Richard Menapace
| Menapace mit dem Siegerkranz nach der Österreich-Rundfahrt 1949 | |
| Menapace mit dem Siegerkranz nach der Österreich-Rundfahrt 1949 | |
| Zur Person | |
|---|---|
| Spitzname | Fuchsgesicht |
| Geburtsdatum | 20. Dezember 1914 |
| Sterbedatum | 21. April 2000 |
| Nation | Datei:Flag of Italy.svg Italien / Datei:Flag of Austria.svg Österreich |
| Disziplin | Straße |
| Karriereende | 1950 |
| Internationale Team(s) | |
| 1938 1939 1940–1942 |
Dopolavoro Mate La Voce di Mantova Wanderer |
| Letzte Aktualisierung: 8. März 2025 | |
Richard Menapace (* 20. Dezember 1914 in Tramin; † 21. April 2000 in Salzburg) war ein Südtiroler Radrennfahrer, der mit italienischer, deutscher und zuletzt österreichischer Lizenz Rennen auf Bahn und Straße bestritt.
Sportliche Laufbahn
Richard Menapace wurde als drittes von sieben Kindern der Familie in einfachen Verhältnissen in Südtirol geboren. Sein Vater war der Schlosser Engelbert Menapace, seine Mutter die Hausfrau Colletta Menapace, geborene Nardelli. Die Mutter war deutsch-, der Vater italienischsprachig. In seiner Autobiografie schrieb Menapace später, von seiner Familie habe er Zusammenhalt und den „Willen zum Durchhalten“ gelernt, von seiner Heimat die „Heiterkeit und des Milde des südlichen Weinlandes“, vermischt mit dem „Ernst der Berge und Wälder Tirols“. Mit dem Fahrradfahren in Berührung kam er durch Fahrräder, die in der Werkstatt seines Vaters repariert wurden, und sein Lehrer schwärmte von den „Helden“ des Giro d’Italia.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 178.</ref>
Nach der Schule absolvierte Menapace, der 1,58 Meter groß war und 55 Kilogramm wog, eine Gärtnerlehre in Bozen. Er fuhr in seiner Jugend in Italien seine ersten Radrennen und nahm an ersten italienischen Meisterschaften teil. 1935/36 absolvierte er seinen Militärdienst in Italien; laut seinen eigenen Worten entwickelte er in dieser Zeit eine Abneigung gegen das italienische Militär, aber auch generell gegen Italien und den Faschismus. Aufgrund seiner Erfolge hätte er bei den Olympischen Spielen 1936 starten können, wurde aber nicht nominiert.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 179. Die Angabe, dass er nicht starten konnte, weil er als Militärangehöriger Italien nicht hätte verlassen dürfen, hat sich inzwischen als unzutreffend erwiesen.</ref>
1937 gewann er das Rennen Mailand–München, was ihn in Italien, Österreich und Deutschland bekannt machte. Nach dem Sieg erhielt er mehrere Angebote von Radsportteams aus Italien. Menapace wollte aber nicht Domestik in einem Werksteam sein und löste daher eine Lizenz als Unabhängiger, was ihm weiterhin Rennen bei den Amateuren, aber auch Starts mit den Profis, etwa beim Giro d’Italia, ermöglichte. 1938 nahm er am Giro d’Italia teil, bei dem er den 13. Platz belegte, 1939 schied er nach einem schweren Sturz aus.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 180.</ref>
1940 zog Menapace nach Jestetten in Baden, wo er offiziell als „Hilfswerker“ und Rennfahrer bei Altenburger angestellt war.<ref name="sax">Matthias Marschik: Der unbekannte Star: Der Radrennfahrer Richard Menapace in Chemnitz. In: saxorum.hypotheses.org. 25. Februar 2025, abgerufen am 28. Februar 2025.</ref> Er schloss einen Vertrag mit dem Wanderer-Radsportteam ab.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 180/81.</ref> Ab April 1940 fuhr er im Deutschen Reich Rennen auf Straße und Bahn. Ab Anfang 1942 absolvierte er eine Ausbildung zum Offiziersanwärter, anschließend eine zum Dolmetscher. Mitte 1942 wurde er nach Nordafrika geschickt, und, nachdem sein Verband aufgelöst war, anschließend an verschiedene Orte in Italien.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 181.</ref>
Nach dem Zweiten Weltkrieg fuhr Menapace Rennen weiterhin als Amateur, zunächst mit italienischer, dann mit österreichischer Lizenz.<ref name="sax" /> 1948 wurde er österreichischer Straßenmeister.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 182.</ref> 1949 (40 Minuten Vorsprung) und 1950 (20 Minuten Vorsprung) gewann er jeweils die Österreich-Rundfahrt. Diese Siege wurden in Medienberichten als national bedeutsam gefeiert, obwohl Menapace zu dieser Zeit noch Italiener war, und in Salzburg galt er als „Nationalheros“.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 185.</ref> Zudem wurde er in beiden Jahren „Großglocknerkönig“<ref>Christian Glaner: Triumphe und Tragödien. Teil 2. Bad Vöslau 2009, S. 170.</ref>, d. h. er überquerte den Großglockner auf der Etappe als Erster. 1949 gewann er Rund um das Lech- und Donautal.<ref>Salzburger Volkszeitung, 13. Juli 1949, S. 4.</ref> Er führte ab 1947 ein Fahrradgeschäft in Salzburg, was zu der kuriosen Situation führte, dass er ein Rennen gewann, das er selbst gesponsort hatte.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 181.</ref>
Im Herbst des Jahres 1950 beendete er seine sportliche Laufbahn.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 186/7.</ref>
Berufliches
1948 ließ sich Richard Menapace in Salzburg nieder. Er eröffnete mit seinem Radsportkollegen Franz Perfahl ein Fahrradgeschäft, in dem auch seine spätere Frau Magdalena, geborene Elzenbaum, mitarbeitete, die ebenfalls aus Tramin stammte.<ref name="Menapace1951">Richard Menapace: Der Bergkönig. Richard Menapace erzählt. Wilhelm Braumüller Verlag, Wien 1951, S. 107.</ref> Erst im Mai 1950 erhielt er auf Antrag die österreichische Staatsbürgerschaft.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 185.</ref> 1957 gab er das Fahrradgeschäft auf und betätigte sich fortan als Immobilienentwickler.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 189.</ref> Er verstarb im 86. Lebensjahr am 21. April 2000 in Salzburg und wurde auf dem Salzburger Kommunalfriedhof beerdigt.<ref>Richard Menapace, Siegerfoto Österreichrundfahrt. In: provinz.bz.it. 20. Dezember 1914, abgerufen am 9. März 2025.</ref>
Ehrungen
1949 wurde Richard Menapace von den österreichischen Journalisten zum Sportler des Jahres gewählt.<ref>Sieger von 1949 bis 2009. Abgerufen am 30. Oktober 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er war der erste Sportler, dem diese Ehrung zuteilwurde. Kurz zuvor war er bereits vom Bürgermeister der Stadt Wien mit dem Sportehrenzeichen der Stadt geehrt worden. Auch hier war es die erste Verleihung des Preises.<ref name="Menapace1951" /> 1950 machte er den ersten Spatenstich für die neue Salzburger Radrennbahn.<ref>Hachleitner et al., Etappenziel Österreich, S. 186/7.</ref>
Erfolge
1937
- Gesamtwertung und eine Etappe Mailand–München
1948
- Datei:MaillotAustria.PNG Österreichischer Meister – Straßenrennen
1949
- Gesamtwertung, Bergwertung und fünf Etappen Österreich-Rundfahrt
1950
- Gesamtwertung und Bergwertung Österreich-Rundfahrt
Grand-Tour-Platzierungen
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Publikation
- Richard Menapace erzählt … Mit vielen Fotos und Zeichnungen (Ill. v. Bruno Schwatzek). Braumüller, Wien 1951.
Literatur
- Richard Menapace (20. Dezember 1914–21. April 2000). In: Bernard Hachleitner, Matthias Marschik, Rudolf Müllner, Johann Skocek (Hrsg.): Etappenziel Österreich. Etappenziel Österreich. Radsport 1930 bis 1950 – Helden, Raum und Nation (= Zeitgeschichte im Kontext. Band 21). Vienna University Press, Wien 2024, ISBN 978-3-8471-1642-4, S. 177–189.
- Matthias Marschik: Österreich erfahren … Richard Menapace und der österreichische Radsport nach 1945. In: Matthias Marschik/Agnes Meisinger/Rudolf Müllner/Johann Skocek/Georg Spitaler (Hrsg.): Images des Sports in Österreich. Innensichten und Außenwahrnehmungen. Göttingen 2018, ISBN 978-3-8471-0907-5, S. 335–348.
Weblinks
- Artikel Richard Menapace im Salzburgwiki
- Richard Menapace in der Datenbank von Radsportseiten.com
- Matthias Marschik: Der unbekannte Star: Der Radrennfahrer Richard Menapace in Chemnitz | Saxorum. In: saxorum.hypotheses.org. 25. Februar 2025.
Einzelnachweise
<references />
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Vorlage:Navigationsleiste Sportler des Jahres (Österreich)Vorlage:Klappleiste/Anfang
1916–1919 Joseph Kokoll | 1923 Paul Költl | 1924 Otto Cap | 1925 A. Schalander | 1926, 1927 Max Bulla (B) / F. Bösch | 1934 Richard Zumpe | 1935 Ferdinand Gatternig | 1936 Eugen Sehnalek | 1937 Karl Schmaderer | 1938 Josef Bösch | 1939 nicht ausgetragen | 1940 Karl Wölfl | 1941-45 nicht ausgetragen | 1946 Ernst Ciganek | 1947 Heinrich Schiebl | 1948 Richard Menapace | 1949 Josef Pohnetal (B) | 1949, 1952 Rudolf Lauscha senior | 1950 Rudi Valenta (B) | 1950-51 Alfred Sitzwohl | 1951 Hermann Konsulic (B) | 1952 Alfred Kain (B) | 1953 Franz Wukitsevits | 1954, 1956 Adolf Christian | 1955 Heinz Klöckl | 1957 Richard Durlacher | 1958 Leopold Friedbacher | 1959, 1960 Kurt Postl | 1961 Walter Müller | 1962 Arnold Ruiner | 1963 Franz Weiss | 1964, 1967 Robert Csenar | 1965 Hans Furian | 1966 Christian Frisch | 1968 Franz Inthaler | 1969, 1970 Georg Postl | 1971, 1974 Siegfried Denk | 1972 Herbert Füzi | 1973 Kurt Schattelbauer | 1975 Ludwig Kretz | 1976, 1978 Herbert Spindler | 1977 Hans Summer | 1979 Manfred Horvath | 1980, 1982 Peter Muckenhuber | 1983 Johann Lienhart | 1984 Helmut Wechselberger | 1985 Bernhard Rassinger | 1986 Paul Popp | 1987 Arno Wohlfahrter | 1988 Albert Hainz | 1989, 1994 Mario Traxl | 1990 Heinz Hechenberger | 1991 Armin Purner | 1992 Richard Schmied | 1993 Peter Luttenberger | 1995, 1998 Josef Lontscharitsch | 1996 Heinz Marchel | 1997, 2003 Georg Totschnig | 1999 Hannes Hempel | 2000 Werner Riebenbauer | 2001 Jürgen Pauritsch | 2002 René Haselbacher | 2004 Harald Morscher | 2005 Gerrit Glomser | 2006 Bernhard Kohl | 2007, 2008 Christian Pfannberger | 2009 Markus Eibegger | 2010 Harald Starzengruber | 2011 Matthias Krizek | 2012, 2018 Lukas Pöstlberger | 2013, 2014 Riccardo Zoidl | 2015 Marco Haller | 2016 Matthias Brändle | 2017, 2023 Gregor Mühlberger | 2019, 2021 Patrick Konrad | 2020 Valentin Götzinger | 2022 Felix Großschartner | 2024 Alexander Hajek | 2025 Tim Wafler
(B) = Berufsfahrer
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang 1949, 1950 Richard Menapace | 1951, 1952 Franz Deutsch | 1953 François Gelhausen | 1954 Adolf Christian | 1955 Lars Nordwall | 1956 Roland Ströhm | 1957 Gunnar Wilhelm Göransson | 1958 Richard Durlacher | 1959, 1961 Stefan Mascha | 1960 René Lotz | 1962 Walter Müller | 1963 Jan Pieterse | 1964 Edy Schütz | 1965, 1966 Hans Furian | 1967 Rini Wagtmans | 1968 Jan Krekels | 1969 Matthijs de Koning | 1970, 1974, 1977 Rudolf Mitteregger | 1971 Roman Humenberger | 1972, 1973, 1975, 1976 Wolfgang Steinmayr | 1978 Jostein Wilmann | 1979 Herbert Spindler | 1980 Geir Digerud | 1981 Gerhard Zadrobilek | 1982, 1986 Helmut Wechselberger | 1983 Kurt Zellhofer | 1984 Stefan Maurer | 1985 Olaf Jentzsch | 1987 Dmitri Konyschew | 1988, 1990 Dietmar Hauer | 1989, 1992 Valter Bonča | 1991 Roman Kreuziger | 1993, 2000 Georg Totschnig | 1994 Harald Morscher | 1995 Steffen Kjærgaard | 1996 Frank Vandenbroucke | 1997 Daniele Nardello | 1998 Beat Zberg | 1999 Maurizio Vandelli | 2001, 2004 Cadel Evans | 2002, 2003 Gerrit Glomser | 2005 Juan Miguel Mercado | 2006 – | 2007 Stijn Devolder | 2008 Thomas Rohregger | 2009 Michael Albasini | 2010 Riccardo Riccò | 2011 Fredrik Kessiakoff | 2012 Jakob Fuglsang | 2013 Riccardo Zoidl | 2014 Peter Kennaugh | 2015 Víctor de la Parte | 2016 Jan Hirt | 2017 – | 2018, 2019 Ben Hermans | 2023 Jhonatan Narváez | 2024 Diego Ulissi | 2025 Isaac Del Toro
Der Sieger von 2006, Tom Danielson, wurde wegen Dopings nachträglich disqualifiziert. Der Sieger von 2017, Stefan Denifl, wurde wegen Dopings nachträglich disqualifiziert. Vorlage:Klappleiste/Ende
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Menapace, Richard |
| KURZBESCHREIBUNG | italienisch-österreichischer Radrennfahrer |
| GEBURTSDATUM | 20. Dezember 1914 |
| GEBURTSORT | Tramin |
| STERBEDATUM | 21. April 2000 |
| STERBEORT | Salzburg |
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