William Zimdin
Wilhelm Julius Arthur Zimdin, auch William D. Zimdin<ref group="Anm.">In allen bekannten Veröffentlichungen der Jahre 1911 bis 1936 wird er W. D. Zimdin genannt</ref>, (* 21. Dezember 1880 in Dorpat,<ref>Vaba Eesti Sõna = Free Estonian Word : Estonian weekly 14 november 1996 — DIGAR Eesti artiklid. Abgerufen am 24. Juli 2022.</ref> Gouvernement Livland; † 4. März 1951 in Santa Barbara, Kalifornien) war ein international tätiger Unternehmer, Investor, Immobilienhändler sowie Hotel- und Casinobesitzer.
Leben
Zimdin stammte aus dem russischen Gouvernement Livland. Er begann in der Holzwirtschaft und betrieb eine Fabrik in Nowosibirsk in Sibirien unter der Firma W. D. Zimdin.<ref>Information on Drykilns. In: Manufacturers Record Publishing Co. (Hrsg.): Manufacturers Record. Band 50. Baltimore 1911, S. 54 (Volltext in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Seine ersten großen internationalen Geschäfte fanden 1920 statt und betrafen den Handel zwischen den USA und der Sowjetunion. In Stockholm gab es eine Aktiebolaget W. D. Zimdin<ref>Registration of familiar trade-marks abroad. In: Bureau of Foreign and Domestic Commerce (Hrsg.): Commerce Reports. Band 36. United States Department of Commerce, 1924, S. 626 (Volltext in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> und in Riga eine W. D. Zimdin Handels- und Industrie-AG<ref>East-service edition (Hrsg.): Adresnai︠a︡ Kniga "Torgovli︠a︡ i Promyshlennostʹ Latvii". East-service edition, 1926, S. 78. (lettisch)</ref> 1921 erwarb er das Palais Blücher am Pariser Platz in Berlin, das er 1931 mit großem Gewinn der US-amerikanischen Regierung zu Zwecken der Einrichtung ihrer Botschaft verkaufte.<ref>Laurenz Demps: Der Pariser Platz. Der Empfangssalon Berlins. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1995, ISBN 3-89487-215-2, S. 134.</ref> Zimdin war auch im Kalibergbau aktiv; 1923 wurde er Aufsichtsratsmitglied der Wintershall AG<ref>Walter Roth (Schriftleiter): Kalidüngemittel. In: Chemiker-Zeitung. Band 46, Nr. 128. Verlag der Chemiker-Zeitung, Cöthen 1922, S. 976 (Volltext in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>, an der er größere Anteile hielt. Er unternahm größere Immobilieninvestitionen im Bereich des österreichischen Kurorts Semmering. Er war von 1930 bis 1938 der Eigentümer des Hotel Panhans am Semmering, das er durch kluge Investitionen wieder in die Gewinnzone brachte. Auch das 1945 zerstörte „Grandhotel Erzherzog Johann“ auf der Passhöhe war sein Eigentum. Zimdin wurde damals als „Retter des Semmering“ gefeiert.
Zimdin ließ sich in Dubrovnik die orientalisierende Villa Šeherezada errichten, die mit ihrer blauen Kuppel zu einem der Wahrzeichen der Stadt wurde.
Nach 1938 konzentrierte der Millionär, der wegen seiner jüdischen Herkunft seine Unternehmungen im Einflussgebiet des Nationalsozialismus einstellen musste, seine Aktivitäten auf die USA. 1945 begann er, in großem Stil Hilfspakete an Freunde und ehemalige Angestellte nach Europa zu schicken. Er errichtete 1948, drei Jahre vor seinem Tod, eine bedeutende wohltätige Stiftung, die in der Folge von seinem Geschäftspartner Dezső (Denis) Karczag geleitet und ausgebaut wurde. 1957 wurde sie in Direct Relief umbenannt. Direct Relief International mit Sitz in Santa Barbara, Kalifornien, liefert heute Medikamente an über 50 Länder im Umfang von zuletzt über 200 Mio. Dollar pro Jahr.
Literatur
- Eduard Aberham: Panhans. Ein Hotel und seine Menschen. Kral Verlag, Berndorf 2017, ISBN 978-3-99024-681-8.
- Desiree Vasko-Juhasz: Die Südbahn. Ihre Kurorte und Hotels. Böhlau, Wien u. a. 2006, ISBN 3-205-77404-3. (= Semmering Architektur, Band 1.)
- Werner Röder, Herbert A. Strauss: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1, Politik, Wirtschaft, öffentliches Leben. K. G. Saur, München 1980, ISBN 0-89664-101-5, S. 848.
- Robert Johann Pap: Wiedergefundenes Paradies. Sommerfrischen zwischen Reichenau und Semmering. Verlag NÖ Pressehaus, St. Pölten 1996.
- Nachruf auf William Zimdin. In: Semmeringer Nachrichten, Nr. 4/1951, S. 12.
- Oliver Rathkolb: „Onkel aus Amerika“ oder „Lettischer Jude“? Die vielen Mythen über William D. Zimdin. In: Danielle Spera (Hrsg.): Stammgäste. Jüdinnen und Juden am Semmering. Amalthea, Wien 2024, ISBN 978-3-99050-269-3, S. 102–111.
Weblinks
- Homepage Direct Relief
- Estonian Americans auf www.everyculture.com
- Zu W. D. Zimdins Immobilienoperation am Pariser Platz. auf abo.tagesspiegel.de (paywall)
Anmerkungen
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Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Zimdin, William |
| ALTERNATIVNAMEN | Zimdin, Wilhelm Julius Arthur (vollständiger Name); Zimdin, William D. |
| KURZBESCHREIBUNG | Unternehmer, Investor, Immobilienhändler, Hotel- und Casinobesitzer |
| GEBURTSDATUM | 21. Dezember 1880 |
| GEBURTSORT | Dorpat, Gouvernement Livland |
| STERBEDATUM | 4. März 1951 |
| STERBEORT | Santa Barbara, Kalifornien |
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