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Markus Beckedahl

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Datei:2023-06-05 Event, Konferenz, re-publica 1DX 5598 by Stepro.jpg
Markus Beckedahl bei der re:publica 2023

Markus Beckedahl (* 1976 in Bonn<ref>Zur Person: Markus Beckedahl Welt Kompakt, 16. April 2012.</ref>) ist ein deutscher netzpolitischer Aktivist und Journalist aus Berlin. Er wurde vor allem als Gründer und Chefredakteur des Blogs Netzpolitik.org sowie als Mit-Initiator der Konferenz re:publica bekannt, die beide Themen der digitalen Gesellschaft behandeln.

Leben

Datei:Mahnwache Netzzensur 2009 06.JPG
Beckedahl 2009 bei einer Mahnwache gegen das Zugangs­erschwerungs­gesetz vor dem Brandenburger Tor

Beckedahl absolvierte eine Ausbildung zum IT-Kaufmann<ref>netzpolitik.org: Markus Beckedahl: Der Profi-Blogger. Abgerufen am 7. Mai 2019.</ref> und gründete 2003 zusammen mit Andreas Gebhard das Unternehmen Newthinking Communications, eine Unternehmens- und PR-Beratung für politiknahe Organisationen und Unternehmen.<ref name="Interview Eins">Markus Beckedahl: „Netzpolitik.org ist ein Open-Source-Geschäftsmodell.“ 10. Mai 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. Februar 2011; abgerufen am 9. Juli 2015.</ref> Im Folgejahr gründeten die beiden den Newthinking Store, ein auf Open Source und Linux spezialisiertes Ladengeschäft. Dieses wurde 2011 liquidiert.<ref>Abfrage unter https://www.unternehmensregister.de/ureg/</ref> 2013 zog sich Beckedahl auch aus der Agentur zurück.

Datei:Re publica 19 - Day 3 (33929319238).jpg
Beckedahl gehört neben (von links) Johnny Haeusler, Tanja Haeusler und Andreas Gebhard zu den Mitgründern der Konferenz re:publica

Mit Newthinking rief Beckedahl 2007 zusammen mit Spreeblick die jährliche Konferenz re:publica ins Leben,<ref name=":0">Markus Beckedahl: Was ich mache. In: beckedahl.org. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Januar 2016; abgerufen am 5. Februar 2016.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Leben im Netz, Treffen in der Wirklichkeit (Memento vom 17. April 2010 im Internet Archive)</ref> eine deutschsprachige Konferenz zu Themen der digitalen Gesellschaft und sozialen Medien.

Das 2003 gegründete Blog Netzpolitik.org gehörte bis 2016 zu Newthinking Communications<ref name="Interview Eins">Markus Beckedahl: „Netzpolitik.org ist ein Open-Source-Geschäftsmodell.“ 10. Mai 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. Februar 2011; abgerufen am 9. Juli 2015.</ref> – so waren die festen Redakteure dort beschäftigt<ref name=":1">MitarbeiterInnen. In: newthinking.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. Februar 2016; abgerufen am 5. Februar 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> – jedoch war das Blog nach eigenen Angaben redaktionell unabhängig vom Agenturgeschäft.<ref>FAQ – Fragen und Antworten. In: netzpolitik.org. Abgerufen am 14. April 2019.</ref> Seit 2016 ist ein eigens dafür gegründeter Verein Betreiber; Beckedahl war bis 2022 Chefredakteur. Die Berichterstattung im Blog erzeugte Aufmerksamkeit bei Themen wie Softwarepatenten, Vorratsdatenspeicherung, Telekommunikation<ref name="Klinkenputzen" />, Urheberrecht, sozialen Medien, staatliche Überwachung und Pressefreiheit.

Beckedahl war auch in Brüssel als Lobbyist für digitale Bürgerrechte aktiv<ref name="Klinkenputzen">Klinkenputzen für ein freies Internet, auf taz.de, 1. September 2008 (zuletzt abgerufen: 14. Juni 2013)</ref> und war 2005 als Vertreter des deutschen „Koordinierungskreises der Nichtregierungsorganisationen“ Mitglied der Regierungsdelegation zum zweiten Weltgipfel zur Informationsgesellschaft der Vereinten Nationen in Tunis.<ref>Kurzvorstellung Beckedahl, re-publica.de, 2008. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Oktober 2008; abgerufen am 9. Juli 2015.</ref><ref>Website WSIS-Koordinierungskreis. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 20. August 2007; abgerufen am 20. September 2008.</ref> Er ist Mitautor der aus diesem Zusammenhang heraus entstandenen „Charta der Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Charta der Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft (Memento vom 20. Februar 2009 im Internet Archive) (PDF; 1,4 MB), Heinrich-Böll-Stiftung 2003/2005 (zuletzt abgerufen: 20. September 2008)</ref>

Beckedahl war Lehrbeauftragter zu Open Source und sozialen Medien im Rahmen von Seminaren an der Universität Mannheim<ref name="newthinking-mitarbeiter"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mitarbeiter (Memento vom 17. März 2010 im Internet Archive), newthinking-communications.de (zuletzt abgerufen am 23. März 2010).</ref> sowie zum Thema Open Business an der Filmakademie Ludwigsburg.<ref name=":0" /> 2010 wurde Beckedahl durch die Grünen als Sachverständiger in die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft berufen,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />gruene-bundestag.de (Memento vom 17. April 2010 im Internet Archive), Grüne benennen Sachverständige für Enquete-Kommission, 23. März 2010.</ref> der er bis zu ihrem Abschluss 2013 angehörte.<ref name=":0" /><ref name=":1" />

Von 2007 bis 2015 war er bei Creative Commons Deutschland als ehrenamtlicher Projektleiter für Öffentlichkeitsarbeit und Community Building aktiv.<ref name=":0" /> Ebenfalls bis 2015 war er Vorsitzender und ehrenamtlicher Sprecher des 2010 von ihm mitgegründeten Vereins Digitale Gesellschaft.<ref>Digitale Gesellschaft: Mitglieder, aufgerufen am 16. Dezember 2011.</ref><ref>Ole Reißmann: Schöne Grüße, Ihre Internet-Lobby, Spiegel Online, 15. April 2010.</ref><ref name=":0" /><ref name=":1" /> Von 2000 bis 2004 war Beckedahl Sprecher des Netzwerks Neue Medien,<ref>Vorstand des Netzwerk Neue Medien e. V. i. Gr. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 6. September 2012; abgerufen im Jahr 2008.</ref> welches sich als zivilgesellschaftliche Lobbyorganisation verstand.

Seit 2010 schrieb er in unregelmäßigen Abständen im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Kolumne „Digitale Gesellschaft“ sowie für zahlreiche weitere Printmedien.<ref name=":0" /> 2010 wurde er Mitglied des Medienrats der Medienanstalt Berlin-Brandenburg.<ref>Markus Beckedahl. In: mabb.de. Abgerufen am 23. Juli 2023.</ref>

2022 übergab Beckedahl die Chefredaktion von netzpolitik.org, 2024 verließ er das Blog<ref>Abschied: Danke, Markus! In: netzpolitik.org. 14. März 2024, abgerufen am 14. März 2024.</ref> und gründete unter der Domain digitalpolitik.de ein eigenes Angebot für Vorträge, Beratung und Workshops. Außerdem bietet er dort einen Newsletter an.<ref>Markus Beckedahl: Abschied: Danke, netzpolitik.org! In: netzpolitik.org. 14. März 2024, abgerufen am 15. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Markus Beckedahl: Danke netzpolitik.org. In: Digitalpolitik.de. 10. März 2024, abgerufen am 15. März 2024.</ref>

Im Mai 2025 gründete Markus Beckedahl das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie als gemeinnützige GmbH, um damit den Narrativen der großen Tech-Unternehmen entgegenzutreten.<ref>Christian Wölbert: Interview mit Markus Beckedahl: „Musk putscht mit Software statt Panzern“. In: heise online. 21. Mai 2025, abgerufen am 2. Juni 2025.</ref>

Parteipolitik

Beckedahl war von 2002 bis 2003 Mitglied des Bundesvorstands der Grünen Jugend und hat die Grüne Jugend NRW mitgegründet. In der Grünen Jugend koordinierte er das „Fachforum Neue Medien“ (1999–2004), war also in diesem Zeitraum inhaltlich verantwortlich für Themen wie (Neue) Medien, Technologiepolitik und Bürgerrechte. Er war an der Erarbeitung von netzpolitischen Beschlüssen der Grünen Jugend und von Bündnis 90/Die Grünen maßgeblich beteiligt.<ref>Markus Beckedahl, gruene-jugend.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. Februar 2009; abgerufen am 9. Juli 2015.</ref> Er bezeichnete sich 2009 bezüglich seiner Mitgliedschaft bei den Grünen als „klassische Karteileiche“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Die Freiheit des Netzes ist so bedroht wie nie zuvor“ (Memento vom 22. Mai 2009 im Internet Archive), t3n-Interview (zuletzt abgerufen: 23. Juni 2009).</ref>

Kontroversen

Veröffentlichung zur Mitarbeiter-Überwachung der Deutschen Bahn

Beckedahl wurde im Februar 2009 von der Deutschen Bahn abgemahnt, weil er das interne Memorandum des Berliner Landesdatenschutzbeauftragten Alexander Dix zur Affäre bezüglich der Überwachung von Mitarbeitern durch die Deutsche Bahn online zugänglich gemacht hatte. Die Abmahnung führte dazu, dass sich zahlreiche Blogger mit Beckedahl solidarisierten und das Memo ebenfalls veröffentlichten. Die Bahn berief sich unter anderem auf den Schutz von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen und das Urheberrecht.<ref>Bahn geht gegen Weblog vor Focus vom 3. Februar 2009.</ref> Beckedahl weigerte sich jedoch, eine Unterlassungserklärung abzugeben.<ref>Stern: "Die müssen uns ernst nehmen" vom 5. Februar 2009.</ref> 2016 berief die Deutsche Bahn Beckedahl in ihren Datenschutz-Beirat.

Ermittlungen wegen Verdachts des Landesverrats

Siehe Abschnitt im Artikel netzpolitik.org.

Datei:20150801 Netzpolitik at protest in Berlin IMG 9196 by sebaso.jpg
2015 ermittelte der Generalbundesanwalt Range gegen André Meister (links) und Markus Beckedahl, als Autoren von Netzpolitik.org, gegen die Ver­öffent­lichung eines als vertraulich eingestuften Dokumentes des Bundes­verfassungs­schutzes

2015 kam es wegen der Veröffentlichung von Ausschnitten aus einem als vertrauliche Verschlusssache eingestuften Bericht des deutschen Verfassungsschutzes auf Netzpolitik.org zu Ermittlungen wegen Verdachts des Landesverrats gegen Markus Beckedahl und André Meister. Infolgedessen versetzte Bundesjustizminister Heiko Maas Generalbundesanwalt Harald Range in den einstweiligen Ruhestand.<ref>http://www.wsj.com/articles/german-prosecutor-says-justice-ministry-hindering-treason-investigation-of-journalists-1438690717</ref><ref>https://www.techdirt.com/articles/20150804/10284931846/german-justice-minister-fires-top-prosecutor-over-treason-probe-into-journalists-after-war-words.shtml</ref>

Mitgliedschaften in Gremien

Schriften

  • Online-Kampagnen: Das Netz als Forum politischer Öffentlichkeit. In: K. Lehmann, M. Schetsche (Hrsg.): Die Google-Gesellschaft. Vom digitalen Wandel des Wissens. transcript Verlag, Bielefeld 2005, S. 103–112.
  • mit Falk Lüke: Die digitale Gesellschaft – Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage. dtv, Berlin 2012, ISBN 978-3-423-24925-6.
  • mit Andre Meister (Hrsg.): Jahrbuch Netzpolitik 2012. epubli, Berlin 2012, ISBN 978-3-8442-4234-8. (Volltext als PDF)
  • mit Andre Meister (Hrsg.): Überwachtes Netz: Edward Snowden und der größte Überwachungsskandal der Geschichte. newthinking communications, Berlin 2013, ISBN 978-3-944622-02-6. (Volltext: als PDF; als AZW3, EPUB)
  • Grundrechte im digitalen Zeitalter. In: J. Dahm, F. Decker, T. Hartmann (Hrsg.): Utopien. Für ein besseres Morgen. Dietz Verlag, Bonn 2020, S. 181–196.
  • mit Roland W. Scholz, Stephan Noller, Ortwin Renn (Hrsg.): DiDaT Weißbuch. Verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Daten – Orientierungen eines transdisziplinären Prozesses. Nomos, Baden-Baden 2021, ISBN 978-3-7489-2411-1. (Volltext als PDF)

Literatur

  • Eike Kühl: Markus Beckedahl: „Ich glaube immer noch, dass eine bessere digitale Welt möglich ist“. In: Die Zeit. Hamburg 23. März 2024 (zeit.de).

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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