Hammonia-Klasse
Zeichnung der Frisia um 1880/1890
| ||||||||||||||||
| ||||||||||||||||
| ||||||||||||||||
| ||||||||||||||||
| ||||||||||||||||
Die Hammonia-Klasse war eine ab 1867 im Nordatlantik-Dienst der 1847 gegründeten deutschen Reederei HAPAG eingesetzte Schiffsklasse. Die Segeldampfer kamen vorzugsweise im Passagier- und Postdienst sowie als Auswandererschiffe zum Einsatz und befuhren im Schwerpunkt die nordatlantischen Seerouten. In den Jahren 1867 bis 1874 wurden insgesamt elf Schiffe dieser Klasse, der Name der Klasse bezog sich auf die lateinische Bezeichnung für die Stadt Hamburg (siehe Hammonia), in Dienst gestellt. Gebaut wurden die Schiffe der Hammonia-Klasse zur Gänze im Ausland auf der britischen Werft Caird & Company in Greenock.
Technische Aspekte
Die Schiffe waren zwischen 100,53 und 110,09 Meter lang und bis zu 12,2 Meter breit.<ref name="Dudszus132">Dudszus, Alfred / Köpcke, Alfred: Das große Buch der Schiffstypen. Dampfschiffe, Motorschiffe, Meerestechnik von den Anfängen der maschinengetriebenen Schiffe bis zur Gegenwart. Transpress/Pietsch. Berlin, Stuttgart 1990. S. 132.</ref> Der Tiefgang wird etwa für die Kehrwieder (ehemals Vandalia) im Jahr 1885 mit knapp 7,1 Metern angegeben.<ref name="Lloyds935">Lloyd's Register of British and Foreign Shipping: From 1st July, 1885, to the 30th June, 1886. R. K. Burt & Company. London 1885, S. 935.</ref> Die Vermessung des gleichen Schiffes betrug in diesem Jahr gemäß Lloyds 2.810 BRT.<ref name="Lloyds935"></ref> Die zuletzt gebauten Einheiten (etwa Suevia und Frisia) besaßen teils eine Vermessung von mehr als 3.500 BRT, was vor allem auf die größere Rumpflänge zurückzuführen war. Eine aus fünf Kesseln (mit zehn Feuerbüchsen) und zwei Zweifach-Expansionsmaschinen bestehende Maschinenanlage, die bis zu 3.200 PSi leistete, ermöglichte den Schiffen eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 13 Knoten (etwa 24 km/h).<ref name="Dudszus132"></ref> Die Kapazität der Kohlenbunker lag bei rund 1.100 Tonnen, wobei etwa 75 bis 80 Tonnen am Tag verbraucht wurden.
Die Passagierkapazität lag bei bis zu 820 Personen – davon 100 Personen in der Ersten Klasse, 140 Reisende in der Zweiten Klasse sowie 580 Zwischendeckspassagiere.<ref name="Dudszus132"></ref> Baulich unterschieden sich die Dampfer von den bisherigen HAPAG-Schiffen durch die gerade Bugform und die Anzahl der Masten. Da die Segel bei den als Rahsegler getakelten Schiffen der Hammonia-Klasse nur noch eine untergeordnete Rolle spielten, konnte die Anzahl der Masten später auf zwei reduziert werden. Die Schiffe verfügten noch über eine offene Kommandobrücke mittschiffs, während sich das Ruderhaus am Heck (direkt über dem Ruderschaft) befand.<ref name="Dudszus132"></ref>
Geschichte
Die Schiffe bildeten zusammen mit den etwas kleineren Schiffen Germania (1863, 2.123 BRT) und Alemannia (1865, 2.665 BRT) die zweite Generation von Dampfschiffen der HAPAG. Sie ermöglichten der Reederei ab 1865 zwischen Mai und Oktober einen wöchentlichen Dienst zwischen Hamburg und New York (statt des bisherigen vierzehntäglichen Dienstes). Bis in die 1880er Jahre hinein dienten die Einheiten der Hammonia-Klasse als Passagier- und Postschiffe, unter anderem kamen sie auch als Auswandererschiffe zum Einsatz, im Schwerpunkt auf den nordatlantischen Verbindungen. Teils wurden die Schiffe aber auch auf der Route nach Brasilien eingesetzt.
Drei der Schiffe (Hammonia, Holsatia und Thuringia) wurden im Juni 1878 durch Russland angekauft,<ref name="Kludas152">Kludas, Arnold: Passagierdampfer als Hilfskreuzer. Kurze Geschichte der Entwicklung einer Schiffsklasse. In: Zeitschrift des Deutschen Schiffahrtsmuseums. Nr. 18, 1995. Ernst Kabel Verlag, S. 152.</ref> um als mögliche Hilfskreuzer im Falle eines Konfliktes zwischen Russland und dem Vereinigten Königreich (siehe Balkankrise) eingesetzt zu werden, und wurden mit jeweils vier 15,2-cm-Geschützen und vier 10,7-cm-Geschützen, die von Krupp geliefert wurden,<ref name="Kludas152"></ref> bewaffnet. Zu einem Kriegseinsatz kam es indessen nicht, da die Krise zuvor politisch beigelegt werden konnte, und die Schiffe wurden dann später wieder abgerüstet und russischerseits ab dem 1. August 1878 als zivile Schiffe genutzt.<ref name="Kludas152"></ref> Eines dieser Schiffe, die ehemalige Thuringia, war sogar noch im Jahr 1941 (dann in der Sowjetunion) und unter dem Namen Berezan vorhanden und wurde vermutlich als Schulschiff und U-Boot-Tender bei der Schwarzmeerflotte eingesetzt.<ref group="A">Ob der Name Berezan zu diesem Zeitpunkt noch genutzt wurde, ist unsicher. Nach anderen Angaben soll das Schiff ab den frühen 1920er Jahren den Namen Sowetskaja Rossija (Сове́тская Росси́я) getragen haben.</ref>
Die übrigen Einheiten blieben teilweise, indessen bei wechselnden Reedereien und unter verschiedenen Namen, bis ins Jahr 1902 im aktiven Dienst. Mehrere Schiffe gingen auch durch Seeunfälle verloren, so sank die Pommerania 1878 nach einer Kollision vor Dover und strandete die in italienischen Diensten stehende Montevideo (ehemals Silesia) am 2. Dezember 1899 an der Küste der vor der Mündung des Río de la Plata liegenden Isla de Lobos.<ref>Screw Steamer Silesia. Caledonian Maritime Research Trust, 2026, abgerufen am 25. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Ebenso ging, als der erste Verlust dieser Klasse, die Germania bereits im August 1876 infolge Strandung vor der Küste von Bahia verloren. Das schwerste Unglück ereignete sich am 19. Januar 1883, als die Cimbria in dichtem Nebel vor Borkum mit dem britischen Dampfer Sultan kollidierte und sank, wobei über 400 Menschen ums Leben kamen.
Schiffe der Hammonia-Klasse
| Stapellauf in Dienst |
Name | Tonnage | Länge | Schicksal |
| 8.12.1866 15.02.1867 |
Hammonia | 3035 BRT | 103,6 m<ref>Arnold Kludas: Deutsche Ozean-Passagierschiffe 1850 bis 1895. transpress, 1983, S. 25.</ref> | 1878 verkauft an die Russische Freiwillige Flotte (russ.: Dobroflot, Добровольный флот, Доброфлот), umbenannt in Moskwa, am 6. Juni 1882 infolge Strandung nahe Kap Guardafui in Verlust geraten |
| 21.01.1867 29.03.1867 |
Cimbria | 3025 BRT | 100,93 m | 19. Januar 1883 nach Kollision vor Borkum gesunken, 437 Tote |
| 9.03.1868 28.05.1868 |
Holsatia | 3134 BRT | 103,45 m | 1878 verkauft an die Russische Freiwillige Flotte, umbenannt in Rossija, später Dnestr, 1910 außer Dienst, 1916 als Landungsbrücke vor Trapezunt versenkt<ref>Screw Steamer Holsatia. Caledonian Maritime Research Trust, 2026, abgerufen am 18. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> |
| 9.03.1868 28.05.1868 |
Westphalia | 3158 BRT | 103,45 m | 1875–79 Umbau, jetzt zwei Schornsteine, 1887 nach Großbritannien verkauft, umbenannt in Atlantica, 1890 nach Italien verkauft und umbenannt in Provincia de Sao Paulo, Mentana, Sud America, 1901 verschrottet |
| 14.04.1869 13.05.1869 |
Silesia | 3142 BRT | 103,62 m | 1887 nach Großbritannien verkauft, umbenannt in Pacifica, 1890 nach Italien verkauft, umbenannt in Citta de Napoli, Montevideo, am 2. Dezember 1899 durch Strandung vor dem Ästuar des Río de la Plata verloren gegangen |
| 18.05.1870 8.08.1870 |
Thuringia | 3133 BRT | 106,74 m | 1878 verkauft an die Russische Freiwillige Flotte, umbenannt in St. Petersburg, später andere Namen, 1941 noch vorhanden |
| 24.12.1870 03.1871 |
Germania | 2877 BRT | 100,53 m | 10. August 1876 vor Bahia aufgelaufen und gesunken |
| 22.04.1871 9.06.1871 |
Vandalia | 2810 BRT | 100,8 m | 1884 an die Hamburger Hansa Linie verkauft, umbenannt in Kehrwieder, 1892 wieder zur Hapag, 1895 umbenannt in Polonia, 1897 abgebrochen |
| 30.03.1872 1.07.1872 |
Frisia | 3556 BRT | 106,77 m | 1887 nach Großbritannien verkauft, umbenannt in Temerario, später Arno, 1902 abgebrochen |
| 30.03.1872 1.07.1872 |
Pommerania | 3382 BRT | 109,94 m | 26. November 1878 nach Kollision vor Dover gesunken, 48 Tote |
| 1.06.1874 10.10.1874 |
Suevia | 3609 BRT | 110,09 m | Größtes Schiff der Klasse, 1894 aufgelegt, 1896 nach Frankreich verkauft und umbenannt in Quatre Amis, 1898 nach Strandung in der Schelde nach Marseille geschleppt und dort abgebrochen |
Literatur
- Arnold Kludas: Die Geschichte der deutschen Passagierschiffahrt – Band I: Die Pionierjahre von 1850 bis 1890, 1986, Ernst Kabel Verlag GmbH, Hamburg
- Arnold Kludas: Die Geschichte der Hapag-Schiffe – Band 1: 1847–1900, 1986, Hauschild Verlag, ISBN 978-3-89757-341-3
Anmerkungen
<references group="A"/>
Fußnoten
<references/>