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Scheidengras

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Scheidengras
Datei:Coleanthus subtilis sl3.jpg

Scheidengras (Coleanthus subtilis), Illustration<ref name="Thome" />

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Gattung: Coleanthus
Art: Scheidengras
Wissenschaftlicher Name
Coleanthus subtilis
(Tratt.) Seidl

Das Scheidengras oder Scheidenblütgras (Coleanthus subtilis), auch Scheidenblütengras genannt<ref name="Schmeil und Fitschen2024" />, ist die einzige Art der Pflanzengattung Coleanthus innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae).<ref name="POWO" /> Der deutschsprachige Trivialname Scheidengras verweist auf die vergrößert ausgebildeten Blattscheiden.

Beschreibung

Datei:19909144-Coleanthus subtilis-2.jpg
Scheidengras
Datei:Coleanthus subtilis Thome Mod.jpg
Illustration aus Thome<ref name="Thome" />
Datei:Coleanthus subtilis Thome Ährchen Mod.jpg
Ährchen, Illustration<ref name="Thome" />
Datei:Coleanthus subtilis sl18.jpg
Fruchtstand

Vegetative Merkmale

Das Scheidengras ist eine einjährige krautige Pflanze. Dieses kleinwüchsige Gras wächst in kleinen, meist am Boden aufliegenden Büscheln. Die niederliegenden oder aufsteigenden Halme sind 30 bis 80 Millimeter lang, dünn, etwas gerieft und mit zwei oder drei Knoten gegliedert. Die Blattscheiden sind kahl und in der unteren Hälfte geschlossen, besonders die oberste Blattscheide ist stark aufgeblasen. Die Blatthäutchen sind 0,5 bis 0,8 Millimeter lang und bilden einen häutigen Saum. Die kahlen Blattspreiten werden 10 bis 20 Millimeter lang und 1 bis 2 Millimeter breit. Sie sind gefaltet, oft sichelförmig gebogen und schwach gerieft.

Generative Merkmale

Die rispigen Blütenstände sind 10 bis 30 Millimeter lang. Sie sind aus mehreren in Büscheln angeordneten mehr oder weniger dichten Ährengruppen zusammengesetzt. Die Ährchen sind einblütig und werden 0,8 bis 1,2 Millimeter lang. Sie verbleiben auch nach der Reifezeit auf der Rispe. Die Hüllspelzen fehlen. Die zarthäutigen Deckspelzen sind einnervig und sind 0,8 bis 1,2 Millimeter lang. Sie sind kahl, nur der Mittelnerv ist kurz und abstehend behaart. Im unteren Teil sind sie eiförmig, darüber länglich und am oberen Ende schmal abgerundet oder grannenspitzig. Die zarthäutigen und kahlen Vorspelzen sind zweinervig und sind 0,4 bis 0,6 Millimeter lang. Sie haben breite, eingeschlagene Seitenflächen und sind am oberen Ende vierzipfelig. Die beiden Nerven laufen je in einer kurzen Spitze aus. Es werden zwei Staubblätter gebildet. Die Staubbeutel sind etwa 0,3 Millimeter lang, die Filamente sind am Grunde der Staubbeutel ansitzend. Die Narben der Fruchtknoten sind fadenförmig und ragen am oberen Ende aus den Blüten.

Die Früchte werden 0,6 bis 0,8 Millimeter lang. Sie sind runzelig, stehen zwischen Deck- und Vorspelze vor und fallen ohne äußere Einwirkung ab.<ref name="PareysGräserbuch" />

Das Scheidengras blüht meist von Juni bis September, selten schon im Mai oder später bis November.<ref name="Hejny" /> Es ist diploid mit einer Chromosomenzahl von 2n = 14.<ref name="Hejny" />

Vorkommen und Gefährdung

Das Verbreitungsgebiet des Scheidengrases erstreckt sich über mehrere kleine, stark disjunkte Teilareale:

  • Nordwest-Frankreich (Bretagne)
  • Mitteleuropa: die Hauptvorkommen liegen in Tschechien mit ehemals etwa 140 Fundorten<ref name="Hejny" /> und reichen bis Österreich (nur an einigen Teichen im Waldviertel, vom Aussterben bedroht<ref name="Fischer" />), die Slowakei<ref name="Hejny" /> und Polen (bei Wrocław).<ref name="Pol" /> In Deutschland kommt es rezent in Sachsen bei Freiberg und in der Oberlausitz<ref name="Fleischer" /> und in Sachsen-Anhalt bei Wittenberg vor, während es im Westerwald (Rheinland-Pfalz) und bei Mannheim (Baden-Württemberg) ausgestorben ist.<ref name="Woike" />
  • Südtirol, ausgestorben<ref name="Fischer" /> (an zwei Seen bei Bozen und am Toblacher See)
  • Norwegen, zuletzt 1842: bei Oslo<ref name="Woike" />
  • Gebiet südlich des Ladoga-Sees bei Sankt Petersburg<ref name="Woike" />
  • West-Sibirien
  • am mittleren und unteren Amur (China)
  • in Nordamerika wurde das Scheidengras in sechs Gebieten im südlichen British Columbia (Kanada) und am Columbia River in Washington und Oregon (USA) gefunden. 2007 wurde es an einer weiteren Stelle in den Nordwest-Territorien von Kanada, etwa 1700 Kilometer vom nächsten Fundort entfernt, entdeckt. Da es in Amerika erst spät (1880) entdeckt worden ist, ging man davon aus, dass es aus Europa eingeführt wurde. Doch sprechen mehrere Faktoren dafür, dass die Art in Nordamerika ebenfalls heimisch ist, unter anderen die sehr speziellen Standortansprüche, die Seltenheit, die zum späten Auffinden der Art in Amerika geführt haben könnte, und fehlende Indizien dafür, dass es tatsächlich aus Europa eingeführt wurde.<ref name="Rhodora" /><ref name="KK52-3" /><ref name="GRIN-C" /> Das in Mitteleuropa sehr seltene Gras besiedelt als Pionierpflanze periodisch austrocknende Schlammböden.<ref name="KK" /> Das Scheidenblütgras gedeiht vor allem im Cypero-Limoselletum aus dem Verband Nanocyperion.<ref name="Oberdorfer2001" />

Das Scheidengras ist im Anhang II und IV der FFH-Richtlinie aufgeführt und damit als prioritäre Art eingestuft. Es ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und gilt als gefährdet.<ref name="FloraWeb" />

Ökologie und Soziologie

Das Scheidengras ist ein Therophyt mit einem Lebenszyklus von sechs bis sieben Wochen.<ref name="KK53" /> Es wächst in kurzlebigen, lückigen Zwergbinsen-Gesellschaften, die etwa 60 bis 80 % des Bodens bedecken.<ref name="Bernhardt" /> Es tritt an weit auseinanderliegenden Stellen auf, oft im Schlamm trockengelegter Teiche, an Bach- und Flussufern und Altwasserrändern. Es ist sehr selten und unbeständig. Sobald der Boden wieder überflutet wird, verschwindet es. Nur unter günstigsten Bedingungen kann es sich zwei bis vier Jahre halten.<ref name="PareysGräserbuch" /> Die Samen können lange in überfluteten Böden überdauern, ohne ihre Keimfähigkeit zu verlieren, nach älteren Angaben bis zu 20 Jahre und mehr.<ref name="Hejny" />

Die Ausbreitung erfolgt durch Fließgewässer auf verhältnismäßig geringen Entfernungen (Hydrochorie) und durch Wasser- und Sumpfvögel (Zoochorie). So können die weit voneinander entfernt liegenden Verbreitungsgebiete in der Böhmischen Masse, um Sankt Petersburg und in Sibirien durch das Vertragen von Samen durch Wildenten erklärt werden.<ref name="KK54" />

Systematik, Name und botanische Geschichte

Das Scheidengras wurde 1811 von den Brüdern Jan Svatopluk und Karl Bořiwog Presl bei Osek im Bezirk Pilsen entdeckt und 1816 durch Leopold Trattinnick unter dem Namen (Basionym) Schmidtia subtilis in Flora des Osterreichischen Kaiserthumes Band 1, S. 12, tab. 451 erstbeschrieben.<ref name="Trattinnick" /><ref name="GRIN-S" /> Wenzel Benno Seidl stellte die Art 1817 als Coleanthus subtilis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Tratt.) Seidl in die Gattung Coleanthus (in <templatestyles src="Person/styles.css" />Roemer & <templatestyles src="Person/styles.css" />Schultes: Systema vegetabilium Band 2, S. 276<ref name="RS" />).<ref name="GRIN-C" />

Das Scheidengras ist die einzige Art in der Gattung Coleanthus.<ref name="FOC" /> Die Gattung wird der Tribus Poeae in der Unterfamilie Pooideae zugeordnet.<ref name="GRIN-C" /> Andere Autoren stellen sie aufgrund der großen Unterschiede zu anderen Süßgräsern (fehlende Hüllspelzen, fehlende Schwellkörper, zwei Staubblätter, verlängerter Griffel) in eine eigene Tribus Coleantheae.<ref name="KK52" /> Fälschlicherweise werden der Gattung Coleanthus häufig sechs weitere Arten zugeordnet, die eigentlich zur Gattung Coleosanthus aus der Familie der Korbblütler gezählt wurden. Inzwischen werden diese Arten der Gattung Brickellia zugerechnet.<ref name="Rhodora" />

Der Gattungsname Coleanthus ist von den altgriechischen Wörtern koleós für „Schwertscheide“ und ánthos für „Blume, Blüte“ abgeleitet.<ref name="Genaust167" /> Das Artepitheton subtilis (lateinisch für „fein, dünn, zart)“ verweist auf die fadendünnen Stängel.<ref name="Genaust620" /> Der deutsche Trivialname Scheidenblütgras ist eine direkte Übersetzung des Gattungsnamens. Scheidengras ist eine nicht so wörtliche Übersetzung, betont jedoch eines der auffallendsten Merkmale der Art: die vergrößerten Blattscheiden.<ref name="KK51" />

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN-C"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="GRIN-S"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWeb"> Scheidengras. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="PareysGräserbuch"> Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Parey, Berlin 2000, ISBN 3-8263-3327-6, S. 186. </ref> <ref name="Fischer"> </ref> <ref name="Bernhardt"> Karl-Georg Bernhardt, Elisabeth Ulbel, Marcus Koch, Josef Webhofer: Erhalt des Scheidengrases in Österreich. Überleben gefährdeter Pflanzenarten im Teichboden am Beispiel Coleanthus subtilis. In: Naturschutz und Landschaftsplanung. Zeitschrift für angewandte Ökologie. März 2005, ISSN 0940-6808, S. 88–92 (nul-online.de [PDF; 1,2 MB; abgerufen am 14. Mai 2010]). </ref> <ref name="Rhodora"> Paul M. Catling: Coleanthus subtilis (Poaceae), New to Northwest Territories, and its Status in North America. In: Rhodora. Band 111, Nr. 945, 2009, S. 109–119, doi:10.3119/08-8.1. </ref> <ref name="FOC"> Shou-liang Chen, Sylvia M. Phillips: Coleanthus Seidel (sic!) in Roemer & Schultes. In: </ref> <ref name="Pol"> Jerzy Fabiszewski, Jan Cebrat: Coleanthus subtilis (Tratt.) Seidel [sic!] – a new species to the Polish vascular flora. In: Acta Societatis Botanicorum Poloniae. Band 72, Nr. 2, 2003, S. 135–138 (online englisch). </ref> <ref name="Fleischer"> Birgit Fleischer: Coleanthus subtilis (Tratt.) Seidl – ein Neufund für die Oberlausitz. In: Sächsische Floristische Mitteilungen. Band 7, 2002, S. 14–19. </ref> <ref name="Genaust167"> Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 167 (Nachdruck von 1996). </ref> <ref name="Genaust620"> Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 620 (Nachdruck von 1996). </ref> <ref name="Hejny"> Slavomil Hejný: Coleanthus subtilis (Tratt.) Seidl in der Tschechoslowakei. In: Folia Geobotanica et Phytotaxonomica. Band 4, Nr. 4, 1969, S. 345–399, doi:10.1007/BF02854697. </ref> <ref name="KK"> Monika Kriechbaum, Marcus Koch: Coleanthus subtilis (Poaceae) – wiederentdeckt. In: Neilreichia. Band 1, 2001, S. 51–56 (Vorlage:ZOBODAT). </ref> <ref name="KK51"> Kriechbaum, Koch: Coleanthus subtilis (Poaceae) – wiederentdeckt. S. 51. </ref> <ref name="KK52"> Kriechbaum, Koch: Coleanthus subtilis (Poaceae) – wiederentdeckt. S. 52. </ref> <ref name="KK52-3"> Kriechbaum, Koch: Coleanthus subtilis (Poaceae) – wiederentdeckt. S. 52–53. </ref> <ref name="KK53"> Kriechbaum, Koch: Coleanthus subtilis (Poaceae) – wiederentdeckt. S. 53. </ref> <ref name="KK54"> Kriechbaum, Koch: Coleanthus subtilis (Poaceae) – wiederentdeckt. S. 54. </ref> <ref name="Thome"> Illustration aus Otto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz. Gera-Untermhaus, 1885. </ref> <ref name="Woike"> Siegfried Woike: Beitrag zum Vorkommen von Coleanthus subtilis (Tratt.) Seidl (Feines Scheidenblütgras) in Europa. In: Folia Geobotanica et Phytotaxonomica. Band 4, Nr. 4, 1969, S. 401–413, doi:10.1007/BF02854698. </ref> <ref name="Trattinnick"> Leopold Trattinnick: Flora des österreichischen Kaiserthumes. Erster Band, Anton Strauß, Wien 1816, S. 12 (online) & Tafel. </ref> <ref name="RS"> Johann Jacob Römer, Joseph August Schultes: Systema vegetabilium. 16. Auflage. Band 2, J. G. Cotta, Stuttgart, 1817, S. 276 (online). </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Coleanthus subtilis bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Michael Koltzenburg: Coleanthus. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 279.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Scheidengras (Coleanthus subtilis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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