Futschi
Futschi ist ein Longdrink, der aus Cola und Weinbrand oder Weinbrand-Verschnitt gemischt wird.<ref>Carmen Böker, Silvia Meixner: Wie werde ich ein Berliner? In 55 Schritten zum Hauptstädter. 2002, S. 163. Für die Schreibweise „Fudschi“ siehe der Roman: Sadhu van Hemp: Der Haschischraucher: Ein Mann im Abseits. 2004, S. 115, 116. Zur Kennzeichnung in Speisekarten siehe Merkblatt zur Kennzeichnungspflicht von Getränken. Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, April 2005</ref> Futschi wird hauptsächlich in Kneipen in Berlin angeboten. Bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 galt Futschi als typisch West-Berliner Getränk. Unter anderen Namen war beziehungsweise ist die Mischung von Cola und Weinbrand auch im übrigen Deutschland und in anderen Ländern bekannt.
Name
Der Name leitet sich vermutlich von umgangssprachlich „futschikato“ für „futsch“, „abhandengekommen“, „kaputt“ her. Vor 1945 kursierten in Berlin verschiedene Witze nach dem Schema „Wie heißt Winterhilfswerk auf Chinesisch? – pinke pinke futschi futschi“. Auch hier stand „futschi“ für kaputt, zerstört, nicht mehr vorhanden.<ref>John Mayer: Geflüstertes: Die Hitlerei im Volksmund; Vox populi. 1946, S. 115. Götz Aly: Volkes Stimme: Skepsis und Führervertrauen im Nationalsozialismus. 2006, S. 79. siehe auch Geflüstertes. Die Hitlerei im Volksmund</ref>
Kultureller Kontext
Im literarischen Kontext wird Futschi typischerweise erwähnt, um beim Leser das Bild einer proletarischen Berliner Kneipenszene heraufzubeschwören. So zum Beispiel in einem im Kursbuch 1978 veröffentlichten Text, in dem es heißt: „Da biste irgendwo in ’ner Disko … kommste rin, setzt dich hin, trinkst deinen Futschi oder wat“,<ref>Kursbuch. Rotbuch Verlag, 1978, S. 93</ref> oder in einem Roman aus dem Jahr 1996: „Ich bin ungern mit rüber, bestelle mir einen Tee. Kein Bier, kein Futschi, keinen Sekt, einen Tee.“,<ref>Richard Wagner: Lisas geheimes Buch. 1996, S. 114</ref> oder „Ihr Gesicht wirkte blass und reflektierte das blaurote Neonlicht der Reklamebeleuchtung hinter dem Tresen. ‚’N Futschi, Klaus‘, sagte sie, und kramte in den Taschen ihrer Lederjacke herum“ aus dem Roman Und willst du nicht mein Bruder sein.<ref>H. P. Dannenberg: Und willst du nicht mein Bruder sein. O. J.</ref><ref>Weitere Beispiele in den Romanen: Ralf Rothmann: Hitze, 2003, S. 88. Wiglaf Droste, Gerhard Henschel, Ernst Kahl: Der Mullah von Bullerbü. Hamburg, 2000, S. 31. Ariane Damerow: Operation „sweety“: Eine Liebe im Schatten der Mauer. 2003, S. 97. Kurzgeschichte Futschi. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref>
Auf dem Album Urlaub fürs Gehirn von K.I.Z In Der durch die Scheibeboxxxer, wird es 2011 erwähnt: „Ey, ey du hast hier noch ’n bisschen wat auffe Uhr, ’n paar Futschi sind hier noch offen!“; „Futschi 1,50? Wat kost’ hier der Hektoliter?“; oder in dem 2025 Release „Undertheker“: „Der Barmann weiß ni wat n’ Futschi ist, dit ist doch scheiße.“ ähnlich 2024 auf der Single Belohnen von Filly, Ski Aggu, Bausa und BUNT mit „Ey, ey, Futschi zwei-fünfzig, ich bestell' ein'n Hektoliter.“
Ironisch-komische Stadtführungen durch die „Bronx von Berlin“ – gemeint sind Berliner Stadtteile wie Neukölln oder Britz – kehren „stilecht“ zum Futschi ein oder werden gleich als „Futschi-Tour“ bezeichnet.<ref>Uta Eisenhardt: Futschi-Buletten-Empfang vor dem Estrel. In: Berliner Zeitung, 2. Mai 2008</ref><ref>Futschi-Tour durch Neukölln. In: Der Tagesspiegel, 3. Mai 2008</ref> Symbolträchtig ist ein Bericht über die Gentrifizierung von Prenzlauer Berg mit „Der letzte Futschi“ überschrieben.<ref>Susanne Lenz: Der letzte Futschi. In: Berliner Zeitung, 30. Januar 2003</ref>
Weitere Bekanntheit erreichte der Futschi durch die Sendungen Kurt Krömers.<ref>BZ Berlin. Abgerufen am 27. März 2017.</ref> In Kurt Krömer – die Internationale Show und Krömer – Late Night Show wird der Futschi von Moderator & Entertainer Krömer seinen prominenten Gästen gerne als Kultgetränk empfohlen, mit der Bezeichnung „Das Nationalgetränk von Neukölln“. Typisch sei laut Krömer „eine Mischung aus 80 zu 20 – 80 Weinbrand und 20 Cola“.<ref>Das Getränk „Futschi“, das es in Berliner Eckkneipen gibt, besteht aus Weinbrand und Cola. In: Neon.de. (neon.de [abgerufen am 27. März 2017]).</ref><ref>Patrick Schirmer Sastre: Neukölln: 80 Teile Weinbrand, 20 Teile Cola. In: Berliner Zeitung. (berliner-zeitung.de [abgerufen am 27. März 2017]).</ref>
Nach einer Liste der Süddeutschen Zeitung ist Futschi einer von 100 Gründen, die „für Berlin sprechen“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />100 Gründe, die für Berlin sprechen. ( vom 6. Dezember 2010 im Internet Archive) In: Süddeutsche Zeitung, 20. Juli 2002</ref>
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
<references />