Retro-Futurismus
Retro-Futurismus, auch Retrofuturismus, bezeichnet die Vorstellung der Zukunft, die in der Vergangenheit vorherrschte und die wir von heute aus retrospektiv betrachten.<ref name="Cyberbrain">Retrofuturismus (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ) auf cyberbrain-cafe.ch</ref> Der Begriff wurde zum ersten Mal 1983 vom US-amerikanischen Medienkünstler Lloyd Dunn benutzt. Nach Stewart Home ist Retrofuturismus „Moderne nach den Bedingungen der Postmoderne“;<ref>Oliver Marchart: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Neo-dadaistischer Retro-Futurismus“ oder: wie Stewart Home die Avantgarde erfand ( vom 14. Januar 2017 im Internet Archive) auf sammelpunkt.philo.at</ref> die bekannteste Variante des Retrofuturismus ist der Steampunk.
Zukunftsvorstellungen
Zukunftsvisionen der Vergangenheit sind zahlreich dokumentiert in der Wissenschaft und der Kunst. Im kreativen Kontext manifestieren sich diese Zukunftsvisionen besonders im Bereich Science-Fiction. Vorstellungen der Zukunft sind zwangsläufig durch die Wahrnehmung der jeweiligen Gegenwart beeinflusst und lassen diese Zeitgebundenheit im Rückblick deutlich werden.<ref name="Cyberbrain" /> Beispiele sind der Stummfilm Die Reise zum Mond, die Zeichentrickserie Die Jetsons, die Serie Raumschiff Enterprise oder der Film Alarm im Weltall. Für viele Menschen besteht ein besonderer Reiz darin, diese fiktiven Dokumente aus Literatur, Film, Musik und Malerei aus der Vergangenheit mit der tatsächlich eingetretenen Entwicklung zu vergleichen.<ref>René Walter: Retrofuturismus: 2008 aus der Perspektive von 1968 auf nerdcore.de (deutsch/englisch)</ref> Ein prägender Begriff ist der vom „Morgen, das niemals war“.<ref>Henry Jenkins: „The Tomorrow That Never Was“: Retrofuturism in the Comics of Dean Motter (Part One) auf henryjenkins.org (englisch)</ref>
(Retro-)Futurismus in Kunst und Design
Retro-Futurismus bezeichnet auch eine Strömung in Kunst und Design, die sich in neuen Werken bewusst auf die Zukunftsvisionen der Vergangenheit bezieht. So orientieren sich viele Designer am Schaffen von Luigi Colani, dessen Design sich aus der Auseinandersetzung mit der Zukunft speiste und der als bedeutendster deutscher Zukunftsdesigner gilt<ref>Retro-News auf retro-futurismus.de</ref> oder am Googie-Stil. Oft werden die Retro-Elemente dabei in einen neuen Kontext gesetzt. Im Film ist hier ein explizites Beispiel Sky Captain and the World of Tomorrow aus dem Jahr 2004, der mit moderner digitaler Technik aufgenommen wurde und dessen Ausstattung an ältere Science-Fiction-Filme wie Metropolis, Flash Gordon oder Buck Rogers erinnert. Weitere Beispiele für veraltete Zukunftsvorstellungen sind in Zurück in die Zukunft 2 und 2001: Odyssee im Weltraum. Retrofuturistische Motive finden sich auch sehr oft in komplett computeranimierten Filmen wie in Robots und Die Unglaublichen – The Incredibles, in Computerspielen oder in gezeichneten Comics. In der Literatur geschieht die Umdeutung retrofuturistischer Motive beispielsweise in dem Genre des Steampunk.<ref>Stefan Schultz: Retro-Kunst: Die wundersame Welt der Steampunks. In: Spiegel Online. 4. Juli 2007, abgerufen am 9. Juni 2015.</ref> Als Beispiel für real existierenden Retrofuturismus gilt die Wuppertaler Schwebebahn mit ihren scheinbar in der Luft schwebenden Stationen und Zügen.
Diskussion
Es gab in der medialen Auseinandersetzung mit der Retrowelle Überlegungen, die Beschäftigung mit der Vergangenheit würde der Beschäftigung mit der Zukunft im Wege stehen und habe eskapistische Tendenzen. Während es das ursprüngliche Ziel des Retrofuturismus war, in der Vergangenheit Ideen für die Zukunft zu finden, sei das Ergebnis oftmals nur ein weiterer Stil der Popkultur.<ref name="Spiegel">Niklas Maak: Nostalgie und Stil: Retrofuturismus ist gefälschte Geschichte. In: Spiegel Online. 5. Juni 2005, abgerufen am 9. Juni 2015.</ref> Auf Frage danach, was nach dem Retrofuturismus kommen könne, gebe dieser keine Antwort.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. in art-magazin.de</ref> In der Betrachtung der Sichtweisen der Vergangenheit gebe es zudem Unschärfen, weil ästhetische Trends mehrerer Jahrzehnte mit modernen Zukunftsvorstellungen vermischt würden.<ref>Michael Staiger: Körper-Bilder im Film der 90er Jahre, Freiburg 2001.</ref> Somit sei Retrofuturismus „gefälschte Geschichte“.<ref name="Spiegel" /> Dennoch wird die Beschäftigung mit den Zukunftsvorstellungen der Vergangenheit als legitimer Ausgangspunkt für die Gestaltung der eigenen Zukunft gesehen, weil dort durch die Besinnung auf alte, bekannte Werte neue Kraft geschöpft werden könne.<ref>Retrofuturismus auf netzfischer.eu</ref> Der Gedanke „Fortschritt durch Rückblick“ sei ein hübsches und produktives Paradoxon.<ref>History auf pwp.detritus.net (englisch)</ref>
Literatur
- Karl Böhm, Rolf Dörge: Unsere Welt von Morgen. Der Mensch und seine Welt, Verlag Neues Leben, Berlin 1959.
- Birkel (Hg.): Die Welt von morgen. Birkel-Sammelalbum, 1959.
- Tommy Laeng: Zukunftsträume von gestern, heute, übermorgen, Berlin u. a. (Lit Verlag) 2010. ISBN 978-3-643-10675-9
Weblinks
Einzelnachweise
<references />