Biologisierung
Vorlage:Hinweisbaustein Biologisierung ist ein Sammelbegriff für die zunehmende Integration von Prinzipien der Natur in moderne Wirtschaftsbereiche, beziehungsweise die Entwicklung von Produkten oder Problemlösungen mit Hilfe der Lebenswissenschaften.<ref>von Braun, J.: Bioeconomy - Science and Technology Policy to Harmonize Biologization of Economies with Food Security. In: D. Sahn (Hrsg.): The Fight Against Hunger and Malnutrition. Oxford University Press, 2015, S. 240 - 262.</ref> So wird etwa von der Biologisierung der Wirtschaft, der Biologisierung der Industrie oder der Biologisierung der Technik gesprochen. Der Begriff beschreibt einen Wandlungsprozess, angetrieben durch den Erkenntnisgewinn in den Lebenswissenschaften und insbesondere der Biotechnologie.<ref>Bioökonomierat (2017). Was ist Bioökonomie? http://biooekonomierat.de/biooekonomie/</ref> Biologisierung und Digitalisierung werden als konvergierende Prozesse aufgefasst, die sich gegenseitig verstärken können.<ref>Messen.de: Messe in Hannover - Biotechnica und Labvolution: Trend zu Biologisierung und Digitalisierung - Messen.de. Abgerufen am 2. März 2017.</ref><ref>Ernst & Young: Deutsche Biotech-Branche mit neuem Mut – es fehlt aber weiter an Risikokapital. EY, 13. April 2015, abgerufen am 2. März 2017.</ref> Die Biologisierung trägt zum Erfolg der Bioökonomie bei.<ref>Empfehlungen des Bioökonomierates: Weiterentwicklung der „Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030“</ref>
Biologisierung der Wirtschaft
Unter dem Schlagwort der „Biologisierung der Wirtschaft“ bzw. der Industrie wird die zunehmende Anwendung von biologischen und lebenswissenschaftlichen Innovationen in der Wirtschaft verstanden<ref>Thorsten Winter: Im Porträt: Brain-Chef Holger Zinke: Prophet der „Biologisierung der Industrie“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 7. März 2010, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 3. März 2017]).</ref>. Darunter fällt etwa die Verwendung biologischer, nachwachsender Ressourcen in der Produktion, um „nachhaltige“ Produkte zu erzeugen.<ref>Fraunhofer-Präsident Neugebauer: Materialeinsatz der Industrieländer muss sinken. (rnz.de [abgerufen am 2. März 2017]).</ref> Beispiele sind Leichtbaumaterialien aus Lignin<ref>Fraunhofer-Forscher bauen Carbonfasern aus Holzstoff. In: ingenieur.de. (ingenieur.de [abgerufen am 3. März 2017]).</ref> oder bio-basierte Kunststoffe aus Stärke<ref>Fraunhofer UMSICHT: Biobasierte Kunststoffe. Abgerufen am 3. März 2017.</ref>.
Biologische Erkenntnisse und Verfahren werden auch verwendet, um nachhaltiger zu produzieren. Beispiele hierfür sind Enzyme zur Konservierung von Lebensmitteln<ref>Fraunhofer IME: Insektenenzyme für die industrielle Biotechnologie. Abgerufen am 2. April 2018.</ref> und biotechnologisch hergestellte Tenside in Waschmitteln<ref>Fraunhofer IGB: Biotenside – Herstellung und Optimierung. Abgerufen am 3. März 2017.</ref>, die biologisch abbaubar sind und gleichzeitig bei niedrigen Waschtemperaturen reinigen.<ref>Umweltberatung Luzern: Reinigen und Waschen. Auf: umweltberatung-luzern.ch, Stand vom 25. Oktober 2017</ref>
Ähnlich der Digitalisierung, können biologische Innovationen die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen in vielen verschiedenen Wirtschaftsbereichen ermöglichen. Vorreiter sind biologische Therapeutika oder „Biologicals“ z. B. in der Immunonkologie<ref>Top 5 Biologicals from European Biopharma to Launch in 2017. In: Labiotech.eu. 31. Januar 2017 (labiotech.eu [abgerufen am 1. März 2017]).</ref>, biobasierte Implantate<ref>Fraunhofer IPA: Fraunhofer: Biologisierte Implantate und chirurgische Instrumente. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. März 2017; abgerufen am 3. März 2017.</ref> in der Medizintechnik<ref>Spezialkunststoffe: Plastik war erst der Anfang. (spektrum.de [abgerufen am 1. März 2017]).</ref> oder Materialien wie biotechnologisch hergestellte Spinnen- oder Florfliegenseide<ref>Medizintechnologie: Wundermittel Spinnenseide. (handelsblatt.com [abgerufen am 1. März 2017]).</ref><ref>Fraunhofer IAP: Florfliegenseide. Abgerufen am 3. März 2017.</ref>. In der Informationstechnik kann DNA als hocheffizienter Datenspeicher dienen<ref>Yaniv Erlich, Dina Zielinski: Science: DNA Fountain enables a robust and efficient storage architecture. In: Science. Band 355, Nr. 6328, 3. März 2017, ISSN 0036-8075, S. 950–954, doi:10.1126/science.aaj2038, PMID 28254941 (sciencemag.org [abgerufen am 3. März 2017]).</ref>. In der Medizintechnik wird die Biologisierung auch als ein „Zusammenführung technischer und biologischer Komponenten“ definiert. Dieser Trend ist vor allem in der Orthopädie und bei der Diagnostik zu beobachten. Hier stehen biobasierte Sensoren<ref>Fraunhofer IGB: Biosensorik. Abgerufen am 3. März 2017.</ref>, biologische Oberflächenbeschichtungen und „biologisierte“ Implantate<ref>Fraunhofer IGB: Herzklappen-Tissue-Engineering. Abgerufen am 3. März 2017.</ref>, die sich im Körper bei Bedarf auch automatisch abbauen, im Fokus<ref>Die „Biologisierung“ medizinischer Geräte. Abgerufen am 1. März 2017.</ref>. Es existieren aber auch Anwendungen außerhalb der Biomedizin. Durch die Einlagerung von Zellen lässt sich etwa ein Beton herstellen, der spannungsbedingte Risse selbständig schließt<ref>Bakterienhaltiger „Biobeton“ schließt spannungsbedingte Risse selbstständig. (baulinks.de [abgerufen am 3. März 2017]).</ref>.
Biologisierung der Technik
Die Biologisierung der Technik verändert den industriellen Produktionsprozess selbst. Grundlage dafür ist die Verknüpfung der heute weitgehend linearen Prozesse zu multidimensionalen „technischen Ökosystemen“, Wissen, Fähigkeiten und Ressourcen werden vernetzt. Produktionsprozesse werden so flexibler und resilienter. Beispiele dafür existieren im Rahmen der additiven Fertigung sowie ökoeffizienter Kreislaufsysteme<ref>Fraunhofer IPA: Die Ultraeffizienzfabrik im urbanen Umfeld. Abgerufen am 3. März 2017.</ref>. Weitere Beispiele für die Biologisierung der Technik finden sich in der Logistik durch die Nutzung des Prinzips der Schwarmintelligenz<ref>Fraunhofer: Schwarmintelligenz für die Logistik - Zellulare Transportsysteme. Abgerufen am 3. März 2017.</ref> sowie des autonomen Fahrens<ref>Fraunhofer IAO: Mensch und Mobilität. Abgerufen am 3. März 2017.</ref>.
Selbstreplizierende und organisierende zelluläre Maschinen sind bereits seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts Teil mathematischer Konzepte, aber bislang noch nicht verwirklicht<ref>John von Neumann's Cellular Automata | The Embryo Project Encyclopedia. Abgerufen am 3. März 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>.
Einzelnachweise
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