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Metallbaukasten

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Datei:Märklin neu.jpg
Märklin-Metallbaukasten, 1970er Jahre

Ein Metallbaukasten, gelegentlich nach einer bekannten Marke auch Stabilbaukasten genannt, ist ein Baukasten, mit dem aus unterschiedlichen vorgefertigten Metallteilen Modelle montiert werden können. Diese Modelle können entweder frei erfunden oder nach Vorlage angefertigt werden. Bei den Teilen handelt es sich um Lochbleche, Lochbänder und Winkel aus Blech, ergänzt durch Achsen, Radfelgen, Reifen, Zahnräder und weitere Spezialteile, die mittels Metallschrauben und Muttern zusammengebaut werden. Den Baukästen liegen passende Schraubenzieher und Schraubenschlüssel bei.

Entwicklung und Verbreitung

Datei:Stabil Muellauto.jpg
Müllwagen, gebaut mit Walther Stabil-Teilen
Datei:Trixstadt-Motorrad.jpg
Motorrad, gebaut mit Trix-Teilen aus den 1930er Jahren
Datei:Märklin-1930.jpg
4 Märklin-Metallbaukästen, ca. 1930
Datei:Titelbild Märklin-Anleitungsheft 1930er Jahre.jpeg
Titelbild Märklin-Anleitungsheft 1930er Jahre
Datei:Metallbaukasten construction 120 DDR.jpg
Metallbaukasten „construction 120“ aus der DDR, ca. 1977

Die in Deutschland bekanntesten Metallbaukästen sind der „Stabil“ von Walther & Co.,<ref>Werner Sticht: Alles über Stabil. Abgerufen am 17. Oktober 2023.</ref><ref>Werner Sticht: Franz Walther und die Firmengeschichte. Abgerufen am 17. Oktober 2023.</ref> die Kästen von Märklin sowie das unter dem Namen Trix bekanntgewordene System. Weltweit war das von Frank Hornby entwickelte Baukasten-System „Meccano“ verbreitet, dessen technische Normen, insbesondere der Lochabstand von 1/2 Zoll = 12,7 mm, heute als internationaler Standard gelten.

Der Trix-Metallbaukasten wurde 1931 von den Vereinigten Spielwarenfabriken Nürnberg unter der Führung von Stephan Bing vorgestellt. Er weist im Gegensatz zu den anderen Metallbaukästen drei Lochreihen auf. Eine weitere Besonderheit bestand im Vertriebskonzept in den Jahren der Weltwirtschaftskrise. Während die anderen Marken größere und teurere Sortimentskästen verkaufen wollten, bot Trix erfolgreich kleine Pappschacheln mit wenigen Teilen an, die für nur 50 Pfennige gekauft werden konnten.<ref>1931 – Der TRIX Volks-Metall-Baukasten. Auf trixstadt.de, abgerufen am 5. Januar 2025.</ref>

Insgesamt wurden etwa 450 Systeme unter oft sehr kurzlebigen Markennamen hergestellt. Angesichts der Konkurrenz von Plastik-Baukästen wie Lego oder Fischertechnik sowie der elektronischen Spielzeuge war der wirtschaftliche Erfolg der Metallbaukästen seit den 1970er Jahren rückläufig. Die Produktion der Marke Stabil wurde um 1970 eingestellt, Märklin Metall und Trix verschwanden nach stufenweisen Reduktionen 1999 vom Markt, jedoch erschien 2004 die einmalige Jubiläums-Edition eines thematisch orientierten Märklin-Großbaukastens (Bagger). Einzig die ursprünglich in der DDR entwickelten Baukästen der Marke Construction (heutiger Name: eitech<ref name="eitech">Firmengeschichte Eichsfelder Technik eitech GmbH. Abgerufen am 1. September 2024.</ref>) sowie die tschechischen Baukästen der Marke „Merkur“ werden in erheblich verbesserter Form weiterhin angeboten, schließlich noch das zuerst 1942 von den Brüdern Stockmann in der Schweiz entwickelte System der Stokys-Baukästen, das sich trotz seiner Besonderheiten an den durch „Meccano“ vorgegebenen technischen Standards orientiert und damit kompatibel ist.

Nachdem Distler Mitte der 1960er Jahre vom deutschen Inhaber der Marke Trix an ein belgisches Unternehmen verkauft worden war, entstand dort unter der Marke Distler Toys eine um ca. den Faktor zwei vergrößerte Variante des Trix Metallbaukastens.

Eine Besonderheit stellt eine Baukastenreihe aus der DDR dar, bei der erstmals Pneumatik in dieser Baukastenwelt angewendet wird, was die Möglichkeiten im Modellbau wesentlich erweiterte. Die Baukästen P01 (Druckluftverdichter), P02 (pneumatische Steuerungen und Antriebe) und P03 (elektropneumatische Steuerungen und Antriebe) der ORSTA-Modelltechnik wurden um 1983 im VEB Kombinat ORSTA-Hydraulik Leipzig konzipiert und die Baukästen P01 und P02 im VEB Hydraulik Dippoldiswalde in Serie hergestellt. Der Baukasten P03 wurde im VEB Industriewerke Karl-Marx-Stadt entwickelt und in einer Auflage von nur 100 Stück hergestellt. Mit diesem Baukasten wurden computergesteuerte Robotermodelle gebaut.

Eine Renaissance der Metallbaukästen bahnt sich zum einen durch die Aktivität von Firmen an, die in großem Umfang Repliken von Märklin- und Meccano-Teilen herstellen und damit eine weltweite Fan-Gemeinde bedienen. In Deutschland ist METALLUS ein inzwischen international bekannter Hersteller solcher Repliken.<ref>https://www.metallus.ch/home</ref> Zum anderen kommen in jüngerer Zeit mehr und mehr Roboterbausätze aus Metall auf den Markt.

Ein deutscher Hersteller mit einem sehr umfangreichen Produktsortiment ist eitech aus Pfaffschwende.<ref name="eitech"></ref><ref>Zur Geschichte der Metallbaukästen dieser Firma ("Konstruktion", "Construction" und "eitech") seit 1955 und seines Gründers Eberhard Rapp siehe: Peter Lingens: Zwischen Rapp, VEB und eitech: Der Metallbaukasten Construction. In: Ulf Leineweber: Baukästen!, Staatliche Museen Kassel, Kassel 1999, S. 140–153.</ref> Dieses Unternehmen bietet nicht nur die klassischen Metallbaukästen, sondern auch Antriebseinheiten und Zubehör wie Solarzellen und eine Brennstoffzelle für die alternative Energieerzeugung an.

Als erster Hersteller bietet die Tronico – RCEE GmbH aus Bremen seit 2011 unter der Marke Tronico farbige Modellbaukästen aus Metall mit Lizenzen an. Die Konzentration liegt dabei auf Lizenzen in den Bereichen Landmaschinen, vorzugsweise Traktoren, Baufahrzeuge, Einsatzfahrzeuge, Luftfahrt. Bei den Lizenzen für Deutschland handelt es sich um die Marken Fendt, Claas, Massey Ferguson, Challenger, Krampe, Mercedes-Benz, Krone, Linde, ADAC, Case IH, Liebherr, New Holland. Die Maßstäbe sind 1:16, 1:24, 1:32, 1:64, 1:100. Der kleinste Metallbaukasten der Welt, die Micro-Serie im Maßstab 1:64, wurde auf der Nürnberger Spielwarenmesse 2014 erstmals präsentiert. Dabei handelte es sich um Traktoren mit Anhängern, die auch ferngesteuert produziert wurden. Es wurden eigens besondere Bauteile dafür entwickelt, um den Maßstab 1:64 zu realisieren.

Vorgeschichte

Der Vorläufer des Metallbaukastens ist der „Modellbaukasten“, der von Gustav Lilienthal, dem Bruder des Flugpioniers Otto Lilienthal, entwickelt wurde. Der Lilienthal-Baukasten bestand aus gelochten Holzleisten und Verkleidungsplatten aus Pappe, mit denen die Leerräume zwischen den Leisten gefüllt werden konnten. Das Patent zu diesem Baukasten wurde von Otto Lilienthal angemeldet, da Gustav Lilienthal durch einen kurz zuvor verlorenen Prozess um die ebenfalls von ihm entwickelten Steinbaukästen in finanziellen Schwierigkeiten steckte. In der Patentschrift aus dem Jahre 1888<ref>Objekt | lilienthal-museum.museumnet.eu. Abgerufen am 17. Oktober 2023.</ref> heißt es:

„Die Herstellung von Modellbauten aus Leisten verschiedener Länge, welche in einer gleichmäßigen Längeneintheilung vielfach gelocht sind und mittelst gerader oder gekrümmter V-förmiger Splintnadeln und dazugehöriger Keile verbunden werden, während die Flächenfüllung durch Einschieben von Platten in die an den Leisten angebrachten Nuthen bewirkt wird.“

Nun war es nur noch ein kleiner Schritt von der Holzbauweise zu verschraubten Metallteilen.

Julius Weiss aus Hamburg meldete 1892 unter der Patentnummer 67599 ein Patent zu einem „Brückenbaukasten“ – nun aus gestanzten Metallteilen – an. Der Kasten wurde 1896 von der Rudolstädter Firma Richter, die bereits ab 1892 den Anker-Steinbaukasten produzierte, tatsächlich vermarktet, wegen Erfolglosigkeit aber nach nur einem Jahr wieder eingestellt.

Den echten Durchbruch erlangte der Metallbaukasten erst mit dem Patent von Frank Hornby aus Liverpool (GB) (1901), der erstmals auch Räder in sein System einbezog. Zunächst unter dem Namen „Mechanics made easy“, ab etwa 1908 unter dem Namen „Meccano“ vermarktet.

Marken und Kompatibilität

Die Anzahl der Hersteller war besonders in der Mitte des 20. Jahrhunderts und besonders in Deutschland (Ost- und West-) groß.<ref>baukastensammler.de Sammlung. Abgerufen am 17. Oktober 2023.</ref> Wichtigstes Merkmal für die Kompatibilität ist der Lochabstand, zweitrangig sind Lochdurchmesser und Profilbreite.<ref>Identifikation von Metallbaukastenteilen. In: metallbaukasten.de. Abgerufen am 4. Januar 2025.</ref>

Historisch bedingt ist das Schraubengewinde BSW 5/32" nach der britischen Whitworth-Gewinde-Norm weit verbreitet, auch bei den deutschen Marken Walther Stabil und Märklin. Diese Gewinde wurden oft auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiter verwendet, während andere Marken auf metrische Gewinde umstellten. Neue deutsche Baukastenmarken, die erst nach Kriegsende entstanden, haben sofort metrische Gewinde verwendet. Dies gilt auch für die vielen kleinen Baukastenmarken in der SBZ bzw. in der DDR.

Marke Hersteller Betriebssitz Lochabstand
[mm]
Loch-
durchmesser
[mm]
Gewinde Profilbreite
[mm]
Blechstärke
[mm]
Material Oberfläche
Ashok ASHOK K. BANERJEE Navarangpura, Ahmedabad (Indien) 12,73 4,2 BSW 5/32" 12,7 Stahl, Messing, CrNi lackiert, schwarz gebrannt, vernickelt
Construction,
siehe auch eitech
VEB (K) Metallwaren Schmerbach,
ab 1977 VEB Spielwaren-Mechanik
Pfaffschwende/Eichsfeld
(Thüringen)
10 4,3 M4 10 Stahl vernickelt
Distler Gigant,
siehe auch Trix
Distler Toy Nivelles
(Belgien)
16 (drei versetzte Lochreihen) 6,5 M6 30 1,4 Stahl blau lackiert
eitech,
siehe auch Construction<ref>eitech de. Abgerufen am 17. Oktober 2023.</ref>
Eitech Pfaffschwende/Eichsfeld
(Thüringen)
10 4,2 M4 10 0,8 Stahl bis Anfang 2017 vernickelt, danach verzinkt
HW<ref>Firmenprofil HW Hans Wünsch. auf Baukastensammler.de, abgerufen am 19. Dezember 2024</ref>,
1947–1968
Hans Wünsch Niederwiesa bei Chemnitz
(Sachsen)
12,5 4,2 M4 12 Stahl schwarz gebrannt
Merkur<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Merkur Toys (Memento vom 31. Mai 2014 im Internet Archive)</ref> Merkurtoys Police nad Metují
(Tschechien)
10 3,8 – 3,9 M3,5 10 0,9 – 1,1 Stahl verzinkt, farbig lackiert, pulverbeschichtet
Märklin Märklin GmbH Göppingen
(Baden-Württemberg)
12,7 4,2 BSW 5/32" 12,7 Stahl, selten Aluminium lackiert, pulverbeschichtet, schwarz gebrannt
Meccano Meccano Ltd. Liverpool
(UK)
12,73 4,2 BSW 5/32" Stahl vernickelt, farbig lackiert
Mecanic, später Mekanik Dörken&Mankel Ennepetal Voerde i. W.
(Nordrhein-Westfalen)
12,7 4,2 M4 12,7 Stahl lackiert, verchromt
Metallus<ref>Metallus.de, Produktion eingestellt (ohne Datum). Abgerufen am 27. Dezember 2024</ref> Rekers Digitaltechnik Spelle (Emsland)
Niedersachsen
12,73 4,2 M4 12,7 Stahl, Messing pulverbeschichtet, schwarz gebrannt
Möwe Metallbaukasten,
1946–1950
Möwe-Metall-Baukasten-Fabrik, Mönninghoff und Weiss Priorei (Hagen)
(Nordrhein-Westfalen)
13 4,4 13 Stahl blank
Ostra Modelltechnik,
Hydraulik-Teile,
kompatibel zur Marke Construction
VEB Kombinat ORSTA-Hydraulik Dippoldiswalde
(Sachsen)
Scheffler's Metallbaukasten<ref>Identifikation von Metallbaukastenteilen. In: metallbaukasten.de. Abgerufen am 5. Januar 2025.</ref>,
ab 1955
siehe auch Thale
Arthur Scheffler Burgstädt
(Sachsen)
12,5 4,2 M4 12,0 1,0 Stahl schwarz gebrannt, lackiert
Stabil<ref>Werner Sticht: Walther's STABIL Metallbaukasten. Abgerufen am 17. Oktober 2023.</ref>,
1911–1970
Walther & Co. Berlin-Neukölln 12,5 4,2 BSW 5/32" 12,3 Stahl vernickelt
Staba Staba – Karl Teutenberg KG Eisenach
(Thüringen)
12 3,1 M3 Stahl
Staiger Mignon<ref>Firmenprofil Staiger Mignon. Auf: Baukastensammler.de, abgerufen am 28. Dezember 2024</ref><ref>Firmenprofil Staiger Mignon. Auf: meccanoindex.co.uk, abgerufen am 28. Dezember 2024</ref>,
1947–1951
Kundo Staiger GmbH St. Georgen im Schwarzwald
(Baden-Württemberg)
6,0 3,1 2,6 Aluminium
Stokys<ref>STOKYS. 19. März 2013, abgerufen am 17. Oktober 2023.</ref> Stokys Systeme AG Bauma
(Schweiz)
12,7 4,0 Aluminium blank
Sonneberger Metallbaukasten<ref>Elektromechanischer Getriebekasten *** VEB Injecta Steinach (Thür.) *** um 1966. Abgerufen am 17. Oktober 2023.</ref>,
um 1966
Injekta Steinach
(Thüringen)
Thale<ref>baukastensammler.de Hersteller: Thale. Abgerufen am 17. Oktober 2023.</ref>
siehe auch Scheffler's
Thaler Blechwarenfabrik Kisch & Krause, später VEB Metallspielwaren Thale
Sachsen-Anhalt
12,5 4,2 M4 12 Stahl schwarz, rot, metallgrün, metallsilber, gebrannt, lackiert
Trix,
1931–1997
VSN Vereinigte Spielwarenfabriken Nürnberg, später Trix GmbH Nürnberg
(Bayern)
7,8 (drei versetzte Lochreihen) 3,5 ähnlich #6-32 UNC (VK) bzw. M3,5 (NK) 15 0,8 Stahl verzinkt, vernickelt, pulverbeschichtet
Tronico,
ab 1999<ref>Tronico Metallbaukasten entwickelt in Deutschland. Abgerufen am 17. Oktober 2023.</ref>
Tronico – RCEE GmbH Bremen 10,0 Vkt. 4,1 M4 10,0 0,8 Stahl farbig, 4-fach lackiert oder silber verzinkt
Tronico – Mini-Serie – 1:32,
ab 2013
Tronico – RCEE GmbH Bremen 9 Vkt. 3,1 M3 18; 9 0,8 Stahl farbig, 4-fach lackiert oder silber verzinkt
Tronico – Micro Serie – 1:64,
ab 2014
Tronico – RCEE GmbH Bremen 5,0 2,1 – 2,2 M2 5,0 0,6 Stahl farbig, 4-fach lackiert oder silber verzinkt

Siehe auch

Literatur

  • Ulf Leinweber: Baukästen. Technisches Spielzeug vom Biedermeier bis zur Jahrtausendwende. Begleitpublikation zur Ausstellung des Staatlichen Museums Kassel im Ballhaus am Schloß Wilhelmshöhe (27.03. – 27.06.1999), 1999. ISBN 3-928127-64-0.
  • Helmut Schwarz; Ansgar Henze; Marion Faber: Eisenzeit. Geschichte des Metallbaukastens, W. Tümmels Verlag Nürnberg 1995. ISBN 3-921590-39-6.

Weblinks

Commons: Metallbaukästen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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