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Dufaux 4

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Dufaux 4
Die «Dufaux 4», 25. März 1911
Die «Dufaux 4», 25. März 1911
Typ
Entwurfsland
Hersteller Armand und Henri Dufaux
Erstflug 16. Dezember 1909
Stückzahl 15

Die Dufaux 4 ist ein einsitziges Flugzeug der französisch-schweizerischen Luftfahrtpioniere Henri und Armand Dufaux.

Aufbau und Entwicklung

Die Dufaux 4 wurde von den Gebrüdern Henri und Armand Dufaux als Doppeldecker konzipiert und bot Platz für den Piloten. Sie unterschied sich nur wenig von vergleichbaren Konstruktionen – zwei Tragflächen, dreieckiger Rumpfquerschnitt – aus den Pionierjahren der Motorluftfahrt. Es handelte sich um ein Experimentalflugzeug und eine Weiterentwicklung des namenlos gebliebenen Modells 2 mit acht Flügeln und einem von den Brüdern gebauten Dreidecker (Modell 3).

Der Doppeldecker wurde ab Mitte September 1909 innerhalb weniger Wochen konstruiert. Die Brüder hofften, mit ihrer Konstruktion das vom Automobil Club der Schweiz (ACS) ausgelobte Preisgeld von 1'000 Schweizer Franken für das erste in der Schweiz gebaute Flugzeug zu gewinnen, das einen geschlossenen Kreis von einem Kilometer Durchmesser fliegen konnte.

Der am 5. Oktober 1909 bestellte Dreizylinder-Anzani-Flugmotor von Typ «Traversée de la Manche» wurde im November angeliefert. Für die Teilnahme am Wettbewerb des ACS war dies zu spät. Anfang Dezember begannen die Brüder in der Umgebung von Corsier bei Genf mit den Testflügen. Die Maschine hob zwar kurz vom Boden ab, flog aber nur wenige Meter weit. Die Dufaux’ vermuteten, dass die Startstrecke zu kurz bemessen war und verlegten ihre Flugversuche auf eine grössere Wiese bei Viry. Am 16. Dezember 1909 setzten sie die Testflüge fort, und es gelangen ihnen am Nachmittag des gleichen Tags erste erfolgreiche Flüge. Der nächste Tag brachte wiederholt Probleme beim Abheben: Nachdem Henri Dufaux der Start gelungen war, brachte er das Flugzeug in ungefähr 15 Metern Flughöhe zum Überziehen und berührte mit dem linken Flügel den Boden. Den Absturz überstand er zwar unverletzt, aber die Tragflügel und der Propeller waren schwer beschädigt; der Motor hingegen konnte weiterverwendet werden. Die Brüder setzten die Maschine umgehend instand, um sie anlässlich des Flugmeetings in Colombier vom 9. bis 11. Januar 1910 vorzuführen. Starten konnten sie wegen des schlechten Wetters zwar nicht, erhielten aber erste Aufträge für den nun als Dufaux 4 bezeichneten Doppeldecker. Im Juni und Juli 1910 gelangen Armand und Henri Dufaux erfolgreiche Flüge über 8, am 10. Juli über 23 Kilometer, gekrönt von einem 31-minütigen Flug am 12. Juli 1910.

Verwendung

Ende 1909 hatten die Automobilpioniere Perrot Duval zur Förderung der Luftfahrtentwicklung ein Preisgeld von seinerzeit stattlichen 5'000 Schweizer Franken ausgeschrieben.<ref>Website der Perrot Duval Holding AG: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zusammenfassung der Geschichte der Perrot Duval Holding AG (Memento vom 6. Februar 2015 im Internet Archive) (PDF 836 kB), abgerufen am 21. Mai 2023</ref>

Datei:Dufaux 4 - Genfersee - 1910.jpg
Die «Dufaux 4» am 28. August 1910 über dem Genfersee

Am 28. August 1910 startete Armand um 5 Uhr 45 bei Noville/St. Gingolph und flog unweit des Südufers in etwa 50 Metern Flughöhe über den Genfersee nach Genf – die rund 66 Kilometer lange Flugstrecke bewältigte er in 56 Minuten und 5 Sekunden. Armand Dufaux hatte mit dieser Pionierleistung den bislang weltweit längsten Flug über offenes Wasser gewagt und gewann das ausgelobte Preisgeld des Perrot Duval-Preises für die Überquerung des Genfersees auf seiner gesamten Länge.

In den Monaten nach dem Rekordflug vom 28. August 1910 unternahmen die Brüder Dufaux zahlreiche weitere Flüge und beteiligten sich mit anderen Flugpionieren – unter anderem mit Pierre Emile Taddéoli (1879–1920),<ref>Pierre Emile Taddéoli auf pionnair-ge (französisch)</ref> Flugboot-Pionier und bis 1920 Chefpilot der späteren Ad Astra Aero – an Flugmeetings, die sie bis in die USA führten.

Das Schweizer Militär hatte bereits im Mai 1910 die Verwendung der Dufaux 4 abgelehnt, da sie den Verantwortlichen für eine militärische Verwendung ungeeignet erschien. Den verbesserten Doppeldecker Dufaux 5 führte Ernest Failloubaz (1892–1919) – mit 19 Jahren damals der jüngste Pilot der Schweiz – vom 4. bis 6. September 1911 der schweizerischen Armee vor, indem er mit seinem Freund Gustave Lecoultre als Beobachter an den Manövern des 1. Armeekorps Aufklärungseinsätze flog. Trotz einer Bruchlandung am letzten Tag des dreitägigen Einsatzes markieren diese Flüge den Beginn der schweizerischen Militärluftfahrt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Offizielle Website der Schweizer Luftwaffe: Der erste Schweizer Militärflug (Memento vom 14. August 2011 im Internet Archive), abgerufen am 24. Dezember 2008</ref>

Technische Daten

Datei:Dufaux 4 - 1909.jpg
Dufaux 4
Datei:Antoinette ENV left Verkehrshaus Luzern 2010-02-10.jpg
Ein Motor der Dufaux 4
Kenngrösse Daten
Besatzung 1 Pilot
Länge 9,5 m
Höhe 2,7 m
Spannweite 8,5 m
Flügelfläche 24,0 m²
Leermasse 180 kg
max. Startmasse 320 kg
Antrieb ein Anzani-Motor mit 19 kW (25 PS) bei 1400/min
Startgeschwindigkeit 42 km/h
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Dienstgipfelhöhe 500 m

Varianten

Datei:Emile Taddéoli - Dufaux 4 - 1910.jpg
Emile Taddéoli und seine Dufaux 4, 1910
Datei:Dufaux 4 mit Schwimmern Dezember 1910.jpg
Armand Dufaux im Dufaux-4-Wasserflugzeug, Dezember 1910

Ebenfalls auf dem Genfersee erfolgte im Dezember 1910 die Erprobung einer Dufaux 4(M) als Wasserflugzeug mit einem zentralen, zur Flugrichtung querstehenden Schwimmer.<ref>Das «Dufaux 4»-Wasserflugzeug auf pionnair-ge mit Informationen zur Erprobung und Fotos (französisch)</ref> Die Dufaux 4 wurde nebst dem Anzani-Motor mit Flugmotoren von Gnôme et Rhône und mit dem 8-Zylinder-V-Motor Antoinette ENV ausgerüstet; letztere Version ist im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern zu besichtigen. Die Anzahl insgesamt hergestellter Maschinen bedarf der Klärung, dürfte aber zusammen mit der Dufaux 5 mindestens 15 Flugzeuge betragen haben.

Die Dufaux 4 heute

Am 28. August 2010 sollte die fliegerische Pioniertat von Armand Dufaux wiederholt und der Genfersee vom Schweizer Astronauten Claude Nicollier entlang der historischen Strecke von 1910 überflogen werden. Die Arbeitsgruppe «Faux Dufaux» baute zum 100. Jubiläum des Flugs die im Verkehrshaus ausgestellte Dufaux 4, das älteste erhaltene Schweizer Flugzeug, nach.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., abgerufen am 21. Mai 2023</ref> Am Projekt mit einem Kostenrahmen von 4,7 Mio. Schweizer Franken beteiligten sich insgesamt rund 3'000 Helfer – Privatpersonen, Lehrbeauftragte, Lehrlinge und Studenten – von ETH Lausanne, Westschweizer Berufs- und Fachhochschulen.<ref>Tages-Anzeiger (23. Dezember 2008): Ältestes Flugzeug der Schweiz wird nachgebaut – Nicollier pilotiert, abgerufen am 23. Dezember 2008</ref>

Das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) verweigerte die Zulassung der Replika und verlangte die Neukonstruktion wesentlicher Teile. Nicollier gab im September 2011 an, seine guten Beziehungen zum BAZL nutzen zu wollen, um dem Dufaux-Nachbau doch noch zum Start zu verhelfen. Auch eine Zulassung in Frankreich war in Erwägung gezogen worden.<ref>LeTemps.ch (28. September 2011): Le «FauXDufauX» cloué au sol, abgerufen am 7. November 2011</ref> 2015 war der Neubau in Luzern neben dem Original zu sehen.<ref>Foto 2015</ref> 2018 wurden Verbesserungen am Rotationsmotor getestet.<ref>à jour 2018</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Michael J. H. Taylor: Jane’s Encyclopedia of Aviation. Studio Editions, London 1989, S. 347.

Weblinks

Commons: Dufaux 4 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />