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Quellgras

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Quellgras
Datei:Catabrosa aquatica USDA.jpg

Quellgras (Catabrosa aquatica)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Catabrosa
Art: Quellgras
Wissenschaftlicher Name
Catabrosa aquatica
(L.) P.Beauv.
Datei:Catabrosa aquatica.jpg
Illustration (aus Jan Kops et al.:Flora batava. J. C. Sepp, Amsterdam 1844, Band 8.)
Datei:Catabrosa aquatica sl8.jpg
Quellgras am Standort
Datei:Catabrosa aquatica flowers (3).jpg
Blütenstand
Datei:Catabrosa aquatica sl83.jpg
Ährchen

Das Quellgras (Catabrosa aquatica), auch Europäisches Quellgras<ref name="InfoFlora" /> genannt, ist eine Art der Gattung Quellgräser (Catabrosa) aus der Pflanzenfamilie der Süßgräser (Poaceae). Es ist in den letzten Jahrzehnten selten geworden und in vielen Regionen verschwunden. Da es sehr leicht mit Arten der Rispengräser (Poa) oder Schwaden (Glyceria) verwechselt werden kann, wird es oft nicht erkannt.<ref name="Gras" />

Beschreibung

Das Quellgras ist eine ausdauernde, in lockeren Rasen wachsende Pflanze, die lange, oberirdische, an den Knoten bewurzelte Kriechsprossen bildet. Die Halme erreichen Höhen von 10 bis 40, selten bis 80 Zentimeter. Sie sind glatt, kahl und im unteren Teil oft etwas schwammig. Die Blattscheiden sind gekielt, glatt und kahl, seitlich zusammengedrückt und fast bis oben geschlossen. Die Ligula ist 2 bis 4 Millimeter lang und saumförmig. Die Blattspreiten werden 5 bis 25 Zentimeter lang und 3 bis 12 Millimeter breit. Sie sind weich, glatt und kahl, nur an den Rändern rau. Sie wachsen anfangs gefaltet, später flach ausgebreitet.

Blütezeit sind die Monate Juni bis September. Die Blüten stehen in einer 5 bis 30 Zentimeter langen, lockeren, aufrechten Rispe mit länglichem bis pyramidenförmigem Umriss. Die unteren rauen Seitenäste sind weit abstehend. Die Ährchen sind ein- bis zweiblütig, selten auch dreiblütig und 2,2 bis 4,5 Millimeter lang. Die 0.5 bis 4 Millimeter langen Ährchenstiele sind rau. Die Hüllspelzen sind dünnhäutig, glatt und kahl. Die untere ist ungenervt, schmal eiförmig und 0,8 bis 1,5 Millimeter lang. Die obere ist einnervig, 1,5 bis 2 Millimeter lang und breit eiförmig. Die Deckspelzen sind 2 bis 3 Millimeter lang, dreinervig, breit eiförmig, glatt und kahl. Die Vorspelzen sind gleich lang wie die Deckspelzen, zweinervig, schmal elliptisch und kahl. Die Staubblätter sind 0,8 bis 1,8 Millimeter lang. Die elliptischen Früchte werden 1,8 bis 2,2 Millimeter lang und sind glatt und kahl.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 20.<ref name="Gras" />

Verbreitung und Standortansprüche

Das Verbreitungsgebiet des Quellgrases erstreckt sich in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel von China über Pakistan, Afghanistan, der Mongolei und Russland bis nach Europa und Südwestasien.<ref name="Wu" /> Auch in Argentinien und Chile ist es vertreten.<ref name="Catalogue" /> Des Weiteren ist die Art in Kanada mit Ausnahme der arktischen Region, in den nördlichen Staaten der USA und denen im Bereich der Rocky Mountains sowie in Island, Grönland und Alaska ein Neophyt.<ref name="USDA" />

In Europa kommt es in fast allen Lämndern vor und fehlt nur in Portugal, Lettland und Nordmazedonien.<ref name="Euro+Med" /> Es kommt von der Ebene bis zu mittleren Gebirgslagen vor, so in den Alpen auf bis zu 1580 Meter Höhe. In den Allgäuer Alpen steigt es in Vorarlberg am Kalbelesee am Hochtannberg-Pass bis zu 1665 Metern Meereshöhe auf.<ref name="Dörr und Lippert" /> In Graubünden erreicht es im Unterengadin auf der Alp Urschai 2120 Meter und in Marangun d'Urschai 2220 Meter Meereshöhe.<ref name="Hegi" /> In Pakistan erreicht es 3400 Meter, im Alaigebirge 3600 Meter Meereshöhe.<ref name="Hegi" /> Es wächst an Quellen, Bächen und Wassergräben, an Fluss- und Teichufern, oft auch im Wasser.<ref name="Gras" /> Es ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Catabrosetum aus dem Verband Sparganio-Glycerion.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4+fw+ (nass aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />

In Mitteleuropa ist die Art in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts stark zurückgegangen.<ref name="Hegi" />

Systematik und Taxonomie

Die Gattung Catabrosa zählt zur Tribus Poeae in der Unterfamilie Pooideae.<ref name="GRIN" /> Sie enthält drei bis vier Arten, neben dem Quellgras noch die südwest- und zentralasiatische Catabrosa capusii <templatestyles src="Person/styles.css" />Franch.<ref name="Wu" /><ref name="Euro+Med" />, die südwestasiatische Catabrosa pseudairoides <templatestyles src="Person/styles.css" /><ref name="Euro+Med" /> und die von Bolivien bis Chile verbreitete Catabrosa werdermannii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Pilg.) Nicora & Rúgolo.<ref name="Catalogue" /> Letztere Art wächst in den Anden in Höhen von 3000 bis 4500 Metern.<ref name="Hegi" /> Folgende Arten wurde in jüngster Zeit neu in dieser Gattung beschrieben<ref name="WCSP" />:

  • Catabrosa afghanica <templatestyles src="Person/styles.css" />Tzvelev: Die 2013 erstbeschriebene Art kommt in Afghanistan vor.<ref name="WCSP" />
  • Catabrosa drakensbergensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hedberg & I.Hedberg) Soreng & Fish (Syn.: Colpodium drakensbergense <templatestyles src="Person/styles.css" />Hedberg & I.Hedberg): Diese in Lesotho und KwaZulu-Natal vorkommende Art wurde 2011 in diese Gattung gestellt.<ref name="WCSP" />
  • Catabrosa longissima <templatestyles src="Person/styles.css" />Tzvelev: Die 2013 erstbeschriebene Art kommt im östlichen Transkaukasien vor.<ref name="WCSP" />

Bei Catabrosa aquatica werden zumindest zwei Varietäten unterschieden:

  • Catabrosa aquatica var. aquatica: Nominatform
  • Catabrosa aquatica var. angusta <templatestyles src="Person/styles.css" />Stapf in J. D. Hooker: Die Varietät ist kleiner als die Nominatform, die Halme erreichen nur eine Höhe von 20 Zentimeter, die Rispen sind dünner, die Verzweigungen mit 1 bis 2 Zentimeter kürzer. Die Deckspelzen werden 1,5 bis 2,2 Millimeter lang. Das Vorkommen der Varietät erstreckt sich auf verschiedene Bergregionen Chinas.<ref name="Wu" />

Das Quellgras wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus 1. S. 64 als Aira aquatica erstbeschrieben. Die Art wurde 1812 von Ambroise Marie François Joseph Palisot de Beauvois in Essai d'une nouvelle Agrostographie; ou nouveaux genres des Graminées... S. 97 (tab. 19, fig. 8) als Catabrosa aquatica <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) P.Beauv. in die Gattung Catabrosa gestellt.<ref name="Euro+Med" />

Als weiterer deutschsprachiger Trivialname ist für Schlesien die Bezeichnung „Süßer Milenz“ belegt.<ref name="Pritzel-Jessen 1882" />

Verwendung

Das Quellgras ist ein gutes Futtergras, das aber aufgrund seiner Seltenheit keine Bedeutung hat. Für Tiere besteht beim Verzehr die Gefahr, an Leberegeln zu erkranken.<ref name="Gras" />

Nachweise

Literatur

  • Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Parey, Berlin 2000, ISBN 3-8263-3327-6, S. 182.
  • Thomas A. Cope: Flora of Pakistan 143: Poaceae. Department of Botany, University of Karachi, Karachi 1982, S. 425 (online).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Wu"> Wu Zhenlan, Sylvia M. Phillips: Catabrosa. In: (englisch). </ref> <ref name="Gras"> Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Parey, Berlin 2000, ISBN 3-8263-3327-6, S. 182. </ref> <ref name="USDA"> Eintrag im USDA Natural Resources Conservation Service (engl., Zugriff am 4. Oktober 2008) </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. (englisch) </ref> <ref name="Euro+Med"> Benito Valdés, Hildemar Scholz; Eckhard von Raab-Straube, Gerald Parolly (Mitarb.): Poaceae (pro parte majore). Catabrosa. In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2009. </ref> <ref name="Catalogue"> R. J. Soreng: Catabrosa. In: Catalogue of New World Grasses (Poaceae): IV. Subfamily Pooideae. In: Contributions from the United States National Herbarium. Band 48, 2003, S. 228–230, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A687%26volume%3D48%26issue%3D%26spage%3D228%26date%3D2003~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D, Catabrosa bei Tropicos.org. In: Catalogue of New World Grasses. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum fortgeschriebene Version. </ref> <ref name="Hegi"> Hans Joachim Conert: Catabrosa. In: </ref> <ref name="Tropicos"> Eintrag bei Tropicos. </ref> <ref name="Pritzel-Jessen 1882"> Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 85. (online). </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr und Lippert"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 182. </ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="InfoFlora"> Catabrosa aquatica (L.) P. Beauv. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Catabrosa aquatica – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien