Zum Inhalt springen

High Frequency Active Auroral Research Program

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 23. Januar 2026 um 14:28 Uhr durch imported>Holger Joern.
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:High Frequency Active Auroral Research Program site.jpg
HAARP, in Blickrichtung Mount Sanford, Alaska
Datei:OptPad.jpg
HAARP-Empfangsanlagen zur Ionosphärenbeobachtung
Datei:HAARP20l.jpg
Antennenfeld von HAARP

Das HAARP ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) – dt. Hochfrequenz-Forschungsprogramm zur Polarlichtaktivität) ist ein US-amerikanisches ziviles (ursprünglich auch militärisches) Forschungsprogramm, bei dem Radiowellen zur Untersuchung der oberen Atmosphäre (insbesondere Ionosphäre) eingesetzt wurden.<ref>vgl. beispielsweise M.B. Cohen, U.S. Inan, M.A. Golkowski: Geometric modulation: A more effective method of steerable ELF/VLF wave generation with continuous HF heating of the lower ionosphere. In: Geophysical Research Letters, 2008 (35), L12101, doi:10.1029/2008GL034061</ref>

Nach letzten Versuchen im Juni 2014 wurde die ursprünglich geplante Stilllegung aufgeschoben und die Anlage im August 2015 an die University of Alaska Fairbanks übergeben.<ref>HAARP again open for business. In: Geophysical Institute - University of Alaska Fairbanks. Alaska Science Forum, 3. September 2015, abgerufen am 18. August 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Universität vermietet sie an Forscher.<ref>Future Operations of HAARP with the UAF’s Geophysical Institute. In: agu.org. American Geophysical Union, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. Oktober 2015; abgerufen am 18. August 2023.</ref>

Weiteres Ziel war, Funkwellenausbreitung, Kommunikation und Navigation zu erforschen. Betrieben wird die abgelegene Anlage nordöstlich von Gakona in Alaska von der University of Alaska, der US Air Force und der US Navy. Insgesamt waren 14 Universitäten an der Planung der Anlage beteiligt. Es wurden auch radarastronomische Experimente, wie das Lunar Echo Experiment, mit HAARP durchgeführt.<ref>Paul Rodriguez: Amateurs as an outreach of HAARP's lunar-echo study. Nature 454, 27, 3. Juli 2008, doi:10.1038/454027a abstract</ref><ref>Paul Rodriguez et al.: High Frequency Radar Astronomy With HAARP, dtic.mil, abgerufen am 4. November 2011</ref><ref>Lowest Frequency Radar Echo From The Moon Ever Detected sciencedaily.com, abgerufen am 4. November 2011</ref>

HAARP besitzt eine Sendeleistung von 3,6 MW<ref name="US Naval" />, welche dauerhaft (CW) abgegeben werden kann. Die berechnete effektive Strahlungsleistung, eine Rechengröße bezogen auf die Achse der Hauptabstrahlrichtung der Antennen, lag im Jahr 2006 bei bis zu 3,16 GW. Dies entspricht einem Leistungspegel von 95 dBW.<ref name="US Naval" />

Physikalischer Hintergrund

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

Die Ionosphäre enthält viele ungebundene, freie Elektronen, die sich schraubenförmig um die Magnetfeldlinien der Erde bewegen können. Falls Frequenz und Drehrichtung einer parallel laufenden, zirkular polarisierten elektromagnetischen Welle mit dieser schraubenförmigen Bewegung der Elektronen übereinstimmen, also eine Zyklotronresonanz vorliegt, wird der Welle Energie zugunsten der kinetischen Energie der Elektronen entzogen. Letztlich führt diese schnellere Elektronenbewegung zu einer Erwärmung der Ionosphäre.

Diese Zyklotronresonanz tritt auf der nördlichen Halbkugel für linkszirkular polarisierte elektromagnetische Wellen im unteren Kurzwellenbereich zwischen 1 MHz und 9 MHz auf.

Geschichte und Technik

HAARP entstand aus (auch patentierten<ref>Patent US4686605A: Method and apparatus for altering a region in the earth's atmosphere, ionosphere, and/or magnetosphere. Angemeldet am 10. Januar 1985, veröffentlicht am 11. August 1987, Anmelder: Apti Inc, Erfinder: Bernard J. Eastlund.</ref>) Forschungsergebnissen von Bernard Eastlund und Nicholas Christofilos in den 1980er Jahren.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zur Frühgeschichte von Haarp auf einer Website zu Eastlund (Memento vom 6. August 2011 im Internet Archive)</ref> Die konkrete Entscheidung, das Projekt zu verwirklichen, wird dem US-Senator Ted Stevens zugeschrieben, der damit militärische Forschungsgelder in seinen Wahlkreis Alaska lenken wollte.<ref>Anchorage Daily News: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Air Force prepares to dismantle HAARP ahead of summer shutdown (Memento vom 25. Juni 2014 im Internet Archive), 14. Mai 2014</ref> Die Gesamtkosten für die Errichtung von HAARP lagen bei 300 Millionen Dollar.<ref>Haarp opens for business, University of Alaska, 3. September 2015</ref>

HAARP verfügt über eine leistungsfähige Phased-Array-Kurzwellensendeanlage mit einer Sendeleistung (CW) von 3600 kW.<ref name="US Naval"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The High Frequency Active Auroral Research Program; „Table 1 – HF Phased Array Antenna Performance Parameters.“ (Memento vom 22. Mai 2010 im Internet Archive) US Naval Research Lab. (Abgerufen am 31. Januar 2018)</ref> 1993 wurde mit 18 zusammengeschalteten Elementen begonnen, 1998 wurde die Anzahl auf 48 erhöht. 2010 waren 180 Sender betriebsbereit.<ref>Military Scientists Study Ionosphere News, American Forces Press Service, 26. Feb. 2010 „.. 180 transmitters distributed over 35 to 40 acres of land, with a frequency range of 2.65 to 10 megahertz.“ (Abgerufen am 8. Mai 2010)</ref> Die effektive Strahlungsleistung (ERP) lag 1996 bei 84 dBW (250 MW) und 2006 bei ca. 96 dBW (4000 MW). Die einzelnen Sender des Typs Continental Electronics D616G<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Datenblatt Continental Electronics D616G (Memento vom 10. Juli 2007 im Internet Archive) (PDF; 125 kB)</ref> mit jeweils 10 kW maximaler Sendeleistung wurden speziell für dieses Projekt entwickelt. Der nutzbare Frequenzbereich ist 2,8 bis 10 MHz (Kurzwelle); zwei benutzte Frequenzen sind 3,39 MHz und 6,99 MHz. Zur Ionosphärenbeobachtung wird eine Ionosonde und ein Riometer benutzt.<ref>HAARP – The High Frequency Active Auroral Research Program: The HAARP 30 MHz Riometer</ref>

Man hoffte auch, durch die gewonnenen Erkenntnisse (besonders der Verstärkungseffekt) zur Beeinflussung des Elektrojets in der Erdmagnetosphäre ein Mittel zum Abbau einer Ansammlung geladener Teilchen oberhalb der Anlage an der Hand zu haben, die sich nach der Explosion eines nuklearen Sprengsatzes im erdnahen Weltraum bilden und die Funktion von Satelliten unterbinden könnte.<ref>Daniel G. Dupont: Kernexplosionen im Weltraum. In: Spektrum der Wissenschaft. Dezember 2006, ISSN 0170-2971, S. 52–59.</ref>

Ähnliche Forschungsanlagen

Ähnliche Forschungsanlagen befinden sich in mehreren anderen Ländern:

Eine kleinere Anlage befand sich in Lindau (Niedersachsen) beim Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (früher Aeronomie).

Verschwörungstheorien

HAARP wird in Verschwörungstheorien als „Geheimprojekt“<ref></ref><ref>Katharina Nocun: Klimamythen – Gefährliche Verschwörungserzählungen zur Erderwärmung. (mp3-Audio; 26 MB; 28:39 Minuten) In: Deutschlandradio-Kultur-Sendung „Zeitfragen“. 6. April 2023, abgerufen am 10. April 2023.</ref> bezeichnet und mit weltweit stattfindenden Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Atmospärenexperimenten und Vulkanausbrüchen in Zusammenhang gebracht. Auch die BBC verbreitete in den 1990ern entsprechende Berichte. Es konnte indes kein Zusammenhang nachgewiesen werden.

Rezeption

Am 5. Februar 1998 führte der Unterausschuss für Sicherheit und Abrüstung des Europäischen Parlaments eine Anhörung durch, die unter anderem HAARP behandelte.<ref>Bericht über Umwelt, Sicherheit und Außenpolitik („Hughes“-Verfahren). A4-0005/99. Europäisches Parlament: Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten, Sicherheit und Verteidigungspolitik, 14. Januar 1999, abgerufen am 17. April 2022 (auch PDF; 197 kB).</ref> Einziger Gutachter dieser Anhörung war der Buchautor und Geschäftsmann Nick Begich jr. Dieser vertritt die Meinung, dass die HAARP-Anlage für „geophysikalische Kriegsführung“ genutzt werden könne.<ref>Gekochter Himmel. In: Der Spiegel. Nr. 41, 6. Oktober 1996, S. 226–227 (spiegel.de [PDF; 145 kB]).</ref> Die Anhörung resultierte in einen Entschließungsantrag an das Parlament, in dem Bedauern über die Informationspolitik der USA bezüglich HAARP und der Bedarf nach weiterer unabhängiger Forschung zu den Auswirkungen von HAARP ausgedrückt wird. Das Parlament fasste den Beschluss am 28. Januar 1999.<ref>Resolution on the environment, security and foreign policy. A4-0005/1999. Minutes - Final Edition. In: Texts Adopted by Parliament. The European Parliament: Environment, security and foreign affairs, 28. Januar 1999, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. Januar 2010; abgerufen am 8. Mai 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die HAARP-Website informierte, dass Betrieb, Forschung und Forschungsergebnisse nicht geheim seien: „The HAARP program is completely unclassified. There are no classified documents pertaining to HAARP.“ Zivile Mitarbeiter der Anlage stammen von mehreren Universitäten oder privaten Firmen,<ref></ref> so von UCLA, MIT, University of Alaska, Stanford University, University of Massachusetts, Clemson University, Penn State University, Dartmouth College, University of Tulsa, University of Maryland und der Cornell University. Bilder der Anlage unterliegen keiner Geheimhaltung und es gibt zwei Webcams der HAARP-Anlage und eine Möglichkeit, online die gegenwärtigen Messergebnisse einzusehen und zu speichern. Auch gibt es regelmäßige „Tage der offenen Tür“ und Studenten können für Praktika in der HAARP-Station arbeiten.

Das deutsche Geoforschungszentrum wies darauf hin, dass Radiowellen mit Frequenzen im Mega- und Gigahertzbereich keine Bewegung des Gesteins in der Erdkruste erzeugen und somit auch keine Spannungsänderungen bzw. Erdbeben hervorrufen können.<ref>Pascal Siggelkow: Erdbeben in Marokko: Falsche Videos und Verschwörungsansätze. 12. September 2023, abgerufen am 12. September 2023.</ref>

Trivia

  • Der deutsche Regisseur Thorsten Klein drehte 2011 einen Horrorfilm mit dem Namen Lost Place, der in einer fiktiven HAARP-ähnlichen Anlage im Pfälzerwald spielt. Der Film kam am 19. September 2013 in die deutschen Kinos.
  • Die Band Muse veröffentlichte im Jahre 2008 eine Live-DVD mit dem Titel HAARP.
  • Der Name der Londoner Metal-Band The HAARP Machine ist eine Anspielung auf die Verschwörungstheorien in Verbindung mit der Forschungseinrichtung.

Literatur

  • Dietmar Dath: Im schwarzen Wald der Waffen. In: FAZ. Nr. 168, 22. Juli 2006, S. 39 (faz.net).
  • Martin Gerhard Wegener: Moderne Rundfunk-Empfangstechnik. Franzis-Verlag, München 1985, ISBN 3-7723-7911-7 & Yüce-Group, Istanbul 1989, ISBN 975-411-058-1
  • Holm Hümmler: Erdbebenmaschinen – Das HAARP-Experiment und die Verschwörungstheoretiker. In: Skeptiker 3/2011, S. 108–116

Weblinks

Commons: HAARP – Sammlung von Bildern

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 62° 23′ 30″ N, 145° 9′ 0″ W

 {{#coordinates:62,391666666667|−145,15|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=
   |region=US-AK
   |type=landmark
  }}

Vorlage:Hinweisbaustein