Zum Inhalt springen

Ernst Hinterberger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 12. Februar 2026 um 15:18 Uhr durch imported>Invisigoth67 (BKL aufgelöst).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Ernst Leopold Hinterberger (* 17. Oktober 1931 in Wien; † 14. Mai 2012 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller und Drehbuchautor.

Leben

Datei:Wiener Zentralfriedhof - Gruppe 40 - Ernst Hinterberger.jpg
Wiener Zentralfriedhof – ehrenhalber gewidmetes Grab von Ernst Hinterberger

Ernst Hinterberger, der sieben Jahre alt war, als sein Vater starb,<ref name="ORF-Bio2">Ernst Hinterberger wird 75. In: wien.ORF.at, 14. Oktober 2006. Abgerufen am 5. Dezember 2022.</ref> war gelernter Elektriker. 1950 begann er in der Polizeischule Wien eine Ausbildung zum Sicherheitswachebeamten, die er 1952 jedoch aufgrund einer überraschend eingetretenen Sehschwäche vorzeitig abbrechen musste. Danach arbeitete er zuerst als Hilfsarbeiter. 1958 heiratete er und besuchte die Büchereischule der Gemeinde Wien, anschließend arbeitete er zehn Jahre lang als Büchereileiter in Volksbildungshäusern. Nach Schließung dieser Büchereien im Jahr 1968 war er bis zu seiner Pensionierung 1991 als Expedient in einer Fabrik tätig.<ref name="ORF-Bio">Stars im ORF: Ernst Hinterberger.</ref>

Zur Literatur fand Ernst Hinterberger in den 1950er Jahren über den bayerischen Autor Oskar Maria Graf.

Hinterberger lebte seit ca. 1954 in einer 44-Quadratmeter-Gemeindewohnung<ref name="Datum">Datum, 05/08.</ref> am Wiener Margaretengürtel (5. Bezirk).<ref name="Wienlive"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mittendrin im wahren Leben – Zuhause bei Ernst Hinterberger. (Memento vom 6. Juli 2011 im Internet Archive) In: Wien live, Juni 2009. Abgerufen am 2. Mai 2010.</ref><ref name="Betz">Martin Betz, 2000.</ref> Dieser Bau wurde am 24. September 2013 auch nach ihm benannt und heißt seither „Ernst-Hinterberger-Hof“. Seine erste Ehefrau, Margarete („Gerti“), starb im Jahr 2001 neun Monate vor der Veröffentlichung seines Buches Ein Abschied. Lebenserinnerungen. (2002).<ref name="Falter">Falter, 42/2006.</ref><ref name="Literaturhaus"/> In zweiter Ehe war Hinterberger mit Karla verheiratet,<ref name="Wienlive"/> mit der er seit 2004 zusammenlebte.<ref name="Falter"/>

Der praktizierende Buddhist<ref name="ORF-Bio2"/> Ernst Hinterberger verstarb am 14. Mai 2012 im Krankenhaus Hietzing.<ref>Wiener Autor Ernst Hinterberger gestorben. In: Der Standard, 14. Mai 2012.</ref><ref>Autor Ernst Hinterberger verstorben. Nachruf des echomedia buchverlags, 14. Mai 2012.</ref> Am 12. Juni 2012 wurde seine Urne in einem ehrenhalber gewidmeten Grab im Ehrenhain (Gruppe 40, Nr. 184) des Wiener Zentralfriedhofs beigesetzt. Im Jahr 2014 wurde in Wien-Donaustadt (22. Bezirk) die Ernst-Hinterberger-Gasse nach ihm benannt.

Werke

„Ein echter Wiener geht nicht unter“

Hinterbergers Edmund „Mundl“ Sackbauer, (Anti-)Held der Fernsehserie Ein echter Wiener geht nicht unter, wurde im deutschen Sprachraum zum Inbegriff des Bewohners eines Wiener Zinshauses (Mietshauses).

Der „Fernseh-Mundl“ ist eigentlich ein im tiefen Inneren seiner Seele herzensguter Querulant, der doch immer wieder einlenkt, während die Original-Figur im Buch Das Salz der Erde aus den mittleren 1960er Jahren ein ekelhafter Mann in seiner Midlife-Crisis ist, der ab einem Italienurlaub merkt, dass seine Kontrolle über die Familie schwindet. Am Ende des Werks verlässt er die Frau, will sich im „Puff“ wieder sein Selbstvertrauen holen, versagt prompt dabei, und das Buch endet damit, dass sich der Protagonist nicht ganz sicher ist, ob er die von ihm wegen seines Absturzes beschuldigte Gunstgewerblerin im Affekt getötet hat oder ob diese verletzt überlebt. Mit Das Salz der Erde bewarb sich Hinterberger um den Roman-Staatspreis für 1967. Für dieses Jahr erhielt aber Thomas Bernhard die Auszeichnung.<ref>Olaf Lahayne: Beschimpft Österreich!: Der Skandal um die Staatspreisrede Thomas Bernhards im März 1968. V&R unipress, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8471-0489-6.</ref>

Die vom 8. Juni 1975 an im ORF erstausgestrahlte Serie rund um die Arbeiterfamilie Sackbauer, mit dem von Karl Merkatz gespielten, in breitem Wiener Dialekt polternden Original „Mundl“, einem Elektriker aus Favoriten, polarisierte die Zuschauer. Beim ORF-Kundendienst gingen damals unzählige „Zuschauerreaktionen von erboster Ablehnung“ – insbesondere aus der dargestellten Arbeiterschicht – „bis zu begeisterter Zustimmung“ über die Darstellung der Familie Sackbauer ein. In späterer Zeit bekam die Serie selbst, wie die Sprüche „Mundls“, Kultstatus.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nomen est Omen: „Ein echter Wiener geht nicht unter“: (Memento vom 2. Juli 2015 im Internet Archive) „Die ORF-Kultserie feiert ihr Da Capo […].“ In: enterprise.ORF.at, 28. Oktober 2009. Abgerufen am 22. August 2012.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der letzte Handwerker. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 2. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.echoonline.at In: ECHO Salzburg Leute (über Karl Merkatz), 1. September 2007. Abgerufen am 22. August 2012.</ref>

2008 erschien der Film zur Serie unter dem Titel Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga; das Drehbuch stammte von Ernst Hinterberger.

Trautmann und andere Kommissare

Hinterberger schrieb 1984 seinen ersten Kriminalroman mit dem Titel Jogging. Zu dieser Zeit gab es ein Projekt, bei dem Autoren, die normalerweise keine Krimis schreiben, sich an Kriminalgeschichten versuchten. Durch seine Arbeit im Polizeidienst hatte Hinterberger bereits Einiges an Hintergrundwissen über Kriminalfälle und Ermittlungen.

In Jogging kam ein Chefinspektor namens Dörfler vor; ein älterer Herr, der nur noch ein bis zwei Jahre bis zu seiner Pensionierung hat. Er ermittelt wie alle weiteren Polizisten bei Hinterberger im 2. Wiener Bezirk, der Leopoldstadt. Später erfand Hinterberger den Inspektor Otto Hotwagner. Dieser war ebenfalls bereits im fortgeschrittenen Alter, genoss bei seinen Kollegen jedoch hohes Ansehen.

Im Roman Zahltag von 1997 ließ Hinterberger seinen Inspektor Hotwagner am Gehirnschlag sterben, woraufhin der nur wenig jüngere Polycarp Trautmann den Posten übernahm und 1998 in Die dunkle Seite erstmals in einem Kriminalroman ermittelte. Trautmann trägt sein Herz auf dem rechten Fleck und ermittelt stets einige Meter neben dem vorgesehenen Dienstweg. Die Figur des Trautmann war bereits aus der populären ORF-Serie Kaisermühlen Blues bekannt und wurde von Wolfgang Böck verkörpert.

Als Hinterberger 1999 Kaisermühlen-Blues beenden wollte, fragte der ORF nach einem Drehbuch für eine Spin-off-Serie. Hinterberger und Regisseur Harald Sicheritz entschieden sich für die Figur des Trautmann und produzierten im Jahr 2000 einen 90-minütigen TV-Krimi mit dem Titel Wer heikel ist, bleibt übrig.

Die Produktion hätte ein österreichischer Beitrag zur deutschen Krimireihe „Tatort“ werden sollen. Wegen des in Deutschland angeblich unverständlichen Wiener Dialekts wurde die Folge aber kurz vor der Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen abgesetzt. In Österreich war der Krimi jedoch ein voller Erfolg, und so wurden weitere Episoden produziert, mit renommierten Schauspielern wie Erwin Steinhauer, Wolfram Berger, Simon Schwarz, Heinz Petters und Beatrice Frey.

Von Folge 2 an übernahm Thomas Roth die Regie, da Sicheritz einen schweren Verkehrsunfall hatte. Da Roth mit der Zeit angeblich immer mehr an den Drehbüchern zu ändern begann, zog Hinterberger nach Folge 10 die Konsequenzen und beendete die Zusammenarbeit mit dem ORF. Seitdem verarbeitete Hinterberger die Figur des Inspektor Trautmann häufiger in seinen Büchern.

Bücher

  • 1965: Beweisaufnahme, Roman
  • 1966: Salz der Erde, Roman
  • 1973: Ein gemütlicher Wiener, Roman
  • 1975: Wer fragt nach uns, Geschichten
  • 1977: Das Abbruchhaus, Roman
  • 1984: Jogging, Kriminalroman
  • 1988: Superzwölfer, Kriminalroman
  • 1989: Kleine Leute, Roman
  • 1991: Das fehlende W, Kriminalroman
  • 1992: Und über uns die Heldenahnen …, Kriminalroman
  • 1993: Alleingang, Kriminalroman
  • 1993: Kleine Blumen, Kriminalroman
  • 1993: Von furzenden Pferden, Ausland und Inländern, Geschichten
  • 1994: Kaisermühlen Blues: Ein Wiener Roman
  • 1995: Was war, wird immer sein, Kriminalroman
  • 1997: Zahltag, Kriminalroman
  • 1998: Die dunkle Seite, Kriminalroman
  • 2002: Ein Abschied. Lebenserinnerungen.<ref name="Literaturhaus">Peter Landerl: Buchbesprechung und Lesebprobe zu <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ernst Hinterberger – Ein Abschied. Lebenserinnerungen. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 11. Januar 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.literaturhaus.at In: Rezensionsdatenbank des Literaturhaus Wien, 30. September 2002. Abgerufen am 2. Mai 2010.</ref>
  • 2005: Doppelmord, Kriminalroman<ref>Ernst Hinterberger - Doppelmord (16. November 2005). In: Amazon. Abgerufen am 31. Januar 2019 (deutsch).</ref>
  • 2006: Die Tote lebt, Kriminalroman
  • 2007: Mord im Prater, Kriminalroman
  • 2008: Der Tod spielt mit, Kriminalroman
  • 2009: Fehlende Finger, Kriminalroman
  • 2010: Mörderische Gier, Kriminalroman
  • 2011: Blutreigen, Kriminalroman
  • 2012: Der Tod hält Ernte, Kriminalroman

Filmografie

Bühnenstücke

  • Im Käfig
  • Immer ist ja nicht Sonntag
  • Die Puppe
  • Offene Gesellschaft
  • Swimmingpool

Zitate

Zum Thema, wie er zum Buddhismus fand:

„I hob wo g‘lesen, dass der Marlon Brando Laotse liest, und do hob i mir docht, wenn der des liest, daun kaun i des ah.“<ref name="Wienlive" />

Zum Thema, dass Hinterberger sich sofort ein Haus kaufen könnte:

„Für zwa Leit is des [die kleine Gemeindewohnung] ausreichend. […] Des [ein Haus] interessiert mi net. Ich bin 200 Meter von hier in einem Hinterhof aufg'wachsen. Dort hob i nur Dächer g'sehen. Sonst war ich auf der Gossn. Daher sogt mir auch ein Garten nix. Oda die Natur … Ja, die Bäume sind grün. Mir gefällt's genauso, wenn kane Blätter drauf san.“<ref name="Wienlive" />

Zum Thema seines Wohnortes, von dem wegzuziehen ihm nie in den Sinn gekommen sei:

„Ich bin in dem Grätzel aufgewachsen, das ist mein Zuhause. Döbling, Währing, Hietzing: Das ist Ausland. Wien ist für mich der fünfte Bezirk.“<ref name="Falter" />

Auszeichnungen

Datei:Margareten (Wien) - Ernst-Hinterberger-Hof.JPG
Der 2013 nach ihm benannte Gemeindebau an der Adresse Margaretengürtel 122–124

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein