Houppelande
Die Houppelande war ein mittelalterliches Kleidungsstück, das als langer, gegürteter Überrock mit Schleppe mit langen, weiten Ärmeln, bis etwa 1450 das Staatskleid in Burgund, Frankreich und den Niederlanden war.<ref name=":0">Gerhard Fouquet: Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. 2003, S. 25, abgerufen am 10. August 2025.</ref> Ihre modischen Details wurden im spätgotischen Burgund ins Extreme gesteigert, das repräsentative Obergewand aus kostbaren Stoffen hatte ausgezattelte Hänge- und Tütenärmeln, weit ausschwingende Säumen<ref name=":1">Silke Birte Geppert: Mode unter dem Kreuz - Rogier van der Weyden und seine Zeit Kleiderkommunikation im christlichen Kult. Universität Wien, 2010, S. 45, 111, abgerufen am 10. August 2025.</ref> und konnte vorn, hinten und seitlich hoch geschlitzt sein.<ref name=":0" />
Beschreibung
Die Houppelande ist ihrem Charakter nach ein "Schleppkleid", das von Männern und Frauen getragen wurde.<ref name=":2">Margarete Ronsdorf: Frauenkleidung der Spatgotik (ca. 1380-1490): ein Beitrag zur Kostumgeschichte des Mittelalters. Müller, 1933, S. 42 (Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät (I. Sektion) der Ludwig-Maximilians-Universität zu München).</ref> Dass eine deutsche Benennung fehlt, lässt vermuten, dass sich diese Erfindung des burgundischen Hofes schwer in Deutschland einbürgern konnte, das im 15. Jahrhundert langsam in eine immer bürgerlichere Atmosphäre hineinwuchs und daher keine Verwendung für ein höfisches Gewand hatte. Die Houppelande erforderte Haltung und Grazie und blieb vornehmlich auf die höfischen Kreise von Burgund, England und Italien beschränkt.<ref name=":2" />
Die Houppelande, wie sie etwa Jan van Eyck 1420 in seinem beim Fischen porträtierten Gesellschaft zeichnete, war ein vorne zu schließendes Übergewand mit Ärmeln, das um 1360 aufkam: für Frauen stets bodenlang, für Männer manchmal kurz.<ref name=":1" /> Für die Houppelande um 1400 und danach sind riesige Ärmel charakteristisch: zunächst schmal an der Schulter, am unteren Ende üppig, dann an den Schultern gebauscht.<ref name=":1" /> Das wesentliche Merkmal der Houppelande scheint aber die Schleppe zu sein sowie die überaus langen in die Schleppe einmündenden, meist reich gezaddelte Tütenärmel<ref name=":2" /> (an den Hinterarmen in Waden- bis Knielänge über die Gewandärmel herabhängende Zierärmel<ref>Brockhaus Enzyklopädie: in dreissig Bänden. F.A. Brockhaus, 2006, ISBN 978-3-7653-4109-0, S. 396.</ref>). Die engeTaille ist breit gegürtet und der knappe Ausschnitt von einem "offenen Umfallkragen" umgeben.<ref name=":2" /> Zur Houppelande wurde fast ausschließlich der Hennin oder die steile Hörnerhaube getragen.<ref name=":2" />
Etymologie
Die früheste Bezeichnung taucht 1364 im Inventar des Philip des Kühnen auf ("Une oppelande d'esqualette et la forrure de menu vair").<ref name=":3" /><ref>Jeanne Baylé, Michèle Beaulieu: Le costume en Bourgogne: De Philippe le Hardi à la mort de Charles le Téméraire (1364-1477). Presses Universitaires de France, 1956, ISBN 979-1-04105184-7, S. 48.</ref>
Die Herkunft des Wortes ist nicht sicher geklärt, aber es scheint im Spanischen zu wurzeln, wo hópa ein langes Gewand mit Ärmeln bedeutete, und hopalánda meint die Schleppe eines Talars, die von Studenten getragen wurde.<ref>James R. Planche: An Illustrated Dictionary of Historic Costume. Courier Corporation, 2013, ISBN 978-0-486-14533-4, S. 304.</ref> Die Houppelande könnte auch nach den „uplands“, einem schottischen Bergland benannt sein, wo sie zum ersten Mal bei englischen Truppen im Elsass ca. 1365 beobachtet wurden.<ref name=":0" /> Zu Neujahr war es üblich neue Kleider zu verschenken, so lässt sich für den 1. Januar 1415 die Anfertigung von 850 Schmuck-Orangenblättern für die Houppelande des Herzogs von Berry nachweisen.<ref name=":0" /> Auf dieses Datum ließe sich auch das Januarblatt seines Stundenbuches Très Riches Heures datieren.<ref name=":0" />
Zuweilen werden die Gewandformen Tappert und Houppelande als Synonym gehandhabt, da Houppelande nur im französischen und englischen Sprachgebrauch vorkommen und man angenommen hat, dass es sich um ein und dasselbe Kleidungsstück handelt.<ref name=":3">Ilse Fingerlin: Gürtel des hohen und späten Mittelalters. Deutscher Kunstverlag, 1971, ISBN 978-3-422-00645-4, S. 247, 249, 250 (Dissertation Universität Freiburg im Breisgau, 1967).</ref> Dem widerspricht jedoch, dass beide Kleidungsstücke neben Mantel in einer Rechnung für Johann Ohnefurcht aufgeführt werden ("250 florins pour la fourure d'un manteau, et d'une houppelande et d'un tabart").<ref name=":3" /> Vermutlich wechselten die Kostümbezeichnungen nicht so schnell wie die Gewandformen, sondern blieben erhalten.<ref name=":3" />
Weblinks
Einzelnachweise
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