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Martin Huber (Manager)

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Martin Huber (* 26. Februar 1960 in Wels) ist ein österreichischer Manager, der vom 1. November 2004 bis zum 22. April 2008 als Generaldirektor der ÖBB-Holding-AG der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) tätig war. Nach seinem Ausscheiden gründete Huber mit dem Immobilienexperten Erwin Krause die 6B47 Real Estate Investors AG, einen Immobilienprojektentwickler mit Schwerpunkten in Österreich, Deutschland und Polen.

Leben

Martin Huber wuchs zunächst in Schwanenstadt und später in Baden auf. Er studierte Betriebs- und Sozialwissenschaften an der Wirtschaftsuniversität in Wien und schloss im Jahre 1985 als Magister ab.

Beruflicher Werdegang Bau- und Immobilienwirtschaft

Im Jahre 1985 begann er seine Karriere als Revisionsassistent bei der Österreichischen Wirtschaftsberatung-GmbH. Ein Jahr später wechselte Huber in die Projektentwicklungsabteilung der Immorent AG, bei der er bis zum Jahr 1989 tätig war. Anschließend erfolgte der Eintritt in die Allgemeine Baugesellschaft A. Porr AG, bei der er bis 2004 folgende Positionen innehatte:

  • Mitglied des Vorstandes des Tochterunternehmens UBM Realitätenentwicklung AG (Akquisition, Projektentwicklung Sonderprojekte, Vermittlung und Hausverwaltung, Recht und Versicherung)
  • Mitglied des Vorstandes der Porr Projekt und Hochbau AG (Akquisition, Projektentwicklung, Investitionsmodelle, PORR Immoprojekt GmbH, Projektierungsbüro für Industrie-, Hoch- und Tiefbauten AG, Tschechien, Slowakei, Informationstechnologie)
  • ab 2003 Mitglied des Vorstandes der A. Porr AG (Akquisition Hochbau, Projektentwicklung für den Gesamtkonzern, Projektfinanzierungen, Porr Projekt und Hochbau AG, Einkauf)<ref>Lebenslauf: Martin Huber, ÖBB-Chef. 18. Oktober 2007, abgerufen am 6. Dezember 2016.</ref>

ÖBB-Vorstand (1. November 2004 – 22. April 2008)

Im November 2004 wurde Martin Huber mit 44 Jahren neuer ÖBB-Holding-Vorstand und folgte damit dem Deutschen Rüdiger vorm Walde an der Bahn-Spitze nach.<ref>(paul): ÖVP-Mann Huber ist neuer ÖBB-Vorstandssprecher. boerse-express.com, 23. September 2004, abgerufen am 12. Juli 2016.</ref> In seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit wurde ein Großteil der ÖBB-Reform (Bundesbahnstrukturgesetz von 2003) umgesetzt.<ref>https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblPdf/2003_138_1/2003_138_1.pdf 138. Bundesgesetz, mit dem das Bundesbahngesetz 1992, das Schieneninfrastrukturfinanzierungsgesetz, das Hochleistungsstreckengesetz, das Bundesgesetz zur Errichtung einer ÑBrenner Eisenbahn GmbH, das Bundespflegegeldgesetz, das Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz, das Arbeitsverfassungsgesetz und das Angestelltengesetz geändert werden und mit dem das Bahn-Betriebsverfassungsgesetz aufgehoben wird (Bundesbahnstrukturgesetz 2003)] (PDF; 226 KB)</ref> So erfolgte ab 1. Jänner 2005 die Abspaltung von 17 Teilbetrieben. Dadurch wurden die ÖBB unter dem Dach der ÖBB-Holding AG in vier operative Aktiengesellschaften – ÖBB Personenverkehr, ÖBB GV Güterverkehr („Rail Cargo Austria AG“), ÖBB Infrastruktur „Bau“, ÖBB Infrastruktur „Betrieb“ – und eine Personalmanagementgesellschaft (PMG) geteilt.<ref>Neue Struktur mit Dachholding und vier Aktiengesellschaften. derstandard.at, 15. November 2003, abgerufen am 11. Juli 2016.</ref> Am 14. März 2005 kam es unter Huber zur Einigung auf eine Neuplanung des Semmering Bahntunnels.<ref>ÖBB-Chef Huber: Zwei Varianten sind noch in Prüfung. derstandard.at, 15. März 2005, abgerufen am 25. November 2016.</ref> Am 20. April verschmolz die vordem selbständige Eisenbahn-Hochleistungsstrecken AG (HL-AG) und der Finanzierungsteil der Schieneninfrastrukturfinanzierungsgesellschaft mbH (SCHIG) mit der ÖBB-Infrastruktur Bau AG. Im Oktober 2007 bestellte die ÖBB 67 Züge des Typs „Railjet“.<ref>Countdown für neuen ÖBB-Railjet. oe24.at, 4. Oktober 2007, abgerufen am 2. Dezember 2016.</ref> Zudem läuteten die ÖBB die zweite Phase der Bahnhofsoffensive ein: Nach der Fertigstellung der ersten zehn Bahnhöfe (Phase 1) folgten der Umbau der Bahnhöfe Wien Praterstern und der Spatenstich für St. Pölten Hauptbahnhof und Wien Heiligenstadt. Weiter vorbereitet wurden u. a. die Projekte Hauptbahnhof Wien, Salzburg Hauptbahnhof, Wien Westbahnhof, Wien Mitte und Wien Hütteldorf.<ref>(OTS): ÖBB-Konzern legt Rekordbilanz vor. ots.at, 15. Mai 2007, abgerufen am 29. November 2016.</ref>

Ab Ende 2007 wurde Huber öffentlich zunehmend kritisiert. Hinterfragt wurde u. a. seine Rolle in umstrittenen Finanzgeschäften der ÖBB, die ab Frühjahr 2005 über die Deutsche Bank 612,9 Millionen Euro aus Cross-Border-Leasing-Geschäften in so genannte Collateral Debt Obligations, riskante Finanzprodukte, investierten. Kritisiert wurden auch hohe Lohnzahlungen an Huber, durch ihn angeworbene Führungskräfte sowie Hubers Beteiligung an einem Immobiliengeschäft, bei dem ein durch Hubers Frau und einen Treuhänder gehaltenes Unternehmen ein Haus für mehr als 200 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises von 5,4 Millionen Euro an einen Großauftragnehmer der ÖBB verkaufte. Huber kündigte als Reaktion am 21. April 2008 seinen am folgenden Tag effektiven Rückzug „aus allen Funktionen innerhalb des ÖBB-Konzerns“ an.<ref>ÖBB-Generaldirektor gibt seinen Rücktritt bekannt. krone.at, 21. April 2008, abgerufen am 25. November 2016.</ref> Zum neuen Generaldirektor wurde anschließend Peter Klugar bestellt, der bereits ab Anfang April 2008 als designierter Nachfolger Hubers gehandelt worden war.<ref>Miriam Koch: ÖBB-Vorstand könnte halbiert werden. diepresse.com, 3. April 2008, abgerufen am 30. November 2016.</ref>

Juristische Auseinandersetzungen

Nach den öffentlichen Vorwürfen und dem Ausscheiden Hubers aus dem ÖBB-Vorstand wurden die erhobenen Vorwürfe in neun separaten Ermittlungssträngen von der Justiz aufgearbeitet. Bis zum November 2016 wurden alle Ermittlungen eingestellt, in einem Verfahren erfolgte ein Freispruch.<ref name="kurier16">Kid Möchel: Ex-ÖBB-Chef Martin Huber: 9:0 gegen die Staatsanwaltschaft. kurier.at, 8. November 2016, abgerufen am 5. Dezember 2016.</ref>

Immobiliengeschäfte der ÖBB

Das Ermittlungsverfahren gegen Martin Huber bezüglich eines Schädigungsvorsatzes bei Immobiliengeschäften zwischen 2005 und 2007 wurde am 11. März 2014 eingestellt.<ref name="kurier14">Andrea Hodoschek: Ex-ÖBB-Chef Huber kann durchatmen. kurier.at, 14. März 2014, abgerufen am 7. Dezember 2016.</ref>

CDO-Geschäfte der ÖBB

Missglückte Spekulationsgeschäfte (Collaterized Debt Obligations) der Bahn sorgten für Ermittlungen der Justiz. Auch der damalige ÖBB-Vorstand wurde mit den gesammelten Erkenntnissen konfrontiert.<ref>ÖBB erwägen Klage gegen Deutsche Bank. derstandard.at, 17. April 2008, abgerufen am 20. November 2016.</ref> Die Justiz konnte Huber jedoch keinen Schädigungsvorsatz nachweisen. Die Ermittlungen der Justiz haben ergeben, dass Huber vom Abschluss dieser Spekulationsgeschäfte keine Kenntnis hatte. Daraufhin wurde das Verfahren eingestellt.<ref name="kurier14" />

ÖBB-Abfindung und Konsulentenvertrag

Im Oktober 2008 reichte Huber Klage gegen seinen früheren Arbeitgeber ÖBB ein, da ihm das monatliche Honorar für einen neben Abfindung, Prämien- und Pensionszahlungen bis Ende 2009 zugesagten Beratervertrag nicht überwiesen worden sei.<ref>Luise Ungerboeck: Streit mit Ex-Holding-Chef Huber. derstandard.at, 20. Oktober 2008, abgerufen am 5. Dezember 2016.</ref> Zugleich wurden die nach Hubers Rücktritt fälligen Zahlungen in insgesamt sechsstelliger Höhe zum Gegenstand der öffentlichen und politischen Diskussion.<ref>Konsulentenvertrag mit Ex-ÖBB-Vorstand Mag. Martin Huber. parlament.gv.at, abgerufen am 4. Dezember 2016.</ref>

Nordbergstraße 15

Im Oktober 2003 verkaufte die Telekom Austria eine Immobilie in der Wiener Nordbergstraße an ein Porr-Konsortium unter der Leitung von Martin Huber. Dabei flossen Vermittlungsprovisionen an Walter Meischberger, der sich in Folge nicht an seine Leistung erinnern konnte („Wo woar mei Leistung?“).<ref>Sundt und Huber wegen Immobiliendeal im Visier. derstandard.at, 8. November 2011, abgerufen am 27. November 2016.</ref> In Folge startete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Martin Huber. Am 28. November 2014 wurde das Ermittlungsverfahren von der Staatsanwaltschaft Wien eingestellt.<ref name="kurier16" />

Terminal Tower

Die Einmietung der Finanz im Linzer Terminal-Tower beschäftigt seit Jahren Justiz und Medien: Bei der Entscheidung für den Terminal Tower soll Bestechungsgeld geflossen sein. Im Visier der Justiz stehen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Makler Ernst Karl Plech.<ref>(az): Grasser: 700.000 Euro Schmiergeld bei Bau des Linzer Terminal Tower? nachrichten.at, 14. November 2011, abgerufen am 2. Dezember 2016.</ref> Huber, einst Manager bei der Porr, die den Tower errichtete, und in diesem Verfahren als Zeuge einvernommen wurde, wurde von Horst Pöchhacker und Ernst Karl Plech wegen falscher Beweisaussage und Verleumdung bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Am 16. April 2014 wurde das Verfahren gegen Huber eingestellt.<ref>Verleumdungsermittlung gegen Ex-Porr-Vorstand Huber eingestellt. diepresse.com, 25. April 2014, abgerufen am 27. November 2016.</ref>

Railjet

Im August 2011 zeigte der damalige Grün-Politiker Peter Pilz den Ex-Personenverkehrsvorstand Stefan Wehinger wegen bei der Staatsanwaltschaft an. Die Anzeige betraf den Vorwurf der Untreue im Zusammenhang mit der Bezahlung von 180.000 Euro durch Stefan Wehinger als Vorstand der ÖBB-Personenverkehr AG für den Namen „railjet“ im Jahr 2007 an eine Kommunikationsagentur.<ref>ÖBB kaufte Hochegger selbst kreierte Marke ab. derstandard.at, 30. August 2011, abgerufen am 29. November 2016.</ref> Huber wurde eine Beteiligung vorgeworfen. Am 3. November 2014 wurde das Ermittlungsverfahren gegen Huber eingestellt, da Huber in diese Vorgänge nicht involviert war.<ref>„Railjet“-Honorar: Verfahren gegen Huber eingestellt. orf.at, 5. November 2014, abgerufen am 4. Dezember 2016.</ref>

Zeitungs-Inserate

Die Kostenübernahme der ÖBB-Holding für Zeitungs-Inserate des BMVIT und des Ex-Verkehrsministers Werner Faymann im Zeitraum 2007–2008 sorgten wiederholt für öffentliche Kritik von Opposition und Rechnungshof.<ref>Nutzen "kaum erkennbar". orf.at, 23. August 2012, abgerufen am 6. Dezember 2016.</ref> Nach einer Sachverhaltsdarstellung von FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky begann die Staatsanwaltschaft Wien mit Ermittlungen gegen Kanzler Werner Faymann und Staatssekretär Josef Ostermayer, als auch gegen die Vorstände der ÖBB Holding AG und der Asfinag AG.<ref>Das Ermittlungsverfahren. dossier.at, 11. September 2014, abgerufen am 14. Dezember 2016.</ref> Im November 2013 wurden die Ermittlungen gegen Huber eingestellt.<ref name="kurier14" />

Schillerplatz 4 – Fall 1

2006 verkaufte die Telekom Austria eine Immobilie am Wiener Schillerplatz für 5,4 Millionen Euro an Martin Huber und seine Frau. Elf Monate später verkauften diese die Immobilie für 10,9 Millionen Euro weiter.<ref>Telekom: Schillerplatz-Gutachten belastet Huber und Co. diepresse.com, 17. Januar 2014, abgerufen am 1. Dezember 2016.</ref> Auf Basis einer Sachverhaltsdarstellung der Grün-Abgeordneten Gabriela Moser startete die Staatsanwaltschaft Wien 2008 mit Ermittlungen, stellte diese jedoch im April 2009 ein.<ref>Grüne bringt neue Anzeige gegen Huber ein. derstandard.at, 22. November 2011, abgerufen am 14. Dezember 2016.</ref> Der Vorwurf: Untreue zum Schaden der Telekom Austria. Nach einer erneuten Anzeige von Moser im September 2011 wurde das Verfahren wieder aufgenommen. Im August 2013 erhob die Staatsanwaltschaft Wien gegen Huber und sechs weitere Verdächtige Anklage wegen Immobiliengeschäften im Rahmen der Telekom-Affäre.<ref>Anklage in Causa Schillerplatz rechtskräftig. orf.at, 20. August 2013, abgerufen am 14. Dezember 2016.</ref> Im April 2014 kam es zu vier Freisprüchen, unter anderem für Martin Huber und seine Frau.<ref>(ag/red): Telekom-Schillerplatz-Prozess: Vier Freisprüche. krone.at, 11. April 2014, abgerufen am 28. November 2016.</ref>

Schillerplatz 4 – Fall 2

Im Zuge der Ermittlungen wurde Huber auch vorgeworfen, den ÖBB-Aufsichtsrat nicht ordnungsgemäß über das Schillerplatz-Geschäft informiert zu haben.<ref>Fall Schillerplatz: Oberstaatsanwalt ordnet neue Ermittlungen an. diepresse.com, 28. Mai 2015, abgerufen am 27. November 2016.</ref> Das Verfahren wurde nach mehr als zweieinhalb Jahren am 2. November 2016 eingestellt.<ref name="kurier16" />

Berufliche Tätigkeit seit 2009

2009 gründete Martin Huber mit Erwin Krause die Immobilieninvestmentgruppe „6B47 Real Estate Investors AG“. Die beiden halten die Mehrheit am Unternehmen. Der Immobilienentwickler 6B47 hat Büros in Wien, Düsseldorf und Warschau. Bis 2016 wurde ein Developmentvolumen von über 1,3 Milliarden Euro umgesetzt.<ref>Information zu 6B47. 6b47.com, abgerufen am 6. Dezember 2016.</ref> Am 3. Februar 2025 stellte die 6B47 einen Insolvenzantrag.<ref>Immoentwickler 6B47 ist insolvent. Abgerufen am 4. Februar 2025.</ref>

Privates

Martin Huber ist seit 1997 mit Barbara Huber-Lipp, einer diplomierten Trainerin in Wirtschaft und Jugendentwicklung, verheiratet und hat zwei Söhne.<ref>Porträt: Der Zugereiste. In: profil.at. profil, 28. Oktober 2004, abgerufen am 21. Dezember 2022.</ref><ref>Informationen zu Barbara Huber-Lipp. equ4u.com, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. Dezember 2016; abgerufen am 5. Dezember 2016.</ref>

Einzelnachweise

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