Lola Luigi
Lola Luigi (eigentlich Lola Guhl; * 28. Mai 1920<ref>Lola Luigi in den Akten der Reichskulturkammer</ref>; † nach 1991<ref>Anmerkung: Es ist nicht bekannt, ob Frau Luigi noch lebt oder verstorben ist.</ref>) war eine deutsche Schauspielerin sowie Synchron- und Hörspielsprecherin.
Leben und Wirken
Über das Leben Lola Luigis war wenig bekannt. Die Tochter des Filmarchitekten Hans Luigi und seiner Frau Anna, geb. Kirst, lebte nach Angaben verschiedener Bühnenjahrbücher in Berlin-Grunewald und war bis Ende der 1940er Jahre an zahlreichen Berliner Bühnen tätig, etwa am Renaissance-Theater und am Schillertheater.<ref>Susanne Höschel: Hörspiel 1945–1949. Eine Dokumentation. Band 1. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 1997.</ref><ref>Deutscher Bühnenverein (Hrsg.): Deutsches Bühnen-Jahrbuch. Band 56. Druck und Kommissionverlag F.A. Günther & Sohn, Berlin 1948, S. 120.</ref><ref>Steffi Recknagel: Das Renaissance Theater. Von den Zwanzigerjahren bis heute – Biografie einer Berliner Bühne. Henschel, Berlin 2002, S. 213.</ref><ref>Senat von Berlin (Hrsg.): 25 Jahre Theater in Berlin. Theaterpremieren 1945–1970. Schriftenreihe zur Berliner Zeitgeschichte, Band 7. Heinz Spitzing Verlag, Berlin 1972.</ref><ref>Programmzettel Schiller-Theater der Reichshauptstadt 1942. DIE EWIGE KETTE von Edgar Kahn. Insz.: Claus Clausen, Ausstattung: Friedrich Prätorius. Mit Lothar Koerner, Claus Clausen, Ernst-Stahl-Nachbaur, Lola Luigi, Mila Kopp, Ernst Schröder, M. Ziegler von Schiller-Theater (Hrsg.), Intendant: Heinrich George, Schriftleitung: Dr. Wilhelm Fraenger; Edgar Kahn: Berlin Selbstverlag / Druck: H. Heenemann KG o. J. 1942 0 Kein Einband. In: zvab.com. Antiquariat Fast alles Theater!, abgerufen am 5. November 2019.</ref> Bis zu seinem Tod war sie mit dem Sprecher, Regisseur und Produzenten Siegfried Niemann verheiratet, der an der Seite von Richard Baier und Elmer Bantz die letzten Radiosendungen des Großdeutschen Rundfunks am Ende des Zweiten Weltkriegs verlesen hatte.<ref>RE: Synchros aus den Jahren 1947 bis 1952. In: Der Neue Film. München (homepagemodules.de [abgerufen am 5. November 2019]).</ref>
Lola Luigi fokussierte sich in den 1950er und 1960er Jahren auf die Filmsynchronisation. Sie lieh Lois Maxwell als Miss Moneypenny in mehreren James-Bond-Filmen, darunter Goldfinger von 1964, ihre Stimme. Zudem sprach sie Véra Clouzot in Lohn der Angst, von Alice Pearce in Was diese Frau so alles treibt und Spion in Spitzenhöschen, von Katherine Helmond in Alfred Hitchcocks Familiengrab und von Rita Moreno im weltbekannten Musical West Side Story. Besonders häufig war Luigi in kleineren Rollen in den Filmen Luis Bunuels zu hören. Nach der Phase großer Aktivität nahm die Prominenz ihrer Synchronrollen jedoch stetig ab. Zeitgleich verstärkte sie ihre ohnehin umfangreiche Mitarbeit an Hörspielproduktionen für den RIAS und besonders den SFB, allerdings auch hier vorrangig in kleineren Parts. Kindern und Jugendlichen wurde Luigis sympathische Stimme aus kommerziellen Kinderhörspielreihen des Labels Kiosk bekannt, die in den hör+lies Studios in Berlin-Charlottenburg aufgenommen wurden; hier war sie etwa als bestohlene Frau in Benjamin Blümchen als Weihnachtsmann (Folge 21) und als Frau Humer in Bibi Blocksberg zieht um (Folge 21) zu hören.
Vor der Kamera zeigte sich die dunkelhaarige Aktrice dagegen nur äußerst selten, so in dem Berliner Schwank Im Ballhaus ist Musike (1967).
Lola Luigis letzte bekannte Arbeit datiert mit dem Hörspiel Das Märchen vom letzten Gedanken, einer Co-Produktion des SFB mit dem Hessischen Rundfunk aus dem Jahr 1991.<ref>Lola Luigi. In: HspDat.to – für die Hintergründe zum Gehörten. Abgerufen am 8. November 2017.</ref> Zu diesem Zeitpunkt lebte sie in Berlin-Schmargendorf.<ref>Niemann, Siegfried u. Lola. In: Telefonbuch Berlin, Deutsche Telekom, 1991, S. 344.</ref> Weitere Informationen zu Leben und Wirken liegen seitdem nicht vor.<ref>Anmerkung 2: Aktuelle Hinweise und Infos wie z. B. Traueranzeigen ob Frau Luigi noch lebt oder verstorben ist ließen sich bisher nicht finden.</ref>
Filmografie
- 1967: Im Ballhaus ist Musike – Ein Altberliner Tanzvergnügen
- 1972: Typisch Tantchen (Mini-Fernsehserie)
- 1976: Glück privat (Fernsehfilm nach einer Novelle von Kurt Tucholsky)
Synchronrollen (Auswahl)
- 1952: Lohn der Angst für Véra Clouzot
- 1956: Der Mann, der zuviel wusste für Betty Baskcomb
- 1959: Der Mann in der Schlangenhaut für Sally Gracie
- 1960: Elmer Gantry für Shirley Jones
- 1961: Barabbas für Valentina Cortese
- 1964: Meine Lieder – meine Träume für Portia Nelson
- 1965: James Bond 007 – Feuerball für Lois Maxwell
- 1966: Gespensterparty für Jeanne Arnold
- 1967: James Bond 007 – Man lebt nur zweimal für Lois Maxwell
- 1968: Der Mann in Mammis Bett für Alice Ghostley
- 1974: Das Gespenst der Freiheit für Alix Mahieux
- 1976: Familiengrab für Katherine Helmond
- 1977: Auf der Suche nach Mr. Goodbar für Priscilla Pointer
Hörspiele (Auswahl)
- 1946: Gyges und sein Ring (Berliner Rundfunk)
- 1949: Heinrich Mann: Madame Legros (Lisette) (Deutschlandsender)<ref>Suche in Hörspieldatenbank. In: hspdat.to. Hörspieldatenbank, abgerufen am 16. Mai 2020 (Titel entspricht 'Madame Legros').</ref>
- 1949: Der Falschmünzer (Berliner Rundfunk)
- 1950: Hermann Turowski: Der Präsidentenmacher (Berliner Rundfunk)
- 1956: Detlef Müller und Dieter Finnern: Das Seltsame in Herrn Huber (SFB)
- 1957: Macbeth (SFB)
- 1959: Brandenburger Tor (SFB)
- 1959: Günter Wagner: Das Spielzeugauto (SFB)
- 1960: Emil Breisach: Die drei Frauen des Herrn Abermann (SFB)
- 1962: Ammenmärchen (SFB)
- 1964: Harry Moore: Die Reise nach Italien (SFB)
- 1964: Bagnosträfling 4720 (SFB)
- 1964: Dieter Waldmann: Die Eroberung (SFB)
- 1964: Karlheinz Knuth: Im Juli Regen (Hanna Horstler) (SFB)
- 1964: Mischa Mleinek: Kreuzfahrt mit Kassandra (Ida, Prinzessin von Peleponien, unverehelicht) (SFB)
- 1965: Karlheinz Knuth: Auf freier Strecke – Regie: Lothar Kompatzki (SFB)
- 1965: Max Kretzer: Der Millionenbauer. Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin (Tochter Anni) (Geschichte Nr. 5 in 15 Folgen) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)<ref name=":0">Thomas Nagel: Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin. In: damals-wars-geschichten.de. Abgerufen am 26. Juli 2020.</ref>
- 1967: O’Henry: Ein Weihnachtskind für Cherokee (SFB)
- 1967: August Heinrich Kober: Zirkus Renz. Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin (Amanda Renz) (Geschichte Nr. 8 in 20 Folgen) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)<ref name=":0" />
- 1968: Hans Kasper: Tutula im Feigenbaum (Doris) (SFB)
- 1968: Guy de Maupassant: Der Preußen wegen nach Dieppe (Frau Carré-Lamadon) – Regie: Johannes Hendrich (SFB)
- 1969: Sheila Hodgson: Gewonnen (Mrs. Gittins) – Regie: Miklos Konkoly (SFB)
- 1969: Edwin Beyssel: Steinmüllers Erben. Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin (Guste) (Geschichte Nr. 10 in 10 Folgen) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)<ref name=":0" />
- 1970: Die Wellenreiter (SFB/NDR)
- 1970: Erdmann Graeser: Herr Kanzleirat Ziepke. Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin (Lotte, Hertas Freundin) (Geschichte Nr. 13 in 12 Folgen) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)<ref name=":0" />
- 1971: Cornelia Schöner: Drei Spatzen unterm Dach. Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin (Luise Sperling) (Geschichte Nr. 14 in 10 Folgen) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)<ref name=":0" />
- 1972: Egon Polling: Hansemann & Söhne. Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin (Wilhelmine Hansemann) (Geschichte Nr. 17 in 12 Folgen) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)<ref name=":0" />
- 1974: Alfred Andel: Der stramme Max. Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin (Geschichte Nr. 21 in 12 Folgen) (Maria Meldrich) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)<ref name=":0" />
- 1976: Alfred Andel: Krösus Krause. Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin (Minna Krause) (Geschichte Nr. 24 in 12 Folgen) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)<ref name=":0" />
- 1976: Erich Jakob: Die Kuckuckseier. Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin (Frl. Maria Dingel, führt ein Papierwarengeschäft) (Geschichte Nr. 25 in 12 Folgen) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)<ref name=":0" />
- 1977: Erich Jacob: Wilhelm Wittes Witwen. Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin (Frau Fröhlich) (Geschichte Nr. 27 in 12 Folgen) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)<ref name=":0" />
- 1977: Wolfdietrich Schnurre: Bleib bei mir (SFB)
- 1978: Werner Brink: Im Grunewald – Aus der Chronik eines Berliner Stadtteils (Dokumentation – SFB)
- 1978: Hans Joachim Hohberg: Der Tambour oder Wie das Huhn in den Kessel kommt (SFB)
- 1979: Matsuo Akimoto: Die Kinder (SFB)
- 1979: Hermine Jüttner: Die flotte Charlotte. Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin (Brunhilde Käsebier, Schriftstellerin, Angebetete von Siggi Molinari) (Geschichte Nr. 30 in 8 Folgen) – Regie: Ivo Veit (RIAS Berlin)<ref name=":0" />
- 1981: Max Kruse: Kasper Laris Abenteuer: Die Geisterstunde (Amalia) (Kinderhörspiel – SFB)
- 1982: Das Gesicht, das mein Gesicht gefangen hält (SFB/WDR)
- 1989: Schöneberg Pick Up (SFB)<ref>Hörspieldatenbank. In: HspDat.to – für die Hintergründe zum Gehörten. Abgerufen am 8. November 2017.</ref>
- 1990: Noday. Nodate. Erinnerung an einen Besuch (SFB)
- 1991: Edgar Hilsenrath: Das Märchen vom letzten Gedanken (SFB/HR)
Hörspiele bei Kiosk
- Benjamin Blümchen auf dem Baum (8) als Frau<ref>Sprecher-Fakten. Lola Luigi. In: hoerspielland.de. Abgerufen am 8. November 2017.</ref>
- Benjamin Blümchen und das Schloss (10) als Frau Klein
- Benjamin Blümchen als Briefträger (12) als Zweite Frau
- Benjamin Blümchen als Weihnachtsmann (21) als Alte Frau
- Benjamin Blümchen auf dem Rummel (29) als Oma
- Benjamin Blümchen als Gärtner (47) als Tante Hilde
- Benjamin Blümchen ist krank (54) als Frau Poldinger
- Bibi Blocksberg und die Zauberlimonade (3) als Frau
- Bibi Blocksberg und die Bankräuber (4) als Frau
- Bibi Blocksberg zieht um (21) als Frau Humer
- Die kleinen Detektive: Die Trickbetrügerin (7) als Gertrude Lieblich
- Jan Tenner: Angriff der grünen Spinnen (1) als Frau
- Jim Salabim: Der verrückte Professor (3) als Jule
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Luigi, Lola |
| ALTERNATIVNAMEN | Guhl, Lola (Geburtsname); Niemann, Lola (Ehename) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Schauspielerin, Synchron- und Hörspielsprecherin |
| GEBURTSDATUM | 28. Mai 1920 |
| STERBEDATUM | nach 1991 |