Coccinit
| Coccinit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Cci<ref name="Warr" /> |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel | Hg2+I2 |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Halogenide |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
III/A.04 III/A.08-060<ref name="Lapis" /> 3.AB.10 09.02.07.03 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | tetragonal |
| Kristallklasse; Symbol | ditetragonal-dipyramidal; 4/m2/m2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P42/nmc (Nr. 137)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 4,38 Å; c = 12,41 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="StrunzNickel" /> |
| Häufige Kristallflächen | {100}, {102}<ref name="Witzke" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2<ref name="Lapis" /> |
| Dichte (g/cm3) | 6,36<ref name="Mineralienatlas" /> |
| Spaltbarkeit | deutlich bis gut nach {001}<ref name="Mindat" /> |
| Farbe | rötlichbraun, orange, rot<ref name="Lapis" /> |
| Strichfarbe | orangerot,<ref name="Lapis" /> rot<ref name="Witzke" /> |
| Transparenz | durchscheinend<ref name="Mindat" /><ref name="Witzke" /> |
| Glanz | nicht definiert |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | sehr giftig<ref name="Mineralienatlas" /> |
Coccinit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Halogenide. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Hg2+I2, ist also chemisch gesehen ein Quecksilber(II)-iodid.
Coccinit entwickelt nur millimetergroße Kristalle und pulvrige Überzüge bzw. Krusten von scharlachroter oder orangeroter bis brauner Farbe bei orangeroter Strichfarbe.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Coccinit bei Casas Viejas in Mexiko und beschrieben 1829 von Del Rio als Iodure de Mercure (deutsch: Iodmercur<ref name="Naumann" /> bzw. Iodquecksilber oder Quecksilberjodid<ref name="Günther" />).
Seinen bis heute gültigen Namen erhielt das Mineral 1845 durch Wilhelm von Haidinger, der es in Anlehnung an seine Farbe nach dem lateinischen Wort coccineus für „scharlachrot“ benannte.<ref name="Chester" />
Da der Coccinit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Coccinit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Coccinit lautet „Cci“.<ref name="Warr" />
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />
Klassifikation
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Coccinit zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung „Einfache Halogenide“, wo er gemeinsam mit Kalomel in der „Kalomel-Reihe“ mit der Systemnummer III/A.04 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer III/A.08-060. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Einfache Halogenide“, wo Coccinit zusammen mit Fluorit, Fluorocronit, Frankdicksonit, Gagarinit-(Ce), Gagarinit-(Y), Håleniusit-(La), Laurelit, Polezhaevait-(Ce), Strontiofluorit und Tveitit-(Y) eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer III/A.08 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Coccinit in die neu definierte Abteilung „Einfache Halogenide ohne H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis von Metall zu Halogenid. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : X = 1 : 2“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 3.AB.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Coccinit die System- und Mineralnummer 09.02.07.03. Das entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Halogenide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie und wasserhaltige Halogenide mit der Formel AX2“ in der „Cotunnitgruppe“, in der auch Cotunnit und der 2006 diskreditierte Hydrophilit eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Coccinit kristallisiert in der tetragonalen Raumgruppe P42/nmc (Raumgruppen-Nr. 137) mit den Gitterparametern a = 4,38 Å und c = 12,41 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Eigenschaften
Das Mineral ist sehr giftig, ein direkter Kontakt ist daher möglichst zu vermeiden.<ref name="Mineralienatlas" />
Bildung und Fundorte
Aufgrund der extremen Seltenheit von Coccinit ist bisher wenig über die Bildungsbedingungen des Minerals bekannt. Selbst die Typlokalität Casas Viejas und bisher einziger bekannter Fundort in Mexiko gilt laut Mindat.org aktuell als nicht gesichert (Stand 2025).<ref name="Mindat-CasasViejas" /> 1997 konnte allerdings der deutsche Mineraloge Thomas Witzke durch einen Coccinitfund im ehemaligen Uran-Tagebau Lichtenberg (Thüringen, siehe auch Lagerstättenbeschreibung bei der Wismut AG) feststellen, dass Coccinit als Sublimationsprodukt beim Verbrennen von pyritischem, graptolithischem Schiefer entstehen kann. Ihm zufolge sind aber auch andere Vorkommen bekannt, bei denen teilweise keine Verbrennung stattfindet.
Außer im Tagebau Lichtenberg in Thüringen konnte das Mineral in Deutschland nur noch in den Gruben Backofen und Carolina am Moschellandsberg in Rheinland-Pfalz entdeckt werden. Der einzige weitere bekannte Fundort weltweit ist Broken Hill (New South Wales) in Australien (Stand 2025).<ref name="Fundorte" />
Literatur
Weblinks
- Coccinit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Coccinite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Coccinite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Chester"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Coccinit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 3. November 2025. </ref> <ref name="Günther"> Indra Günther: Alte Mineralnamen und Synonyme. (PDF; 2,8 MB) In: indra-g.at. 22. Mai 2008, abgerufen am 3. November 2025. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – C. (PDF 312 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 3. November 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Coccinite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-CasasViejas"> Coccinite from "Casas Viejas", Mexico. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Coccinit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 3. November 2025. </ref> <ref name="Naumann"> Carl Friedrich Naumann: Elemente der Mineralogie. W. Engelmann, Leipzig 1859, S. 379 (Digitalisat in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Coccinite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Witzke"> </ref> </references>