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Strikt konvexer Raum

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Strikt konvexe Räume werden im mathematischen Teilgebiet der Funktionalanalysis betrachtet. Es handelt sich um normierte Räume, deren Norm bestimmte geometrische Eigenschaften hat, die für die Optimierungstheorie wichtig sind.

Definitionen

Ist <math>(X,\|\cdot\|)</math> ein reeller normierter Raum, so sei <math>X_1</math> die Einheitskugel, das heißt die Menge aller Elemente <math>x\in X</math> mit <math>\|x\|\le 1</math>, <math>X\,'</math> sei der Dualraum, das heißt der Banachraum der stetigen linearen Funktionale <math>f \colon X\rightarrow \R</math> mit der Dualraumnorm <math>\textstyle \|f\|:=\sup_{x\in X_1}|f(x)|</math>.

Ein reeller normierter Raum <math>(X,\|\cdot\|)</math> heißt strikt konvex, wenn er eine der folgenden untereinander äquivalenten Bedingungen erfüllt<ref>V. Barbu, Th. Precupanu: Convexity and Optimization in Banach Spaces, D. Reidel Publishing Company (1986), ISBN 90-277-1761-3, Satz 2.13</ref>:

  • Ist <math>\|x+y\|=\|x\|+\|y\|</math> für <math>x,y\in X\setminus \{0\}</math>, so gibt es eine reelle Zahl <math>\lambda</math> mit <math>x=\lambda y</math>.
  • Ist <math>\|x\|=\|y\|=1</math> für zwei verschiedene <math>x,y\in X</math>, so gilt <math>\|\lambda x +(1-\lambda)y\|<1</math> für alle reellen Zahlen <math> 0< \lambda < 1</math>.
  • Ist <math>\|x\|=\|y\|=1</math> für zwei verschiedene <math>x,y\in X</math>, so gilt <math>\|\tfrac{1}{2}( x +y)\|<1</math>.
  • Die Funktion <math>X\rightarrow \R,\, x\mapsto \|x\|^2</math> ist strikt konvex.
  • Jedes <math>f\in X\,' \setminus \{0\}</math> nimmt das Supremum auf <math>X_1</math> in höchstens einem Punkt an.

Aus der zweiten Eigenschaft ergibt sich direkt, dass die Menge der Extremalpunkte von <math>X_1</math> mit dem Rand der Einheitskugel <math>\partial X_1 = \{x\in X;\ \|x\|=1\} </math> zusammenfällt.

Aus der vierten Eigenschaft folgt die für die Optimierungstheorie wichtige Aussage, dass eine konvexe Menge in einem strikt konvexen Raum höchstens einen Vektor minimaler Länge hat.<ref>Peter Kosmol: Optimierung und Approximation, Walter de Gruyter (2010), ISBN 3-110-21814-3, Folgerung aus Satz 3.17.1</ref>

Beispiele

  • Gleichmäßig konvexe Räume sind strikt konvex, insbesondere also prä-Hilberträume und die Lp-Räume für <math>1<p<\infty</math>.
  • <math>\ell^1</math> ist nicht strikt konvex, denn ist <math>x=(1,0,0,\ldots)</math> und <math>y = (0,1,0,\ldots)</math>, so ist <math>\|x+y\| = 2 = \|x\|+\|y\|</math>.
  • Jeder endlichdimensionale strikt konvexe Raum ist gleichmäßig konvex. Es gibt strikt konvexe Räume, die nicht gleichmäßig konvex sind; diese müssen dann unendlichdimensional sein.<ref>N. L. Carothers: A short course on Banach space theory, Cambridge University Press (2005), ISBN 0521603722, Kapitel 11, Seite 114</ref> Siehe auch Renormierungssatz.

Glattheit

Die hier vorgestellte Eigenschaft Glattheit (engl.: smoothness) ist die zur strikten Konvexität duale Eigenschaft. Es sei <math>F:X\rightarrow \mathcal{P}(X\,')</math> die Korrespondenz, die jedem <math>x\in X</math> die Menge derjenigen Funktionale <math>f\in X\,'</math> mit <math>f(x)=\|x\|^2=\|f\|^2</math> zuordnet. Man nennt <math>F</math> auch die Dualitätsabbildung. Nach dem Satz von Hahn-Banach ist <math>F(x) \not= \emptyset</math> für alle <math>x\in X</math>. Man nennt einen normierten Raum glatt, wenn <math>F(x)</math> für jedes <math>x\in X</math> einelementig ist. Es gilt nun folgender Satz<ref>V. Barbu, Th. Precupanu: Convexity and Optimization in Banach Spaces, D. Reidel Publishing Company (1986), ISBN 90-277-1761-3, Theorem 2.6</ref><ref>N. L. Carothers: A short course on Banach space theory, Cambridge University Press (2005), ISBN 0521603722, Theorem 11.4</ref>:

  • Sei <math>X</math> ein normierter Raum.
Ist <math>X\,'</math> strikt konvex, so ist <math>X</math> glatt.
Ist <math>X\,'</math> glatt, so ist <math>X</math> strikt konvex.

Für reflexive Räume erhält man dann perfekte Dualität:

<math>X\,'</math> ist genau dann strikt konvex, wenn <math>X</math> glatt ist.
<math>X\,'</math> ist genau dann glatt, wenn <math>X</math> strikt konvex ist.

Da die Dualitätsabbildung <math>F</math> für glatte Räume nur einelementige Bilder hat, kann man sie auch als Funktion <math>F:X\rightarrow X\,'</math> betrachten. Man kann zeigen, dass diese Abbildung stetig ist, wenn man auf <math>X</math> die Normtopologie und auf <math>X\,'</math> die schwach-*-Topologie betrachtet.<ref>V. Barbu, Th. Precupanu: Convexity and Optimization in Banach Spaces, D. Reidel Publishing Company (1986), ISBN 90-277-1761-3, Theorem 2.8</ref>

Ein Renormierungssatz

In vielen Fällen kann man sich durch Übergang zu einer äquivalenten Norm die hier vorgestellten Normeigenschaften verschaffen, denn es gilt<ref>Joram Lindenstrauss: Handbook of the geometry of Banach spaces Band 1, Elsevier (2001), ISBN 0444828427, Seite 33</ref>:

  • Jeder separable Banachraum hat eine äquivalente Norm, die sowohl strikt konvex als auch glatt ist.

Insbesondere kann man auf diese Weise nicht-reflexive, strikt konvexe Banachräume konstruieren. Damit hat man Beispiele für strikt konvexe, aber nicht gleichmäßig konvexe Banachräume, denn letztere sind nach einem Satz von Milman stets reflexiv.

Siehe auch

Einzelnachweise

<references />