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Johann Sanitzer

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Johann Sanitzer (* 13. Oktober 1904 in Hundsheim; † 15. August 1957 in Salzburg) war leitender Beamter der Geheimen Staatspolizei Wien während der Zeit des Nationalsozialismus.

Leben

Sanitzer trat zum 21. Oktober 1931 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 612.466).<ref>Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/18291170</ref> 1934 nahm er aktiv am Juliputsch teil, zum 1. November 1937 trat er der SS bei (SS-Nummer 351.537).<ref>Bundesarchiv R 9361-III/552047</ref> Nach dem „AnschlussÖsterreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde Sanitzer der Gestapo zugeordnet. Ab Herbst 1938 leitete er im Gestapo-Hauptquartier im vormaligen Hotel Metropol am Wiener Morzinplatz das Referat „Reaktion, Legitimismus, Rechtsopposition“, von Oktober 1939 bis April 1941 das für Sabotage-, Funk- und Fallschirmbekämpfung zuständige Referat der Gestapo. 1941 bis 1942 fungierte Sanitzer als Leiter der Gestapo-Außenstelle St. Pölten. 1940 war er führend an der Zerschlagung der drei katholisch-konservativen Widerstandsgruppen von Roman Karl Scholz, Jacob Kastelic bzw. Karl Lederer beteiligt.<ref>Diana Carmen Albu: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Das Nachrichtenreferat II N/IV in der Gestapoleitstelle Wien in den Jahren 1938 bis 1945. (Memento vom 10. Oktober 2006 im Internet Archive)</ref> Angeblich 70 Fallschirmspringer – meist kommunistische Widerstandskämpfer, die von der Sowjetunion kommend über der „Ostmark“ absprangen – hat Sanitzer verhaftet, nachdem er sie mit fingierten Funksprüchen in die Falle gelockt hatte.<ref>Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Widerstand und Verfolgung in Wien. Band 2. Wien 1975, ISBN 3-215-05506-6, S. 436, 460.</ref>

Sanitzer galt als „wohl der berüchtigtste Wiener Gestapobeamte“.<ref>Michael Krassnitzer: Widerstand in Hietzing. Freiheitskampf 1934–1938 und 1938–1945 am Beispiel eines Wiener Bezirks. Edition Volkshochschule, Wien 2004, ISBN 3-900799-58-X.</ref> Er war für seine besondere Brutalität gegenüber Gefangenen berüchtigt; im Verhör wandte er Foltermethoden an, „die selbst auf dem Morzinplatz ungewöhnlich waren“.<ref>Der Funkspieler vom Morzinplatz. Der Gestapobeamte Sanitzer vor dem Volksgericht. In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 12. Jänner 1949, S. 2.</ref> Überlebende Häftlinge bezeugten, dass er bei manchen Verhören einen Wachstuchumhang trug, um seinen Anzug nicht mit Blut zu besudeln.<ref>Hans Schafranek: Widerstand und Verrat. 2017, S. 461ff.</ref>

1949 wurde Sanitzer vom Wiener Volksgericht zu lebenslangem schweren Kerker verurteilt.<ref>Lebenslänglich für Sanitzer. In: Arbeiter-Zeitung. Wien,​ 18. Jänner 1949, S. 2.</ref> Bei der Verhandlung äußerte der Gestapomann, seine Foltermethoden könnten doch wirklich nicht so arg gewesen sein, denn „wie könnte es sonst noch überlebende Zeugen geben?“<ref>Erica Fischer: Das Wichtigste ist, sich selber treu zu bleiben. Die Geschichte der Zwillingsschwestern Rosl und Liesl. Wien 2005, ISBN 3-8000-7081-2.</ref> Johann Sanitzer wurde nach seiner Verurteilung jedoch nicht in Österreich inhaftiert, sondern der sowjetischen Besatzungsmacht übergeben. Im Jahr 1955 kehrte er in seine Heimat zurück.

In früheren Forschungsarbeiten hieß es, Sanitzer habe es nach 1949 zum Major im Ministerium für Staatssicherheit der DDR in Erfurt gebracht und dort zahlreiche ehemalige Gestapo-Leute als Mitarbeiter des MfS angeworben. Dies dürfte jedoch unzutreffend sein.<ref>Petra Weber: Justiz und Diktatur. Justizverwaltung und politische Strafjustiz in Thüringen 1945–1961. München 2000, ISBN 3-486-56463-3, S. 296.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />