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Oswald Boelcke

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Datei:Hauptmann Boelcke.jpg
Oswald Boelcke 1916 mit dem Pour le Mérite
Datei:Boelcke.JPG
Gedenktafel am Geburtshaus in Giebichenstein, Halle (Saale)

Oswald Boelcke (* 19. Mai 1891 in Giebichenstein, Saalkreis; † 28. Oktober 1916 bei Bapaume, Pas-de-Calais, Frankreich) war einer der bekanntesten deutschen Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Er entwickelte mit den Dicta Boelcke die ersten Einsatzgrundsätze der Luftkampftaktik.

Familie und Ausbildung

Oswald Boelckes Großvater war Stadtsekretär und Registrator in Brandenburg an der Havel. Der Vater war 1916 „Professor und Seminaroberlehrer“ in Ziebigk bei Dessau-Roßlau. Oswald Boelcke besuchte das Gymnasium in Dessau und stand im Ruf, ein „ausgezeichneter Turner und Freund sportlicher Betätigung“ zu sein. Als sein älterer Bruder Wilhelm die Offizierslaufbahn einschlug, schrieb Oswald heimlich an Kaiser Wilhelm mit der Bitte, ihm ebenfalls den Eintritt in die Militärlaufbahn zu ermöglichen. Dieser „Brief erreichte sein Ziel und gefiel dem Kaiser“, der ihm einen Platz in der Kadettenanstalt anbot. Der Vater allerdings bat darum, dieses Angebot ablehnen zu dürfen, damit sein Sohn das Abitur ablegen könne. Erst im Anschluss daran ging Oswald Boelcke zum Militär. Nach Beginn des Ersten Weltkrieges „machte er seine Fliegerprüfung und führte dann bei der Staffel seines Bruders Wilhelm auf dem westlichen Kriegsschauplatz und mit diesem zusammen längere Zeit Beobachtungsflüge aus. Als die Kampffliegerei aufkam, wandte sich Boelcke dieser Tätigkeit zu.“<ref>Einiges über Boelcke. In: Grazer Tagblatt, 29. Oktober 1916, S. 11 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gtb</ref>

Militärische Laufbahn

Militärische Ausbildung

Boelcke wuchs in Dessau (damals Herzogtum Anhalt) als Sohn des Gymnasialprofessors Max Boelcke auf, der aus einer eingesessenen Handwerkerfamilie in Brandenburg an der Havel stammte. Nach dem Abitur trat er im Jahr 1911 als Fahnenjunker in das Telegraphen-Bataillon Nr. 3 in Koblenz ein. Nach Abschluss der Offizierausbildung wechselte Oswald Boelcke im Mai 1914 wie vor ihm sein fünf Jahre älterer Bruder Wilhelm Boelcke in die neu gegründete Fliegertruppe. In der Fliegerschule Halberstadt wurde er zum Flugzeugführer ausgebildet.

Feldflieger

Nach der letzten Flugprüfung am 15. August 1914 wurde Boelcke zur Feldfliegerabteilung 13 versetzt. An der Westfront flog er mit seinem Bruder Wilhelm als Beobachter. Nach Streitigkeiten innerhalb der Einheit ließen sich die Brüder nicht mehr gemeinsam einsetzen. Oswald Boelcke kam im April 1915 zur neu aufgestellten Feldfliegerabteilung 62. Die Abteilung wurde kurz darauf nach Douai (Frankreich) verlegt.

Am 4. Juli 1915 errang Boelcke seinen ersten Luftsieg. Den eigentlichen Abschuss erzielte der Flugbeobachter von Wühlisch, da in dieser frühen Phase des Luftkriegs die Flugzeugführer noch keine Waffen bedienten. Dieser erste Luftsieg in einem gezielten Jagdeinsatz förderte die militärische Idee, Einheiten mit Jagdflugzeugen eigens für den Kampf gegen feindliche Flugzeuge zu etablieren.

Jagdflieger

Boelckes ersten Luftsieg als Flugzeugführer erzielte er am 19. September 1915. Bereits am 12. Januar 1916 wurde er zusammen mit dem sächsischen Oberleutnant Max Immelmann für den jeweils achten Luftsieg von Kaiser Wilhelm II. mit der höchsten preußischen Tapferkeitsauszeichnung, dem Orden Pour le Mérite, ausgezeichnet. Beide waren die ersten Angehörigen der Fliegertruppe, die diesen Orden erhielten.

Überliefert ist aus dieser Zeit eine Geschichte vom 28. August 1915. Boelcke rettete einem französischen Jungen, der in einen Kanal gefallen war, das Leben. Er sprang in den Kanal und holte den Jungen aus dem Wasser. Dafür erhielt er die preußische Rettungsmedaille am Band, die er später stolz neben seinen anderen Auszeichnungen getragen hat.

Im März 1916 wurde Boelcke Führer einer Gruppe von sechs Jagdfliegern bei der neu aufgestellten Fliegerstaffel Sivry. Zu diesem Zeitpunkt beherrschten Immelmann und Boelcke den Luftkrieg und trugen einen Wettkampf um die meisten Luftsiege aus. Am 21. März errang Boelcke seinen 13. Luftsieg.<ref name="19160415NWI">Wie der deutsche Flieger Boelcke sein dreizehntes feindliches Flugzeug abschoß. In: Neue Warte am Inn, 15. April 1916, S. 8 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwi</ref> Ein Kamerad, der Zeuge des Luftkampfes war, berichtete:

„Der Kampf begann. Boelcke schoß, die Linke am Steuer, die Rechte am Maschinengewehr, was das Rohr hielt, und dabei mit der Ruhe und Sicherheit des Meisters. Der Franzmann erwiderte nur sekundenlang. Dann geriet er ins Wanken. Entsetzen lähmte plötzlich all die Tausende, die Zuschauer des Kampfes waren. Boelcke hatte den Benzintank seines Gegners getroffen, der gefährliche Stoff geriet in Brand und im Augenblick sah man nichts als ein loderndes Feuerbündel hoch in der Luft. Ein jäher Absturz folgte. Die Insassen des Flugzeuges lösten sich aus dem Apparat und sausten zur Erde nieder. Das Flugzeug folgte ihnen, an den Holzverstrebungen noch Halt findend, langsam schaukelnd nach.“

Brief, abgedruckt in der Neuen Warte am Inn vom 15. April 1916<ref name="19160415NWI" />

Nach dem Unfalltod Immelmanns am 18. Juni 1916 erhielt Boelcke Flugverbot, da man sein Wissen im Bereich der Jagdfliegerei für zu wertvoll hielt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er 19 anerkannte Luftsiege erzielt.

Ausbilder

Datei:Bundesarchiv Bild 183-S60853, Buddecke, Liman von Sanders und Boelcke.jpg
An der Gallipolifront

Boelcke wurde zu einer Inspektionsreise auf den Balkan entsandt. Auf der Reise hatte er Kontakt zu Enver Pascha, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, Erich Ludendorff, Generalfeldmarschall August von Mackensen, Generalfeldmarschall Franz Conrad und Kaiser Wilhelm II. Die Tatsache, dass er als rangniedriger Offizier mit führenden militärischen und staatlichen Personen der Mittelmächte sprach, illustriert Boelckes enormen Bekanntheitsgrad und die hohe allgemeine Aufmerksamkeit für den Luftkrieg.

Nach der von ihm angeregten Reorganisation der deutschen Luftstreitkräfte wurde Boelcke, inzwischen zum Hauptmann befördert, zum Kommandeur der am 10. August 1916 aufgestellten Jagdstaffel 2 ernannt. Er erhielt die Möglichkeit, sich die Piloten selbst auszusuchen. Während eines Besuches bei seinem Bruder Wilhelm im russischen Kowel wählte er unter den Flugzeugführern des Kampfgeschwaders 2 die Leutnants Manfred von Richthofen und Erwin Böhme sowie den Vizefeldwebel Hans Reimann aus.

Anfang September 1916 begann Boelcke, seine Schüler im Einsitzerkampf auszubilden. Angesichts der Neuartigkeit des gezielten Luftkampfs entwickelte er erste Einsatzgrundsätze für diese Kriegsart, insbesondere das Fliegen in engen Formationen. Seine in den sogenannten Dicta Boelcke festgehaltenen Regeln gehörten über viele Jahrzehnte zu den theoretischen Grundlagen des Luftkriegs. In der kurzen Zeit als Führer der Jagdstaffel war Boelcke sehr erfolgreich. Von Anfang September bis Ende Oktober 1916 schoss er 20 gegnerische Flugzeuge ab und stand mit insgesamt 40 anerkannten Luftsiegen an der Spitze aller Jagdflieger.

Am 28. Oktober 1916 touchierte während eines Luftkampfes seine Maschine die seines Kameraden Erwin Böhme. Dabei wurde eine Tragfläche Boelckes beschädigt. Er konnte die zu Boden trudelnde Maschine nicht mehr abfangen und wurde beim Aufprall getötet.<ref>Wenige Stunden vor seinem Tod, noch am selben Tag, hatte er an seine Familie geschrieben: „Mutter braucht sich die Umstände und Gefahren, in denen ich schwebe, gar nicht so schaurig auszumalen. Man braucht sich doch bloss zu überlegen, mit welchem Plus an Erfahrung und Routine ich in jeden Kampf gehe ...“</ref>

Nachleben

Boelcke wurde in einem Staatsbegräbnis unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit auf dem Ehrenfriedhof der Stadt Dessau-Roßlau beerdigt. Noch heute ist sein großes Grabmal, 1921 als gemeinsames Werk des Architekten Albin Müller und des Bildhauers Walther Kieser entstanden, dort zu besichtigen.

Kurz nach seinem Tod erschienen noch 1916 die hagiografische Biographie Boelcke – Deutschlands Fliegerheld von Rudolf Oskar Gottschalk<ref>Rudolf Oskar Gottschalk: Boelcke – Deutschlands Fliegerheld, Vogel und Vogel, Leipzig 1916.</ref> sowie im Perthes Verlag Gotha seine Tagebuchaufzeichnungen unter dem Titel Hauptmann Bölckes Feldberichte.<ref>Hauptmann Bölckes Feldberichte. Friedrich Andreas Perthes AG, Gotha 1916, 128 Seiten.</ref>

Datei:Das Boelcke-Grabmal auf dem Dessauer Ehrenfriedhof.jpg
Das Boelcke-Grabmal auf dem Ehrenfriedhof der Stadt Dessau-Roßlau

Boelckes Verdienste liegen in der Entwicklung der Einsatzgrundsätze der modernen Jagdfliegerei und Pilotenausbildung. Seine Dicta Boelcke, Regeln für den Luftkampf, gelten auch heute noch.

Militärische Auszeichnungen

Datei:Boelcke-Kaserne.JPG
Boelcke-Kaserne in Koblenz

Namensgebung

Datei:TaktLwG 31.svg
Wappen TaktLwG 31 „B“

Siehe auch

Literatur

  • Johannes Werner Boelcke, der Mensch, der Flieger, der Führer der deutschen Jagdfliegerei. Ein Lebens- und Heldenbild aus seinen Briefen gestaltet. K. F. Koehler, Leipzig 1932.
  • Heinz Kraft: Boelcke, Oswald. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 2. Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
  • Lance J. Bronnenkant (PhD): Oswald Boelcke. Der Held des Roten Barons. Helios, Aachen 2022, ISBN 978-3-9821313-1-3.
  • Arch Whitehouse: Flieger-Asse 1914–1918. Motorbuch, Stuttgart 1970, S. 365–377 DNB 458639915.
  • Walter Waiss: Chronik Kampfgeschwader Nr. 27 Boelcke, Teil 3: 1.1.42–31.12.42. Helios Verlag, Aachen 2005, ISBN 3-938208-07-4.
  • Norman Franks: Albatros Aces of World War 1. Osprey, Oxford/New York 2000 (= Aircraft of the Aces 32). ISBN 1-85532-960-3.
  • Greg Van Wyngarden: Jagdstaffel 2 ’Boelcke’. Von Richthofen’s Mentor. Osprey, Oxford/New York 2007 (= Aviation Elite Units 26). ISBN 978-1-84603-203-5.
  • Erich Gröner u. a.: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945, Bd. 8/2: Vorpostenboote, Hilfsminensucher, Küstenschutzverbände (Teil 2), Kleinkampfverbände, Beiboote, Koblenz (Bernard & Graefe) 1993, ISBN 3-7637-4807-5, S. 533.

Weblinks

Commons: Oswald Boelcke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

<references />

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