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Kriminologe

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Kriminologen analysieren die Ursachen und Auswirkungen kriminellen Verhaltens in der Gesellschaft. Sie untersuchen zudem die Instanzen gesellschaftlicher und staatlicher Kriminalitätskontrolle sowie die Wirkung von Kriminalprävention. Ihre Fachwissenschaft ist die Kriminologie.

Kriminologen sind weder Ermittler noch Profiler und deshalb von den Kriminalisten zu unterscheiden. In Deutschland sind Kriminologen überwiegend an Hochschulen und Forschungsinstituten, wie etwa der Kriminologischen Zentralstelle oder dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen, tätig. Sie wirken zudem als Grundlagenforscher bei Behörden der Verbrechensbekämpfung, wie dem Bundeskriminalamt und den Landeskriminalämtern. Außerdem betreiben sie Strafvollzugsforschung bei den Kriminologischen Diensten der Bundesländer. Ausgebildete Kriminologen sind darüber hinaus auch als Praktiker in der Strafrechtspflege tätig (Bewährungshilfe, Gerichtshilfe, Jugendgerichtshilfe).

Ausbildungssituation im deutschsprachigen Raum

Ein eigenständiges Studium der Kriminologie wird in Deutschland nur an relativ wenigen Hochschulen angeboten. Zudem kann Kriminologie hier nur im Rahmen eines postgradualen Studiums – heute also als Masterstudiengang – studiert werden. Grundständige Studiengänge in Kriminologie (heute meist: Bachelor) werden hingegen nicht angeboten. Dies ist in Großbritannien und in den USA gänzlich anders, wo neben vielen entsprechenden Masterstudiengängen (2019 in Großbritannien: 34; 1999 in den USA: mehr als 100) und Ph.D.-Programmen (2011 in den USA: 34) auch zahlreiche einschlägige Bachelorstudiengänge (2019 in Großbritannien: 124) existieren.<ref>Charlotte Harris, Helen Jones und Peter Squires. How Criminology is Taught and Researched Today. British Society of Criminology 2019, S. 120 u. S. 127.</ref><ref>Liqun Cao: Criminology Qua Criminal Justice as an Open Discipline: On the Relationship between Sociology and Criminology in the USA. In: Journal of Criminal Justice Education 2020, S. 1-14, S. 8 f.</ref>

Grundständige Kriminologiestudiengänge wurden in der Bundesrepublik Deutschland auch in Zeiten vor dem Bologna-Prozess nicht angeboten.<ref>Wolfgang Deichsel, Kriminologische Ausbildung. In: Kaiser, Günther et al. (Hrsg.): Kleines Kriminologisches Wörterbuch. Dritte Auflage. Heidelberg: C. F. Müller, S. 316–324, S. 319.</ref> Als erster eigenständiger Studiengang überhaupt existierte zunächst von 1984 bis 2005 an der Universität Hamburg das ebenfalls postgraduale Aufbaustudium Kriminologie, das in vier Semestern zum akademischen Grad Diplom-Kriminologe führte.<ref>Wolfgang Deichsel, Kriminologie als selbständiges interdisziplinäres Hochschulstudium. Ein Tagungsbericht. In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 69 (1986), S. 361-372, S. 361.</ref> Dieses wurde 2005 in den seit 2023 ebenfalls aufgelösten Studiengang Master of Arts Internationale Kriminologie (Vollzeit, vier Semester, 120 ECTS).<ref>Universität Hamburg, Studienbüro Sozialwissenschaften: Internationale Kriminologie, abgerufen am 21. Juli 2020.</ref><ref>Uni Hamburg knickt Kriminologie-Studium: Kritische Polizei-Forschung am Ende. In: taz.de. 27. Juli 2023, abgerufen am 8. August 2023.</ref> überführt.

Als derzeit (2026) angebotene Masterstudiengänge sind im deutschsprachigen Raum anzuführen:

Über die genannten Studienmöglichkeiten hinaus spielt das Fach Kriminologie an Universitäten auch als Grundlagenfach innerhalb des Studiums der Rechtswissenschaften eine Rolle, ist dann allerdings auf höchstens zwei (zweistündige) Vorlesungen beschränkt.<ref>Hans-Jörg Albrecht: Lage und Zukunft der Kriminologie – Fragen und Antworten. In: Neue Kriminalpolitik, Jahrgang 25 (2013) Heft 1, S. 26–47, hier S. 26 f. </ref> Darüber hinaus ist häufig die Wahl eines Schwerpunktbereiches „Kriminalwissenschaften“ o. ä. möglich, in dessen Verlauf ebenfalls kriminologische Lehrveranstaltungen stattfinden und eine Vertiefung im Rahmen von Seminaren und der abschließenden Schwerpunkthausarbeit möglich ist.<ref>vgl. statt vieler die Informationen zum Schwerpunktbereich an der Universität Halle.</ref>

Historischer Vorläufer

Historisch ist erwähnenswert, dass bereits in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts am Institut für Kriminologie der Universität des Saarlandes ein postgradualer Studiengang Kriminologie angeboten wurde, der in zwei Jahren zu einem Diplom in Kriminologie führte und für Juristen und Polizeibeamte zugänglich war.<ref>Heike Jung: Kriminologische Ausbildung in Deutschland - ein Überblick. In: Jörg-Martin Jehle (Hrsg.), Kriminologie als Lehrgebiet. Kriminologische Aus-, Fort- und Weiterbildung in verschiedenen Studienfächern und Berufsfeldern, Wiesbaden 1992, S. 13–34, S. 16.</ref>

Literatur

  • Wolfgang Deichsel, Kriminologische Ausbildung. In: Kaiser, Günther et al. (Hrsg.): Kleines Kriminologisches Wörterbuch. Dritte Auflage. Heidelberg: C. F. Müller, S. 316–324.
  • Heike Jung: Kriminologische Ausbildung in Deutschland - ein Überblick. In: Jörg-Martin Jehle (Hrsg.), Kriminologie als Lehrgebiet. Kriminologische Aus-, Fort- und Weiterbildung in verschiedenen Studienfächern und Berufsfeldern, Wiesbaden 1992, S. 13–34.
  • Hans-Jörg Albrecht: Lage und Zukunft der Kriminologie – Fragen und Antworten. In: Neue Kriminalpolitik, Jahrgang 25 (2013) Heft 1, S. 26–47.
  • Liqun Cao: Criminology Qua Criminal Justice as an Open Discipline: On the Relationship between Sociology and Criminology in the USA. In: Journal of Criminal Justice Education 2020, S. 1–14

Weblinks

Commons: Kriminologe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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