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Walther-Verfahren

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Beim Walther-Verfahren zur Rauchgasreinigung handelt es sich um ein Verfahren, das sich sowohl zur Entschwefelung als auch zur Entstickung eignet. Das Verfahren arbeitet nach dem Prinzip der Nasswäsche und verwendet Ammoniaklösung. In den Wäschern der Entschwefelung fällt nach folgenden Reaktionen Ammoniumsulfat an, das als Düngemittel Verwendung findet:<ref name="Bechthold1982" /><ref name="Kaminsky1983" />

<chem>NH3 + SO2 + H2O <=> NH4HSO3</chem>
<chem>NH4HSO3 + NH3 <=> (NH4)2SO3</chem>
<chem>(NH4)2SO3 + 1/2 O2 -> (NH4)2SO4</chem>

Analog sollte in einem zweiten Anlagenteil Ammoniumnitrat als Düngemittel bei der Entstickung anfallen. Stickoxid sollte dazu mit Ozon zu Stickstoffdioxid oxidiert werden.<ref name="Kotter1986" /><ref>Karl Knoblauch, Ekkehard Richter, Harald Jüntgen: Simultane SO2 ‐ und NOx ‐Entfernung aus Rauchgasen durch Adsorptionskatalyse an Aktivkoksen. In: Chemie Ingenieur Technik. Band 57, Nr. 3. VCH, Wiley, Januar 1985, ISSN 0009-286X, S. 239–241, doi:10.1002/cite.330570311.</ref>

Das Verfahren wurde technisch von der Grevenbroicher Firma Buckau-Walther (westdeutscher Teil der Maschinenfabrik Buckau R. Wolf) ab den 1970er Jahren entwickelt<ref name="Bechthold1982" /><ref name="BechtholdGran1982" /> und ab 1979 in einer Pilotanlage am Großkraftwerk Mannheim (GKM) verwirklicht.<ref name="Kaminsky1983" /> Dort kam es auch zum ersten großtechnischen Einsatz zur Entschwefelung ab dem Jahr 1983. Die ursprünglich geplante Entstickungsanlage samt Pelletierungsanlage für das produzierte Ammoniumnitrat wurde nie realisiert.

Aufgrund diverser Materialprobleme, fehlendem Ingenieurwissen und der Explosionsgefahr durch das Nebenprodukt Ammoniumnitrat waren mehrfach Stillstände und Nachrüstungen notwendig, um einen Dauerbetrieb zu ermöglichen. Da die Frist, bis zu der Neubaukessel mit Rauchgasentschwefelungen ausgestattet sein mussten, immer näher rückte und es immer wieder zu Betriebsstörungen an der Prototypanlage kam, entschied sich das GKM, eine Kalkwäscheanlage zu errichten und die Waltheranlage anschließend stillzulegen.

Das Absorptionsmittel Ammoniak ist relativ teuer.<ref name="Kaminsky1983" /> Eine 1986 veröffentlichte Abschätzung ergab, dass die Erlöse durch den Verkauf der beim Walther-Verfahren entstehenden Düngemittel (Ammoniumsulfat, eventuell auch Ammoniumnitrat) 6 bis 11 % der Investitions- und Betriebskosten ersetzten.<ref name="Kotter1986" /> Der Vorteil des Walther-Verfahrens, die Entstehung nützlicher und handelbarer Produkte, sei daher nicht der wesentlichste Gesichtspunkt bei der Wahl der Stickoxid-Entfernung.<ref name="Kotter1986" />

Weblinks

  • Kleinere Kröte schlucken. In: Der Spiegel. Nr. 22, 1985 (online – über Probleme mit Entschwefelungsanlagen).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Kaminsky1983"> Walter Kaminsky: Verfahren zur Entschwefelung von Rauchgas. In: Chemie Ingenieur Technik. Band 55, Nr. 9, Januar 1983, ISSN 0009-286X, S. 667–679, doi:10.1002/cite.330550902 (wiley.com). </ref> <ref name="Bechthold1982"> Patent DE2904263: Verfahren zum Entfernen von sauren Komponenten aus Abgasen. Angemeldet am 5. Februar 1979, veröffentlicht am 13. Mai 1982, Anmelder: Buckau-Walther AG, Grevenbroich, Erfinder: Horst Bechthold. </ref> <ref name="BechtholdGran1982"> Patent DE3108986: Verfahren zum Herstellen von Ammoniumsulfatgranulaten. Angemeldet am 10. März 1981, veröffentlicht am 13. Mai 1982, Anmelder: Buckau-Walther AG, Grevenbroich, Erfinder: Horst Bechthold. </ref> <ref name="Kotter1986"> Michael Kotter, Hans‐Günther Lintz, Friedrich Weyland: Selektive Reduktion von Stickoxiden in Rauchgasen – Stand der Technik und neue Wege. In: Chemie Ingenieur Technik. Band 58, Nr. 8, Januar 1986, ISSN 0009-286X, S. 617–623, doi:10.1002/cite.330580802. </ref> </references>