Kienzle Uhren
| Kienzle International AG
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| colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Kienzle Uhren 201x logo.svg | |
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1822 |
| Auflösung | 2014 |
| Auflösungsgrund | Insolvenz |
| Sitz | Hamburg, Datei:Flag of Germany.svg Deutschland |
| Leitung | Dirk Weiss |
| Branche | Uhrenhersteller |
| Website | https://www.kienzle1822.de/ |
Kienzle Uhren war bis 2014 ein deutscher Uhrenhersteller. Er wurde in der einstmals „größten Uhrenstadt der Welt“, Schwenningen am Neckar, gegründet und hatte zuletzt seinen Hauptsitz in Hamburg. Heute unter der Marke Kienzle vertriebene Uhren werden von anderen Herstellern produziert. Sie nutzen die Marke in Lizenz. Kienzle Uhren ist nicht zu verwechseln mit der im benachbarten Villingen ansässigen Kienzle Apparate (heute Continental).
Geschichte
Kienzle Uhren wurde 1822 in Schwenningen am Neckar als Deutsche Uhrenfabrik vom Uhrmachermeister Johannes Schlenker gegründet. Zu Beginn vertrieb Schlenker als Hausierer handgefertigte Schwarzwalduhren. Unter seinem Enkel Carl Johannes Schlenker und dessen 1883 eingeheirateten Schwager Jakob Kienzle entstand eine serienmäßige Fabrikation von Weckern und Regulateurwerken unter der Signatur Schlenker & Kienzle. Die jährlich 20.000 hergestellten Wand- und Pendeluhren wurden ausschließlich manuell gefertigt.<ref name="he55">Armbanduhren. Heel, Königswinter 2009. ISSN 1431-3677. Seite 55</ref><ref>Lehmhaus, Schmidt, Welchering, Seiten 11fff.</ref> 1893 wurden bereits 162.000 Uhren und Wecker pro Jahr hergestellt.
Ab 1894 wurden mithilfe der industrialisierten Produktion vorgefertigte, standardisierte Einzelteile und durchbrochene Platinen verwendet, um unter anderem die verwendete Materialmenge und damit die Kosten bei Weckern und Wanduhren zu reduzieren. Diese Prozessoptimierung in der Produktion war zu diesem Zeitpunkt innovativ.
Ab 1897 wurde Jakob Kienzle Alleininhaber, und der Name des Unternehmens wurde nach einiger Zeit in die heutige Form Kienzle umgewandelt. Die Uhrenfertigung wurde erweitert und modernisiert, die internationalen Aktivitäten ausgebaut. In den folgenden Jahren wurden neben einer Fabrik in Böhmen auch Niederlassungen in Mailand, Paris und London gegründet.<ref>Lehmhaus, Schmidt, Welchering, Seite 12</ref>
Um das Jahr 1899 stellten rund 400 Mitarbeiter eine Million Uhren und Wecker jährlich her.<ref name=":1">Kienzle Uhren. Watchtime.net, 18. Juli 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. September 2020; abgerufen am 21. Februar 2025.</ref>
1900 brachte das Unternehmen die Stechuhr auf den Markt, gefolgt von preiswerten Taschenuhren, Reiseweckern und Armbanduhren für Damen sowie von den ersten Borduhren für Automobile.
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Nach dem Ersten Weltkrieg durchlebte die deutsche Uhrenindustrie eine dauerhafte Krise. Kriegsfolgen, Inflation und ausländische Konkurrenz bedrohten die deutschen Anbieter. Ab 1926 verhandelten die großen Uhrenhersteller deshalb über Kooperationen und Fusionen, und 1928 wurden die Kienzle Uhrenfabriken mit der Thomas Ernst Haller AG Schwenningen zur Kienzle-Haller AG fusioniert. Gespräche mit der ebenfalls in Schwenningen ansässigen Friedrich Mauthe GmbH wurden abgebrochen. In dieser Zeit spaltete sich auch die Kienzle Taxameter und Apparate AG (später Kienzle Apparate) von den Kienzle Uhrenfabriken ab und führte das ganze Programm an Instrumenten und Kontrollapparaten für Fabriken und Fahrzeuge (v. a. Taxameter und Arbeitsschauuhren) unter eigener Verantwortung weiter.
1931 brachte Kienzle die Strapazier-Armbanduhr auf den Markt. Durch ihre Konstruktion war diese Uhr sehr belastbar und wurde mit weit über 25 Millionen Exemplaren verkauft.<ref>Lehmhaus, Schmidt, Welchering, Seite 14</ref> Ende der 1930er Jahre begann das Unternehmen mit der Fertigung zweier Tischuhr-Typen der gehobenen Preiskategorie: die Sternzeichenuhr und die Weltzeituhr. Ab 1936 wurden in eigens umgebauten Bussen die Produkte deutschlandweit präsentiert.<ref>Lehmhaus, Schmidt, Welchering, Seite 16</ref> Als Weiterentwicklung der Autouhr entstand in den 1930er Jahren die 8-Tage-Fliegeruhr, die in das Armaturenbrett der Flugzeug-Cockpits eingebaut wurde.
Im Jahr 1939 beschäftigte Kienzle über 3500 Mitarbeiter, die 5 Millionen Uhren pro Jahr fertigten.<ref name=":1" />
Die Unternehmensgeschichte setzte sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg fort. Ab 1956 wurde die sogenannte Volksautomatik für die Produktion verwendet. Dabei versorgte ein Rotor, der sich in beide Drehrichtungen aufzog, den Mechanismus mit Energie. Der Anker wurde als Stift-Stein-Ankerhemmung Patent Kienzle-Ankergang ausgeführt.<ref>Lehmhaus, Schmidt, Welchering, Seite 19</ref>
In den 1960er und 1970er Jahren entwickelte sich das Unternehmen zum Marktführer in Deutschland. 1963 wurde die erste Solar-Tischuhr „Heliomat“ herausgebracht. Dazu wurde bei einem batteriebetriebenen elektromechanischen Uhrwerk die Batterie durch einen Akku ersetzt, der durch ein Solarmodul in der Gehäuseoberseite aufgeladen wurde.<ref name="Schuetz2022">Thomas Schuetz: Tempus fugit: Technikgeschichte der Uhrenindustrie im deutsch-deutschen Vergleich. W. Bertelsmann Verlag, 2022, ISBN 978-3-7639-6617-2, S. 363.</ref><ref name="Huettlin2023">Matthias Hüttlin: Die Uhrenfabrik Kienzle in Schwenningen - Kienzle`s Solar betriebener Heliomat. Matthias Hüttlin, 30. Mai 2023, abgerufen am 13. März 2025.</ref> 1972 wurde die erste batteriebetriebene Uhr und das erste Quarzwerk produziert.<ref name="jl-1-35" /> In den darauf folgenden Jahren stellte Kienzle als erstes Unternehmen eine Quarz-LED-Armbanduhr her und präsentierte den ersten quarzbetriebenen Reisewecker.<ref>Lehmhaus, Schmidt, Welchering, Seite 36</ref>
Auch die 1986 entwickelte Solaruhr mit ihrem geringeren Lichtbedarf und polykristallinem Solargenerator war ein Novum. Zu Beginn der 1990er Jahre entwickelte das Unternehmen eine bis 12.000 Meter Tauchtiefe wasserdichte Uhr und präsentierte die erste Funkweckuhr der Welt mit analoger Weckzeiteinstellung.
1996 brachte das Unternehmen ein neues Funkuhrwerk auf den Markt. Das kleine zweimotorige Einbauwerk, das per Funk gesteuert wurde, stellte sich schneller als andere Werke ein und war damit eine Weltneuheit.<ref>Lehmhaus, Schmidt, Welchering, Seite 37</ref>
1997 wurde Kienzle von der Gruppe Highway Holdings übernommen.<ref>Lehmhaus, Schmidt, Welchering, Seite 35ff</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Beitrag 1997:Übernahme des Unternehmens durch die Gruppe Highway Holdings, Hongkong. ( vom 19. Juli 2012 im Internet Archive)</ref> 2002 kehrte das Unternehmen mit der Gründung der Kienzle AG nach Deutschland zurück. Seitdem befand sich der Unternehmenssitz in Hamburg.<ref name="jl-1-35">Lehmhaus, Schmidt, Welchering, Seite 35</ref> Das Unternehmen kaufte unter anderem die Markenrechte und begann mit der Entwicklung und Fertigung von drei neuen Uhrenkollektionen in unterschiedlichen Preiskategorien.<ref>Chronos Edition: Uhren 2008. Ebner, Ulm 2007, ISBN 978-3-87188-089-6 und ISBN 978-3-87188-091-9, S. 84.</ref> 2008 verlegte das Unternehmen seinen Firmensitz in ein altes Hamburger Kaufmannshaus in Hamburg-Harvestehude.<ref name="he55" /><ref name="jl-1-35" />
Anfang 2010 musste Kienzle erneut Insolvenz anmelden<ref name=":0">Ein geheimer Mann in der Uhrenindustrie. Abgerufen am 2. November 2018.</ref><ref>Kienzle: Aus für Hamburger Uhren-Marke. In: Watchtime.net. 22. Januar 2010 (watchtime.net [abgerufen am 2. November 2018]).</ref>, worauf eine Umstrukturierung folgte.<ref>Uhrenhersteller Kienzle meldet Insolvenz an. In: trustedwatch.de. Abgerufen am 8. Januar 2016.</ref> Seit 2011 gehören die weltweiten Markenrechte der Premier Trademarks AG in der Schweiz<ref name=":0" />. Ein Versuch eines Neustarts endete 2014 in einer erneuten Insolvenz.<ref>Kienzle Uhren für Herren und Geschichte. In: Herrenuhren24.net. (herrenuhren24.net [abgerufen am 2. November 2018]).</ref> Es werden jedoch auch weiterhin Uhren unter dem Namen Kienzle verkauft.<ref>KIENZLE Uhren | Die älteste deutsche Uhrenmarke. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Oktober 2019; abgerufen am 7. Januar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Im Jahr vor der Kienzle-Insolvenz wurde die Marke in ein Schweizer Unternehmen, die Rooster Holding aus Meggen, transferiert. Über viele Jahre schlummerten Kienzle-Marken bei der Premier Trademarks, einer Tochter der Independent Watch Group. Status mit Blick auf das Markenregister: Löschung wegen Nichtverlängerung. 2024 hat die Kienzle 1822 GmbH in Wels die Marke Kienzle übernommen.<ref>Kienzle 1822: Von einem der weltgrößten Uhren-Hersteller auf den Aldi-Wühltisch >Tests>Kienzle 1822: Von einem der weltgrößten Uhren-Hersteller auf den Aldi-Wühltisch. 15. Dezember 2024, abgerufen am 4. August 2025.</ref>
Siehe auch
Literatur
- Hans-Heinrich Schmid: Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850–1980: Firmenadressen, Fertigungsprogramm, Firmenzeichen, Markennamen, Firmengeschichten. (3. erweiterte Auflage 2017) Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Chronometrie 2017; ISBN 978-3-941539-92-1
- Jan Lehmhaus, Tim Stefan Schmidt und Peter Welchering: Kienzle. Band 1. Füssli, Zürich, 2008, ISBN 978-3-280-05331-7
- Armin Müller: Kienzle. Ein deutsches Industrieunternehmen im 20. Jahrhundert, 2. Auflage, Franz Steiner Verlag: Stuttgart 2014, ISBN 978-3-515-10669-6
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Infobox Unternehmen/Logoeinbindung
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2022-03
- Uhrenhersteller (Deutschland)
- Uhrenmarke
- Produzierendes Unternehmen (Hamburg)
- Unternehmen (Villingen-Schwenningen)
- Ehemaliges Unternehmen (Schwarzwald-Baar-Kreis)
- Ehemaliges Unternehmen (Hamburg)
- Produzierendes Unternehmen (Schwarzwald-Baar-Kreis)
- Unternehmensgründung 1822
- Aufgelöst 2014