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Nikolaus Revertera-Salandra

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Nikolaus Revertera-Salandra, bis 1918 Nikolaus Graf Revertera von Salandra (* 13. Februar 1866 in Sankt Petersburg; † 22. Mai 1951 in Migliarino bei Pisa) war ein österreichisch-ungarischer Diplomat vor und während des Ersten Weltkrieges, der bei den Friedenssondierungen Kaiser Karls I. eine bedeutende Rolle spielte.

Leben

Die katholische, als konservativ geltende Adelsfamilie Revertera-Salandra,<ref>Harry Slapnicka: Oberösterreich, die politische Führungsschicht. 1861 bis 1918. Oberösterreichischer Landesverlag, Linz 1983, ISBN 3-85214-381-0, S. 23.</ref> ursprünglich aus Katalonien, war 1771 aus dem neapolitanischen Salandra nach Österreich eingewandert.<ref>Richard Fester: Die Politik Kaiser Karls und der Wendepunkt des Weltkrieges. Verlag Lehmann, 1925, S. 284; und Harry Slapnicka: Oberösterreich, die politische Führungsschicht. 1861 bis 1918. Oberösterreichischer Landesverlag, Linz 1983, ISBN 3-85214-381-0, S. 23.</ref>

Nikolaus wurde als Sohn von Graf Friedrich Revertera von Salandra (1827–1904), des damaligen Botschafters in Sankt Petersburg geboren. Er begann ebenfalls eine diplomatische Karriere und heiratete 1891 Olympia Aldobrandini-Borghese (1869–1928). Das Paar erwarb 1894 Schloss Helfenberg in Oberösterreich, das noch heute im Besitz der Familie ist. Der gemeinsame Sohn Peter Revertera-Salandra spielte eine bedeutende Rolle im späteren österreichischen Ständestaat. Nikolaus Revertera war für die Partei der Großgrundbesitzer Mitglied des Landtags in Linz<ref>Harry Slapnicka: Oberösterreich, die politische Führungsschicht. 1861 bis 1918. Oberösterreichischer Landesverlag, Linz 1983, ISBN 3-85214-381-0, S. 249.</ref> und wurde enger Vertrauter und Berater des späteren Kaisers Karl I.

Friedenssondierungen im Ersten Weltkrieg

Revertera-Salandra ließ sich als k.u.k. Legationsrat vom diplomatischen Dienst freistellen, wurde aber im Ersten Weltkrieg auf Wunsch Karls reaktiviert und an die Gesandtschaft in Bern entsandt. Am 7., 8. und 22. August 1917 sowie am 1. Februar 1918 wurde Revertera von Außenminister Ottokar Czernin mit Sondierungsgesprächen im Schweizer Freiburg betraut. Verhandlungspartner Reverteras auf Seite der Entente war Graf Abel Armand, Major der Nachrichtenabteilung des französischen Generalstabs. Armand machte unrealistische Zugeständnisse, wie die Angliederung Bayerns, Schlesiens und Polens an die Habsburgermonarchie, um Österreich für einen Separatfrieden zu gewinnen.<ref>Wolfgang Steglich: Die Friedensversuche der kriegführenden Mächte im Sommer und Herbst 1917. Quellenkritische Untersuchungen, Akten und Vernehmungsprotokolle. Verlag Steiner, Stuttgart 1984, ISBN 3-515-02455-7, S. 46 (Nr. 3) und S. 52f. (Nr. 9); und André Scherer, Jacques Grunewald: L’Allemagne et les problèmes de la paix pendant la première guerre mondiale. Documents extraits des archives de l'Office allemand des Affaires étrangères. 4 Bände (deutsche Originaldokumente), Paris 1962/1978, ISBN 2-85944-010-0, Band 2, S. 378 ff. (Nr. 231).</ref> Das Staatengebilde sollte den Namen „Confédération Danubienne“ unter habsburgischem Szepter führen.<ref>Wolfgang Steglich: Die Friedensversuche der kriegführenden Mächte im Sommer und Herbst 1917. Quellenkritische Untersuchungen, Akten und Vernehmungsprotokolle. Verlag Steiner, Stuttgart 1984, ISBN 3-515-02455-7, S. 65 (Nr. 21).</ref>

Revertera hatte aber keinen Auftrag über einen Sonderfrieden zu verhandeln, wie ihn die französische Seite anstrebte. Er sah zwar eine Möglichkeit aufgrund der französischen Minimalforderungen, Wiederherstellung Belgiens und Tausch Elsaß-Lothringens gegen wertvolle Kolonialkompensationen, einen ehrenvollen Frieden zu schließen, aber einerseits wären die deutschen Widerstände zu groß gewesen, andererseits war überhaupt nicht klar, ob Armand die Vollmacht gehabt hatte, für die gesamte französische Regierung zu sprechen.<ref>Friedrich Engel-Janosi: Die Friedensgespräche Graf Nikolaus Reverteras mit Comte Abel Armand, 1917/18. In: Österreichische Akademie der Wissenschaften: Philosophisch-Historische Klasse: Anzeiger 102 (1965), S. 369–381, hier S. 381.</ref> Da die Reichsleitung in Berlin aber zu keinem Zugeständnis bereit war, erhielt Armand nie eine Antwort auf seine Vorschläge.<ref>Gary W. Shanafelt: The Secret Enemy: Austria-Hungary and the German Alliance 1914–1918. Columbia University Press, New York 1985, ISBN 0-88033-080-5, S. 145.</ref>

Schon zuvor hatte Revertera die „Durchschleusung“ von Sixtus Ferdinand von Bourbon-Parma, dem Schwager Kaiser Karls durch die Schweiz, zu Verhandlungen nach Österreich organisiert. Nach dem Bekanntwerden der „Sixtus-Affäre“ musste er deshalb die Schweiz verlassen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Biografie bei Austrian Commanders (Memento vom 19. Oktober 2009 im Internet Archive)</ref>

Nach dem Ende des Habsburgerreiches schied Revertera aus dem Staatsdienst aus und folgte Karl ins Exil. Dort verlieh ihm Karl 1919 den Orden vom Goldenen Vlies.

Literatur

  • Friedrich Engel-Janosi: Die Friedensbemühungen Kaiser Karls mit besonderer Berücksichtigung der Besprechungen des Grafen Revertera mit Comte Armand. In: Comité International des Sciences Historiques (Hrsg.): XIIe Congrès International des Sciences Historiques. Rapports IV, Wien 1965, S. 279–296.

Einzelnachweise

<references />

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