Zum Inhalt springen

Metamorpher Kernkomplex

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 17. April 2026 um 10:15 Uhr durch imported>TaxonBot (Bot: Auflösung doppelter toter Links nach https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia:Bots/Anfragen&oldid=266185123#Aufl%C3%B6sung_der_doppelten_Toten_Links).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Montagne Noire - Geology.png
Gneise und Granite der Zone axiale der Montagne Noire: ein metamorpher Kernkomplex

Als Metamorpher Kernkomplex ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) wird in der Geologie ein Geländeabschnitt bezeichnet, in dem ursprünglich tief in der Erdkruste gelegene, hoch metamorphe Gesteine inmitten von deutlich geringer oder nicht metamorphen Gesteinen zu Tage treten. Das Auftauchen dieser Bereiche beruht auf Dehnungstektonik und erfolgt weitestgehend ohne Magmenbildung.

Der Prozess, durch den mittlere und tiefere kontinentale Erdkruste an die Erdoberfläche gelangt, geht verhältnismäßig rasch vonstatten. Während des Dehnungsvorgangs entstehen flachliegende Abscherungen, die als mylonitische Scherzonen ausgebildet sind. Unterhalb dieser Abscherhorizonte liegen hochgradige Metamorphite aus der Eklogit-, Granulit- oder Amphibolit-Fazies, die duktil verformt wurden. Die Gesteine im Hangenden wurden während dieser Bewegungsvorgänge (synkinematisch) zu grünschieferfaziellen bzw. amphibolitfaziellen Metamorphiten umgewandelt, ihr Verformungsverhalten war duktil-spröde bis spröde.

Beschreibungen/Definitionen

Coney (1980) definiert metamorphe Kernkomplexe folgendermaßen:

„Der metamorphe Kernkomplex ist generell gekennzeichnet als ein heterogenes Grundgebirgsterran, das sich aus älteren metamorphen und plutonischen Gesteinen zusammensetzt und von einer jüngeren mylonitschen bzw. gneisartigen Textur mit flachliegender Lineation und Foliation überprägt wird. Das überdeckende Terran im Hangenden liegt im unmetamorphosierten Zustand vor und wird von einem System zahlloser relativ flachliegender Verwerfungen, deren jüngere Verwerfungsäste an den Älteren auslaufen, zerstückelt und folglich gedehnt. Zwischen dem Grundgebirgs- und dem Deckterran liegt ein Abscherhorizont und/oder ein steiler Anstieg im Metamorphosegrad. Einhergehende Brekziierung und andere kinematische wie strukturelle Indizien deuten auf gleitende oder abscherende Bewegungen hin.“<ref>P. J. Coney: Cordilleran metamorphic core complex: an overview. In: M. A. Crittenden, P. J. Coney, G. H. Davis: Cordilleran Metamorphic Core Complex. Geological Society of America Memoir. 153, Boulder 1980, S. 7–34.</ref>

Der Abscherhorizont wird im Französischen als décollement und im Englischen als {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) bezeichnet.

Lister und Davis (1989) geben folgende Definition:

„Die Bildung metamorpher Kernkomplexe resultiert aus der großangelegten Dehnung der kontinentalen Kruste. Die Mittel- und Unterkruste wird förmlich unterhalb der aufreißenden und sich dehnenden Oberkruste weggezogen. Die hierfür benötigten Bewegungshorizonte unterliegen einer räumlichen als auch einer zeitlichen Entwicklung. Die sich im Liegenden verformenden Gesteine erfahren eine allmähliche Aufwärtsbewegung, die sie durch unterschiedliche metamorphe und strukturelle Faziesbereiche passieren lässt und ihnen folglich eine charakteristische Abfolge an Meso- und Mikrostrukturen aufprägt.“<ref>G. S. Lister, G.A. Davis: The origin of metamorphic core complexes and detachment faults formed during Tertiary continental extension in the northern Colorado River region, U.S.A. In: Journal of Structural Geology, Band 11, 1989, S. 65–94, doi:10.1016/0191-8141(89)90036-9.</ref>

Vorkommen

Das Konzept des metamorphen Kernkomplexes wurde zum ersten Mal in den Kordilleren des westlichen Nordamerika entwickelt, die zahlreiche Beispiele beherbergt:

Die Vorkommen in der nördlichen Kordillere stammen aus dem Eozän, wohingegen die im weiter südwärts gelegenen (z. B. in Arizona) jüngeren Datums sind.

Metamorphe Kernkomplexe sind aber nicht nur auf Nordamerika beschränkt, sie treten auch in Anatolien, im Iran, in Tibet oder in Neuseeland auf. Der geologisch jüngste metamorphe Kernkomplex liegt im östlichen Neuguinea (D’Entrecasteaux-Inseln).

Weitere Vorkommen von metamorphen Kernkomplexen finden sich ebenfalls in:

Metamorphe Kernkomplexe wurden selbst im ozeanischen Bereich ausfindig gemacht, zuerst im Atlantik.<ref>Donna K. Blackman, Johnson R. Cann, Bob Janssen, Deborah K. Smith: Origin of extensional core complexes: Evidence from the Mid-Atlantic Ridge at Atlantis Fracture Zone. In: Journal of Geophysical Research. Band 103, B9, 1998, S. 21315–21333, doi:10.1029/98JB01756.</ref><ref>B.E. Tucholke, J. Lin und M.C. Kleinrock: Megamullions and mullion structure defining oceanic metamorphic core complexes on the Mid-Atlantic Ridge. Journal of Geophysical Research 103, B5, 1998, S. 9857–9866, doi:10.1029/98JB00167</ref> Seitdem wurde eine weitere Anzahl dieser Strukturen in der ozeanischen Lithosphäre entdeckt, zumeist an Mittelozeanischen Rücken mit intermediärer, langsamer und ultralangsamer Spreizgeschwindigkeit, aber auch in Backarc-Becken,<ref>Fujimoto et al.: First submersible investigations of mid-ocean ridges in the Indian Ocean. In: InterRidge News, Band 8, Nr. 1, 1999, S. 22–24; interridge.org (PDF; 10,5 MB)</ref><ref>Y. Ohara, Y. Kato, S. Kasuga: Giant Megamullion in the Parece Vela Backarc Basin. In: Marine Geophysical Researches, Band 22, Nr. 1, 2001, S. 47–61, doi:10.1023/A:1004818225642.</ref> so beispielsweise am Mittelatlantischen Rücken<ref>D. K. Smith, J. R. Cann, J. Escartin: Widespread active detachment faulting and core complex formation near 13 degrees N on the Mid-Atlantic Ridge. In: Nature, Band 442, 2006, S. 440–443, doi:10.1038/nature04950.</ref> und am Südwestindischen Rücken.<ref>Mathilde Cannat u. a.: Modes of Seafloor Generation at a Melt-Poor Ultraslow-Spreading Ridge. In: Geology. Band 34, Nr. 7, 7. Januar 2006, S. 605–608, doi:10.1130/G22486.1.</ref> Einige dieser ozeanischen metamorphen Kernkomplexe wurden erbohrt und beprobt.<ref>B. Ildefonse, D. K Blackman, B. E John, Y. Ohara, D. J Miller, C. J MacLeod: Oceanic Core Complexes and Crustal Accretion at Slow-Spreading Ridges. In: Geology. Band 35, Nr. 7, 7. Januar 2007, S. 623–626, doi:10.1130/G23531A.1 (iodp.org [PDF; 416 kB]).</ref> Die Arbeiten zeigen, dass sie im Liegenden primär aus mafischen und ultramafischen Gesteinen (Gabbro und Peridotit, aber auch Dolerit) aufgebaut sind. Der Abscherhorizont ist relativ dünn und besteht aus wasserhaltigen Phyllosilikaten. Ozeanische metamorphe Kernkomplexe stehen oft mit aktiven Hydrothermalfeldern in Verbindung.

Extraterrestrische Vorkommen

Eine Struktur im Zentrum der Artemis Corona auf der Venus wurde von Spencer (2001) als ein metamorpher Kernkomplex interpretiert.<ref>Jon E Spencer: Possible Giant Metamorphic Core Complex at the Center of Artemis Corona, Venus. In: Geological Society of America Bulletin. Band 113, Nr. 3, 3. Januar 2001, S. 333–345, doi:10.1130/0016-7606(2001)113<0333:PGMCCA>2.0.CO;2.</ref> Es könnte sich hier durchaus um den größten metamorphen Kernkomplex im Sonnensystem handeln.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />