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Ossi Oswalda

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Ossi Oswalda, Fotografie (um 1920) von Nicola Perscheid
Unterschrift Ossi Oswalda (1897–1947) deutsche Schauspielerin der Stummfilmzeit.
Unterschrift Ossi Oswalda (1897–1947) deutsche Schauspielerin der Stummfilmzeit.

Ossi Oswalda (* 2. Februar 1898 als Oswalda Amalie Anna Stäglich in Niederschönhausen; † 7. März<ref>Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Acabus-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 382 f. – Die kursierenden späteren Sterbedaten sind falsch, bereits am 21. März 1947 erschien ein kurzer Nachruf auf Oswalda in der deutschsprachigen US-Exilantenzeitschrift Aufbau</ref> 1947 in Žamberk,<ref name="filmportal">Ossi Oswalda bei filmportal.de

</ref> Tschechoslowakei) war eine deutsche Schauspielerin der Stummfilmzeit.

Leben

Datei:Ossi Oswalda 1929 Alexander Binder 001.jpg
Ossi Oswalda, Fotografie (um 1920) von Alexander Binder
Datei:Nicola Perscheid - Ossi Oswalda.jpg
Ossi Oswalda, Fotografie (um 1925) von Nicola Perscheid

Oswalda wurde als uneheliche Tochter der Plätterin Pauline Stäglich geboren.<ref>Landesarchiv Berlin, Geburtsregister Standesamt Niederschönhausen, Nr. 8/1898 (online auf Ancestry, kostenpflichtig).</ref> Nach dem Tanzunterricht bei Eva Peter als Primaballerina ging sie als Chortänzerin an ein Berliner Theater, wo sie 1916 von Hanns Kräly entdeckt wurde, der sie Ernst Lubitsch empfahl. Zwischen 1916 und 1920 drehte sie fast exklusiv mit Lubitsch rund ein Dutzend Filme, von denen die Mehrzahl heute als verloren gilt.<ref>Dies betrifft Der G.m.b.H.-Tenor, Der Rodelkavalier, Die Wohnungsnot, Leutnant auf Befehl (mit Lubitsch als Darsteller), Meine Frau, die Filmschauspielerin und Prinz Sami. Vgl. Verlorene Filme Ernst Lubitschs auf lost-films.eu</ref> Auch andere Regisseure wussten ihr Talent zu nutzen. Aufgekratzt, großspurig und schrill wurde sie zum Publikumsliebling, weshalb man sie bald schon als „die deutsche Mary Pickford“ bezeichnete. Neben Henny Porten und Asta Nielsen war sie „einer der ersten großen weiblichen Stars des deutschen Films.“<ref>Holger Jörg: Die Sagen- und märchenhafte Leinwand. Erzählstoffe, Motive und narrative Strukturen der Volksprosa im „klassischen“ deutschen Stummfilm (1910–1930). (Dissertation, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 1994) Pro-Universitate-Verlag, Sinzheim 1994, ISBN 3-930747-11-1, S. 143.</ref>

Im Jahr 1921 gründete Oswalda ihre eigene Filmgesellschaft Ossi-Oswalda-Film. Diese wurde von ihrem damaligen Ehemann Gustav von Kóczián-Miskolczy (in einer späteren Ehe Vater der Schauspielerin Johanna von Koczian) geleitet, mit dem sie von 1919 bis zur Scheidung 1926 verheiratet war.<ref>Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Nr. 1469/1919 (online auf Ancestry, kostenpflichtig). Die Ehe wurde 1926 aufgelöst.</ref> Regisseur der fünf von ihr bis 1924 produzierten Filme wurde ihr Filmpartner Victor Janson. Ab 1925 war sie bei der Ufa unter Vertrag und spielte bis 1929 in rund 20 Stummfilmen mit.

Der Tonfilm bedeutete das Ende ihrer Filmkarriere, sie stand nur zweimal für deutsche Tonfilme vor der Kamera. Nach der NS-Machtergreifung folgte Ossi Oswalda ihrem Lebensgefährten Julius Außenberg ins Exil nach Prag. 1943 schrieb sie das Drehbuch zum Film Der Vierzehnte am Tisch (Čtrnáctý u stolu). In ihren letzten Lebensjahren geriet die einst gefeierte Stummfilmdiva in Vergessenheit. Sie starb völlig verarmt 1947 in Žamberk und wurde auf dem Olšany-Friedhof beigesetzt.<ref>Ossi Oswalda in der Datenbank Find a GraveVorlage:Abrufdatum. </ref>

Wirken

In Schuhpalast Pinkus, ihrem ersten Film und der ersten Zusammenarbeit mit Ernst Lubitsch, hatte Oswalda nur eine winzige Rolle als Lehrling und Tochter eines Schuhverkäufers inne und wurde auch in den folgenden Filmen zunächst mit kleineren Rollen bedacht. Zu dieser Zeit wurde sie noch unter dem Namen „Fräulein Storry“ geführt.<ref>Gerhard Lamprecht: Deutsche Stummfilme 1915–1916. Deutsche Kinemathek e. V., Berlin 1969, S. 395.</ref> Ihre erste Hauptrolle spielte Oswalda 1917 in Lubitschs Wenn vier dasselbe tun, in der sie erstmals als Backfisch des deutschen Films in der Nachfolge der 1916 verstorbenen Dorrit Weixler wahrgenommen wurde.

„Ossi Oswalda als Backfisch ist so entzückend, so naiv-übermütig und spielt ihre etwas schablonenhafte Rolle so reizend, daß der Verlust, den die deutsche Filmindustrie mit dem Tode Dorrit Weixlers, der ersten und bisher unübertroffenen Backfischdarstellerin, erlitten hat, bei weitem wieder wettgemacht wird. Ich persönlich stelle Ossi Oswalda als Mimikerin sogar noch höher als ihre Vorgängerin.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Georg Popper, 1920<ref>Georg Popper: Wenn vier dasselbe tun. In: Hamburger Theater-Zeitung ZDB-ID 291019-6, Nr. 4 vom 28. Juli 1920.</ref>

Oswalda wurde schnell zu einer prominenten Komikerin – „die wilde kreischende Jungfer, die ihren Kopf durchsetzen will gegen Väter, Vormünder und notfalls auch Ehemänner und überhaupt nicht zum bürgerlichen Wunschbild von der devoten, still duldenden Hausfrau passt.“<ref name="Koebner 122" />

Als Oswaldas „vermutlich … beste Komödie“<ref>Thomas Koebner: Ossi Oswalda (1897–1948). Die unbeherrschte Göre. In: Thomas Koebner, Fabienne Liptay (Hrsg.): Komödiantinnen. 2006, S. 123.</ref> gilt Ich möchte kein Mann sein, in der sie wie in mehreren Filmen Lubitschs die weibliche Hauptfigur Ossi spielt. Sie erscheint hier in der „bis dahin für sie typischen Rolle der verwöhnten und frechen jungen Frau, die offenbar ohne Eltern aufgewachsen ist und sich gegen die Disziplin, die ihr der Onkel und vor allem die Gouvernante auferlegen wollen, heftig wehrt“.<ref name="Koebner 122">Thomas Koebner: Ossi Oswalda (1897–1948). Die unbeherrschte Göre. In: Thomas Koebner, Fabienne Liptay (Hrsg.): Komödiantinnen. 2006, S. 122.</ref> Als Frau gibt sie sich dabei völlig ihren (un-)weiblichen Bedürfnissen hin und raucht, trinkt, spielt Poker und geht gerne einkaufen. Sie verkörperte als erste deutsche Schauspielerin ein Frauenbild, in dem „erotische Attraktion durch das Burschikose gemildert wird“.<ref>Gabriele Jatho, Rainer Rother (Hrsg.): City Girls. Frauenbilder im Stummfilm. Bertz + Fischer, Berlin 2007, ISBN 978-3-86505-177-6, S. 7.</ref> Ihre Darstellung, auch in späteren Filmen wie Die Austernprinzessin, hatte dabei zügellose und teilweise derbe Züge, die auch auf Ablehnung stieß. Béla Balázs schrieb so im Hinblick auf Die Austernprinzessin: „Ein Ossi-Oswalda-Film [ist] zu erkennen an einer Reihe roher, bochesquer Geschmacklosigkeiten.“<ref>Béla Balázs: Schriften zum Film. Band 1: Der sichtbare Mensch. Kritiken und Aufsätze von 1922–1926. Hanser u. a., München u. a. 1982, ISBN 3-446-12870-0, S. 211.</ref> Andere Kritiker werteten das Überdrehte der Rollen als Überspielen:

„Ossi Oswalda entzückte [in Ich möchte kein Mann sein] durch ihr sprudelndes Temperament, ihre überschäumende Laune und ihre schelmische Koketterie. Gleichwohl könnte sie ihre Wirkung noch erhöhen, wenn sie ihre Zappligkeit ein wenig eindämmen und ihr bisweilen bis zur Gesichtsverzerrung sich steigerndes Mienenspiel mäßigen wollte. Man kann ungeheuer lustig sein und erheitern, ohne es so aufdringlich zu unterstreichen.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Film-Kurier, 1920<ref>Frank: Ich möchte kein Mann sein. In: Film-Kurier, Nr. 96 vom 8. Mai 1920. (filmportal.de)</ref>

War Oswalda in den 1910er-Jahren der Backfisch des deutschen Films, wandelte sich ihr Image in den 1920er-Jahren hin „zum „Berliner Girl“ mit mondänen Attitüden, gut für verzückte Tanzeinlagen in extravaganten Kostümen.“<ref name="filmportal" />

Filmografie

Stummfilme

* auch Produzent

Tonfilme

Literatur

  • Ossi Oswalda. In: Friedemann Beyer: Die Gesichter der UFA. Starportraits einer Epoche (= Heyne-Bücher, 32 / Heyne-Filmbibliothek, Nr. 175). Heyne, München 1992, ISBN 3-453-05971-9, S. 108–109.
  • Thomas Koebner: Ossi Oswalda (1897–1948). Die unbeherrschte Göre. In: Thomas Koebner, Fabienne Liptay (Hrsg.): Komödiantinnen (= Film-Konzepte, Bd. 1). Edition Text + Kritik, München 2006, ISBN 3-88377-821-4, S. 122–128.
  • Jörg Schöning: Ossi Oswalda – Schauspielerin, Produzentin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 8, 1987.
  • Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N – R. Mary Nolan – Meg Ryan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 90 f.
  • Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. Acabus-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 382 f.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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