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Bruno Bischofberger

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Bruno Bischofberger (2008)

Bruno Franz Bischofberger (* 1. Januar 1940 in Zürich) ist ein Schweizer Galerist und Sammler.

Leben

Bischofberger wurde 1940 in Zürich als Sohn eines Arztes und einer Dentistin geboren. Die Familie väterlicherseits stammte aus Appenzell Innerrhoden, einer bäuerlichen Landschaft, in der er bereits in seiner Kindheit und Jugend viel Zeit verbrachte. Er war das jüngste von vier Geschwistern. Bischofberger studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde an der Universität Zürich, mit darauffolgenden Studienjahren in Bonn und München.<ref name=":4">Chu, Christie (9. Februar 2015): A Look Back at Bruno Bischofberger’s Weird and Legendary Artforum Ads, Artnet, abgerufen am 1. Juli 2019</ref><ref>Eva Hess: Galerist zeigt seine Pop-Art, Tages-Anzeiger, 26. April 2018, abgerufen am 1. Juli 2019</ref> Bischofberger hat drei Töchter und einen Sohn.<ref>Eine Tochter wurde 1975 von Warhol und der Sohn 1983 von Warhol und 1985 von Robert Mapplethorpe fotografisch porträtiert.</ref> Bruno Bischofberger lebt mit seiner Frau Christina, genannt Yoyo, in einem von Ettore Sottsass entworfenen Haus in Meilen.

Galerie

Bischofberger eröffnete seine erste Galerie 1963 in der Pelikanstrasse in Zürich, damals noch unter dem Namen City-Galerie.<ref name=":0">Bruno Bischofberger Website, abgerufen am 1. Juli 2019</ref><ref name=":3" /> 1965 zeigte er in seiner Galerie seine erste Pop-Art-Ausstellung mit Werken von Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Tom Wesselmann, Claes Oldenburg und Jasper Johns.<ref name=":4" /><ref name=":1">artnet News (9. Januar 2015): Vito Schnabel Taking Over Bruno Bischofberger’s Gallery Space, Artnet, abgerufen am 1. Juli 2019</ref> In den 1970er-Jahren stellte Bischofberger neben der amerikanischen Pop-Art-Künstler des Minimalismus, Land Art und der Konzeptkunst aus, wie Sol Le Witt, Donald Judd, Dan Flavin, Bruce Nauman, Joseph Kosuth, On Kawara, sowie des Nouveau Réalisme in Paris, wie Yves Klein, Daniel Spoerri und Jean Tinguely. Zwischen 1982 und 2005 wurde von Bischofbergers Frau Christina der Catalogue raisonné in drei Bänden von Jean Tinguely herausgegeben. In den 1980er-Jahren nahm er aufstrebende Schlüsselfiguren der aufkommenden neoexpressionistischen Strömungen wie Miquel Barceló, Jean-Michel Basquiat, Mike Bidlo, George Condo, Francesco Clemente, Enzo Cucchi, Dokoupil, Peter Halley, David Salle und Julian Schnabel in sein Programm auf.<ref name=":1" />

2009 und 2010 wurden in der Kunsthalle Bielefeld in zwei Ausstellungen unter dem Namen „The 80s Revisited – Aus der Sammlung Bischofberger I & II“, die 1980er-Jahre-Künstler Bischofbergers gezeigt.<ref>Herchenröder, Christian (11. Juni 2010): [1] MALEREI DER 80ER-JAHRE: Obsessive Malerei besteht nicht immer Markttest, Handelsblatt, abgerufen am 1. Juli 2019</ref> Dabei waren auch die Neuen Wilden aus Berlin wie Rainer Fetting oder Salomé und die Mülheimer Freiheit um Walter Dahn und Dokoupil vertreten.<ref>Stöckmann, Jochen (21. März 2010): <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />deutsche Museen ein ganzes Jahrzehnt verschliefen (Memento des Vorlage:IconExternal vom 26. Juli 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.deutschlandfunkkultur.de, Deutschlandfunk Kultur, abgerufen am 1. Juli 2019</ref> Zu den meisten unterhielt Bischofberger, zum Teil bis heute, eine enge persönliche Beziehung.

2013 verlegte die Galerie ihren Standort von Zürich nach Männedorf, wo Bischofberger seit 2005 auf einem ehemaligen Fabrikgelände von seiner Tochter Nina Bischofberger und deren Mann, Florian Baier, verschiedene Bauten errichten lässt.<ref name=":2">Yablonsky, Linda (23. November 2015): A Place for Everything, W Magazine, abgerufen am 1. Juli</ref><ref name=":3">Hess, Ewa (26. April 2018): Galerist zeigt seine Pop-Art, Tages-Anzeiger, abgerufen am 1. Juli 2019</ref> Dort befinden sich nebst den Galerieräumlichkeiten, Ausstellungs- und Lagerräume für die Kunst sowie Objekte der diversen Sammlungen.<ref name=":2" /> Seit Mitte der 1980er-Jahre inseriert Bischofberger seine Ausstellungen auf dem Backcover der Zeitschriften Artforum und Kunstbulletin. Anstatt Kunstwerke der Ausstellung zu zeigen, nutzt er Fotografien volkstümlicher Schweizer Szenen. 2018 widmete der Künstler Peter Fischli gemeinsam mit Hilar Stadler, Kurator des Museums im Bellpark in Kriens, diesen Backcovern eine eigene Ausstellung.<ref name=":3" /><ref>Chu, Christie (9. Februar 2015): A Look Back at Bruno Bischofberger’s Weird and Legendary Artforum Ads, Artnet, abgerufen am 1. Juli 2019</ref>

Warhol und Basquiat

Datei:Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat, Bruno Bischofberger and Fransesco Clemente, New York, 1984.tif
V. l. Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat, Bruno Bischofberger und Fransesco Clemente, New York, 1984

Besonders bekannt ist Bischofberger für seine enge Beziehung zu Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat. Warhol traf er 1966 zum ersten Mal in New York. Bei einem weiteren Treffen 1968 zeigte Warhol ihm frühe, unveröffentlichte Arbeiten. Davon durfte Bischofberger elf sehr wichtige auswählen, darunter von Hand gemalte Frühwerke, wie Superman, Batman, ein farbiges Coca-Cola-Bild sowie mehrere grosse, zum Teil als Doppel-Panel ausgeführte Disaster-Bilder (Car crashes) und frühe Portraits aus den Jahren 1961 bis 1963. Warhol versprach Bischofberger ein Vorkaufsrecht auf all seine künftigen Werke, das bis zu Warhols Tod 1987 hielt.<ref>Huber, Marco (22. Februar 2016): Ein international bekannter Galerist und Sammler, Zürichsee-Zeitung, abgerufen am 1. Juli 2019</ref> Bischofberger reiste mehrmals im Jahr nach New York City. 1970 fertigte Warhol ein Portrait von Bischofberger an, woraufhin er den Künstler dazu anregte, Auftragsportraits mit Normmassen und Festpreisen für Kunden der Galerie anzufertigen, die für Jahre Warhols wichtigste Einnahmequelle darstellten.<ref name=":0" /> Basquiats Werk sah Bischofberger zum ersten Mal 1981, und ein Jahr später wurde er dessen Hauptgalerist weltweit bis zum Tod des Künstlers 1988. Ausserdem war es Bischofberger, der Warhol und Basquiat einander vorstellte, und später auch ihre Kollaborationen mit Francesco Clemente anregte. Daraufhin setzten die beiden Künstler ihre Kollaboration eigenständig fort. Dabei überzeugte Basquiat Warhol, wieder von Hand zu malen, nachdem dieser 23 Jahre lang ausschliesslich mit dem Siebdruckverfahren gearbeitet hatte.<ref>Bischofberger, Bruno (Mai 2001): A BRIEF HISTORY OF MY RELATIONSHIP WITH ANDY WARHOL, in: Andy Warhol's Visual Memory, Bruno Bischofberger, Edition Galerie Bruno Bischofberger, Zurich, abgerufen am 1. Juli 2019</ref> Auf die Idee für die Künstlerkollaborationen kam Bischofberger, weil Basquiat bei einem Besuch in der Schweiz mehrere Kunstwerke mit Bischofbergers damals dreijähriger Tochter Cora erstellte.<ref>Tittel, Cornelius (9. Mai 2010): „Warhol sagte nur: Was für ein fantastischer Künstler“, Welt, abgerufen am 1. Juli 2019</ref> Bischofberger gründete 1969 das Interview Magazin gemeinsam mit Warhol.<ref>Yablonsky, Linda (23. November 2015): A Place for Everything, W Magazine, abgerufen am 1. Juli</ref> In Julian Schnabels Spielfilm Basquiat von 1996 wird Bruno Bischofberger von Dennis Hopper dargestellt.<ref>IMDb, Basquiat (1996)</ref>

Sammlungen

Privat sammelt Bischofberger mit seiner Frau Christina auch Design, Fotografie, Volkskunst und Werke der prähistorischen Steinkunst, eine Sammlung, deren Grundstock bereits sein Vater anlegte. In der umfassenden Sammlung des internationalen Designs des 20. Jahrhunderts finden sich neben Möbeln, Metallarbeiten, Schmuck, Textilien und Plakaten vor allem auch Glas- und Keramik-Objekte von den Hauptvertretern der wichtigsten Stilrichtungen. Die Glassammlung umfasst Werkgruppen aus Italien, Frankreich, Finnland und Schweden, aber auch aus der ganzen Welt.<ref>Rein, Ingrid: Die Sammlung Bischofberger, in: Du: die Zeitschrift der Kultur, 44 (1984), Heft 5: Die Fünfzigerjahre, abgerufen am 1. Juli 2019</ref> Eine weitere Sammlung ist die Volkskunst vorwiegend der Alpenländer, der Schweiz, Deutschlands und Österreichs und umfasst hauptsächlich Möbel, Bilder, religiöse Volkskunst und Alltagsobjekte der ländlichen Bevölkerung aus dem 15. bis 19. Jahrhundert.

Die Sammlung prähistorischer Steinkunst enthält Äxte, Gefässe, Skulpturen und Objekte von verschiedenen Frühkulturen der ganzen Welt und der Urgeschichte<ref name=":0" /> In der Fotografie-Sammlung befinden sich Werke aus der Erfindungszeit der Fotografie in den 1850er-Jahren bis heute: Städte und Landschaften der 1850er- und 1860er-Jahre, der Nachlass von Albert Steiner, Mode- und Werbefotografien der grossen Namen des 20. Jahrhunderts sowie ein grosser Teil des fotografischen Werkes Andy Warhols. In der Ausstellung „Prehistory to the future – Highlights from the Bischofberger Collection“ in der Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli wurden 2008 Teile der verschiedenen Sammlungen ausgestellt.<ref>Website Pinacoteca Giovanni e Marella Agnelli, Highlights from the Collection Bischofberger, abgerufen am 5. Juli 2019</ref>

Publikationen (Auswahl)

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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