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Schloss Calberwisch

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Schloss Calberwisch

Das Schloss Calberwisch ist ein Schloss im Ortsteil Calberwisch der Hansestadt Osterburg (Altmark) in Sachsen-Anhalt.

Lage

Es befindet sich am südlichen Ortseingang des Dorfes. Ein älterer Vorgängerbau aus Holz mit massiven Grundmauern wurde 1692 wiederhergestellt<ref>Haus Calberwisch. In: Vorstand des Familienverbandes v. Jagow (Hrsg.): Geschichte des Geschlechts von Jagow 1243–1993. Ernst Knoth GmbH, Melle 1993, S. 59 f. (Portraits der Besitzer).</ref> und 1839 wegen Baufälligkeit abgerissen.

Architektur

Der gründerzeitliche Backsteinbau besteht aus neun Achsen. Er ist zweigeschossig auf einem Souterrain ausgeführt mit H-förmigen Grundriss und einer Freitreppe auf der Gartenseite. Im Stile des Historismus ist die Fassade durch Putz und Klinker gegliedert. Die Architekten waren Martin Gropius und Heino Schmieden (Berlin).<ref> Oleg Peters: Heino Schmieden. Leben und Werk des Architekten und Baumeisters 1835-1913. Lukas Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86732-169-3, S. 416.</ref> Damit hat es überregionale Bedeutung. Es fügt sich in die Reihe Gropius’ zahlreicher Entwürfe für Villen in Berlin und Umgebung ein.

Geschichte

Bereits ausgangs des 18. Jahrhunderts gehörte das Gut der uradeligen Familie von Jagow, nachweislich dem Wilhelm von Jagow (1770–1838), Eigentümer von 16 Gütern und weiteren Forstrevieren.<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1904. 5. Jg., Justus Perthes, Gotha 1903, S. 386–388.</ref> Der Neubau des heutigen Schlosses wurde 1875 unter Bernhard von Jagow, Rittmeister im Potsdamer Elite-Regiment der Gardes du Corps, und dessen Ehefrau Johanna, Tochter des Grafen Pourtalés, im Stil der Neorenaissance ausgeführt. Das Haus war auch einer der Standorte des v. Jagowschen Familienarchivs.<ref>Reinhold Koser (Hrsg.): Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte. Band 2, Neue Folge der Märkischen Forschungen des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 280.</ref>

Letzte Eigentümerin war die Witwe des 1916 im Krieg gebliebenen Hauptmann d. R. und Deichhauptmann Henning von Jagow,<ref>Friedrich Wilhelm von Viebahn: Henning von Jagow, Herr auf Calberwisch und Uchtenhagen, Hauptmann d. Res. im Brandenburgischen Jägerbataillon Nr 3; Gefallen vor Vaux 1916. Verlag Schwert und Schild, Diesdorf 1916. (40 S./8) DNB 361805160</ref> Gertrud Freiin von Patow,<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel). 1941. 91. Jg., Justus Perthes, Gotha 1940, S. 327–328.</ref> geb. Edle von Paepcke (1885–1975).<ref>Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen Thiedicke von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. B (Briefadel / nach 1400 nobilitiert), Band II, Band 16 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv e. V., C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1957, ISSN 0435-2408, S. 352–353.</ref> Gertrud von Patow war in zweiter Ehe mit dem Philosophen<ref>Immatrikulation von Karl Freiherr von Patow, Hrsg. Universität Rostock.</ref> Freiherr Karl von Patow-Gliechow (1880–1960), a. o. Prof. an der Universität Berlin, verheiratet. Ihre Eltern waren wiederum Clara Schroeder und Moritz Edler von Paepke-Quassel.

Um 1920 gehörte zum Schloss Calberwisch der Freifrau Gertrud von Patow das Rittergut Calberwisch mit 428 ha sowie das Rittergut Uchtenhagen mit 242 ha.<ref>Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen, Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., in: Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 58–59.</ref>

Nach der Flucht der Eigentümerfamilie 1945, Gertrud Freifrau von Patow lebte zuletzt in Krefeld,<ref>Familien-Artikel v. Paepcke, In: Walter von Hueck, Erik Amburger, Silve-Maria von Hueck, Detlev Schwennicke, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel), Band XVI, Band 86 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv e. V., C. A. Starke, Limburg/Lahn 1985, ISSN 0435-2408, S. 328–330.</ref> diente das Gutshaus unter anderem der Unterbringung von Kriegsflüchtlingen, als Kindertagesstätte, als Supermarkt und Jugendclub. Von 1995 bis 2014 befand sich darin ein Restaurant mit Gästezimmern. Die Außenstelle des Standesamtes Osterburg im Schloss wurde ebenfalls aufgegeben.

Heutige Nutzung

Das Schloss und der umgebende Park können nicht besichtigt werden. Das Schloss dient ausschließlich privaten Wohnzwecken.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 52° 46′ 33,3″ N, 11° 48′ 37,8″ O

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