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Alexander Dehms

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Alexander Dehms (* 15. Dezember 1904 in Karolinenhof bei Berlin; † 20. September 1979 in Berlin) war ein Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Politiker der SPD.

Leben

Dehms wurde 1919 Mitglied des Deutschen Metallarbeiter-Verband. Im Jahr 1923 trat er der SPD bei. Zwei Jahre später wurde er wegen seiner Mitarbeit beim Internationalen Jugendbund (IJB) wieder ausgeschlossen. Von 1924 bis 1927 war er Schüler in dem von Leonard Nelson und Minna Specht gegründeten Landerziehungsheim Walkemühle und wurde 1926 Mitglied des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK), der auch der Träger der Walkemühle war.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />wiki.landerziehungsheim-walkemuehle.de: Die Bewohner der Walkemühle Lehrer, Schüler und Helfer (Memento vom 7. Januar 2018 im Internet Archive)</ref> Nach der „Machtergreifung“ wurde Dehms 1934 in Untersuchungshaft wegen des „Verdachts auf Hochverrat“ genommen. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn 1938 zu zehn Jahren Zuchthaus.

Datei:2016-09-07 Grab-Alexander-Dehms.jpg
Ehrengrab von Alexander Dehms auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Dehms in den Bezirksämtern Treptow, Köpenick und Kreuzberg von Berlin. Dehms war in den Bezirksämtern für den Wiederaufbau und die Entwicklung der öffentlichen Bibliotheken auf bezirklicher Ebene zuständig. Die politische Teilung der Stadt und die verstärkte doktrinäre Einflussnahme auf das Bibliothekswesen im Ostsektor ließ manchen im Bibliothekswesen Tätigen vom Ostsektor in die Westsektoren wechseln.<ref name="Hätscher 1995 158">Petra Hätscher, „Das Öffentliche Bibliothekswesen Berlins von 1961 bis 1989“, in: Bibliothek: Forschung und Praxis, Bd. 19 (1995), Nr. 2, S. 155–188, hier S. 158.</ref> So auch Dehms, der von 1949 bis 1969 das Bibliotheksamt des Bezirks Kreuzberg leitete.<ref name="Mahrt-Thomsen 2000 29">Frauke Mahrt-Thomsen, 150 Jahre: Von den Berliner Volksbibliotheken zur Stadtbibliothek Kreuzberg; eine Chronik, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kunstamt Kreuzberg, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kreuzberg Museum sowie Verein zur Erforschung und Darstellung der Geschichte Kreuzbergs (Hrsg.), Berlin: Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, 2000, S. 29. Keine ISBN.</ref> Als Leiter des Bibliotheksamts stand Dehms zugleich dem Stadtbücherei Kreuzberg genannten bezirklichen Bibliotheksverbund vor.

Von 1951 bis 1967 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Nach Jahren der Kampagne, gewann Dehms eine Mehrheit der Abgeordneten, die am 31. März 1955 das Berliner Büchereigesetz verabschiedeten, das für die öffentlichen Bibliotheken den Ausbau, höhere Finanzzuweisungen und eine bessere technische Ausstattung vorsah.<ref name="Mahrt-Thomsen 2000 29" /> Dieses Gesetz ermöglichte den Umzug mancher Bibliothek in einen Neubau, so auch der 1. Volksbücherei,<ref name="Medien 2000 85">Gearbeitet, gewerkschaftet, gewohnt: 75 Jahre Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker von Max Taut, Lothar Uebel (Hrsg.) im Auftrage der Industriegewerkschaft Medien, Druck und Papier, Publizistik und Kunst, Berlin: Industriegewerkschaft Medien, Druck und Papier, Publizistik und Kunst, 2000, S. 85. Keine ISBN.</ref> der ältesten 1850 gegründeten städtischen Bibliothek, die bei der Gelegenheit nach Friedrich von Raumer, der die Berliner öffentlichen Bibliotheken 1846 initiierte, in Friedrich-von-Raumer-Bibliothek umbenannt wurde.<ref name="Mahrt-Thomsen 2000 30">Frauke Mahrt-Thomsen, 150 Jahre: Von den Berliner Volksbibliotheken zur Stadtbibliothek Kreuzberg; eine Chronik, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kunstamt Kreuzberg, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kreuzberg Museum sowie Verein zur Erforschung und Darstellung der Geschichte Kreuzbergs (Hrsg.), Berlin: Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, 2000, S. 30. ohne ISBN.</ref> Anfang der 1960er Jahre wurde das Büchereigesetz bereits Makulatur, weil dessen noch nicht begonnenen Vorgaben unter Finanzierungsvorbehalt gestellt wurden.<ref name="Mahrt-Thomsen 2000 29" />

Nachdem der gemäß Büchereigesetz anfangs aufgestellte Entwicklungsplan für die öffentlichen Bibliotheken 1965 ersatzlos ausgelaufen war, erreichte die Finanzierung der öffentlichen Bibliotheken in puncto Haushaltsanteil und Kaufkraft nicht wieder das relative Niveau wie bei Inkrafttreten des Gesetzes.<ref name="Hätscher 1995 158" /> Dehms folgte als Leiter der Stadtbücherei Kreuzberg Alfred Kalisch (* 1925), der ab 1953 die Friedrich-von-Raumer-Bibliothek (1. Volksbücherei) geleitet hatte.<ref name="Mahrt-Thomsen 2000 32">Frauke Mahrt-Thomsen, 150 Jahre: Von den Berliner Volksbibliotheken zur Stadtbibliothek Kreuzberg; eine Chronik, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kunstamt Kreuzberg, Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Kreuzberg Museum sowie Verein zur Erforschung und Darstellung der Geschichte Kreuzbergs (Hrsg.), Berlin: Bezirksamt Kreuzberg von Berlin / Bibliotheksamt, 2000, S. 32. Keine ISBN.</ref>

1975 wurde Dehms als Stadtältester von Berlin geehrt.

Alexander Dehms starb im September 1979 im Alter von 74 Jahren in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem landeseigenen Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend.<ref>Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1. S. 485.</ref> Die letzte Ruhestätte von Alexander Dehms (Grablage: II-Ur 3-186) ist als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet.<ref>Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: November 2018). (PDF, 413 kB) Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, S. 15. Abgerufen am 25. November 2019.</ref>

Literatur

Weblinks

Commons: Alexander Dehms – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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