda-Wiedenbrück) ist ein deutscher Wissenschaftler und Arzt. Er ist gegenwärtig Direktor des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL)<ref name="EMBL Leadership">EMBL Leadership</ref>, Mitgründer der Molecular Medecine Partnership Unit (MMPU) und Professor für Molekulare Medizin<ref>Fakultät am Uniklinikum Heidelberg</ref> an der Universität Heidelberg.

Leben

Hentze legte 1978 die Abiturprüfung am Ratsgymnasium in Rheda-Wiedenbrück ab und studierte anschließend Humanmedizin an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, sowie an den medizinischen Hochschulen von Southampton, Oxford, Glasgow und Cambridge im Vereinigten Königreich.<ref name="Leopoldina CV" /> Im Jahre 1984 erlangte er die Approbation als Arzt<ref name="Leopoldina CV" /> und promovierte zum Dr. med. an der Universität Münster über die Biogenese, Reifung und den Transport lysosomaler Enzyme bei Kurt von Figura. Gefördert durch ein Postdoktorandenstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) schloss sich Hentze 1985 nach kurzer ärztlicher Tätigkeit der Forschungsgruppe von Richard D. Klausner an den National Institutes of Health (Bethesda, Maryland, USA) an.<ref name="Leopoldina CV" /> Im Jahre 1989 wechselte Hentze als wissenschaftlicher Gruppenleiter an das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie<ref name="EMBL Leadership" /> in Heidelberg. Im Alter von 30 Jahren habilitierte er 1990<ref name="Leopoldina CV" /> an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und wurde 1996 zum Dekan des EMBL International PhD Programme berufen.<ref name="Leopoldina CV">Leopoldina CV.</ref>

Im Jahre 2005 wurde Hentze zum Vizedirektor des EMBL sowie zum Professor für Molekulare Medizin der Universität Heidelberg ernannt.<ref name="Leopoldina CV" /> Seit Juni 2013 ist er Direktor des EMBL.

Hentze ist verheiratet und hat drei Töchter. Er absolvierte mehrere Marathons der World-Marathon-Majors-Serie.<ref>Abbott World Marathon Majors Six Star Finishers Hall of Fame. Abgerufen am 31. März 2020.</ref>

Wirken

Forschung

Hentzes Forschungen widmen sich der RNA-Biologie und den RNA-bindenden Proteinen. Im Jahre 1987 entdeckten Hentze und Kollegen mit den Iron-responsive elements (IRE) das erste Beispiel eines RNA-Elements für die translationale Genregulation bei Säugern.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Hentzes Forschungsteam hat grundlegende Arbeiten für das Verständnis der Translationskontrolle (RNA-bindende Proteine, microRNAs) geleistet, dessen Bedeutung für die Entwicklungsbiologie, Hirnfunktion, Krebsentstehung und andere Erkrankungen inzwischen weithin anerkannt ist.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Außerdem gelangen ihm Schlüsselentdeckungen auf dem Gebiet des Eisenstoffwechsels und seiner Erkrankungen.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Im Rahmen der MMPU untersucht er unter anderem Erkrankungen des RNA Stoffwechsels, vor allem des sogenannten nonsense-mediated decay (NMD) und der 3’Endbildung von mRNAs.<ref name="EMBL MMPU">EMBL Homepage. Molecular Medicine Partnership Unit. Abgerufen am 11. Mai 2020</ref>

2010 schlug Hentze mit dem Konzept von REM Networks eine neue Verbindungsachse zwischen Stoffwechsel und der Genexpression auf Basis RNA-bindender Enzyme vor (Hentze und Preiss, 2010).<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Das Forschungsprojekt wurde im Jahre 2011 mit einem ERC Advanced Investigator Grant des Europäischen Forschungsrats gefördert.<ref>„REM Networks“. Website des European Research Council. Abgerufen am 2. Juni 2015</ref> Diese Arbeiten führten zur Entwicklung der „RNA Interactome Capture“ Technik und der Entdeckung hunderter neuer RNA-bindender Proteine in den Zellen von Säugern und Hefe, einschließlich über 100 Stoffwechselenzymen.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> 2016 beschrieben Hentze und Kollegen neuartige RNA-bindende Motive von Proteinen, die sie mit Hilfe der von ihnen entwickelten RBDmap Methode entdeckten.<ref name="Castello 2016">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Im Jahre 2019 beschrieben sie das Konzept der Riboregulation. Sie entdeckten, dass das Autophagie-Rezeptorprotein p62 durch direkte Anbindung einer kleinen RNA, vtRNA1-1, gesteuert wird und dass die kleine RNA direkt Protein-Proteinwechselwirkungen zwischen p62-Monomeren inhibiert.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Eine neuartige Form der Riboregulation beschrieb das Team im Jahre 2022: RNA bindet direkt an das katalytische Zentrum des glykolytischen menschlichen Enzyms Enolase-1 und blockiert dessen Aktivität.<ref></ref>

Administratives Wirken

Seit 1996 hat Hentze wichtige Funktionen in der wissenschaftlichen Administration des EMBL und darüber hinaus wahrgenommen, zunächst als Dekan des Internationalen Doktorandenprogramms sowie im Auf- und Ausbau des internen und externen Ausbildungsangebots des EMBL. So spielte er u. a. eine Schlüsselrolle bei der Konzeptentwicklung und Etablierung des Advanced Training Centre (ATC)<ref>EMBL Advanced Training Centre. Course and Conference Office. Training. Abgerufen am 11. Juni 2021</ref> in Heidelberg. Er verantwortete auch den Aufbau von EMBLs Fundraising sowie des Alumni Programmen und etablierte EMBLs erstes Bioethikkommittee, das er von 2004 bis 2020 leitete.<ref name="Leopoldina CV" />

Gemeinsam mit Andreas Kulozik<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Universitätsklinikum Heidelberg. Prof. Dr. med. Andreas Kulozik. Abgerufen am 5. August 2015 (Memento vom 7. Juni 2015 im Internet Archive)</ref> von der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg gründete er 2002 die Molecular Medicine Partnership Unit (MMPU)<ref name="EMBL MMPU" /><ref>Press Release. Neue Forschungseinheit in der Universitätskinderklinik / EMBL. Abgerufen am 3. April 2020</ref> und war bis Mai 2025 als deren Co-Director verantwortlich. Die MMPU stellt die erste institutionelle Partnerschaft zwischen dem EMBL und einer nationalen Forschungseinrichtung dar und widmet sich interdisziplinärer Forschung an der Schnittstelle zwischen Molekularbiologie und klinischer Medizin.

Die Überzeugung, dass die Lösung gravierender Umweltprobleme wie Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt und Verschmutzung nicht allein mit Verhaltensänderungen und Regelungen, sondern unbedingt auch durch wissenschaftliche Forschung angestrebt werden muss, motivierte ihn 2020 zur Gründung der Environmental Research Initiative (ERI).<ref>EMBL. Environmental Research Initiative. Abgerufen am 11. Juni 2021</ref> Fokussiert auf global vernetzte, interdisziplinäre molekularbiologische Forschung führt ERI die Handlungsbereitschaft privater Spender und das kreative Forschungspotenzial am EMBL tätiger Wissenschaftler zusammen zur Schaffung konkreter, neuer Lösungsansätze.

Auszeichnungen und Preise

Hentze ist Mitglied nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften wie der RNA Society, der BioIron Society (die er mitgründete) sowie der deutschen Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM).

Editorial Boards

Hentze ist oder war Mitglied der Editorial Boards internationaler Fachzeitschriften, einschließlich Molecular Cell, RNA,<ref>RNA Editorial Board. Abgerufen am 5. August 2015</ref> EMBO Molecular Medicine,<ref>EMBO Press – Editors & Advisory Editorial Board. Abgerufen am 5. August 2015</ref> Trends in Biochemical Sciences,<ref>TiBS Editorial Board. Abgerufen am 5. August 2015</ref> Journal of Molecular Medicine,<ref>Journal of Molecular Medicine Editorial Board. Abgerufen am 5. August 2015</ref> BMC Molecular Biology,<ref>BMC Molecular Biology Editorial Board. Abgerufen am 5. August 2015</ref> and Wiley Interdisciplinary Reviews: RNA.<ref>Wiley Online Library. Abgerufen am 5. August 2015</ref>

Sonstige Tätigkeiten

Hentze ist oder war Mitglied zahlreicher internationaler Beratungsgremien, einschließlich des wissenschaftlichen Ausschusses und Kuratoriums des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (Berlin, Deutschland), des wissenschaftlichen Beratungskomitees des Berlin Institute of Health (BIH/BIG),<ref>Pressemitteilung des BIG/BIH vom 12. März 2014. Abgerufen am 19. April 2017</ref> des Istituto Nazionale Genetica Molecolare (INGM)<ref>Comitato Tecnico Scientifico. INGM Homepage. Abgerufen am 11. Mai 2020</ref> (Mailand, Italien), des Centenary Institute<ref>Scientific Advisory Board. Centenary Homepage. Abgerufen am 19. April 2017</ref> (Sydney, Australien), der Smart Health Initiative der King Abdullah University of Science and Technology (KAUST), und der Cold Spring Harbor Conferences Asia.<ref>CSH Asia Scientific Advisory Board (2013-2015) CSH Asia Homepage. Abgerufen am 19. April 2017</ref> Ferner ist Hentze wissenschaftlicher Mitgründer von Anadys Pharmaceuticals (San Diego, USA).<ref>Press Release. Anadys Pharmaceuticals Created. Abgerufen am 19. April 2017</ref>

Publikationen

Hentze ist (Mit-)Autor von Lehrbüchern auf dem Gebiet der Molekularen Medizin und hat über 300 wissenschaftliche Originalbeiträge veröffentlicht.

Weblinks

Einzelnachweise

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