Carl Wedl
Carl Wedl (* 14. Oktober 1815 in Wien; † 21. September 1891 ebenda;<ref name="18911008WKW">Hofrath Professor Dr. Carl Wedl †. In: Wiener klinische Wochenschrift. Organ der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien, 8. Oktober 1891, S. 17 (online bei ANNO).</ref> auch Karl Wedl<ref name="19100916VTL" />) war ein österreichischer Pathologe.
Leben und Wirken
Nach seinem Studium und 1841 erfolgter Promotion in Wien war Wedl zunächst praktisch tätig. Im Anschluss an eine Wissenschaftszwecken dienende Reise nach Frankreich und England nahm er 1844 in Wien histologische Untersuchungen auf und wurde als Schüler von Carl von Rokitansky 1849 habilitiert.
Am 7. Dezember 1853 wurde er zum außerordentlichen,<ref>Amtlicher Theil. In: Vereinigte Laibacher Zeitung / Laibacher Zeitung, 22. Dezember 1853, S. 1 (online bei ANNO).</ref> am 3. August 1871<ref>Kleine Chronik. Ernennung. In: Wiener Sonntags-Zeitung / Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 3. September 1871, S. 3 (online bei ANNO).</ref> zum ordentlichen Professor für Histologie an der Universität Wien ernannt. Damit war er erster Lehrstuhlinhaber für Histologie im deutschsprachigen Raum. Ab dem Studienjahr 1873/74 hatte er darüber hinaus das Amt des Prodekans der medizinischen Fakultät inne.<ref>Von der Wiener Universität. In: Das Vaterland, 19. September 1873, S. 3 (online bei ANNO).</ref> Für das Studienjahr 1883/84 wurde er zum Rektor der Wiener Universität ernannt.<ref>Von der Universität. In: Das Vaterland, 23. September 1883, S. 5 (online bei ANNO).</ref> Anfang August 1884 wurde Carl Wedl auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt und erhielt „in Anerkennung seiner verdienstvollen Wirksamkeit den Titel eines Hofrathes“.<ref>Hof- und Personalnachrichten. In: Morgen-Post, 8. August 1884, S. 3 (online bei ANNO).</ref>
Am 21. September 1891 „fühlte er sich morgens unwohl, wurde bald darauf bewusstlos und starb unter den Erscheinungen einer Hemiplegie“.<ref name="18911008WKW" />
Nachwirkungen und Ehrungen
Carl Wedl hinterließ sein gesamtes Vermögen testamentarisch der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften „in Würdigung der Bestrebungen dieser Classe, welche er seit dem Jahre 1849 als correspondirendes Mitglied angehörte“. Hieraus waren „zunächst drei Leibrenten an Verwandte“ zu zahlen, „welche etwas mehr als die Hälfte des Erträgnisses in Anspruch nehmen, während der Rest zur Verfügung der Classe für Unterstützung wissenschaftlicher Arbeiten verbleibt. Nach Erlöschen der Leibrenten steht das ganze Erträgniss zu gleichem Zwecke zur Verfügung der Classe.“<ref>Hofrath Wedl's Nachlass. In: Allgemeine Wiener medizinische Zeitung / Allgemeine Wiener medizinische Zeitung. Organ für Medizin und Volkswirthschaft, 20. Oktober 1891, S. 10 (online bei ANNO).</ref> Aus diesem Legat erhielt Leopold Langstein eine finanzielle Förderung zur „Ausführung von chemischen und experimentellen Studien über die Zucker-Eiweissfrage“.<ref>Die kaiserl. Akademie hat über Antrag der mathem.-naturw. Classe folgende Subventionen bewilligt. In: Zeitschrift für Nahrungsmittel-Untersuchung und Hygiene / Zeitschrift für Nahrungsmittel-Untersuchung, Hygiene und Waarenkunde / Oesterreichische Chemiker-Zeitung, Heft 16/1902, S. 370 (online bei ANNO).</ref>
Die von Carl Wedl im Jahr 1864 erstmals im Detail beschriebenen postmortalen Veränderungen an Knochengewebe werden heute in Paläontologie, Archäologie und Forensik als Wedl-Tunnel bezeichnet.<ref name="Hackett, 1981" />
Im September 1910 wurde in Wien-Landstraße (3. Bezirk) die Wedlgasse nach ihm benannt.<ref name="19100916VTL">Gemeindezeitung. Neue Straßenbezeichnungen. In: Das Vaterland, 16. September 1910, S. 7 (online bei ANNO).</ref>
Schriften
- Über die Haarsackmilbe (Acarus folliculorum). In: Zeitschrift der k. k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien, Heft 9/1847, S. 177–193 (online bei ANNO).
- Beiträge zur Lehre von den Hämatozoen, 1850
- Beiträge zur Anatomie des zweibuckeligen Kameeles (Camelus bactrianus), 1852 (mit Franz Müller)
- Grundzüge der pathologischen Histologie, 1854
- Über das Nervensystem der Nematoden 1855
- Über einige Nematoden, 1856
- Charakteristik mehrerer grössentheils neuer Tänien, 1856
- Über ein in den Mägen des Rindes vorkommendes Epiphyt 1858
- Anatomische Beobachtungen über Trematoden, 1858
- Über die Bedeutung der in den Schalen von manchen Acephalen und Gasteropoden vorkommenden Canäle, 1859
- Beiträge zur Pathologie der Blutgefässe, 1859
- Über einen im Zahnbein und Knochen keimenden Pilz, 1864
- Atlas zur Pathologie der Zähne, 1869 (mit Moritz Heider)
- Über die Haut-Sensibilitätsbezirke der einzelnen Rückenmarksnervenpaare, 1869 (mit Ludwig Türck)
- Pathologie der Zähne, mit besonderer Rücksicht auf Anatomie und Physiologie, 1870
- Histologische Mittheilungen. Zur Anatomie der Milz, 1871
- Zur pathologischen Anatomie des Glaukoms, 1882
- Der Aberglaube und die Naturwissenschaften, 1883
- Pathologische Anatomie des Auges, 1886
Literatur
- Constantin von Wurzbach: Wedl, Karl. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 53. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1886, S. 228–231 (Digitalisat).
- Julius Leopold Pagel: Wedl, Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 417.
- Alma Kreuter: Deutschsprachige Neurologen und Psychiater. Saur, München u. a., 1996, S. 1542.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Hackett, 1981"> C. J. Hackett: Microscopical focal destruction (tunnels) in exhumed human bones. In: Medicine, Science and the Law, Band 21, Nummer 4, 1981, S. 243–265. </ref> </references>
Weblinks
- Eintrag zu Carl Wedl im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wedl, Carl |
| ALTERNATIVNAMEN | Wedl, Karl |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Pathologe |
| GEBURTSDATUM | 14. Oktober 1815 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 21. September 1891 |
| STERBEORT | Wien |