Klessin
Klessin Gemeinde Podelzig
| ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(53)&title=Klessin 52° 28′ N, 14° 33′ O
{{#coordinates:52,459444444444|14,553888888889|primary
|
dim=10000 | globe= | name=Klessin | region=DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code | type=city
}} |
| Einwohner: | 53 (2006)[Ohne Beleg] | |||||
| Eingemeindung: | 1946 | |||||
| Postleitzahl: | 15326 | |||||
| Vorwahl: | 033601 | |||||
Lage von Klessin in Brandenburg
| ||||||
Klessin ist ein Ort im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg und ist ein Ortsteil der Gemeinde Podelzig.<ref>Podelzig | Service Brandenburg. Abgerufen am 11. November 2024.</ref> Der Ort wurde größtenteils bis 1914 als Clessin betitelt.
Geschichte
In der Ortslage konnten germanische und slawische Körperbestattungen nachgewiesen werden.<ref>Archäologische Gesellschaft in Berlin und Brandenburg (Hrsg.): Jahrbuch Archäologie in Berlin und Brandenburg von 1995–1996. Verlag in Kommission Konrad Theiss, Stuttgart 1997. S. 83</ref> 1254 wurde Klessin (Knutschin slawischer Herkunft) erstmals urkundlich erwähnt. Längere Zeit war Clessin ein Gut der bekannten Familie von der Marwitz, vermutlich als Nebengut von Friedersdorf.<ref>Freiherr L. v. Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon oder genealogische und diplomatische Nachrichten. 1837. In: Vorstand von einem Vereine von Gelehrten und Freunden der vaterländischen Geschichte (Hrsg.): Standardwerk der Genealogie. Dritter Band I - O. Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1837, S. 362 (Digitalisat).</ref> Scheinbar ab 1839 war der Eigentümer dann der Kammergerichts-Präsident<ref>Ordens-Liste. 1845 Rother Adler-Orden. Dritte Klasse. Rother Adler-Orden. Dritte Klasse. Gedruckt in der Deckerschen Geheimen Ober=Hofbuchdruckerei, Berlin 1845, S. 115 (Digitalisat).</ref> a. D. Bonseri.<ref>Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. [1857]. Provinz Brandenburg. In: K. Fr. Rauer (Hrsg.): Übersicht für den Gutsbesitz. Verlag des Herausgebers, Berlin 1857, S. 87 (Digitalisat).</ref>
Von 1824 bis 1874 war die briefadelige Familie von Gansauge, vertreten durch Louis von Gansauge, Gutspächter des alten Rittergutes Klessin. Er wurde 1870 zum Schiedsmann des Lebuser Kreises bestellt.<ref>Amts-Blatt der Königlich Preußischen Regierung zu Frankfurt a./ O. 1870. Redigiert im Bureau der Königlichen Regierung, Nr. 33. Druck der Hofbuchdruckerei von Trowitzsch & Sohn, Frankfurt a./O 17. August 1870, S. 230 (Digitalisat).</ref> Neun Jahre später war nach dem amtlichen Generaladressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer für die Provinz Brandenburg das Clessiner Gut 361 ha groß. Oberamtmann von Gansauge wohnte auf der Domäne Lebus / Amt Lebus, welches zuerst von seinem 1861 geadelten Vater August von Gansauge (1795–1863), dann von seinen Bruder Emil von Gansauge (1829–1893) gepachtet war.<ref>Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1913. Siebenter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1912, S. 246 f. (Digitalisat)</ref><ref>P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen, Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S. 58–65, doi:10.18452/377 (Hu-Univ. Bln.).</ref> Als Clessiner Pächter, 402 ha-Rittergut, folgte Hauptmann a. D. Heinrich von Gansauge, gleichfalls mit Hauptwohnsitz in Lebus.<ref>Georg Volger: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche. 1896. Erste Lieferung: Provinz Brandenburg. 3. Auflage, Kreis Lebus, Nicolai’sche Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1896, S. 74 f.</ref> 1914 gilt als Rittergutsbesitzer<ref>Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfen. [1914]. Handbuch der Königlichen Behörden. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 2. Auflage, Regierungsbezirk Frankfurt a. O. Kreis Lebus, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 284 f.</ref> der Leutnant d. R. Otto von Albedyll. Sein Besitz umfasste 447 ha, den Gutsbetrieb führte als Verwalter Inspektor Franz Krause. Vor der großen Wirtschaftskrise 1929/1930 besaß das Rittergut einen Umfang von genau 423,50 ha. Im Mittelpunkt stand die Schweinezucht und vor allem die Schafsviehwirtschaft. Des Weiteren wurde wohl bereits als technische Ausrüstung ein eigener Motorpflug eingesetzt.<ref>Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. 1929. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe über 20 ha. Nach amtlichen Angaben. In: Paul Niekammer-Nachfolge (Hrsg.): Landwirtschaftliches Adressbuch. Letzte Ausgabe für die Provinz Brandenburg. 4. Auflage. Band VII.. Niekammer’s Adressbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 233 f. (Digitalisat).</ref>
Letzte Besitzer<ref>Wolf Thieme: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die letzten Tage von Klessin. ( vom 11. Dezember 2009 im Internet Archive) (PDF; 138 kB) Bildungswerk-JKS.de – Stern, 2005.</ref> des Gutes war ab 1911 durch Kauf die Adelsfamilie von Albedyll, vertreten durch den Offizier Otto von Albedyll (1887–1957). Er hat eine wechselvolle Vita und war zum Schluss Präses, also Vorsitzender, des Familienverbandes und verbrachte seinen Lebensabend in der DDR.<ref>Hubertus v. Albedyll: Chronik des Geschlechts der Gesamtfamilie Freiherr v. Albedy(h)ll - v. Albedy(h)ll. In: Familienverband (Hrsg.): Genealogie/Familienchronik. Überarbeitete und erweiterte Ausgabe Auflage. Eigenverlag, Lohmar-Honrath 2008, S. 281–290 (DNB).</ref>
Am 4. Februar 1945 befand sich ein Bataillon Volkssturm im Ort.<ref>Richard Lakowski: Seelow 1945. Die Entscheidungsschlacht an der Oder. 1. Auflage, Mittler, im Maximilian Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg 2017, S. 35. ISBN 978-3-8132-0974-7.</ref> Später trafen die ersten Einheiten der Panzergrenadier-Division „Kurmark“<ref>Florian Stark: Festung Klessin 1945 – Soldaten, Schüler, Volkssturmmänner wurden hier verheizt. Welt Online, 16. November 2018.</ref> ein und verstärkten die Volkssturmeinheit aus München.<ref>Heimatkreis Lebus (Hrsg.): Ein leidgeprüftes Land: Der brandenburgische Kreis Lebus in den Wirren der Jahre 1945–1952. Eigenverlag Heimatkreis Lebus, Lebus 1992, S. 31 ff.</ref> Am 22. März musste Klessin aufgegeben werden.<ref>Tony Le Tissier: Durchbruch an der Oder. Der Vormarsch der Roten Armee 1945. Ullstein, Frankfurt a. M./ Berlin 1995, ISBN 3-550-07072-1, S. 106 ff.</ref> Durch die schweren und verlustreichen Kämpfe wurde der Ort völlig zerstört und in großen Teilen (Schloss mit Ortsmitte) nicht wieder aufgebaut.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Blumenteppich für die gefallenen Kameraden. ( des Vorlage:IconExternal vom 15. Dezember 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Märkische Oderzeitung, 25. April 2006.</ref><ref>Verrostet und noch immer gefährlich. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2025. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot In: Märkische Oderzeitung, 1. November 2008.</ref> 2009<ref>Zurück aufs Schlachtfeld. Ein Zeuthener Kriegsveteran hilft bei der Suche nach Gefallenen / Bedrückende Erinnerungen. (PDF; 34 kB) In: Märkische Allgemeine, 28. November 2009</ref> und 2010 konnten durch die ehrenamtlichen Helfer des Vereines zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) weitere 13 gefallene deutsche Soldaten geborgen werden. Bisher konnte nur ein geringer Teil der geschätzten 300 deutschen Toten geborgen werden.<ref>13 Kriegstote in Klessin gefunden. In: Märkische Oderzeitung. 1. November 2010 (Moz.de.).</ref>
Nach dem Krieg wurde ein Volkseigenes Gut in Klessin gegründet.
Seit 2008 wird das Radrennen Oderrundfahrt vom Frankfurter Radsport-Club 90 (FRC) aus Frankfurt (Oder) am Ort organisiert. Der Rundkurs besteht aus einer 4,5 Kilometer langen Strecke, die mit einem steilen 800 Meter langen Anstieg und einer nicht minder langen Abfahrt besteht und um die Orte Klessin und Wuhden führt.<ref>Ein Hauch von Paris-Roubaix. In: Märkische Oderzeitung. 12. August 2008 (Moz.de.).</ref>
2023 wurde vom Wuhdener Heimatverein e.V. auf dem Areal des heute wüst liegenden Ritterguts und des Schlosses der Gedenkort „Kriegsschauplatz Schloss Klessin 1945“ mit umfangreichen Informationen über die Ereignisse vom Februar und März 1945 eröffnet.
Einwohnerentwicklung
| Jahr | 1875 | 1890 | 1910 | 1925 | 1933 | 2006 |
| Einwohnerzahl<ref>Klessin im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie</ref> | 133 | 136 | 137 | 166 | 151 | 53 |
Archivalien (Auswahl)
- Die Lehre von Klessin. Wer ist Schuld? Hitler ist Schuld!; 1945 (Plakat)., In: Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam (BLHA) 102 Plakate A115.
- Grund- und Hypothekenakten des Rittergutes Klessin; 1744-1808 (Akte)., In: BLHA 23A RHD 655.
Literatur
- Gerald Ramm, Mathias Hiller: Gott mit uns: Kriegserlebnisse aus Brandenburg und Berlin. Verlag Gerald Ramm, Woltersdorf b. Berlin 2005, ISBN 978-3-930958-11-5.
- Richard Lakowski: Seelow 1945. Die Entscheidungsschlacht an der Oder. 5. Auflage, Hrsg. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Brandenburgisches Verlags-Haus-Sankt Augustin, Siegler Verlag, Königswinter 2005, ISBN 978-3-87748-634-4.
- Klaus Stieger: Historische Ansichten aus dem Kreis Lebus. 1857–1945. Findling Verlag, Neuenhagen 2005, S. 140. ISBN 978-3-933603-36-4.
- Tony Le Tissier: Durchbruch an der Oder. Der Vormarsch der Roten Armee 1945. Ins Dt. Übertrag: Irene Meyer, Friederike Tribukait, Ullstein Hc, Berlin, Frankfurt/Main 1995, ISBN 978-3-550-07072-3.
- R. Schulz-Rosengarten: Ein leidgeprüftes Land. Der brandenburgische Kreis Lebus in den Wirren der Jahre 1945–1952. Ereignisse und Berichte ehemaliger Kreisbewohner aus der damaligen Zeit/Heimatkreis Lebus. Hrsg. Heimatkreis Lebus, Eigenverlag Heimatkreis Lebus, Lebus 1992.
Weblinks
Einzelnachweise
<references responsive />
Klessin | Podelzig | Siedlung | Wuhden
Weitere Wohnplätze:
Altpodelzig |
Neupodelzig
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2022-03
- Wikipedia:Weblink offline IABot
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Botmarkierungen 2025-12
- Podelzig
- Ehemalige Gemeinde (Landkreis Märkisch-Oderland)
- Ort im Landkreis Märkisch-Oderland
- Ort im Land Lebus
- Ersterwähnung 1254